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Hanauer Anzeiger
3 Juli.
Aus der Provinz und den Aachdargediete«.
Castel, 1. Juli. Freitaz früh wurde is der Nähe der Höhmavu'schen Fibrik bei Nieder; w.-hren eia seiner Kleidung nach den besseren Sränren augehörender Man« besin nuugsloS mit schweren Wunden im Gesicht und au den Hündea aufzefunden. Der Verletzte wtrde in biS Rothe Kreuz r.ach Cssel geschafft, wo er bald darauf seinen Wunde« erlegen ist. Der Lerstolbtue war ein Kurgast au; WilhrlmLhöhr, der in der Godmann'schen Heilanstalt wosute. Er stammte auS Höchst a. M. Wie die Untersuchung ergab, ist der Versterben! Überfällen und seiner Bemschift 6?« raubt worden. Es wurde bereits am Freitag früh na A- beiter unter dem Verdacht der Thäterschaft verhaftet, wittere Verlastungen fand«« später statt. Es wird erzählt, daß ein Aüfseher, der in der NL;e vo« N:kd:r;wehren zu seiner Ar beiLSsttlle kam, am Freitag früh Arbeiter beim Geldzählk« gkt:off?n habe. ES seien danach auch einige von den Arbei tern verhaftet. Die Staatsauwaltscha t war Sonnabend früh in Zw ehren, um den Thatbestand auizmehmen und Verhör vorznueömm.
Darmstadt, 30. Juni. Ja der heutigen Sitzung der 2. S^ände- kammer wurde mit allen gegen 14 Stimmen beschlossen, Fahrräde'r mit einer jährlichen Steuer von 5 Mk. zu belasten. Ausgenommen sollen die Räder der Gewerbetreibenden und jener Lohnarbeiter sein, die weniger als 1500 Mk. Einkommen haben. Ferner wurde beschlossen, Reitpferde und Luxuswagen mit je 20 Mk. jährlich zu besteuern. '
(!) Groß Steinheim, 1. Juli. Am 29., 30. und 31. Juli findet dahier daS diesjährige Gaufest des Mrin- Rsdgar-Turngaues statt. Da d n beiden Vereinen dahier, nämlich dem Turrv rein und bet’ Tarngemeinde daS Fest gemeinschaftlich Ü5ettragen ist, haben sich dieselben für diesen Zweck unter dem Namen „Vereinigte Turnerschaft Groß- Stavheim* vereint. Das Fest verspricht in der schönsten Weise gefeiert zu werden und st d die Vorbereitungen zu demselben bereits im vollen Gange. Die Einwohnerschaft wird allen Gästen den Avfmthalt angenehm und gemüthlich machen, bekanntlich wird nnftr Städtchen wegen seiner schönen und günstigen Lage namentlich von Vereinen und Ausflüglern gerre besucht. Es wird daher auch in den Tagen des Festes der Verkehr ein lebhafter sein.
Koblenz, 29. Juni. Einen verwegenen Fluchtversuch machte gestern Morgen der Dachdecker Kaiser aus Solingen, der wegen einer Reihe Einbrüche, die er als augeblicher Telephonarbeiter mit Dienstmütze durch Einsteigen von den Dächern verübte, zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt ist. Aus dem Arresthaus vorgeführt, um als Zeuge vernommen zu werden, schwang er sich über daS Tr-ppenge- länder und sprang ein Stockwerk hoch hinab, erreichte auch das Freie, wurde ober in der nächsten Seitenstraße von mehreren Zivilpersonen aufgehalten und wieder ins Gefängniß gebracht.
Drahtnachrichten des „Han. An;."
Berlin, 3. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute Morgen kurz nach 8 Uhr auf b m Manöoer- felde bei Miffuvde ein. Nach Schluß der Manöver wird eine Parade über die anwesenden Truppen g'halten werden, bei welcher der Kaiser das Regiment „Re igln*, dessen Chef die Kaiserin ist, der Kaiserin vorführen wird.
