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Zugleich

Amtliches Organ für Stsöl- unS Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Linrückurlgs- gebühr

für Stadt- und Laich» Treia Hanau 10 ^ Nt 4gespaltme Garmond« zeilc oder deren Raum, für Auswärti 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, ffa

Auswärti 30 ^.

M. 160

Mittwoch den 12 Juli

1899

Amtliches.

StcrötKvsis ^anau.

Bekanntmachung.

Sonntag den 16. Juli d. J., gelegentlich der Haupt- übung der hiesigen freiwilligen Feuerwehr aus dem Parade- platze und den angrenzenden Straßen, werden für die Zeit von 3 bis 5 Uhr nachmittags gesperrt:

1) Für jeden Verkehr:

Die Straße längs der gelben Mauer, der Bangert, sowie der Paradeplatz westlich von dem gepflasterten Uebirgang ab.

2) Für den Fuhrverkehr:

Die Banzertstraße, Marktstraße und Schirnstraße.

Die Metzgerstraße und die Straße längs der Infanterie- kaserne nach der Nordstraße bleiben für den Fährverkehr frei. Hanau am 10. Juli 1899.

Königliche Polizeidirektion.

P. 6192 v. Schenck.

Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Kursbuch, gültig vom 1. Mai d. Js. ab. Eine Mitgliedskarte vom Marken-Konsumverein für Karl Lang. Ein Kinderschuh. Eine Nummerplatte B. 16383.

Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.

Entflogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 12. Juli 1899.

Bekanntmachung.

Am 30. Juni miethete sich ein angeblicher Augenarzt Dr. v. Körner, der sich auch Wolf rannte, hier ein und verschwand am andern Morgen unter Mitnahme

eines grauen Sackanzuges,

eines graugrünen, mit Seide gefüttertin Ueberziehers mit dem Stempel der Firma PriesterBerlin, Frankfurter- straße 40,

einer weißen Atlasbinde mit blauen Tupfen,

einem schwarzledcrnen Portemonnaie mit 84,50 M.,

einem weiter en Portemonnaie mit ca. 25 M.,

einer amerikanischen Anker-Herrenuhr, etwas groß, von Doubls, und

einem Kronländer Schlangen-R'nge.

In den Kleidern befanden sich:

ein Geburtsattest, auf den Namen Julius Borchardt lautend, ein Notizbuch mit ca. 40 verschiedenen Berliner Adressen, ein Schuldschein über 23 M., ausgestellt von Rotermundt in Berlin,

FerrMets«.

Rheinfahrt zur Goethefeier in Düsseldorf.

! Vonf Viktor Hertel.

(E igerbcricht des ,Hcv<ucr Anzeiger".)

_ II.

l Nach nunmehr sattfam gtr offenem Eindruck einer ab- wechselungsreichen unterhaltenden Fahrt, die uns freilich zu sammenschüttelt und fast übermüdet durch das viele Ausschauen, liegt das Ziel der Reise vor uns. Köln ist schon erreicht, die ehrwürdige Colonia Agrippina, die ihres festungsartigln Gürtels im inneren Stadttheile evikleidet und mehr und mehr im Schmucke neuartiger Bauten und wahrer Prunkstraßen entgegentritt. Betrachten wir in lünstlerischer Andacht roch einmal den himmelavstrekenten Wunderbau des herrlichm Doms und tarn weiter zur letzten Station unserer Reise, »och Düsseldorf, das uns im stattlichen G-wände der am Bahnhöfe neuer standenen Stadttheile empfängt; seine erwei­terten Hasluanlogen am Flrsse laugen ausdehnerd, an En rvohnerzchl erheblich gewachsen, auf lern Gebiete der Kunst, wie von jeher, so auch heute würdip. vertreten, zeigt Trffel- ietf eine wirklich großstädtisch kel-bte Entwickelung. Die festlichen Veranstaltungen, rodete das Komitee der rheinschen Goethe Gedenkfeier zu Düsseldorf mit größter Sorgfalt vorbe­reitet, haben schon ihren Anfang genommen. Die Eröffnungs­feier mit offiziellem Akt in der Aula der Kunstakademie tat pottgifunren und mit der Aufführung einer Reihe Goethe ifyr Starren im Stadttbeater durch ein eigens hierzu zu- ommkngesetztes Personal königl. Hofschauspieler von Berlin für die Hauptrollen, sowie einiger einheimischer Kräfte für die Nebenrollen und des von Köln hinzugezogenen Chor- personals hat man unter Leitung des OberregisseurS Grube

