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Amtliches Organ für Skaöt- unS LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückuvg».

gebühr

für Stadt- und Laich» trete Hanau 10 ^ Ht 4gespaltme Garmond- zeile oder beten Raum, für AuSwärtg 15 ^

Im Reklamenthetl die Zeile 20 ^, sie «urwärt» 30 ^.

ÄL 159

Dienstag den 11. Juli

1899

Amtliches ^faöf^ret0 ^anaxt.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung, betreffend die Entleerung der Lattincngruicn in der Stadt Hanan.

8 io.

Die Entleerung jeder Latrinengrube hat mindestens einmal jährlich, in besonderen Fällen auf Verlangen der Polizeibe­hörde auch öfters und überhaupt so oft stattzufinden, als dies die Größe der Grube, die Benutzung des Abtritts oder sonstige gesundheitspolizeiliche oder bautechnische Gründe nothwendig erscheinen tasten.

Die Entleerung solcher Gruben, die öfters als einmal geleert werden müssen, ist, sobald der Grubeninhalt nur noch 50 cm vom Schachtdcckel entfernt steht, bei dem Stadtbauamt durch den HauSeigenthümer zu beantragen.

Der vorstehende § 10 der Polizeiverordnung vom 21. Juli 1894 wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß in der Regel die Entleerung einer Grube erst 14 Tage nach der Anmeldung stattfinden kann.

Hanau den 6. Juli 1899.

Der Magistrat.

Bode. 10713

Dicnstnachrilhtcn aus dem Kreise.

Gesunden: Eine Radfahrkarte Nr. 1215 für den Kaufmann Karl Hirsch zu Bürzel.

Entlausen: Ein junger weißer Foxterrier mit braunen Flecken und Halsband.

Zugelaufen: Ein großer brauner Hund mit der Steuermarke 606/99.

Hanau am 11. Juli 1899.

Die Haager Friedens Konferenz.

Die Konferenz hat nunmehr die Hauptmasse der ihr in dem Murawüfffchen Circular gestellten Aufgaben im Wesentlichen erledigt und wird wohl Mitte Juli beendet werden können.

Den ersten Abschluß erreichte diejenige Kommission, welche die Nachtrags-Artikel zur Genfer Konvention, die Anwendung dieser Konvention auf den Seekrieg berathen hatte. An dieser Arbeit nahmen

kitteten.

Rheinfahrt zur Gocthcfeier in Düsseldorf. 7 ^s Von Viktor Hertel.

t (Eigenbericht des .Honauer Anzeiger".X

In dem Jahre, da man die 150. Wiederkehr des Ge burtstages eines Geistesheroen bald festlich an vielen Orten begehen wird, dessen Ged ächtniß schon heute durch verschiedene, der eigentlichen Feier voi angehende, greßartige Veranstaltrngen in der O e fsentlichkeit geehr t und gepflegtist, da man sich zu er ir nein beginnt, welch reiches Geschenk die Gottheit der deutschen Nation in dem großen Schatze Goethe'scher Dichtung verliehen hat und da seinem Andenken auch an der Stelle ein Denkmal errichtet wird, wo der Jüng­ling zu voller Kraft des Mannes in ernstem Studium er wachsen und die Blüthen seines gesättigten Geistes mit ver­schwenderischer Hand hinauszustreuen begann in die staunende Welt, in solchem Jahre dankbaren Zmückdcnkens an die be­fruchtende Thätigkeit eines die allgemeine Bildung mächtig fördert den deutschen Mannes, da vereint sich Alles, was im Volle Deutschlands an Liebe und Verehrung für seine großen Dichter lebt, cuf den Einen, dessen Wiege in der alten freien deutschen Reichsstadt Frankst rt a. M gestanden. Aber reicht dorthin blos und nicht nach dem Orte feines späteren ausgereiften Wirkens nur nicht nach Frankfurt und nach Weimar allein richten sich die Blicke, sondern auch und vor Allem zuerst mit nach derjenigen Stätten, welche uns durch die persönlichen Beziehungen deS jungen Goethe, des gereiften Mannes, wie des ehrwürdigen Greises auch sonst noch denk­würdig und geheiligt sind:Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht; nach hundert Jahren fdngt Bin Wort und seine That dem Enkel wieder!" So möge

deutscherseits Kapitän z. S. S i e g e l und Prof. v. Stengel Antheil und haben stch um den Abschluß der Arbeit sehr ver­dient gemacht.

In zweiter Lesung der Kommission beendet ist ferner die Revision der Brüsseler Deklaration über das Kriegsgericht. Deutscherseits wirkten hier Ober st v. Schwarzhoss und Pros. Zorn mit. Oberst von S ch w a r z h o f f wurde im Laufe der Berathungen immer mehr führende Autorität, ebenso nie s. Z. in Brüssel General v. Voigts-RH-tz; auf die Gestaltung des neuen Entwurfes hat der hervorragende deut che Offizier einen maßgebenden Einfluß ausgeübt.

