Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

/ Zugleich t) Amtliches Grgan für Staöt- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

' InJ ^HTnmWrlWWMmtlMUU.1 iri.u~r~ ---^,^- '-----r-irsrrsr -1W1FIITMr nir~i-------s in " - -71----n-----------rm. i

«inrätfaagf» gebühr

für Stadt- und Land» trei8 Hanau 10 ^ Me 4gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärtg 15 4

Jm Reklamentheil die Zeile 20 ^ ffa

LuSwärtS 30 ^.

Nr. 169

Samstag deu 22. Juli

1899

»B^M

Amtliches

^an^Ur^t^ e^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Der Ziegeleibesitzer Reinhold Opificius zu Bocken- heim beabsichtigt auf seinen in der Gemarkung Mittelbttchett belegenen Grundstücken Kartenblatt Nr. 5, Parzelle 25 Artikel Nr. 360 der Grundsteuermutterrolle, Grundbuch Band XI, Artikel 572 eine Dampfziegelei einzurichten und zu betreiben.

Gemäß § 17 der Gewerbeordnung wird dieses mit dem Hinzufügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß etwaige Einwendungen gegen diese Anlage innerhalb 14 Tagen mündlich oder schriftlich hierselbst angebracht werden können.

Nach Ablauf dieser Frist werden Einwendungen nicht mehr berücksichtigt.

Zur Erörterung der _ rechtzeitig eingegangenen Rekla­mationen wird Termin auf

Mittwoch den 9. Attgnst d. Js., vormittags 10 Uhr, in das Sekretariat des Kreisausschusses Zimmer Nr. 22 des Landrathsamtsgebäudes, woselbst auch die Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage ausgelegt sind, anberaumt.

Die Betheiligten werden zu diesem Termin mit dem Bemerken hierdurch eingeladen, daß bei ihrem Ausbleiben gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Hanau am 19. Juli 1899.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

A, 3355 v. Schenck. 11314

Dienstnachrichtcii aus dem Kreise.

Verloren: Ein goldener Damenring mit rothem Stein. Am 21. d. Mts. ein Kontobuch, auf den Namen Neidig lautend. Am 14. d. MlS. ein Hakenspazierstock.

Gefunden: Am 18. d. Mts. ein altes schwarzes Portemonnaie mit Inhalt. Am 16. d. Mts. im Kaiserhof ein goldener Herreuring. Am 21. d. Mts. auf dem Parade- platz ein Uhrgehänge.

Hanau am 22. Juli 1899.

Bekanntmachung.

Der seitherige Kassen- und Rechnungsführer der Orts­krankenkasse für den Landkreis Hanau, Herr G. G a s ch e von Longenselbold, ist auf seinen Antrag von den Geschäften der Kasfinführung entbunden und der Kassincehülfe Ludwig

FEMetSM

Neue Renaissance.

Streifblicke auf Vergangenes und Erstandenes.

Von Victor Hertrl, Philippsruhe-Kesselstadt.

Wormse, du stattliche Magd, die sich schlingt in den laugen Reigen rheinischer Städte. In jungem Glänze schmückt dich ein Gürtel von freundlichen Anlagen, imposanten Gebäuden

