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Vierteljährlich

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Für auswärtig« Wbknenten mit dttt betresienden Vostaufschlag.

Die einzelne Dummer kostet

3

Zugleich

Amtliches Organ für Staök- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Freitag den 23. Juni

Einrückung».

gebühr

für Stadt- und Land» kreis Hanau 10 ^ Ht 4gespaltenc Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil

die Zeile 20 ^, fit Auswärts 30 ^

1899.

AmtlichKs. sofort die untertänigste Unterstützung der gemäßigt:« Repu- bisse Partei anspornen, Rache für dir Niederlage zu nehmen,

blikaner gefunden haben; wäre die Stimmung einheitlich ge Wenn also Julius Coins'y sagt, die Verurtheilung von

<^ ^: gen Dreyfus, so würde Mäline es verstanden haben, sich Dnyfus würde die Resolution bedeuten, so mag er viell-.icht

Bekanntmachungen des Komguchen Landrathsamtes. ! selbst ans Ruder zu bringen, denn er hätte dann über ganz Recht haben, er hältr aber hinzufüzen sollen, daß die

In Fechenheim und Ostheim ist die Maul- und Klanen- eine sichere Mehrheit in der Deputirtenkammer verfügen Frei'p echung von Dltyfus ebenfalls die Rwolution br-

seuche erloschen und sind die angeordneten Sperrmaßregeln können. deuten würde.

aufgehoben worden.

Hanau am 23. Juni 1899.

Der Königliche Landrath, v. Schenck.

Düse Uneinheitlichkeit der Volktstimmung macht es auch

deuten würde.

DienstnachriHten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Bürstenhalter für Tyuamo. Ein goldener Trauring, gez. E. B. 27/11 92. Eine dunkelblaue Kolter auf der Ortsstraße zu Gronau; Emp'argnahme bei dem Herrn Bürgermeister daselbst. Ein schwarzes Notizbuch mit verschiedenen Notizen und mit dem Namen Aug. Waas. Ein großer Schlüssel auf dem hiesigen Friedhof. Ein schwarzer Marktloib im Cigarrengeschäft bei Wiltheis stehen geblieben.

Hanau am 23, Juni 1899.

Selbst wenn aber der Drry'usprozeß nicht gerade zur schwierig, ein Urtheil darüber abzugeben, ob Drepfus von Revolution, sondern nur zu vorübergehenden und von einer dem neuen Kriegsgerichte verurtheilt oder freigesprochen wer-. kräftigen Regierung von der man freilich in Frankreich den wird. Ein Gericht, und ganz besonders ein militärisches,: nichts merkt gleich niederzuweifenden Unruhen führen sollte selbstverständlich das S-lbstbewußtsein Haken, lediglich sollte, so wird man doch die Nachwehen der traurigen An- nach seiner Ueberzeugung zu gehen, ohne sich im mindesten gelegenheit noch lange zu spüren haben. Denn der Prozeß um die Volksstimmung oder um die Wünsche der g rade am har oie unsäglichsten Verheerungen innerhalb der Parteien Ruder befindlichen Persönlichkeiten zu kümmern. Daß man zur Folge gehabt. Ein Mann, wie Rochefort, der früher zu französischen Gerichten dieses Zutrauen nicht von vorn- j '

herein hat, kann nach dem Verlause der Drryfas-Angelegen­heit schließlich Niemardem verargt werden. Man wird um- somehr Bedenken tragen müssen, die eine oder andere Lösung der Frage zu prophezeien, als man ja sieht, wie sowohl die Revisionist-n, wie die Antirivisionisten alle Hebel in Be­wegung setzen, um zu versuchen, das Kriegsgericht in ihrem Sinne zu beeinflussen. Diese Versuche wurden wohl unter­

jeden GeistlichLit-urd j-den Berufssoldaten am liebsten zehn­mal für einmal getötet hätte, ist zum Liebling seiner früheren Gegner geworden. Ein Maun, wie Cornö'y, der durch und

Vorletzter Akt oder letzter.

