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Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, fix Auswärts 30 ^.

«r. 146

Montag den 26. Juni

1899.

gelungen ist, ihre Agitation auf dem Lande zu organisiren. Die Centralleitung will in Posen arch eine sozialdemokratische Zeitung gründen.

Die Bären Inseln.

Die Nachricht, daß Deutschland die Bären-Juseln annektirt habe, ist, wie von derNordd. Allg Ztg." mitgetheilt wird, falsch. Eine von dem Deutschen Seefischerei-Verein veranlaßte Expedition ist lediglich zu Fischereizwecken nach den Inseln abgegangen. Findet sie den Platz für jene Zwecke geeignet, so wird es ihr natürlich freistehe«, auf dem herrenlosen Eiland die ihr etwa zweckmäßig scheinenden Anlagen herzu­stellen und in Betrieb zu nehmen. Ein Auftrag oder eine Ermächtigung, namens d?s Reiches aus den Bären-Insel« die deutsche Flagge zu hissen, hat weder jene Expedition noch sonst jemand erhellten, auch nicht Herr Lerner, der in einem in verscht«denen Zeitungen veröff ntlichten Telegramm angibt, die Bärcn-Jnsiln erreicht und ein Stück Land daselbst in Besitz genommen zu haben, mit dessen Unternehmen aber die teutsche Regierung nichts zu thun hat.

Unruhen in Chin«.

Aus Tsintau wird berichtet: Die Einwohner verschiedener bei Kaomie gelegener Dörfer zerstörten die von den deutschen Ingenieuren dort unternommeneu Bahnkanten. Die Strafe folgte auf dem Fuße nach. Hauptmann Mauwe, Chef der 1. Kompagnie des See-Bataillons, wurde mit 80 Mann seiner Kompagnie und 16 Reitern an Ort und Stelle ge­schickt, um die Aufrührer zu züchtigen.

Den Bewerbern auf die turch unterfertigten Vorstand ausgeschriebenen beiden Stellen düne hiermit zur Nachricht, daß die Stellen nunmehr besetzt sind.

Hanau, 23. Juni 1899.

Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.

Müller,

Vorsitzender. 9811

LergsSschau.

Kaiser-Manöver.

Die Paradetage während der diesjährigen Kaisermanöoer sind wie folgt festgesitzt: Am 4. September findet bei Straßburg im Elssß Parade über das XV. Armeekorps, am 7. September bei Stuttgart über das XIII. und am 8. Septemker bei Karlsruhe über das XIV. Armeekorps statt.

Der Berliner Mam-rstreik vor dem Einignngsamt.

In der Samstagssitzung des Einigungsamtes des Ber­liner Gewerbegerichts, betoffend die Sperre im Baugewerbe, wurde ein Vermittelungsvorschlag angenommen, wonach der Lohn bis Jahresschluß 60 Pfennig per Stunde beträgt, dann bis zum 30. September 1900 62'/, Pfennige und weiter bis zum 31. März 1901 65 Pfennige. Die Arbeilszeit beträgt neun Stunden. Zur Regelung der Arbeitszeit, Pausen, Lohuverhältnisse und Streitigkeiten wird eine auS je 9 Arbeit­nehmern und Arbeitgebern bestehende Kommission gebildet, gegen deren Entscheidung binnen 3 Tagen aus Gewerbe­gericht appellirt werden kaun. Bausperren sind nur zulässig, wenn einer Entscheidung der Kommission bezw. des Gewerbe- gerichtS nicht Folge gegeben wird. Die obeugenauute Kom­mission tritt alljährlich zusammen, um die Arbeitsverhältnisse und die Lohnverhältnisse für das nächste Jahr festzusetzen. Die bkstehinden Maurerorganisationen verpflichten sich, im Widerspruch mit obigen Bedingungen ausbrechende Ausstände nicht zu unterstützen. Maßregelrngen wegen des lltzten Aus­standes finden nicht statt. Die Arbeit wird am Dienstag wieder ausgenommen.