eine Patentbeglaubigung über einen Universalständer und eine Vorladung zur Superrevision in Berlin.

Der Thäter, etwa 1,60 m groß, kräftig, mit hersor- tretendem Gesicht, kleinem schwarzen Schnurrbärtchen, dunklem Teint, zurückliegender Stirn, jüdischem Typus, hat seine Kleider zurückgelassen und trägt zweifellos die gestohlenen.

Der Thäter hat dem Bestohlenen, mit dem er in einem Zimmer schlief, wahrscheinlich ein betäubendes Riechmittel unter die Nase gehalten und dann eine Morphium-Einspritzung beigebracht.

Um eifrige Nachforschung und ev. Festnahme urd Nach­richt wird ersucht.

Wiesbaden den 4. Juli 1899.

Der Polizeipräsident.

Tagesschau.

NE Aasführangsbesiimmunge« zum Jmpfgesetz

Im Juni vorigen Johres hat im R-ichsgesuniheitSamt eine vom Reichskanzler einberufene Kommission getagt, die die Ausführungsbestimmungln des Jmpfgesetzes auf ihre Zweck­mäßigkeit geprüft und Vorschläge formulirt hat, um schädliche Nebenwirkungen der Impfungen zu beseitigen. Gegen das Ende des Jahres ist auch der Erlaß neuer AvsführungS- befiimmuvgen zum Jmpfgesetz zu erwarten. An den Grund­lagen des Jmpfgesetzes wird aber nichts geändert werden. Wissenschaftlich steht außer allem Zweifel, daß der Impf­zwang zur Abwehr der Pockergefahr unentbehrlich ist.

Die Berichte der preußischen Gewerberäthe für das Jahr 1898 dürften demnächst im Druck erscheinen. Es wird beabsichtigt, euch in diesem Jahre, sobald die Be­richte der gewerblichen Aussichtsbeamten sämmtlicher Bundes- : staaten vorliegen, im Reichkamt des Innern einen Auszug anzufertigen.

Sozialistische Partei-Märtyrer.

Der sozialdemokratische Parteivorstand hat imVorwärts" die übliche Ehrentafel veröffentlicht, aus der die Partei-Mär­tyrer verzeichnet werden, die im Interesse der Ursturz-Be- wegung mit derKlcssenjnstiz der Bourgeoisie" zusammen- gestoßen und zu Schoben gekommen sind. Bus dieser Auf­zählung ergibt sich, daß man durch die verschüdenartigsten Beleidigungen in der Lage ist, sich die Anerkennung der Parteileitung als Genosse zu erwerben. Man beleidige Brauerei-Dneltoren, Gendarmen, Oberschlesische Bergwerks- Verwaltungen, Landräthe, Polizei-Inspektoren, Miliär-Be- Hörden, Ober-Siaats-Arwälte, Redakteure der bürgerlichen griffe, Kohlenhändler, Oberprästdenten, Mühlenbesitzer, Berg- welks-Dirikioren, Fabrikanten, Militär-Personen, Pfarrer, ramentlich ober Streikbrecher und erhalte dafür 4 Monate