Der Held des Dramas, das Frankreich seit Jahr und

" 1 bleiben, wenn man von ihrer Aussichtslosigkeit von vornherein überzeugt wäre.

i durch konservatio und streng katholisch ist, steht sich in der ! Gesellschaft von Radikalen und von Leuten, die früh und Ispät ausrufen:Nieder mit den Pfaffen." Eine derartige 'Sonfuffion aller Parteiverhältnisse, Auffassungen und Be­griffe, kaun einem Lande nicht gut bekommen. Und so wird der Held des traurigen Dramas, der persönlich wenig sympathische und auch wenig bedeutende Hauptmann Drepfus

Tag in Athem hält und die übrige Welt mindestens interessirt, hat den Boden Frankreichs betreten, um Monatsfrist abgeurtseilt zu werd.n. M-'t diesem wird der Prozeß Dreyms gerichtlich eil digt sein,

lebhaft binnen Urtheil und so

Wenn nun Drrysus verurteilt wird? Kann man denn für die Geschichte Frankreichs eine der bedeutungsvollsten annehmen, daß sich die Revisionisten damit beruhigen werden? Persönlichkeiten bilden.

Gewiß nicht. Die Hartnäckigkeit, mit der die Anhänger von Drrysus seit dem Oktober 1897 kämpfen, läßt daran keinen Zweifel, daß sie sich mit dem Fehlschlagen ihrer Er-

Deutscher Reichstag.

|Wartungen nickt ohne Weiteres abfinden werden. Sie hätten (Sitzung vom 22. Juni.)

gerichts in Rennes der Vorhang fällt. Es ist aber sehr ja aberdarn auch ein vorzügliches neues Kampsesmittel in ders Am Bm.desrathstisch Staatssekretär Graf PosadowSky. . Jraglid), ob wir vor dem Beginne des letzten Aktes stehen, Hand: nämlich den Hinweis aus den Gegensatz, in den sich Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung 11 Uhr

oder ob nicht vielleicht diesem letzten Akte ein allerletzter fol- die militärische Gerichtsbarkeit zu den bürgerlichen Gerichten i 25 Min.

gen wird, der dann eine viel reichere und bedeutungsvollere stellt. Und die Dreyfus-Angeiezenheit wirb ja schon längst: Das Haus nimmt einstimmig einen Antrag

Handlung haben würde, als das ganze eigentliche Drama. ! nicht nur von sich aus betrachtet, sondern sie ist zur Kraft- an, sich bis zum 14. November zu vertagen.

Man könnte nur dann annehmen, daß die Dr.yfus-Ange- probe, zum Schiboleth der politischen Parteien geworden. Bei der Fortsetzung der Berathung des Gesetz ent- legerheit mit dem kriegsgerichtlichen Urtheil erledigt sein wird, ^Das Bürgerthum wird durch die militärische Diktatur?wurfs zum Schutze deS gewerblichen Arbeits­wenn die politische Stimmung im Lame geklärt wäre; wenni unterbinde", würde der Schlachtruf der Drcyfussianer laute», Verhältnisses spricht Abg. Heiue (Soz.) gegen dieVor- die Bevölkern«'! entweder durchgängig Drcyius verurtheilt,'wenn ihr Held von neuem verurtheilt würde. ; läge. Staatksckrrtär Nieberding führt aus, das Gr­