Erhebliche Schwierigkeiten bot vom deutschen Standpunkte aus die Aufgabe der dritten Kommission, für die Schieds­gerichte. Die Kommission, in die fast alle anwesenden Botschafter sich eingezeichnet hatten, bestellte sofort ein Sub- Komitee, das in einer Reihe von lang andauernden und an- . strengenden Sitzungen die verschiedene» Vorschläge berathen und nunmehr einen Entwurf festgestellt hat.

Dem Komitee wurde zunächst ein russischer von Mariens verfaßter Entwurf vorgelegt. Dieser Entwurf enthält kein permanentes" Schiedsgericht, wohl aber einSchied? gerichts- Verfahren" für Post- und Telegraphen-Sachen, Maß- und Gewichts-Sachen, litterarisches und artistisches Eigenthum, Viehseuchen - Frachtverkehr u. dgl. m. Alles aber unter dem Vorbehalt: wenn die nationale Ehre oder Lebens-JnteressendesStaatesnichtberührt sind. Der Gedanke des Verfassers des Entwurfes war der: es gilt viele inttrvationale Streitigkeiten ganz von wirthschaftlicher und technischer Natur; für solche können die Staaten vertragsmäßig, also immer k raft ihrer eigenen Sonveränetät, selbst die Verpflichtung eingehen, sich einem schiedsgerichtlichen Verfahren zu unterwerfen. Wo immer die nationale Ehre oder staatliche Lebens-Juteressen, also überhaupt die Politik in Betracht kommt, ist dies dagegen nicht möglich.

Alsbald erklärte Sir Pauncefote, seit langer Zeit in der politischen und diplomatischen Welt als begeisterter Vertreter des Schiedsgerichis-Gedankens bekannt, das sei un­zureichend ; der Schritt, der gemacht werden müsse, seidteHerstell»ngkinespermanenten Tribunales". Bald darauf legte Sir Pauncefote auch einen sormulirt:» Entwurf vor, bessert Kernpunkt eine Liste von Schiedsrichtern bildet, die für be­stimmte Zeit von den betheiligten Staaten in der Weise gebildet wird, daß jeder zwei sMitglieder der Liste ernennt; aus dieser Liste bilden dann im einzelnen Falle die Parteien das Schieds- geriet nach der unter ihnm zu treffenden Vereinbarung.

uns anläßlich der noch bevorstehenden Feier zur Grundstein­legung des Denkmals für Goethe in Straßburg am 28. August eine spätere Betrachtung gestattet sein, heute aber der zuerst am Niederrhein veranstalteten Feier, der Reihe von Gedenk­tagen an Goethe in Düsseldorf Aufmerksamkeit geschenkt werden, wo der Gefeierte viermal zu verschiedenen Zeiten seines langen Lebevslaufes verweilte. Dorthin, wo mit großem Fleiß und unendlicher Sorgfalt eine große Anzahl von Gegen­ständen der Erinnerung, Schriften, Bilder, Druckwerke, Auto­graphen, Kunstblätter n. o. Dokumente zu einer Goethe Ausstellung in den Räumen der königl. Kunstakademie vereinigt sind, richten wir mitten in dem Zustrom vieler Reisenden unsre Schritte. Aber mag der Zauber der herr­lichen Natur erst auf unser Gemüth wirken, die wir, dem Alltagswerk zwei kurze Tage enteilend, in zwar flüchtigen Stunden nur bei der rasch vorübergehenden Fahrt am rechten Ufer des Rheines genießen und uns so in die rechte, genußfrohe Stimmurg versetzen können.

Durch den prächtigen Rheingau mit stiren gepriesenen Weinen, Eltville, der alterthümlichen Burgstätte, wo Gutenberg einst seine litzten Tage verlebte,! er heute von den Villen weit besser gestellter Privatiers umgebenen modernen Stadt, an grüner langhivgestrcckten Eilenden im Rhein links, und an den Kellereien von Hattevheim, dem köstliche Tropfen spendenden Johannisberg rechts vorüber, grüßt uns ron drüben über dem Strome bald ein imposanter Berg aus der Ferne, die ge­weihte Andachtsstätte der Rochutkopelle. Ihrer herrlichen Lage und des Roch urfestes gedenkt auch Goethe in prächtiger Schilderung des hier Erlebten vnd stiftete in dank­barer Erinnerung mit Anderen der Kapelle ein Bild des hl. Rochus.

Wir grüßen daS gastliche Rüdesheim mit feinem weit gerühmten Wein, den Ort, wo sichs der deutsche Mann gerne wohlig werden läßt und wo im nächsten Jahr die

Ein ständiges Sekretariat soll als Archiv und Gerichts-Schreiberei gebildet werden.

