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für Stadt- und Land» trete Hanau 10 ^ Mt sgespaltme Garmond- zeile oder deren Kaum,

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Amtliches <§rgsn für $faöf- unö LanöKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Jm Reklamentheil dir Z-ilr 20 ^, ft, LuSwärt» 30 ^,

Nr. 170

Montag den 24 Juli

1899

«mtNches

Stadt- und Landkreis Hanau.

Der Herr Regierun gs-Präsident zu Cassel hat die Abhaltung des Viehwarktes am Mittwoch ton 26. -. Mts. ge= nehmigt, fells die Maul- und Klauenseuche nicht zunimmt. Ich mache hierbei auf Nachfolgendes noch besonders auf­merksam :

Sämmtliche Wiederkäuer und Schweine, und zwar so­wohl die mit der Eisenbahn wie auch die unter Benutzung der Landwege auf den Markt gebrachten, dürfen nur durch die vom hiesigen Oberbürgermetsteramte veröffentlichten Stadt- eingänge (Kontrolstationen) eingebracht werden.

Nach § 3 der landespolizeilichen Anordnung vom 21. 6. 1897 ist das Ausbringen von Wiederkäuern und Schweinen auf den Viehmarkt nur dann gestattet, wenn den markt- polizeilichen Organen eine von der zuständigen Ortrbehörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, darüber, daß in der Ursprungsgemeinde seit 4 Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche bet Schweinen: weder die Maul- und Klauenseuche, noch eine der Schweincseuchen herrscht, und daß die Ursprungsgemeinde in den letzt n 4 Wochen nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59a der Bundes- rathsinsttuktion gehört.

Die Bescheinigungen haben eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.

Der Transport von Schweinen und Kälbern darf nicht durch Treiben erfolgen, sondern die Thiere müssen getragen oder gefahren werden.

Schließlich verweise ich noch auf die Polizei-Verordnung «" ^XTl^' ** We ^»«'ung »d,r tot An, und Verkauf von Rindvieh, Schafen, Schweinen, Pferde« durch Viehhändler.

Hanau den 24. Juli 1899.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P. 6045 v. Schenck.

Dimstnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Am 16. d. Mts. ein Hundehalsband mit drei gelben Steuermarken, einem gelben Ringe und gelben Knöpfen versehen. Am 18. d. Mts. einBierzipfel" (Uhr­kette). Am 20. d. Mts. ein gelbes Herrenportemonnaie mit 33 Mark Inhalt. Am 22. d. Mts. ein langer Brief, an das Hauptsteueramt hier adressirt.

Gefunden: Zwischen Wachen- und Mittelbuchen ein Päckchen, enthaltend Gurte rc.; Empfangnahme bei dem Bürgermeister Herrn Stein, Wachenbuchen. Eine Wagen­

kapsel vor dem Kanalthor. Ein kleines Korallenarmband in der Philippsruher Allee. Am 17. d. Mts. eine schwarze Frauenschürze. Am 22. d. Mts. eine Peitsche.

Zu geflogen: Am 21. d. Mts. ein Kanarienvogel.

Aus gefangen: Am 22. d. Mts. ein Ferkel.

Gelandet: Am 21. d. Mts. in der Kinzig ein Kahn.

Zugelaufen: Am 23. d. Mts. ein junger schwarzer Jagdhund.

Hanau am 24. Juli 1899.

Peter Würz von Langenselbold ist zum Nachtwächter der Gemeinde Langenselbold bestellt und verpflichtet worden.

Hanau am 17. Juli 1899. ' V. 7270

SL^HLA^eis ^anau. BeksMtAachuugLk des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Urliste derjenigen hiesig-n P rsonen, welche zu dem Amt eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, ist vom 25. d. Mts. ab eine Woche lang auf dem Rathhause Zimmer Nr. 21 aus gelegt. Innerhalb dieser Frist können Einsprachen gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Liste. bei uns angebracht werden.

Hanau den 21. Juli 1899.

Der Magistrat.

Bodel 11359

Die Flöte von Bergen."

Hat sich auch die erste Aufregung in Frankreich über die Bergener Begrüßung gelegt und das leidenschaftliche Für und Wider in Sachen einer deutsch-französischen Annäherung von neuem dem innern Streite, namentlich über Dreyfus, Platz gemacht, so wirkt doch das Ereigniß in den Bettachtungen der ruhigern und besonnener« Köpfe fort und kommen noch verspätete Kommentare, die nicht die schlechtesten sind. So hat Whist, unter welchem Namen sich der ehemalige franzö- sische Diplomat Valfrey verbirgt, imFigaro" einen Artikel überdie Flöte von Bergen" veröffentlicht, in dem er die Dummheiten" seiner Landsleute, denen dem deutschen Kaiser gegenüber eine Bosheit immer noch leichter fällt, als ein Kompliment verurtheilt, Dummheiten nämlich wie die, zu glauben, daß Kaiser Wilhelm mit dem Betreten französischen Bodens auf einem Kriegsschiff, von dem j tzt thatsächlich zum ersten Male die Kaiser-Standarte geweht hat, einen Besuch der Pariser Weltausstellung habe vo bereiten wollen, oder das Ereigniß in eine gänzlich unmögliche Beziehung zu der alles beherrschendenAffaire" zu setzen.

