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Rt. 142.

Amtliches Organ Mr Hlsöt- unS LanöKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Mittwoch de» 21. Juni

EinrückungS- gebühr

für Stadt- und Land« kreis Hanau 10 ^ bh 4gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum,

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, fit Auswärts 30 ^.

1899.

Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Lesebuch mit dem Namen W. Müller. Ein Buch mit dem Titel:Aus dem Schwarzbuche eines Polizeibeamten". Am 17. d. Mts. an der Post ein goldener Ring mit einem rothen Rubin. Zwei schwarze Herrenregen­schirme, in einem hiesigen Laden stehen geblieben.

Vom Wasenmeister am 20. d. Mts. eingefangen: Ein schwarzer Schäferhund und ein schwarzer Pinscher, beirr w. Geschl.

Hanau am 21. Juni 1899.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 20. Juni.)

Am Bundesrathstische b'e Staatssekretäre Graf Posadowsky und Nieberding. Eingegangen sind die Gesetzentwürfe be- treffend die Handelsbeziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Spanien, betreffend den zweiten Nachtrags Etat für die Schrtzzebiete und belriffend die Ausnahme einer Anleihe. Vor Eintritt in die Tagesordnung ruft Präsident Graf Ballestrem den Abg. Bebel wegen seiner gestrigen Aeuße­rung,wenn eine ähnliche Vorlage Gesetz werde, gereiche es Deutschland zu Schmach und- Schande*, zur Ordnung. Bei der Fortsetzung der ersten Lösung des Gesetzentwurfes, be­treffend den Schutz des gewerblichen Arbeitsver- hältnisses erklärt Abg. v. Levetzow (kons.), die Vor­lage beabsichtige, Schutz zu gewähren gegen die Beschränkung eines, allen Menschen zustehenden, natürlichen Rechtes. Das Recht des Streikes darf aber nicht durch Anwendung moralisch und rechtlich verwerflicher Mittel ausgeübt werden. Der Nachweis ist geführt, daß die bestehenden Gesetze nicht aus­reichen, daher ist eine Verschärfung derselben nothwendig. Redner beantragt Verweisung an eine 88gliedrige Kommission. Abg. Lieber (Centr.)führt aus, daß es die einstimmige Ansicht aller seiner politischen Freunde fei, daß die Vorlage die große Frage des Aufbaues und des wirksamen Schutzes der Koalitionsfreiheit aufrolle, allerdings indem sie das Pferd beim Schwänze aufzäume. Anstatt eines positiven Aufbaues ergreift derVorwurs nur Repressalien und empfiehlt wiederum das System der Lückenbüßer«, anstatt sich organisatorisch aufzubauen. Wenn man die Koalitionsfreiheit schützen will, muß sie erst da sein. Der § 152 der Gewerbeordnung gibt nur eine beschränkte Koalitionsfreiheit. Wir verlangen die gemeine Koalitionsfreiheit auf dem Boden des gemeinen Rechts. Von der Regelung und dem Schutze der KoalüionZ- sreiheit könne nicht eher die Rede sein, ehe nicht die volle Freiheit der Koalition in die R-ichsgesetzgebung ausgenommen fei. Die Lücke in der Gesetzgebung soll ausgefüllt werden durch dieses neue Ausnahmegesitz. Angesichts der nicht selten

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Die Jahrhundertfeier des metrischen

(22. Juni.) Von Dr. Rudolph Jigulus.

(Nachdruck verboten.)

Seit dm Uranfängen menschlicher Kultur, jedenfalls lange, bevor sich die Bildung geregelter Staaten vollzog und Handelsbeziehungen der Menschen untereinander das Be­dürfniß nach bestimmten Maßen und Gewichten zu einem brennenden machten, hat es fchon Maßsysteme gegeben; denn schon der Höhlenmensch cus den frühesten Perioden der Steinzeit hatte den begreiflichen Wunsch, die Summe der Produkte seines primitiven Fleißes in irgend einer ^Weise durch Messen und Wägen festzustellen. Als natürliche Längenmaße dienten ihm die Länge seines Unterarme- (Ekle), seines Fußes oder seiner Schritte; um Flüssigkeiten abzu- messen, benutzte er den Hohlraum der zur Höhlung in Halb­kugelform an einander gelegten Hände und zum Vergleich des Gewichts benutzte er eine bestimmte Anzahl Getreide- körner (Gramm) oder ähnliche in der Natur pdf bietende, zur Vergleichung geeignete Dinge.