ober ebenso durchgängig ihn freigesprochen wissen möchte. Daß: Und wenn Drryfas freiaesprochen würde, würde dann setz sei kein Ausnahmegesetz, da gewisse, tßatsächlihe Verhält- vm einer solchen Klärung nicht die Rede sein kann, ergibt eine Beruhigung eintreten? Ebenfalls nicht. In drn Nisse die Grundlage der Straföestimmungen bil en. Redner sich aus der Särge der Minist erkrisis. Wäre das französische letzte,en Ja';ren hat der Antisemitismus in Frankreich ingeht näher auf die von dem Abg. Heine vorgebrachten Fälle Volk nach der einen oder nach der anderen Seite hin ein einer Weise an Boden gewonnen, wie in keinem anderen,ein. Die Vorlage habe keineswegs den Zweck, das Streik- müthia, so hätt' sich ein Ministerium binnen 24 Stunden Lande der Welt, weil er in Frankreich nicht für sich allein i system unmöglich zu machen. Die Denkschrift wolle nicht die bilden lassen Di' französischen Deputüten sind nicht Leute/ steht, sondern sich mit dem Klerikalismus und den mo- Vorlage begründen, sondern nur ein Bild der Verhältnisse die ihren Männersiolz vor Königsthronen, d. h. in Frank- narchistischen Bestrebungen verbündet hat. Diese verbünbettn geben. Die Herren von der Linken behandeln die EinzU- rkich vor dem souv"ären Volke" wahren, sondern die sich Parteien haben eine Stärke gewonnen, wie mm es im Lande heiten der Denkschrift, aber die Grundzüge der Vorlage nach der Stimmung des Volkes richten." Wäre die Stimmung der ^Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" nie hätte an- j schweigt man todt. Ü ber die Einzelheiten der Vorlage wollen des Vo'kes einheitlich für Drey^us, so würde Waldeck Rosfiau nehmen können. Die Freisprechung von Dr y^us winde wir mit uns sprechen lassen, aber die Grundsätze müssen br-

sollte man meinen, daß mit dem Wahrspmche des Kriegs

FsNMet-M.

Eine Hochschule deutscher Schauspielkunst.

Von Viktor Hertel.

(Auf vorherige Anfrage ist Nachdruck gestattet.)

Mit dem gesteigerten Andrang- znr Bülne, welcher sich in den ü^ten drei Jahrzehnten besonders bemerkbar gemacht bat, ist die Reihe der Vorber-itungsansialten, die ohne jete Auf sicht und P.üsung zur Ausbildung junger Leute zu dem schau- fpieürischc« Berufe berechtigt sind, in bedrohlicher, die ge- fammtkn;nr»verhältnisse Hera! drückender Weise gewachsen. Der Zahl der sogenannten Theaterakademien, die man hier und dort errichtet, ist fast Legion. Da eine Konzessionirung solcher Institute nicht erforderlich, so ist ein Unterschied der Lüstunaen nur insoweit vorher zu erkenrun als der Name des Leiters für eine wirklich künstlerische Vorb-reitung und für die allgemeine Ausbildung junger Talente gt und ein gewissm- haftes Epst.m der Prüsuug daS unbefähigte Element aus- ^Ja gutem Glaulen und ohne nähere Kenntniß d;r Eig:N- fchajlen eines Lehrers der sie ausbilden soll, nehmen so in den größeren Städten alljährlich viele unerfahrene Kunstbe filffene d-n ersten Anlauf zur Welt der Bühne, deren Forde­rungen sie zumeist gänzlich unterschätzen, deren EattauschuugiN ste nicht ahnen; doch hilft manchen von diesen vielleicht zuzend liche Begeisteruvg, Fleiß und redliches VorwärtSstrebe«, so wie ein glückliches Selbsturtheil noch auf den rechten Weg künstlerischer Schaffeusthätigkeck. Anderen, die weniger ernst, hast und gtnnblii) und ohre tigeutlichen inneren Trieb zu verspüren, sich der theatralischen Laufbahn zuwenden, vielleicht durch günstige äußere Mittel bewogen, durch die Hoffnung aus ein schnelleres Fortkommen und größere Freiheit und Selb-