Die Sozialdemokraten entfalten neuerdings in der Provinz Posen eine rege Agitation. Sie legen besondern Werth aus Gewinnung auch der polnischen Arbeiter, und selbst auf dem platten Lande strecken die Agitatoren ihre Fühlhörner aus. Eine Reihe von Agitationsschriften ist in deutscher und polnischer Sprache hergestellt worden. Namentlich die polnischen riften kleiden sich in ein religiöses Gewand. Trctzdem sind die Erfolge noch mäßig. Immerhin hat es in den Kreisen der polnischen Geistlichkeit stark befremdet, daß es den Cssialisten überhaupt

Preußischer Landtag Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 24. Juni.)

Das Haus nahm debcttelos in dritter Lesung den Gesetz­entwurf, betreffend dir Versetzung richterlicher Beamten in den Ruhestand, ferner den Nachtragsetat, sowie den Gesetzentwurf, betreffend die Vertheilung der öffentlichen Lasten bei Grund­stückstheilung, und t en Antrag Kirsch (Plessenberg), ketreffend die Ergänzung der gesetzlichen Vorschriften über die Jagd- ausübung auf eigenem Grundbesitz an. Sodann wird die zweite Lesung der Charfreitagsvorlage fortgesetzt. Hierzu liegt ein Antrag Borght (Hackenberg) vor, der der Vorlage folgende Fassung geben will; Der emsige Paragraph lautet: Der Charsreitag hat für den ganzen Umfang des Staat? ge- biltcs die Geltung eines allgemeinen Feiertages. Die Abgg. Limburg-Stirum und Stockmann bean­tragen folgende Fassung: Der einzige Paragraph lautet: Der Charsreitag hat die Geltung eines bürgerlichen allge­meinen Feiertages. In Gemeinden mit überwiegend katho­lischer Bevölkerung soll die bestehende HerkömmUche Werktags-

thätigkett am Chmfreitag nicht verboten werden, es sei denn daß es sich um öffentlich bemerkbare ehr geräuschvolle Ar­beiten Harri elt, die in der Nähe von dem Gottesdienst ge­widmeten Gebäuden vollzogen werden. Abg. Schall (kons.) brsü-wortet den konservativen Antrag. Abg. v. d. Borght empfiehlt tca nationalliberalen A trag, der nur gestellt wurde, um die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Würde der Antrag abgelehrt, so werden seine politischm Freunde für den ersten Theil des konservativen Antrages stimmen, den zweiten Theil deS Antrsg 8 müßten sie unter allen Umständen ab- lehnen. Abg. Porsch (Centr.) erklärt, sein: Freunde seien für die Fassung der Herrenhauskommissron. Kultus­minister Bosse erklärt, am liebsten würde die Regierung die ursprüngliche Vorlage wieder Hersllllen und hofft in zweiter Linie, daß der konservative Antrag die Mehrheit erlange. Im weiteren Verlaufe hr Debatte erklärt Abg. Fhr. v. Zedlitz (freitoxf.) ei« Theil seiner politische» Freunde werde für den nationalliberalen Antrag stimmen, d-r größte Theil aber für den konservativen Antrag. Der natloualliberale Antrag wird darauf abgelihnt, der konservative angenommen. Es folgen Petitionen. Verschiedene Petitionen, betreffend die gesetzliche Regelung der Verhältviffe der Direktoren, Lehrer und Lehre­rinnen an städtischen höheren Mädchen- und Mittelschulen werden der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr, Justizgesetz.

A«S Stadt- U«d Landkreis Hsnan» Kachdruck ««serer Lokalartike? nur mit OuellenLUgsSe ,f«i Nr:-.^ gestattet

Die 38. Hauptversammlung des Hessischen Diakonisienhauses.