Nach diesem Entwickelungsgänge mußten sich die Matz- unb Gewichtsverhältnisse, obwohl auf denselben Grundlagen beruhend, schon wegen der willkürlich gewählten ^agl der obendrein nach Rasse und Körperbeschaffenheit sehr ver­schieden großen Einheiten, überall anders gestalten. Wenn wir beispielsweise in die Zeiten von Deutschlands größter Zerrissenheit zurückgehen, so finden wir fast in jedemder vielen hundert großen und kleinen Territorralsurstenthumer

haarsträubenden Urtheile gegen Arbeiter auf Grund des § 152, angesichts der himmelschreienden Parteilichkeit der Urtheile. (Präsident Graf Ballestrem unterbricht den Redner: Der Prästdent kann nicht zulasten, daß die deutschen Richter himmelschreiender Parteilichkeit geziehen werden und ruft den Redner zur Ordnung.) Lieber fährt fort: Seine Partei würde einer Verschärfung der Strafbestimmungen daher nur sehr schwer zugänglich sein. Dem Wunsch des Abz. Bebel aus Ablehnung der Kommissionsberathung könne er sich nicht au'schließen. Wir wollen vielmehr die einmal aufgerollte Frage der Koalitionsfreiheit kenützen, um die Korlitions- sreiheit zu sich-rn, auszudehnen und zur Wahrheit zu machen und zu versuchen, ob die Regierung bereit ist, mit uns in eine derartige Behandlung der Frage einzutreten. Abg. Bassermann (nat.-lib.) führt aus: Seine Partei sei mor archisch; sie sei eine überzeugte Anhängerin der j tzigen Ge- srllHaftsordnung, halte es aber für richtig, dieses Gesetz ab- zulehnkn. Es sei jetzt schon klar, daß dieses Gesetz nicht zu Stande komme; es enthalte eine ungleiche Behandlung der Arbeiter und Arbeitgeber. Gerade in Anerkeuntniß der Ge­fahr des Wachsens der Sozialdemokratie sei die Einbringung des Gesetzes faisch. Die Sozialdemokratie sei die einzige Partei, die eine Freude ü^er die Einbeugung des G s tzes empfinde. Wollte die Regierung um dieser Vorlage willen den Reichstag auflösen, würde sie nicht nur die ganze Ar­beiterschaft, sondern auch weite Kreise des Bürgerthums gegen sich haben. Wir sind der Meinung, daß eine Vermehrung der Strafmittel nicht nothwendig ist. Ein Theil meiner politischen Frmnde hält allerdings den Ausbau des Para­graphen 153 der Gewerbeordnung für geboten und wünscht Kommissonsberaihnng. Ich halte es für richtiger, im kommenden Herbst sofort im Plenum die Vorlage möglichst rasch abzulehnen. Staatssekretär Nieberding: Wenn der Abz. Bossermann bedauert, daß unsere Gerichte vielfach den groben Uufugparagrapien anwenden, obwohl die Stelle dazu nicht gegeben, müsse er dies Odium von ursrer Justiz nehmen. Eine solche Rechtsprechung sei meistens bei, den Schöffengerichten vorgekommen. Das allgemeine Rechts-- gefühl empfinde hier eben eine Lück'. Das beste Mittel sei,! zu erwägen, ob hier abzuhelfen sei. Der Staatsstkreiär er­kennt an, daß die Borlage ganz überwiegend die Arbeiter- wät trifft; sie ist formal gegen Arbeitgeber wie Arbeiter ge­richtet. (Zuruf; Ja formal!) Ich bin weit entfernt, zu bestreiten, daß die Bestrebungen der Arbeiterschaft bis zu einem gewissen Grade eine berechtigte Grundlage haben. Die Ausschreitungen auf dem Gebiete der Arbeiterbewegung führen anerkanntermaßen zu Vergewaltigungen der einzelnen Ar-i bester, die mitmüssm auch wenn sie den Streik für unzu­träglich halten. Der Staatssekretär bittet um Annahme der