Berlin, 8. Juli, Fürst Herbert BiSmarck erhielt, wie das Kleine Journal meldet, den Botschafter- posten zu Washington angetragen. Der Fürst sah sich jedoch aus persönlichen Gründen genöthigt, dieser Berufung vorlaufiz nicht Folge zu leisten. ES ist nicht aus- veschloffen, daß der '^ü^ft erst dann wieder in den astivm
Staatsdienst treten wird, wenn sich hinsichtlich d:s Londoner BstschafterpostenS eine Aenderung vollsteht. Alle Versionen, welche den Fürsten mit irgend einem R ffort im preußischen Staatsministerium in Zrsrmmmhrnz bringen, erw.'isen sih, wie daS g-nannte Blatt m t Bestimmthsit mittheilen kann, als durchaus urzutreffend.
Berlin, 3. Juli. Anläßlich der A r b e i te r u n r u h en im Kohleu-Kevier hat die Berliner polnische Softalisten- Partei einen Auftuf an ihre streikenden LindZlente in den westfälischen Bergwerks-Lezirken erlassen. Darin werden die polnischen Arbeiter ermähnt, sih zu keinen Aass Hrritnnzen Hinreisen zu lrff n. Der Vo stand der polnischen Zozia- listen-Partei verwthrt sich auf das Entschiedenste gegen die Behauptung, der Streik in Hirne sei auf seine Azitatioier zurückzuführen.
Balettzia 3. Juli. Am SamstUZ erzvanzen Pöbel- Haufen durch Aufreißen der Straßeneiienbah uschienen die Einstellung des gesammten Trambahn-Verkehrs. Der Tumult war so groß, daß die Laien, Crfös, Theater, daS Schlachthaus, die Markihalle und die Fabriken geschlossen werden mußten. Als dann die Geudurmerie und Polizei erschien, wurden sie mit einem Steinhagel empfangen. Auch das zur Hilfe requ'rirte Militär wurde angegriffen und mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Es wurden zahlreiche Personen verwundet. Ob auch Todte zu v rechnen sind, ist bis jetzt nicht bekannt. Die Aufrührer wollten auch noch ein Kloster an greifen und dasselbe in 8rmb steck n, w rrden aber von den Truppen und der Gendarmerie daran verhindert. Zahlreiche Vechaftan;eu wurden vsrgenommen. In der Nacht traten die Generale zu einer Berathung zusammen, um die Sachlage zu besprechen.
Wien, 3. Juli. In der Prutirstraße fand gestern Mittag eine stürmische Demonstration der Sozial demokrateu gegen den Bürgermeister Lueger und die übrigen christlich-sozialen Führer statt, worauf eine wilde Prügelei zwischen den Ch istlich-sozialen und den Sosialdemokraten auf der Straße folgte. Der Landiazs-Abzeorduete Schnabel, der zum Pfarrer der Johanniskirche ernannt ist, wurde gestern Vormittag instüllirt. Anwesend waren in der Kirche Bürgermeister Laegrr, sein Stellvertreter Strobach und viele christ lich-soziale Stadt ä he und Abzeo dnete. Die Sozialdemo traten, welche in einem nahen Gasthause eine Versammlung abgehackten hatten, zogen dann vor die Kftche und brach n, als Lueg r, Strobach und die Uebrigen die Kirche verließen, in die Rufe aus: Pfu! Lueger, Pfui Strobach, Pfui dir Jesuiten. Der städtische Galawagen wurde vor der Kirche angespieen. Da vor der Kirche auch v'ele Christlich-soziale versammelt waren, entstand eine Piüzelei mit Fäusten, Stöck n und Schirmen. In der b eilen Praterstraße war der V rkehr vollständig gehemmt. Unbeteiligte Passanten flüchteten. Die Polizei nahm zahlreiche Ve Haftungen vor.
Wien, 3. Juli. D r „Sonn- und Montags-Zeitung" zufolge beabsichtigt die Regierung eine neue Verstän - digungsaktion in der Spracherfrage Anfang August einzuleiten und dann die Einberufung des Reichsrathes und der Delegationen zu bestimmen.