Am 20. Juni 1899, nachmittags 4 Uhr, fand die dies­jährige Generalversammlnag des Hessischen Diakoniss-nhaaseS statt. Dieselbe war diesmal besonders zahlreich besucht. Man bemerkte unter de« Säften; Se. Excellenz den Herrn Ober­präsidenten Grafen Zedlitz-Trützschler und Gemahlin, die Gräfin Köuigsmarck, Oberhofmeisterin Ihrer Königl. Hoheit der Prinzeß Friedrich Leopold u. s. w.

Punkt 4 Uhr ertönte, von den Schwestern vorgetragen, dai Lied: ^O daß ich tausend Ausgen hätte^, woran sich das Eingangsgebet, gesprochen voa Herrn Generalsuper- istendent Lohr, schloß. Die Versammlung eröffnete der Vorsitzende, Herr Ko»sistsrislprästde«t von Altevbockam. Er erwähr-te ehrend das im Vorjahre verstorberen Mitglieds des Vorstandes, Herrn Amtsgerichtsrath Köhler, und berichtete, daß an Stelle des Verstorbene« Herr General Harnickell und an die Stelle des früheren Herrn Oberpräsidmten Excellenz Magdeburg der Nachfolger derselben Graf Zedlitz-Trützschler in den engeren Vorstand eingrirete» sei. Das Berichtsjahr

FeMMtsK.

Ein neunter Mond des Saturn.

Kein Planet hat seit der Erfindung des Fernrohrs das In eresse der Himmelsforscher so sehr gefesselt wie der Saturn. Schon Galilei hat mit seinem unvollkommenen Fernrohre die eigenthümliche Gestalt dieses Planeten wahrgenommen; der Fortschritt in der Fernrohr-Technik hat schließlich erkennen lassen, daß Saturn von einem System von Ringen umgeben ist Außerdem umkreisen ihn auch mehr Trabanten als irgend einen andern Planeten. Ächt Monde waren bisher bekannt. Fünf von ihnen, der dritte, vierte, fünfte, sechste und achte vom Saturn aus gerechnet, können schon mit kleinern F^ru- rohrcn gesehen werden und wurden bereits im siebzehnten Jahrhundert entdeck'. Der erste und zweite Mond, die schon ein stärkeres Teleskop erfordern, wurden von William Herschel im Jahre 1789 wenige Wochen hinter einander aufgefunden. Der siebente Mond kann nur in großen Fernrohren erblickt werden, er wurde auch erst in der Mitte dieses Jahrhunderts entdeckt.

Ueber fünfzig Jahre sind seitdem verflossen, in denen der Planet und seine Trabanten unausgesetzt beobachtet wurden. Da kommt die Kunde, daß ein neunter Mond^d-s Saturn entdeckt worden sei! Freilich waren selbst die stärksten Fern­rohre nicht imstande, dem menschlichen Auge daS ganz winzige Lichtpünktchen, das seinen Lauf um den Saturn nimmt, zu zeigen. Der photographischen Platte war eS vorbehalten, dies bisher unbekannte Glied deS Sonnensystems aufzufinden. Das neue Auge des Astronomen hat man die photographische Kammer in ihrer Anwendung auf die Leuchten dos Firmaments genannt. Und wirklich ersetzt die photographische Platte in

vielen Fällen das menschliche Auge nicht nur vollständig, son­dern leistet bei weitem mehr, als dieses imstande wäre. Hier­her gehört vor allem das Auffinden schwache Objekte in der Nachbarschaft heller. Das Auge an sich ist zwar erheblich empfindlicher als die photographische Platte. Bei kurzer Beo bachtung erblickt das Auge mehr, als die Platte bei derselben Beleuchtungsdauer wieder gibt. Aber auf der Platte sum- miten sich die einzelnes Eindrücke wenn sie nur lange genug exponirt wird, so zeichnen sich schließlich auf ihr auch die schwächsten Sternchen ab, deren Licht zu gering ist, um auf unser Auge einen Eindruck zu machen.