und freien Städte andere Maßsysteme und in anderen Ländern war cs nicht viel besser. Unter diesen Uebelständen

litten begreiflicherweise Handel und Wandel schwer; denn,, Tr

als Prinzip galt: das Maß, welches dem Produzenten Theile als Einheitsmaß für die Länge verschlug. Dieser gegenüber seinen Konsumenten den größtmöglichen Vortheil liefert, ist das beste. Darunter wußte das gegenseitige Ver­trauen leiden, und in wie hohem Grade bis der Fall war,

sönnen wir aus den barbarischen mit Todesstrafe und Ver­stümmelung drohenden Strafbestimmungen des Mittelalters bis weit in die Neuzeit hinein ersehen, welche sich gegen Verfälschung von Maß und Gewicht richten. Man suchte darum schon vor Jahrhunderten nach einheitlichen Maßen und Gewichten; da aber die Unterordnungen aller anderen unter das Maßsystem eines einzigen Landes oder ein r Stadt schon wegen des den Menschen nun einmal inne wohnenden partikularistischen Stolzes ausgeschlossen war, so suchte man natürliche Maße zu gewinnen. Als solche schlug man die Entfernung zweier bestimmter Punkte auf der Erdoberfläche, die Länge eines einfachen Sekundenpendels unter einem be stimmten Breitengrad, den zehnmillionten Theil der polaren Erdachse, den Fallraum eines schweren Körpers in einer Sekunde mittlerer Zeit unter einem bestimmten Breitengrade vor und Mouton in Lyon proponirte schon im Jahre 1670, die Länge eines Meridians in der Ausdehnung einer Bogm- minute als Einheit zu Grunde legen. Indeß es blieb alles beim Alten.

ES bedurfte erst her Stürme der französischen Revo­lution, welche vieles Unnütze und Veraltete in die historische Rumpelkammer warf, um den Mouton'schen Gedanken zur Frucht angreifen zu lasten. Die französische Nationalver- sammlur g beschäftigte sich schon im Jahre 1790 mit dieser Angelegenheit und hierbei vertrat der berühmte Laplace bte schon 120 Jahre früher von Mouton ausgesprochene Idee eines auf die Dimensionen des Erdballs gegründeten Maßes,

Vorlage. A'g. Arendt (Rpt) findet an der Rede des Abg. Bastermaan nur erfreulich, daß ein Theil der Natio- nalliberalcn für die Kommffsionsberathung ist. Redner wendet sich gegrn die Ausführungen der Abgg. Bassermann, Lieber und Bebel und wird häufig ron den Sostaltewo- kraten unterbrochen. (Vizepräsident v. Frege bittet, die Zwischenrufe zu unterlassen.) Redner schließt, die Sozial- demok-aäe sei die einzige arbeiterfeindliche Partei, denn sie habe Jntenste an der Unzufriedenheit. Abz. Lenzmann meint u. a., Arendt hätte sich lieber der Goldwährung zu­wenden sollen, denn Reden fei Silber, Schweigen Gold. (Heiterkeit.) Abg.Lieberm« nnv. Sonnenberg hält den Zeitpunkt für die Einbringung des Gesetzes für ungünstig. Es liege dafür kein dringendes Bedürfniß vor. Er stimme für Kommiffionskerathung, da das Gesetz zum Schutz des gewerblichen Arbeitsverhä tnistcs gebraucht werde. Hierauf wird die Weiterberathung aus morgen 11 U)r vertagt. Außerdem dritte Lesung des Handelsprovisoriums mit Eng­land. Nachtragsgesetz. Abstimmung über den Antrag Carolaih betriffettb das Go the-Denkmal in Straßburg und Wahlprüfungen. Schluß 61/» Uhr.