Whist tadelt es, daß nicht schon zur Zeit der Faschoda- Frage die Möglichkeiten einer Annäherung ausgiebig erörtert worden seien, und mißt dabei einen Theil der Schuld der deutschen Preffe zu, die erst solche Erörterungen angeregt, dann aber kühl zurückgewiesen habe. Das ist ein Irrthum, die Anregung war lediglich von französischer Seite ausge- gcngen, wo man sich in der Verlegenheit, eine demüthigende Niederlage zu vermeiden, plötzlich darauf besann, daß doch bessere Beziehungen zu Deutschland, namentlich in über­seeischen Fragen, für Frankreich recht nützlich sein könnten.

Diesen Gedanken spinnt jetzt auch Whist weiter, indem er schreibt: Durch den Bund mit R.ß'and sei Frankreich aus seiner Jsolirung Heransgekommen, jetzt müsse es auf dem Meere, außerhalb Europas, mit Deutchland eine auf volle Gegenseitigkeit gegründete Verständigung erzielen. Die Schwie­rigkeit liegt aber darin, den Glauben au eine aufrichtige Gegenseitigkeit zu befestigen, was so lange nicht der Fall sein kann, als Deutschland befürchten muß, in europäischen Ver­wicklungen stets Frankreich gegen sich zu haben. H^rr Whist ist schließlich nur ein unverantwortlicher Exdiplomat. Bis aber die öffentliche Meinung in Frankreich durch ruhige Geister, wie er, so weit aufgeklärt sein wird, daß die verant­wortlichen Staatsmänner die Unabänderlichkeit des Frank­furter Friedens offen verkünden dürfen, wird die deutsche Politik in ihrer ebenso vorsichtigen wie versöhnlichen Zurück­haltung beharren müssen.

Tagesschau

Jahrbuch des Deutschen Flotten-Dereins.

Es ist eine erfreuliche Thatsache, daß in i en letzten zwei Jahren in Deutschland metr Schriften über Mariuefragea und über die deutsche Kriegsmarine erschieaen sind und auch gelesen werden, als in Jahrzehnten vorher; es ist nicht minder erfreulich, daß das Verständniß für die Ausgaben der d utschm Kriegsmarine in immer weitere Kreise zu dringen begonnen hat. Das Bedürfniß nach Aufklärung auf diesem Gebiete ist aber keineswegs gedeckt. Aus zahlreichen Zuschriften nnd An­fragen hat das Präsidium des Deutschen Flotten-Vereins die Erfahrung gewonnen, daß es an einem genauen sach- und fachgemäß-n, auch für den Laien verständlichen Nachschlagebuch selb, aus welchem Kenntniß üb r alle auf die Kriegs- und Hände smarine bezüglichen Fragen auch für Vorträge geschöpft werden kann. Das Präsidium hat deshalb den Entschluß ge­faßt, durch die Herausgabe einesJahrbuch des Deutschen Flotten Vereins" diesen Wünschen Rechnung zu tragen. Soll es aber seine Ausgabe erfüll n, so muß .es nicht allein die auf D.utschland bezüglichen Materialien bringen, sondern auch die Kriegs- und Hanoelsmarinen aller der mit Deutschland konkurri- en en fremden Staaten m t in das Bereich desJahr-

^«mitteten.

Das Räthsel der Gedankenübertragung.

Ein Jeder hat wohl schon Gelegenheit gehabt, in den Varikös jene Nummer vorgeführt zu sehen, die, fast an's Uebernatürliche streifend, das Publikum stets in daS leb­hafteste Erstaunen versi tzte: die Gedankenübertragung. Das Vollkommenste in dieserArbeit" haben vielleicht die S v e n g a l i s" geleistet. Nun ver öffentlicht Herr Dr. H. L u x in der von ihm redigirten reichhaltigen Wochen­schriftMutter Erde" (Verlag von W. Spemann in Berlin und Stuttgart) eine Erklärung des Vorgangs, über den sich so Viele vergeblich den Kopf zerbrochen. Herr Dr. Lrx schreibt :

