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Eiurückuug-« gebühr

für Stadt- und Laich» kreis Hanau 10 ^ Ha ^gespaltene Garmond« zeile oder deren Kaum, für Auswärts 15 ^

Im ReklamentheU die Zeile 20 4, ffe

Auswärts 30 ^.

^ * Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Rr. 158

Montag den 10. Juli

1899

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Gummischlauch. Ein Päckchen Kerzen. Don der Post hier abgeliefert 2 Herrenregenschirme.

Verloren: Ein Kohlenkassenbuch für den Fahrburschm Albert Henning. Eine schwarze Damenuhr mit Schleife.

Entlaufen: Ein junger weißer Foxterrier mit gelbem Kops und einem gelben Flecken auf dem Rücken, m. Geschl. Ein Jagdhund, weiß mit braunen Flecken, Kreuzung Jagd- Hund-Dalmätiner, auf den NamenLord" hörend.

Hanau am 10. Juli 1899.

Deutschland und Frankreich.

Der Besuch des deutschen Kaisers auf dem französischen SchulschiffJphigHnie" vor Bergen, der Austausch von De­peschen zwischen Kaiser Wilhelm II. und dem PräsirenttN Loubet, das gemeinsame Fest für französische und deutsche Kadetten auf derHohenzollern" sind Ereignisse, die überall, wo ehrliche Friedensliebe herrscht, mit großer Genugthuung begrüßt werden. Sie reihen sich der Freilassung der wegen Spionage verurtheilten französischen Offiziere beim Tode Car- nots, den Beileids-Dkpeschen beim Brande des Pariser Wohl- thätigkeils-Bazars, beim Tode des MalerS Maissonier und des Genercls Canrobert rc. würdig an, indem sie aufS neue das Bemühen unsers Kaisers zrigev, in seiner hoch­herzigen, ritterlichen Art versöhnend auf die französischen Herzen zu wirken.

Wir wi ss n nicht, ob schon einmal seit der Begründung des Deutschen Reiches die Kaiser-Standarte vom Großmaste eines französischen Kriegsschiffes geweht hat; die einzige Ge­legenheit dazu wäre bei der Eröffnung des Kaiser Wilhelm- Kanals im Hafen von Kiel gewesen, als unser Kaiser eines der dort anwesenden französischen Kriegsschiffe besuchte. Jeden­falls aber war damals Frankreich der Einladung nach Kiel nur mit Widerstreben gefolgt, und die Verdrossenheit, die darüber die öffentliche Meinung bei unsern Nachbarn em­pfand, prägte sich auch in dem Verhalten der französischen Gäste in Kiel auS, wohingegen jetzt unser Kaisir dem Prä­sidenten Loubet gegenüber den zuvorkommenden, sympathischen Empfang auf der »Jphigönie" rühmt und von einem angeregten Verlauf des Festes auf derHohenzollern" be­richtet wird.

Man wird gewiß bei uns nicht geneigt sein, übirschw8«g- liche Hoffnungen an solche Vorgänge zu knüpfrn und etwa mit der baldigen Möglichkeit eines herzlichen Einvernehmens mit Frankreich zu rechnen. Wir haben in den letzten Jahren noch, während des Verlaufs der Drepfus-Affaire, erlebt, zu welchen unglaublichen Verirrungen es die alte Feindseligkeit gegen Deutschland bringen kann. So wankclmüthig das französische Volk ist und so leicht es flüchtigen Impulsen folgt, so lebt doch immer noch der Revanchetraum fort und kann bei der Unsicherheit der innere« Lage der französischen Republik jede« Tag neue Verwirrung stiften.