Es liegt auf der Hand, daß der Ausdruckperma­nentes Tribunal" für diese Einrichtung wenig zutüfft. Die Phantasten der Friedens-Gesellschaften von einemWelt­tribunal", daS definitiv alle Streitigkeiten der Staaten ent­scheiden und so den ewigen Frieden herstellen soll, sind in diesen Vorschlägen in keiner Weise verwirklicht. Schieds­gerichte sind in letzter Zeit sehr häufig für internationale Fragen gebildet worden: man zählt seit 1815 deren 113; eben tagt wieder ein solches zur Entscheidung eines Grenz- streites zwischen England und Venezuela tu Paris; Bis- marck hat die Entscheidung der Karolinenfrage dem Schieds­sprüche des Papstes überlasten. Die Neuerung liegt nur in der permanenten Liste und auch hier immer nur in der Ein­schränkung, daß die Parteien ein Schiedsgericht jeder Zeit in anderer Form bilden können.

Aber auch diese Neuerung hat für eine vorsichtige Re­gierung ihre Bedenken. Deshalb ist die deutsche Regierung erst auf den Vorschlag ein gegangen, nachdem er seiner be­denklichen Seiten entkleidet und jede Art von obligatorischem Charakter für die Schiedsgerichte beseitigt war.

Ebenso entschieden mußte Deutschland in einer andern Frage seinen Standpunkt wahren. Hier warm keinerlei Konzessionen möglich: in der Frage der Abrüstung. Die rustischen Anträge, die damalige Effektivstärke des Heeres und des Militärbudgets zunächst auf fünf Jahre zu fixiren, wurden von v. Staal und dem belgischen Minister Beernaert in kurzen Reden eingeleitet; ein weiserer Soldat, Oberst Gilinsky, hatte die undark- bare Aufgabe, sie, den ertheilten Befehlen gemäß, zu begründen. Darauf hielt der holländische General den Beer Portu- g a e l eine überschwengliche phrasenhafte Rede im Tone der phantastischen Friedensfreunde, die halb utopistisch, halb bös­artig den Völkern den Untergang predigen, wenn sie ihren militärischen Rüstungen nicht Einhalt thun. Es war bitterer Hohn des Schicksals, daß unmittelbar ncch diesen Ausführungen der Perser M i r z a R i z a Chan das WortZerhielt, um ebenfalls ein starkes Wort zu Gunsten der Abrüstung zu sprechen, indem er erzählte, daß er einmal vom Pferde ge­fallen sei, und der Zar sich wiederholt habe nach seinem Be­finden erkundigen lasten.

Damit schien die Konferenz für einmal genug zu haben. Nachdem der Druck aller dieser Reden beschlossen worden war, verragte sie sich. In der nächsten Sitzung vertrat der deutsche Delegirte Oberst v. Schwartzhoff in einer ausgezeich­neten Rede den deutschen Standpunkt ebenso entschieden in der Sache wie vornehm und konziliant in der Form: man müsse die russischen Vorschläge einfach ablehnen, da es nicht

National-F.stspiele Männer und Jünglinge aus allen deutschen Gauen zu friedlichem Wettkampf und Spiel in kräftiger Leibesübung vereinigen sollen, dramatische Darstellung und Volksgesang die Darbietungen der körperlichen Gewandtheit mit geistauregendem Zuspruch und gemütherregendem Wohlkeang ergänzend krönen sollen zu einer einheitlichen Veranschaulichung deutscher Köiperzucht und nationaler Kunstübung. Germania hält oben auf der Höhe des Nieder­waldes ihre treue Wacht hinüberschauend in das liebliche Nahethal, auf das man jenseits des Rheines von der statt­lichen Burg Kopp über Bingen abwärts blickt, das alter- thümlich gekennzeichnet durch seine Brücke römischen Ursprungs und durch ben sagenumwobenen Mäusethurm im Rheine, einen unser Auge fesselnben Eiudrrck hinterläßt. Rasch eilt der Zug am versprengenben Burgrest von Ehrenfels vorüber vom linken Ufer grüßt uns die malerisch am Felsen wie_ ein Schwalbennest hängende neu ausgebaute Burg Rheinstein, mit kostbaren Kunstschätzen und Antiken ange füllt. Wir lassen Aßmannshausen rechts hinter uns zurück, dessen feurige Weine wir schon zu anderer Zeit erprobt; von drüben winkt der schöne Bau der erneuerten Formen der Clemenkkirche, einige Burgen ragen ins Thal, theilweise von den Franzosen im XVII. Jahrhdrt. zerstört und als Trümmerreste dem Vergehen geweiht. Wie Vieles ist nicht in jener Zeit dem Vandalismus zum Opfer gefallen, der nicht Halt machte vor der Pracht rheinischer Schlöffer, deren Ruinen wir heute sinnend be­trachten, bewundern. Das Rheinthal verengt sich und wie in eine Schlucht hinein stürzt sich der Strom zwischen den von seinen Ufern emporragent en Felsen. Bacharach links, die Pfalz mitten im Rhein, steil auf kleinem Jnselchen empor- gebaut mit rundem, fingerhutartig gedeckten Tkurm innerhalb der von kleinen Rundthürmchen gekrönten Mauern, Caub, wo Blüchers Rheinübergang mahnt an die Stunde beginnender Vergeltung für harten Feindesdruck, die Trümmer der Schön-