Der Vorgang, der sich absp'elte, war etwa folgender: Auf der Bühne erschienen zwei Herren und eine Dame. Ein Herr nahm, mit dem Rücken gegen daS Publikum gewandt, vor einem Toilettentisch mit Kleidcispind Pletz, die Dame setzte sich, ebenfalls mit dem Rücken gegen das Publikum, an ein Piano, der andere Herr begab sich von der Bühne in das Publikum. Von durchaus unverdächtig,en An­wesenden ließ sich dieser Herr nun irgend eine beliebige Melodie leise nennen oder den Namen irgend einer beliebigen bekannten Person in das Ohr flüstern, wobei cS vollständig ausgeschlossen war, daß die auf der BShne befindliche» Personen das hören konnten, waS im Publikum geflüstert wurde. Kaum aber war irgend eine Melodie näher be­zeichnet worden, so wurde dieselbe auch schon von der Dame am Klavier gespielt, beziehungsweise gesungen. Ebenso wurde von dem Herrn an dem Toilellentisch die dem Impresario genannte Person in Maske und Kleidung genau dargestellt, wobei die Dame an dem Klavier auch noch

eine für die betriff erbe Person charakteristische Melodie intonirte. Waren-diese Produktionen schon im höchsten Grade verblüffend, so stieg das Staunen doch auf's Höchste, wenn der Mimiker auf der Bühne einen Anwesenden aus dem Publikum, der bem Impresario bezeichnet worden war, ohne daß der Mimiker dies beobachten konnte, genau k o p i r t e.

In erster Linie wer es schon überraschend, daß die Mit­wirkenden aus der Bühne ein überaus reichhaltiges Repertoire besaßen, und daß fast kein bim Impresario ertheilter Auftrag unerfüllt blieb. Dadurch aber, daß diese Aufträge den Artisten in sinnlich nicht wahrnehmbarer Weise übermittelt wurden, gewann He ganze Schaustellung ein so v ystisches Air, daß selbst vormtheilslose Zuscharer keine andere Er- bärurg zu finden vermochten, als 'piritistische oder doch zum Mindesten hypnotische bezw. suggestive Gedankenübertragung anzurehmen.

Abgesehen davon, daß mit dieser Erklärn! g im Grunde gar nichts erklärt ist, weil an die Stelle eines ge- heimnißvollen Vorganges nur ein ebenso geheimnißvollts Wort getreten ist, mit dem die Meisten durchaus keinen Be- gr ff verbinden, ist in dem vorliegenden Falle eine hypnotische Gedankenübertragung vollständig ausgeschlossen, weil man sich den Vorgang in sehr einfacher, rein mechanischer Weise zu erklären vermag.

Wie bei allen derartigen Vorführungen, handelt es sich auch hier nur um einen ganz simplen Trick, um einen Trick von derselben Qualität, wie er täglich in den mannig- faltigstkn Variationen von Taschenspielern rc. ausgeführt wird.

Die einfachste Erklärung wäre natürllch die Annchme der Mitwirkung von Helfershelfern unter dem Publikum, aber wie bereits erwähnt, muß diese Annahme verworfen werden, weil die Aufträge von einwandSfreien Personen an1

I den Impresario ertheilt wurden, wobei na'ürlich nicht ausge- ; schlöffen sein soll, daß der eine ooer der andere Aufirag auch ! von Eingeweihten ertheilt wurde, um der Truppe die Geltgeu- Heit zu geben, b it gewissen Glanznummern prunken zu i können. Wie aber ist die Gedankenübertragung auf einfach mechanischem Wege zu erklären? Sehr einfach 1 Der Impresario setzte sich eben mit seinen Mitwirkenden auf t e l e g r a p h i sch e m Wege in Verbindung!

Die meisten te legraphischen Depeschen werden heute in der Weise übertragen, daß man an der Sendestelle den elek­trischen Strom vermittelst eires sogenannten Stromschlüffels auf längere oder kürzere Zeit schließt. In diesen Strom­kreis ist auf der Empfange station ein Elektromagnet einge­schaltet, der crtsprecherd der längeren oder kürzeren Strom­dauer seinen Anker längere oder kürzere Zeit hindurch ange­zogen hält, so daß ein mit dem Anker verbundener Stift auf einem bewegten Papier streifen längere oder kürzere Striche marlirt. Die Komkination von längeren und kürzeren Strichen ermöglicht es leicht, alle Buchstaben darzu- ftellen, wie dies in der Telegraphie bei dem Morse- Alphabet der Fell ist Der geübte Telegraphist hat es nun durchaus nicht röthig, die Depesche vom Pcpier abzn- lesen, er hört vielmehr bereits aus dem Geräusch des an- gezogenen Ankers heraus, welche Buchstaben von der ent- ferntkn Station telegraphirt worden sind. Auf sehr vielen Telegraph« lir.ien, besonders in Amerika, aber in letzter Zeit auch in Deutschland, sind deshalb anstatt der Morse-Schreib- apparate sogenannteM o r s e k l o p f e r" in Gebrauch ge­kommen.

Mit derartigen Morseklopfern wird auch in dem vor­liegenden Falle operirt. Der Anker des Elektromagneten wirkt auf einen dünnen Stift, der in den Fußboden der Bühne eingelassen ist, und auf den die handelnde Person auf der Bühne ihren Fuß stellt. Um die Anschläge des