Wien, 3. Juli. DaS „Wiener Fremdenblalt" kann in der Eisernen Thor-Frage authentisch koastatiren, daß in dieser Frage die ungarische Regierung mit der österreichischen nicht verhandelt hat.
Budapest, 3. Juli. Die Sozialisten ents lten in der letzten 3-tt eine große Agitation, wogegen die Regierung v'richiedene Maßnahmen trifft. Bei den Sozialisten-Oroanen
haben gestern und heute Haussuchungen stattgefunden. ES wurden Bücher und Bilder mit Beschlag belegt.
®r»j, 3. Juli. Anläßlich der Auflösung einer sozialistischen Volksoersammlung kam es gestern zu großen Demonstrationen. Dem die Versammlung auflösrnden Polizeikonmissar wurden Gläser und Deckel an den Kopf geworfen, sodaß er flüchten mußte. Aaf der Straße wurden die Demonstrationen fortgesetzt. Die Polizei mußte wiederhol einschrstten.
Paris, 3 J ili. Der D r e y f u 8 p r o z e ß ist auf d:u 31. Juli festgesetzt worden. Bisher sind 40 Zeugen geladen. Drey^uS wird vor dem Kriegsgericht in derselben Uniform erschünea, bb er bei der Degradation trug. Frau Orey'uS hat die Kröpfe, welche anläßlich der Degradation abgerissen wurden, wieder anzesetz". Die Mitglieder des Kriegsgerichtes erhielten anonyne Drohbriefe, worin ihnrn für den Fall des Fretspruchs der Tod angedroht wurde. Oceyfus wird erst durch ein Memorandum seines Advokaten Oemanze die Ereignisse d?r letzt « Jahre erfahren.
Lottdon, 3 Juli. Die Transvaal-Angelegenheit uim nt wieder einen sehr ernsten Charakter an. Zwei Rezimeuter sollen Befehl erhalten hrben, sih einzuschiffm.
Petersbttkg, 3. Juli. Jl hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, der Groß-ürst Thronfolger Georg beabsichtige, wegen seiner andauernden Krankheit zu Gunsten seines jüngeren Buders, des Großfürsten Michael auf die Thron- foluezuverzichten.
AlexrnSkiett, 3 Juli. Seit Donnerstag sind hier zwei nme Todesfälle an Pest und 7 Erkrankungen vorgekommen.
Für den durch Feuersbrunst in große Noth gerathenen Leinweber in Rüdigheim sind bei den Uut-rz ichneten w.'ter folgende Gaben einge- g ingen:
An 8 Hanau: Von W. C., Pfr. F j 3 Mk.; 8. R., sir. P, Frl. L., L. L, Fr. R. j- 2 Mk; E. W, Fr. 8. j 1 Mk; Frl. E. 50 Pfg.
Von auswärts: Boa A. v. S. in G. 30 Mk.; Fr. A. L. in Fr. 20 Mk; Fr. B. in F., E. M. in F. j 10 Mk.; Fr. Pfr. E. in M. 6 Mk.; H. W in F., F. Wi. in F. je 5 Mk ; Fr. Dr. B. in B. N 4 Mk. 15 Pfg.; W. K. in G. G., P. I. in F. je 3 Mk.; Pfr. I. in Ä., Pfr. H. in 8., Pfr. G. in V., E. in M., L. S. in F. j- 2 Mk.; L. B. in H. 1 Mk.
Summa mit den bereits quittirten Gabrn 455 Mk. 40 Pf. Ferner 3 Pcckle Kleidungsstücke und ein Kleiderschrank.
Herzlichen Dank den freundlichen Gebern. Weitere Gaben s hr erwünscht.
Rüdigheim, 1. Juli 1899.
Köhler, Bürgermeister. Römer, Pfarrer.
Für den durch Brandunglück geschädigten armen Weber in Rüdigheim
gingen weiter bei unS ein:
Von C. L. T.......Mk. 2.—,
„ Ungenannt...... 1.50.
Weitere Gaben zur Weiterbeförderung nehmen wir gerne entgegen.
Redaktion des „Hananer Anzeiaer".
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