und Villen, die fast gänzlich drm Nahenden dein doch schon so ehrwürdiges Alter verhüllen, dcch du umfängst den Wanderer bald mit dcn steinernen Armen der alten Umfassungsmauern die hier nud ta roch eu8 dem Grün der Gärten emporragen und zu deren terrvfsen artigem Bau eine natürliche Grundlage bilden; an deinem Herzen denn das ist er, der erhabene Dom, ruht sich der bewundernde Blick und staunend steht er die kühnen hochstrebtnden Wölbungen im Innern die Herzenk- kammern erschlossen. Eines der ältesten kirchlichen Baudenkmale in Deutschland, dsssev Grundstein im Jahre 996 gelegt vnd das im Jahre 1016 durch Erzbischof Burkard eingeweiht worden, ist 'dieses Gotteshaus heute noch die stolze hoch­ragende Zierde der Stadt in fast unvergänglicher Festigkeit seiner Fundamente. Eine Wappertafel alter Wormser Ge­schlechter, die sich in der mit verschiedenen alten Skulpturen und Grabdenkmalen von künstlerischer Ar fführung geschmückten Tauf- kapelle findet, weist auch auf die heute noch blühende Familie der Hipl p. a. Patrizier und biS in weit zurückliegende Zeiten hinaus. Der hohe Westchor der Kirche ist zur Zeit wegen nöthiger Reparatur geschlossen. Unmittelbar an die Tiürme der Westseite schließt sich der herrliche Garten des Frhr. von He yl'scheu Befitzthnuis, welcher dem Fremden zugänglich ist und wohl eiren Rendgarg lehrt. Wcrms, die-Stadt alt- ehrwürdiger Vergangn hüt und intenffenter Geschichte, der

Zimmermann von Hanau zum Kassen- und Rechnungs- sührer vom 1. August er. ab bestellt worden.

Hanau den 20. Juli 1899.

Der Vorstand

der Oriskrankenkasse für den Landkreis Hanau.

A. Pfosch. 11257

Tagesschau.

In siamesische Dienste

treten deutsche Postbeamte in nächster Zeit ein. Es sind dies die Postassistenten Schelle aus Koblenz, Vollweiler aus Heidelberg und Schlemann aus Hilden. Vor untr Reihe von Jahrm ist das Post- und Telegraphenwesev in Siam durch höhere deutsche Beamte neu eingerichtet worden. Zur Zeit bifin et sich nur ncch Ober-Postasststent Collmann dort und bekleidet die einflußreiche Stelle eines Rathes beim General­direktor ler sieuufischen Posten und Telegraphen. Die jetzt nach Siam beurlaubten drei Beamten, auf deren baldige Ucberweisung dort besonderer Werth gelegt d, sollen außer dem Postdünst namentlich auch im Telezrophendievst ver­wendet werden. Zu ihren Hauptaufgaben wird gehören, einen Unterrichtekursus in der Telegraphie abzuhalten. Ihre Diensibezüge sind gegen früher bedeutend erhöht worden.

In seinem neuen Gewehegeschotz,

das nur mit Geschoß Marke IV bezeichnet wiid, hat Eng­land sich einen völligen Ersatz für das verrufene Dum-Dum-Ge- schoß hergestellt, da das neue Geschoß dieselbe verstümmelnde und zerreißende Wirkung besitzt, um deren willen das Dum- Dum- Geschoß von englischer Seite als so vorzüglich im Kampfe gegen Wilde und Fanatiker gepriesen wurde. Im englischen Parlament gibt es aber noch Mitglieder, die Gefühl für die Grausamkeit der Verwendung solcher ixpandirenden Geschosse haben. So fragte Mr. Davitt beim Finanzsekretär des Kriegsministeriums, Mr. Wyndham an, ob in Woolwich Geschosse Marke IV für die Armee hergestellt würden, ob davon über 200 Millionen als Reserveausrüstung gefertigt und gelagert würden, ob die britischen Soldaten in Süv- afrika mit diesem Geschoß verseben seien und ob das Geschoß so koustruirt sei, d ß es beim Eindringen in den menschlichen Körper expandire und deshalb die Eigenschaften des Dum- Dum-Geschosses besäße. Ueber die Stückzahl verweigerte der Sekretär die Auskunft. Die übrigen Fragen bejahte er voll. Auf weitere Anfragen sagte Mr. Wyndham, daß das probe­weise bei einigen Bataillonen eingeführte Geschoß Marke IV sich in den Kämpfen bei Omdurman gfgen die Eingeborenen sehr gut b:währt habe. Da ron dem neuen Geschoß so riesige Mengen gefertigt sind, so ist es unwahrscheinlich, daß d'e englische Kriegsleuung von nun ob verschiedene