Gleichwohl ist es eine erfreuliche Thatsache, daß die Niederlage von Faschoda die bittern Folgen einer vvsinnigkn Spionenriccherei und anderes das Verständniß für die Vor­theile freundlicherer Beziehungen zu Deutschland gefördert haben. Ernste Blätter in Paris sprechen jetzt offen aus, daß der Gedanke der Versöhnung, wie ihn Kaiser Wilhelm unbeirrt durch die Beobachtung des kleinlich gehässigen Treibens der französischen Revanchemänner, edel und groß als wahrer Friedensfürst vertritt, noch weitere Fortschritte machen muß. Dann mag einst die Zeit kommen, da in der französischen Nation, in der jetzt der innern Verhältnisse wegen die Furcht vor dem Unbekannten umgeht, im Auswär­tigen die Erkenntniß deS Unabänderlichen in Bezug auf Elsaß-Lothringen die Herrschaft gewinnt.

Tagesschau.

Der revolutianäre Charakter der Sozial- demokratie,

der so lange klüglich verborgen gehalten werben ist, und der auch von denbürgerlichen" Begünstiger« der sozialdemo­kratische« Bewegung noch immer geleugnet wird, offenbart sich in den Sympathik-Bezeugnuge« an die belgischen Genosse»: So ist i»Vorwärts" zu lesen:Die belgische Sozial- demokratie hat nicht nur für ihr Vaterland, sondern für die Arbeiterklasse aller Länder ein herrliches Beispiel (!) gegeben, wie die Streiche der Reaktion abzuwehren sind, und wie der Fortschritt des Volks gefördert wird. Unsere belgischen Freunde habe« sich a[g kluge Taktiker erwiesen, welche erkennen, was erreichbar ist, und sich nicht in Situationen begeben, für die chre Kräfte noch nicht reif sind. Sie haben die kluge Taktik

mit herrlichem Heldenmuth verbunden, der im Dienste der Freiheit und Kultur ohne Besinnen das Leben wagt."

Rußland und China.

Der Pariser Korrespondent derMorning Post" über­mittelt seinem Blatt einige überraschende Einzelheiten über eine Unterredung. die dieser Tage zwischen Graf Murawieff und dem vor Kurzem in Petersburg ein getroffenen chinesischen Gesandten stattgefunden hat. Die Audienz bei dem Grafen, der vier Unterredungen mit dem Vorstand der asiatische« Ab­theilung vorausgegangen waren, dauerte zwei Stunde« und endigte mit dem Uebereinkommen, die bestehende russisch- chinesische Konvention um einen Zusatz zu bereichern. Graf Murawieff hat nach dem Bericht den chinesischen Diplomaten mit Betheaerungen russischer Freundschaft überhäuft. Seine Bahnen in der Mandschurei haben nur den einen Zweck, engere Verbindung zwischen den zwei befreundeten Nachbar- reichen herzustellen. Nichts liege Rußland ferner als der Gedanke an Eroberungen und territoriale Erwerbungen aus Kosten China?, es wünsche sich vielmehr in Stand zu ßtz-u, China im Nothfall gegen alle Feinde schnell zu Hilfe kommen zu können. Rußland wünsche, daß China ein großes zivilisirtes Reich in Asien werde und sei bereit, ihm dazu in jeder Weise zu helfen. China sollte alles Vertrauen zu Ruß­land und dem ihm verbündeten und gleich uneigennützigen Frankreich haben. Weder Rußland noch Frankreich hätten ein Auge auf irgend einen Theil Chims; sie seien vielmehr bereit, es gegen die ehrgeizigen Pläne aller anderen Mächte zu schützen. Der chinesische Gesandte erklärte in seiner Ant­wort, die fitzige chinesische Regierung sei Rußland tief dank­bar einmal für feite Beschützung ChtuaS während des japanischen KriegeS und dann für seine günstige und auf­richtig freundliche Politik gegen die Kaiserin-Wittwe. Er sei beauftragt, der russischen Regierung die allerformellsten Zu- sichcrungen hinsichtlich drs festen Entschlusses der chinesischen Regierung zu geben, nie einen Schritt von der Politik abzu- «eichen, zu der Rußland rathen möge. Als Beweis dieser Absicht nannte er die Oppositio«, die der Pekinger Hof den Forderungen Japans und Englands entgegensctzr.

Die amerikanische Flotte.