standizkeit im L ben gelockt, ist im Grunoe der Weg um zu ihrem nächsten Ziele zu gelangen ziemlich gleichgültig^ wenn er nur überhaupt gangbar und möglichst rasch und bequem zu einer ersten Staffel führt. Der kühne Streber schwingt sich empor, sich ohne Bedenken aller Umstände bedirnrnd, während der Lässige, in frohen Gefühl einer ge­wissen Uugeöundenheit, sich treiben läßt wohin i[n die Woge des Schicksals und die Gunst der Gönner führt, die ihn zu­weilen aus dem Nichts emporhebt. Ersterem gelingt es oft, sich auch auf angemaßtem Sitze zu behaupten, dem Letz­teren wird der Platz, den ihm der Zufall mehr als sein Talent verschafft, seltener streitig gemacht als dem mühsam von unten sich emporringenden Kunstjünger, der nicht nach der Schablone gebildet, sich selbst geschult in der Beobachtung fertiger Künstler, die wirklich berufen sind, Lehrmeister der Werdenden zu sein und der seinen eigenen Weg geht in der Ueberzeugung auf dem rechten Weg zu sein. Je unauffälliger er ihn beschreitet, desto weniger wird eine geschwätzige Re­klame sein Mühen beachten und nur wenn es ihm einmal gelingt eine Höhe zu erklimmen, von der aus er der Menge sichtbar werden muß, dann trägt Frau Fama seinen Ruf weithin in die Lande. Es sind Diele, die auf diese Weise mühsam, einsam ringen auf beschwerlichem Pfade und im Dunkel bleiben; die Sonne des Glücks und des Ruhmes scheint nicht in die Tufen.

Jt es nun ein Vortheil für die dramatische Kunst, der Bühne ohne Auswahl Berechtigte und Unberech­tigte zugesührt zu wissen und sie die weltbedeutcnden Bretter sicheren oder schwankenden Fußes betreten zu sehen? Bedarf nicht die dramatische Kunst einer Schule und wie müssen die Sicherheiten beschaffen sein, welche uns schützen vor einer klebe, fluthung des Echruspielerstandes mit unzulänglichen, un­gebildeten und verbildeten oder gänzlich unbrauchbaren Elementen?

Die Nothwendigkeit dramatischer Vorbildungsschulen kann nicht bestritten werden. Sage man immerhin der Schau­spieler brauche nichts weiter als Anlage, Talent? Sollte wirklich weiter nichts erforderlich sein, nun, so würden wir unter den Ausrufern und Marktschreiern vor den Schaubuden und Kramläden auf Messen und Jahrmärkten unzweifelhaft auch schon reichliche Ausbeute finden, denn in deren Auftreten zeigt sich sehr häufig eine wirklich schauspielerische Begabung und Fertigkeit. Aber auch die stärkste Naturanlage reicht nie zur Bewältigung einer Ausgabe der Kunst hin. Und gerade die dramatische Kunst, die vielseitigste, den Menschen in allen feinen Lebmßäußerungen und in den erdenklichsten Beziehungen darstellende aller Künste verlangt geistige und technische Vorbildung neben dem angeborenen Talent, daS wohl durch einfache Anschauung und besonders durch scharfe Beobachtung zwar zu großer selbstständizer Ent­wickelung zu gelangen vermag, aber niemals das Vertraut­sein mit den Gesetzen dramatischer Darstellung ver- miffen lassen darf, trenn es eben künstlerisch wirken soll. Die Sprache, das Wort, der Vortrag wollen für den be­sonderen Zweck gebildet und beherrscht sein, der Körper zu der jeder Regung willig folgenden Haltung gefügt, der mimische Ausdruck deutlich gemacht und vergeistigt sein. Verstandesbildung, Logik und psychologische Erkenntniß, geschichtliches und kultur­historisches Studium, deutsche und auch fremdländische Litteratur, kurz die Aneignung einer gewissen allgemeinen Bildung wird dem Jünger dramatischer Kunst nicht fehlen dürfen. Dir darin bestehenden Lücken auszufüllen bei drn oft den ver­schiedensten L:benSspharen entstammenden Schülern wird eine dramatische Vorbildungsanstalt sich in erster Linie angelegen sein lassen müssen, ehe sie zu der eigentlich berufsmäßigen Ausbildung und Kunstübung im Rollenstadium und auf Bühnenproben schreitrt. Solche mühevollen Vorbereitungen, die auf Seiten der Lehrkräfte wirkliche Kenntniffe, Reife deS