vom fiör.id. Schaufpieltzause ebenfalls begonnen. Der Er­öffnungsvorstellung Jphigenie folgen der I. Theil deS Faust, Clavigo, Egmont und Taffo. Wenden wir uns nun der mit größter Hingabe und Umsicht, mit bewundernswerther Energie und Arbeitslust bewältigten Ausstellung zu, die in den unteren Räumen und in der Aula der Kunstakademie ihre nuftet teste Anortnung gefunden hat, so sehen wir steunend die Resultate eines emsigen Sammeifl ißeS, ter cOetbingS von oußenher durch die bereitwilligste Förderung mit der Zusendung intereffanter Objekte in dem Resultate seiner großen Mühen auf das Wirksamste unterstützt worden ist. Von vielen Seiten her ist die Goethe-Ausstellung reich beschickt worden. Wir begegnen em häufigsten in den auf 'chrägen Tafeln angebrachten Holz­schnitten, Drucken, Handzeichnungen, den lithographischen Ver vielfältigungen u. s w. den Remir iscevzen der alten Faust­sage. Unter den vorhandenen Kunstblättern, die nach Hunderten zählen, sei hier einer köstlichen Origiual- radirurg Rembrandt's Erwähnung gethan: Faust im Laboratorium vor der Erscheinrng d<s Erdgeistes, eine Leistung hervorrtgeudstcr Art in realistischer Kleirkunsttechnik; ferner ein Stich cus der Koburxer Handschrift: Faust im Etuhir- zimmer das Titelbild drs echten Hölleuzwcngs weiter noch eine Anzahl Holzschnitte und Kupferstiche mit dem Porträt Dr. Faust's nach Rembraudt; als Koulrast zu diesen künst­lerischen Daistlllnngen fügt sich die naiv coloriftische Wieder­gabe der Pupperfigureu aus dem Faustspieldes Marionetten- thaterg erheiternd an. Sehr pbm tastisch v rzerrte, mit kühnem Naturalismrs wiedergegebeneInterpretationen der Walpurgis- ncchtu.a. Scenen finden wir in verschiedenen freilich auch technisch mangelhasten und dilet'antischen Eteindrvckb'ättei n. Durch ge­dankenreichen Inhalt fesselt die Kollektion der Feust^cenen von P. Cornelius, gestochen von Roscheweg, vom Zeichner mit folgen­der i hrerbietiger Widmung dem Geh. Rath von Goethe ungeeignet:

Gefängn ß oder mehr und man wird von Herrn Bebel und Genossen in Ehren gehalten werden. Größere Ehre gebührt natürlich denen, die unter Nöthigung und Haus­friedensbruch ihre Mitarbeiter terrorisiren und wegen ihrer Ausschreitungen 6 oder mehr Monate Gefängniß erhalten haben; denn sie haben damit nicht nur nachgewiesen, daß in der Sozialdemokratie die persönliche Freiheit hochgehalten wird, sondern auch, daß sie untereinander mit ihren Mit­arbeitern leben wie Bebel sagtgenau wie die ersten Christen".