ImNerv-Dort Jndkpendeut" plaidirt Kontre-Admiral Sampson für eine Verkuppelung der amerikanischen Flotte. Die einzige Macht, die die Vereinigten Staaten zu Lande ar­greifen könnte sei Großbritannien; von ihr sei aber ein solcher Angriff nicht mehr zu erwarten,da sie wirklich Amerikas Freundschaft wünsche uns bereit sei, Opfer zu bringen, um sie zu gewinnen." (? D. R.) Frankreich und Deutschland könnten mit ihren Armeen Amerika nichts an- haben, die einzigen Kriege, auf die es gefaßt zu sein brauche, seien daher Seekriege. Auf sie soll es sich durch eine V.r- doppelung seiner Flotte vorbereiten. Der Admiral fährt fort;Ob wir es wünschen oder nicht, der spanische Krieg hat unsere Stellung unter den Nationen sehr verändert. Wir sind in die Vorderreihe der Mächte getreten, deren Stimmen Fragen der Weltpolitik- entscheiden. Zu gleicher Zeit haben wir unsere Küstenlinie sehr ausgedehnt und die Regierung großer und entfernter Territorien übernommen. Wir finb eine asiatische Macht geworden und können den Verantwortlichkeiten eu er solchen Position nicht entgehen. Wir haben große Jntereffen im Stillen Ozean und müssen bereit fein, es mit jeder Macht ausnehmen zu können, die unsere Rechte dort bestreiten will. Um unsere Jntereffen zu schützen, unsere Stellung zu behaupten, um mit der Autorität zu reden, die uns geziemt, brauchen wir Schiffe und immer mehr Schiffe. Wenn unsere leichten Siege über die Flotten einer schwachen Seemacht unser Volk mit dem Glaube« er­füllen sollten, daß wir nun eine Flotte besaßen, die für alle unsere Bedürfnisse groß genug sei, dann haben uns diese Siege mehr gewatet als genügt. Wenn eine kriegführende Nation Erfolge erzielen will, so muß sie aggressiv sein. Wir müssen im Stande sein, fern von den Vereinigten Staaten starke Schläge auszutheilen und dazu brauchen wir mehr Schiffe." Der tapfer? Admiral ist offenbar nicht angekränkelt von des Friedenskongresses Blässe! Er empfiehlt dann be­sonders möglichst viele gepanzerte Kreuzer vom Typus der New-Dork" zu bauen,da unser Bedürfniß an schnellen ge­panzerten Kreuzern alle anderen Bedürfnisse der Flotte über- roiegt.N

Politisch« und unpolitisch« Nachricht««.

(»Dep eschen-Burea«Herold).

Berlin, 9. Juli. Wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, kann man sich auf die Erstreckn«- der Landtags-Session bis in den Monat September

hinein gefaßt machen. Im Abgeordnetenhause wird am ersten Tage nach Wiederaufnahme ter Berathungen neben einer Plenarsitzung von minder wichtiger Bedeutung das Gemeinde- Wahlrechtsgesetz in der Kommission und ebenso am Abend die zweite Lesung des Gesetzentwurfes, betreffend die Ver­wendung des Reservefonds der Renteubanken, der inneren Kolonien stattfinden. Alsdann wird sehr bald die Berathung der Karal-Vcrlage und zwischen der zweiten und dritten Lesung dieser Vorlage diejenige des Gemeinde Wahlrechtes stattfinden. Da die Berathungen viel Zeit beanspruchen, wird sich das Abgeordnetenhaus erst in der vierten August­woche mit ihnen besassen können. Demnach kann vor Anfang September der Sessionsschluß nicht erfolgen.

Berlin, 9. Juli. Der oberste ungarische Gerichtshof, die königliche Kurie, hat, wie demBerliner Taceblatt" aus Budapest gemeldet wird, in der. Sprachen frage eine interessante Entscheidung gefällt, indem sie eine Entscheidung der königlichen Tafel, die eine deutsch-sprachl che Appellation zurückwies, anuulirte. In der Begründung der Aunulirung wird ausgefäh'.t, daß in Sprachen-Angelegenheiten Jeder­mann, wenn er nicht durch einen Rechtsar. walt vertreten ist, in seiner Muttersp ache die ihm zustehenden Rechtsmittel gel­tend machen Lnn, gleichviel ob er sie im mündlichen oder schrifilichen Verfahren anwe«det.