Preußischer Landtag Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 20. Juni.)

Tages-Ordnung; Charfreitagsvorlage.

Auf der Tages-Ordnung der heutigen Sitzung des Ab­geordnetenhauses stand die erste Lesung der sogenannten Char­freitagsvorlage und gab zu sehr ausgedehnten und theilweise sehr lebhaften Debatten Anlaß. Kultusminister Dr. Bosse wies in seiner längeren Eingangsrede zunächst -darauf bin, daß die Regierung mit der parlamentarischen Be­handlung der Vorlage nicht immer hätte zufi icdeu sein können. Sodann gab er eine Erklärung dafür, daß die Regierung überhaupt an eine gesetzliche Festlegung b(3 Charfreitags als allgemeinen Feiertags gegangen-e. Die Gründe liegen in dem Vorgehen der Sozialdemokratin im Wupper- thale. Zum Schluß kam er auf ist Behandlung der Vor läge im Herrenhause, welches sich bekanntlich streng auf die Basis der Regierungsvorlage gestellt, aber gleichzeitig den Antrag des Grafen Pfeil angenommen hat. Dieser Antrag ändere zwar prinzipiell nichts an der Vorlage, doch lasse er andere Möglichkeiten zu. Jedenfalls aber liege kein Grund vor, tonfefftonelle Streitigkeiten zum Austrag zu bringen. Während der Abg. Dr. Dittrich (Centr.) sich in der Hauptsache gegen den Antrag Pfeil wandte, gab Abg. Hackenberg (all.) nom ns seiner Partei die Erklärung ab, daß sie der Regierungsvorlage in ihrer ursprünglichen Gestalt zustimmen

indem er die Entfernung vom A quator bis zum Nordpol, also den vierten Theil eines die Erde über die Pole hinweg

umspanneuden größten Kreists, in ihrem zehnmilliorten

Vorschlag wurde im Mai 1790 angenommen. Damit war der einzige Konkurrent, die Länge des Sekundenpendels am Aequator, in Bezug auf welche La Condamine gelegentlich seiner Gradmeffuug in Peru auf das Denkmal im Jesuiten- klostrr in Quito die Worte hatte schreiben lasten:mensurae naturalis exemplar, utinam et universalis", endgültig zurückgedrängt. Mächain und Delanbre begannen darauf im Jahre 1791 den Meridianbogen zwischen Dünkirchen und Barcelona auszumesten und fetzten dieses Werk bis zur Insel Formentera fort. Aber noch vor Beendigung dieser Mestung bestimmte der Wohlfahrtsausschuß am 7. April 1745 als metre provisoire et legal eine Länge von 443,44 Pariser Steten der Toise von Peru und nachdem die Rechnung unter Berücksichtigung der Erdabzlattung an den Polen 443,295936 Linien als den zehnmillionten Theil des Erdquadranten ergeben hatte, kürzte man diesen Betrag auf 443,296 Linien ab, welche dir Länge des mötre vrai et

definitiv daistcllten.

Am 22. Juni dieses Jahres werden es nun gerade hundert Jahre, daß sich die zur Anfertigung der Normal­maße eingesetzte internationale Kommission von Gelehrten der Gesetzgebenden Körperschaft in Paris vorstellte, um die Prototype der Maße und Gewichte, das Meter und das Kilogramm vorzulegen, welche durch Gesetz der Republik vom 9. Frimaire VIII, b. i. der 10. Dezember 1799, als Maße sanktionirt wurden.

Es hat sich später herausgestellt, daß dieses Normalmeter keineswegs den zehnmillionten Theil des Erdquadranten darstellt; infolge untergelaufener Rechenfehler hatte man Letzteren um 856 Meter zu klein angenommen. Spätere Untersuchungen