Wird England militärisch? - m

Manche Zeichen in England deuten wohl darauf hin, daß nicht nur der einzelne britische Soldat vom englischen Publikum besser behandelt und mehr geachtet wird, als früher der Fall war, sondern daß man jenseits des Kanals in demselben Augenblick, wo die Haager Friedenskonferenz tagt, ernstlich daran denke, von den kontinentalen Militärstaatm etwas zu lernen. Jedenfalls wird in England den militärischen Dingen in letzter Zeit eine weit größere Aufmerksamkeit durch weitere Kreise zugewandt, al8 früher üblich war, und zwar nicht erst seitdemKriegswölken" am Horizonte ausziehen. Vielleicht wird man die große Revue ter Freiwilligen, die fast 27,000 Mann stark am Samstag vor dem Prinzen von Wales vorüberzogen, in künftigen Jahren noch als Wendepunkt in der Geschichte der englischen Heeresorganisation bezeichnen, wie jene Parade vor Georg III., als deren Certtenarfeier diese letzte galt, der erste große Markstein in der Geschichte der englischen freiwilligen Truppen ist. Am letzten Samstag sah das bürgerlich farblose London jedenfalls so militärisch aus, wie nur irgend eine Festungsstadt. Auf allen Straßen sah man einzelne Soldaten in rothen, braunen, schwarzen Uni­forme», mit Helm, Tschako oder der riesigen Bärenmütze eilen, den Sammelplatz aufsuchend, während bald nach der Mittags­stunde zahllose Trupps, von einzelnen Kompagnien bis zu ganzen Regimentern, mit ihren Kapellen räch dem Westen zogen. Der ganze prachtvolle Platz zwischen St. JrmeS' Park vnd der langen Reihe vom Regierungspalais war für den Aufmarsch ter Treppen reservirt, aber meilenweit bildeten sich schon in den anlaufenden Straßen die Kolonnen. In den Tribünen auf dem Parade platze selbst sah man ganz London und ein gutes Stück vonganz England." Da die Königin natürlich den Strapazen nicht gewachsen war, so wurde die Parade durch den Prinzen von Wales abgenommen, der in der Uniform eines englischen General-Feldmarschalls auftritt, in seiner Suite den Herzog van Cambidge, den H r?og ton Connaught, den Herzog von Dork, Prinz Christian und Lord Wolseley, den Genecal-Konmandirenden des eng­lischen Heeres, sowie auch den Großfürsten Michael. Allge­mein fiel unter den fremden Militärbevollmächtigten Baron

Wenn auch jede wahre Kunst nie ihre Wirkung auf unver­dorbene Gemüther verliert und die Werke einer großen Ver­gangenheit mächtig in die damalige Denk- und Handluugs- wiise hineinziehen, so sind doch die Wirkungen einer gleich­zeitigen Kunst noch ungleich größer und lebendiger urd ganze Völker ja ganze Zeitalter sind oft von dem Werke eines ein« zeluen grofen Menschen begeistert worden." ..... Wir mochten nicht vorübergehen ohne diese denkwürdigen Worte aufzuschreiben. Eine reiche Uebersicht auf moderne Repro­duktionen Photographien, Farbendrucke n. dergl.^ ver­vollständigt das Bild einer wahren Fluth von Faust- illustrationen. Die Arbeiten eines Liezen-Mayer und die von Gabriel Max, als geistvolle Interpreten dieser dra­matischen Dichtung durch ihre bedeutenden Schöpfungen be^ konnt, sind in passender Gegenüberstellungen zwei größeren Tafeln in vorzüglichen Abdrücken zur Schau gestellt. Der wohlgelungene Kupferstich von Barthelmes nach dem Bilde des Düsseldorfer Malers Schwerdgeburth: Spazier- gar g am Öfter morgen und eire. in dreigetheiltem Felde an- geordrete Darstellung der Hauptszenen des Faust mit sym­bolischer Umrahmung der Einzelbilder nach Hermann Junkers be­kanntem Gemälde reproduzirt, fesseln durch feine Ausführung die Augen des Beschcuer?. Einige Bogen des Bilderschatzes für das deutsche Volk geben urs ein Bildniß des jungen Goethe aus seiner Straßburger Zeit, wie das des Altmeisters vom Jahre 1823. Die Fausigallerie in Lichtdruckmanier, aus der photogrophischen Anstalt von Roloff in Berlin her- rührend, bietet eire reichhaltige Sammlung hübscher Kunst­blätter, die in zicrlichin Silhouetten wirksam hervortretenden Gestalten der Fanstdichtung haben in ter Vervielfältigung durch Amsler u. Ruthardt in Berlin weiteste Verbreitung gefunden. Verschiedene Künftlerbilder, hervorragende Dar- ftdler vnd Darstellerinnen in photographischer Wiedergabe der Faustcharaktere zeigend, vervollständigen die umfassende