Berlin, 9. Juli. DasBerliner Tageblatt" wurde gestern in Wien wegen seiner Depeschen über das Vor­gehen der Polizei bei den Arbeiter-Demonstrationea kon- s i s z i r t.

Wie«, 9. Juli. Dr. Adler und Reumaun wurden auS der Haft entlassen, nachdem ihnen die Anklage wegen AuflaufS vorgelesen worden war und sie auf den Einspruch verzichtet hatten.

RoM, 9. Juli. Bei einer bei Brilleti abgehaltenen Versammlung der hervorragendsten Mitglieder der parlamen­tarischen Mehrheit, an welcher sich auch Sounino betheiligte, wurde die inverpolitische Situation erörtert und konstatirt, daß Pelloux nicht im Stande sein werde, die neue Kammer zu eröffnen, da die Obstruktion entschlossen ist, sogar den feierlichen Akt der Thronrede zu stören.

Paris, 9. Juli. Wie aus Madagaskar gemeldet wird, ist in der Gegend von Jnongo ein Aus st and ausge­brochen. Von den europäischen Soldaten wurde einer ge- tödtet, mehrere andere verwundet. Die Rebellen wurde« zerstreut.

Paris, 9. Juli. Verschiedene Blätter versichern, der deutsche Kaiser habe d'e Absicht, demnächst mit seiner NachtHohenzollern" die Bai von Samt Maeo zu besuchen und außerdem beabsichtige der Kaiser, eine Villa in Dinard an der Nordküste von Frankreich errichten zu lassen. Der hierzu nöthige Grundbesitz soll bereits käuflich erworben wor­den sein.

Paris, 9. Jali. Der frühere italienische Gesandte Reichmann ist gestern in seiner Wohnung in PariS ver­storben. Das BlattEomnement" versichert, dieser Tod sei von geheimnißvollen Umstände« begleitet. Drei Personen hätten eine Haussuchung bei dem Verstorbenen abgehalten unb seine Papiere mitgenommen.

Lo«von, 9. Juli. Ja Hiesigen politischen Kreisen herrscht allgemein die Meinung, daß die vom ersten Raad in Präto.ia befürwortete Reform eine geeizte Grundlage für eine Verständigung mit der TranSvaal-Regierung bildet.

Belgrad, s. Juli. Zum Gesandten in Petersburg an Stelle des stark kompromittirten und die radikale Partei am Petersburger Hose vertretenden Gruic soll der Gesandte in Sofia, Pawlowic, ausersehen sein.

AuS Stadt- und Landkreis Hana«, KrÄdruck unserer Lokalurtikel nur mit Quellenangabe .Hau. «uz.« gestattet.

Maul- «nd Klauenseuche. Der VereinS-Ausschuß der Landwirttzschaftskommer beschloß in seiner letzten Sitzung, ein von der Köuigl. Regierung zu Caffel eingesordertes Gut­achten dahingehend abzugeben, daß hinsichtlich der Führung der Listen seitens der Händler die sofortige Eintragung aller ge- und verkauften Thiere zu verlangen sei und daß eS als wüuscheuSwerth erachtet werden müsse, auch den Metzgern, die ebenfalls thellweise sogar einen bedeateudr« Viehhandel treiben, die Führung solcher Listen aufzugeben, daß dagegen die Ertheilung einer Bescheinigung seitens des OrtsvorstaudeS über längere oder kürzere Dauer der Seuche»freiheit als undmchführbar angesehen werde.

* Viehmarkt zu Hanau und Verloosung. Für die in Verbindung mit dem Biehmarkte am nächsten Mittwoch stattfindende Verloosung hat daS Viehmarktkomitee im Ganzen