Schaupletz denkwürdigster Begebenheiten und vieler bürger­licher Kämpfe, besitzt in dem Paulus-Museum eine reiche, durch den Eifer einzelner Wohlthäter zusamu engeüaßene Sammlung von Alterthümern; in dem bekannten prächtigen Fest- und Schauspielhaus ist eine Schöpfung der Neuzeit entstanden, welche ihrem eigentlichen Zwecke, dem der Ver­anstaltung Volks thümlicher Buhnenspiele j tzt nur noch selten dient und gegenwärtig als Thewer für Vorstellungen der Darmstädter Hosbühne benutzt wird.

Eine großartige Brücke, über den Rhein nach dem rechten Ufer hinüberführend, sieht ihrer baldigen Vollendung entgegen. Von einem durch Deutschland pilgern­den Amerikaner nehme ich Abschied; er hat sich bei der Be­sichtigung des Doms mir angeschlossen, ich tausche einen ver- fiändnißrollen Händedruck mit ihm, und auf das gutgemeinte Wort :Amerika bietet des Großartigen an Natureindrücken doch gewiß viel" gibt er freundlich zur Antwort:Aber in Deutschland hat man Alles und Alls so hübsch nahe beiscmmen l" Er hat Recht. Ich erreiche noch zu guter Zeit Mannheim, die mächtig emporblühende gewerbereiche Handels stakt am Rhein, ein Ctcpclplatz ersten Ranges und ein durch immer neue Fabriken vergrößerte Hafer anlagen, Ein-

richtung wssstujchaftlich-techuischer Jnstntnte bedeiittnd ge= febener Vmort des gesammt n rheinischen Verkehrs. Das alte Fischerdork, das stire erste grcße Blü-Hezeit als Sitz des Hofes unterden be yrisch eu Kurfürstennach dem dreißigjährigen Kriege, besonders unter Karl Theodor, in w ssenschasilicher Be­ziehung und in der Pflege der Künste erreichen sollte, später durch sein Theater unter Dalbergs Leitung und durch die Einführung Schillers kedeutcnl e Geltung und Eil flr ß in der Litteratur r nd drm öffentlichen Leben geistigeren Inhalts erlangte, Mann­heim, cn den Fortschritten auf allen Gebieten eifrig Theil rehmend, sieht jetzt einer Periode höchster Entwicklung ent- .fmr-»r.p>.-.n.n.r...- r^ v», - -- -- gegen und die hier entfaltete Beuthätigkeit regt zu stauuen- verzichte ich vorläufig auf das laue Bad und werfe nur einen Blick

Die heutige Nummer umfatzt außer dem UnterhaltungSblatt 12 Seiten.

Geschosse in Kämpfen gegen Weiße oder Farbige verwenden lassen wird.

Pslitischs und uupolitischs Nachrichten.

(»Depeschen-Bureau ,§erotb).

Berlin, 21. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Vortragenden Rathes im Ministerium des Innern, von Philippsborn, zum Regicruvgs-Prästdenten in Hildesheim.

Kiel, 21. Juli. Am 13. August wird hier eine aus drei Schulschiffen bestehende schwedische Kriegsflotte drei­tägigen Aufenthalt nehmen. Bon der Marinesiation werden für die Gäste mehrere Festlichkeiten geplant.

Dresden, 21. Juli. König Albert empfing mittags im Schlosse Pillnitz die zu seinem 50jährigen Jubi­läum als Ritter des preußischen Ordens pour le märite vom Kaiser entsandte Glückwunschabordnung, bestehend aus dem Generalfeldmarschall Prinzen Albrecht von Preußen, Re­genten von Braunschweig, General von Häseler, General von Lignitz und Generalmajor von Schele. Die Abordnung überreichte im Austrage des Kaisers die goldene Krone zu dem genannten Orden. Nach dem Empfang fand Galatafel zu 40 Gedecken statt.