*

Auf der Lowell-Sternwarte in Arizona fand Prof. Pcikerinz auf vier Photographien des Saturn Spuren, kleine feine Striche, die darauf Hinwiesen, daß in der Nähe des Planeten noch ein Körper existiren müsse, von dessen Dasein man bisher nichts ahnte. Das Objekt konnte höchstens die Helligkeit eines Sternes 15. Größe haben, wäre unter günstigen Bedingungen also mit den großen Riesen-Fernrohren eben noch zu sehen. Aus den Messungen der Stellung des Mondes auf den vier Platten kann die Zeit, in der der Trabant sich um den Saturn bewegt, mit einiger Annäherung abgeleitet werden; sie beträgt rund 17 Monate. Daraus geht hervor, daß der neue Mond weiter entfernt ist vom Planeten, als die acht bisher bekannten. Der äußerste von diesen, Japetus, vollendet einen Umlauf im Saturn in 791/3 Tagen. Er ist dabei von dem Planeten etwa 10 mal so weit entfernt, als unser Mond von der Erde. Die Ent­fernung deS neuen Mondes vom Saturn ist mehr als dreimal so groß. Seine Beilegung ist daher auch eine sehr lang­same: nur etwa 1 Kilometer in der Sekunde legt er in seiner Bahn zurück, während der erste Saturnsmond, der dem Planeten am nächsten steht, in der Sekunde vierzehn Kilo­meter vorwärts rückt.

Ueber den Durchmesser des neuentdeckten Körpers können bisher nur Vermuthungen bestehen. Seiner Helligkeit nach zu urtheilen, dürfte er gegen 200 Kilometer im Durchmesser haben. Genauere Bestimmungen müssen wir von der Zukunft erwarten. Ha.

Aus Kunst und Leben.

Schriftstellerhonorar Kiplings. Die Honorare, die Rudyard Kipling für feine Werke erhält, gehören zu den höchsten, die je einem Novellisten bezahlt worden sind. Im vorigen Jahre hat Kipling sich verpflichtet, für ein englisches Magazin acht Erzählungen zu schreiben, und für jede derselben ein Honorar von 240 Pfund Sterling ( 4800 Mark) zugesichert erhalten. Dieses Honorar gilt jedoch nur für den Journalabdruck innerhalb Großbritanniens; Kipling kann die Erzählungen auch noch an Zeitschriften in Amerika, Indien und den englischen Kolonien verkaufen und erhält außerdem für die spätere Herausgabe in Buchform sowohl in Amerika wie in England weitere beträchtliche Honorare. Alles in allem wird ihm jede dieser Erzählungen etwa 1000 Pfund Sterling ( 20,000 Mark) eintragen. Indessen wird dieses stattliche Honorar noch nberboten von den Er­trägnissen der vor zwei Jahren inScribners Magazine erschienenen Erzählung , 007*, mit der Kipling wohl den Rekord unter allen bisher dagewesenen Schriftstellerhonoraren erreicht hat Die Er­zählung, die etwa 6000 Wörter enhält, wurde zunächst vonScribners Magazine mit 1500 Dollars (= 6000 Mark) honorirt; sie ist vor einem halben Jahre mit 11 anderen Geschichten zusammen in Buch­form herausgegeben worden, und da der Band (The Davs Work) feinem Autor bisher über 200 000 Mark eingetragen hat, so entfällt auf'007* insgesammt die Summe von 2530 000 Mark, d. i. auf jedes Wort der Erzählung 45 Mark. Die Erzählung, die allerdings höchst originell ist und das eigenartige Talent des Dichters besonders gut charakterisirt, ist in deutscher Uebersetzung im neuesten (11.) Heft vonAus fremden Zungen", Zeitschrift für die moderne Erzählungs­litteratur des Auslands, enthalten.