Augsburg, 21. Juli. Auch gestern Abend nach Ein­bruch der Dunkelheit fanden in der Wertachvorstadt größere Ansammlungen statt, gegen welche die Polizei sofort vorging. Den Platz selbst und die anliegenden Straßen säuberte eine Eskadron Chevauxlegers, die in scharfem Trabe in den Straßen auf- und niederritt. Dadurch wurden die Ansammlungen in der Hauptsache zerstreut. Infanterie war gestern Abend nicht ausgerückt, stand jedoch in Reserve. 18 Verhaftungen wurden vorgenommen und aufrechterhalten.

Wien, 21. Juli. Der Herausgeber derArbeiterztg.", Dr. Adler, wurde wegen des Verbrechens des Auslasses zu einem Monat strengen Arrest verurtheilt, verbunden mit zwei Fastentagen.

Haag, 21. Juli. Die nächste Sitzung der Friedens­konferenz findet am Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche statt. In derselben wird die Akte verlesen werden. Die letzte Sitzung, in welcher dir Abschiedsrede gehalten wer­den wird, wird in den letzten Tagen des August statt- finden.

Brüssel, 21. J-ilr. Heute Nachmittag nach 2 Uhr ent­stand am Südbohuhof eine festige Panik. Der Blitzzug Amsterdam-Brüssel lief in den Perron ein, ohne daß die Bremsen sunktionirtcn. Der Zug zertrümmerte den Prellbock. Glücklicherweise verhinderten die hinter dem Prellbock liegen­den Steine die Räder der Lokomotive, weiter zu laufen,

der Bewunderung an. Auch das imposar te lang und breit dahin gestreckte alte Schloß, eines der größten, die überhaupt exiftiren^ ist eitern gründlichen und kostspieligen Umbau unterworfen und wird im neuen Gewände den Eindruck des Hinfälligen

und Verlassenen bald abgestreift haben. Eine interessante Sammlung von Gemälden macht den Besuch des betr. Schloß­gebäudes lohnenswerth. In der Pflege der schönen Künste sucht Maunheim besonders aus dem musikalischen Gebiete durch den Unterhalt einer gediegenen Oper, eines vorzüglichen Orchesters und die Abhaltung gewählter Konzerte sich einen Platz von allgemeiner Geltung zu sichern. Der Schauspiel­kunst ist ein breiter Boden im Rahmen des Hof- und National- theaters gegebin eine Höhersteigerung der Leistungen dürfte ur ch zu erwarten sein.Alt Heidelberg, du Feine, du Stadt an Ehren reich" sei mir gegrüßt. Abgehetzt vom vielen Schauen, schloss von der Hitze, müde und hungrig, nehmen mich deine einlad'nd herabwinkeuden Berggipfel am Abend in ihren kühlenden Schatten auf. Keinen Schritt weiter! Hcrr Wirth von der Reichspost Sie sind der Nächste dazu ein Zimmer für mich frei?"Bedaure unend­lich, ö'ist Alles vergeben!"Ich bin aber an Sie em­pfohlen !" Er zuckt mit den Achseln; ich sehe, es ist nichts zu machen. Also weiter noch, müde Knochen, nur wenige Schritte. Endlich bin ich geborgen; einerlei wo. Nach wenig erfrischender Kühlung mit dem wie gewöhnlich lauwarmen, Wasser, zwischen den engen Wänden eines In der Sonne liegenden, von der gegenüberstrahlenden Mauerwärme eireS NebevhauseS mit wahrer Gluthatm osphäre erfüllten ZimmerS end­lich ein Augenblick der Erholung nach siüher Morgen fahrt, nach Maesch und Umschau und endlichem Einrollen in die Heidel­berger Bahnhofshallen.Ein Bad, ein Huhn, ein Bett!" pflegte Napoleon I. rasch zu befehlen, wenn er die starke Körper­bewegung heißer Märsche hinter sich hattte. Genügsamer als er