Erstes Blatt.
«»weemcttta» PreiS:
Jährlich 9 ^, -Mjährl. 4 ^H -.
Vierteljährlich 2 ^ 26 ^.
Für auswärtige Wdknenten mit d« betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne fhtmnter kostet 10
Amtliches Grgsn für Stadt- unS LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrückungS- gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
M. 134
Samstag den 10. Juni
1899.
Amtliches.
Stsölkvsis ^anau Ausfchreiben.
Dahier gestohlen.
Am 30. v. Mts. ein noch gut erhaltenes Adler fahrrad, tragsetats bei dem Nachtrage zum Marine-Etat fort, welcher Marke 54, Fabrik-Nr. 119755, schwarzen Rahmenbau, ver- im Wesentlichen die infolge der Neu Organisation deS Marin--
vlckrlte, etwas nach oben gebogene Lenkstange, Korkgriffe mit Ober-Kommandos erforderlichen Veränderungen betrifft. StaatS- Cellnloilkirfcssung, Sattel mit querliegenden Federn, avisekretär Tirpitz erklärte, daß die Neu-Organisation vom Letzteren befindet sich ein Nickelschild mit der Aufschrift! v arine-militärischen Standpunkte aus für kriegerische Eocn-
„ Nagel". Werth 300 Mk. ; tualitäten durchaus nothwendig sei, damit zwischen dem kaiser-
Am 20. April ein Ring Bronzedr aht zu Leitungszwecken,! lichen Hauptquartier und den Chefs der dem Feinde geg n
69,8 kg schwer, im Werthe von 120—130 Mk. An dem, überstehenden Truppen sich keine Instanz mehr befindet. Die
Ring befand sich ein kle neS viereckiges Messingschild mit der auf die Neu Regelung der obersten Marine-B.lörde bezüglichen „....*. 0- 7----- v......o.— 0----,— ^..„.p ......
Post in wurden unverändert bewilligt, desgleichen die infolge [ ein Vor gang am 4. Oktober v. J. anläßlich dr Kartoffel- der veränderten Ausbildung der See Offiziere nothwendig ge- ernte. Der Schneider Ernst Hain zu Wächtersbach war am wordenen Nachforderungen und schließlich auch der Nachtrags- 3. Oktober zu einer Fuhrwerksbesitzerin gegangen und halte
gtUnloHeitfcffung, Vettel mit querliegeuden Federn
Nr. 1401, K. 69,8.
Um Nachfo schung und event!. Nachricht wird ersucht.
Hanau am 3. Juni 1899.
Königliche Polizeidirektion.
Erledigungen.
ergeben st
1. Ausschreiben vom 26. September v. Js., P. 9840, betreffend Festnahme des Hausburschen Aloys Fath aus Hainbuchenthal.
2. Ar sichre bev vom 1. Mai d. JS., P. 4045, bitreffend Diibstahl eiws AdlerfahrradeS, Fabrik-Nr. 103 230 3. Ausschreibtv vcm 13. Maid.Js., P.4344, betreffend den vermißten Vermissrngsrivisor a. D. Fr. Jacob aus Hanau und
4. AuSschreibin vom 21. April d. JS., V. 3871, betreffend den vermißten C chrriner Meister Kcrl Hain aus Groß- auheim, Kreis Hanau. Honau am 3. Juni 1899.
P. 4920/99 Königliche Pclizeidirektion.
StckSM^sitS ^anatt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Bekanntmechung vom 5. d. Mts. betreffend Lieferung des diesjährigen Bedarfs an Brennmaterial für die gesammte städtische Verwaltung it cl. Spulen wird dahin abgeänbett, taß die Angebote nur die Preise frei Bahnhof und nicht frei Ort und Stelle zu enthalten haben.
Hanau am 9. Juni 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
9043
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: 2 Mk. baar, 1 Kiste Liebigs F'eisch- Cxtrakt, 1 Portemonnaie mit Inhalt und einer defekten weißen Brosche, 2 Täubchen darstellend, 1 weißes Taschentuch mit Monogr. M. K.
Zugeflogen: 1 W'llenpspagei.
Vom Wasenmeister eingefangen: Am 9. d. Mis. 1 schwarzer Epitzhund m. Geschl.
Hanau am 10. Juni 1899.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau »Herold').
Berlin, 9. Juni. Der Kaiser traf heute Vormittag vom Neuen Palais kommend auf dem Bornstedter Felde ein und besichtigte dort das erste und dritte Garde-Ulanen-Regi- ment. Darauf vereinigte der Kaiser beide Regimenter zu einer Brigade und exercirte dieselbe. Sodann fand kurzes Gefechts- Exerciren im Feuer statt, zu dem das Garde Jäger-Bataillon und eine Batterie des 2. Garde-Feld-Artillerie-Regiments hinzugezogen wurde. Den Schluß der Uebung bildete ein Parademarsch.
Berlin, 9. Juni. Die „Rat onal-Ztg." bestätigt, daß die Aussichten der Kanal-Vorlage günstiger geworden sind. Gegenwärtig schweben Verhandlungen zwischen der Re- gierung und den Abgeordneten der östlichen Landestheile, besonders Schlesiens auf Grund der von vatisnaüiberüler Seite in der Kommission gemachten Vorschläge. ES handelt sich hierbei hauptsächlich um eine Schiffbar machung der östlichen Wasserstraßen namentlich der Oder bis zu einer Tragfähigkeit lur Schiffe bis zu 450 Tonnen. Die von dem Oberpräst- drnten Fürsten Hatzfeld in Bevthen gestern erwähnten Ve-
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Di§ hantige Nummer umfaßt außer dem UnterhaltungSblatt 14 Seiten.
gestellt worden. Es wird erwartet, daß die schwebenden Verhandlungen bald zu einem günstigen Abschluß führen werden, sodaß am nächsten Donnerstog die zweite Lesung im Plenum begonnen werden könnte.
Berlin, 9. Junt. Die Budget-Kommission des Reichstages setzte h^ute die Berathung beS Nach-
Etat der Post-Verwaltung. t l
Berlin, 9. Juni. DieWahl-Prüfungs-Kommission deS werk zum Heimfahrt« seiner Kartofsiln borgen wolle. "Die
Reichstages erklärte die Wahl des Abgeordneten von Dastow (kons.) für gültig, beanstandete dagegen die Wahl des Abgeordneten Böckel (Antis.)
Berlin, 9 Juni. Die ausfändigen Steinsetzer sowie die Steinsetzmelster traten heute Nachmittag vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichtes zusammin, um einen Vergleich zur Beilegung des Streikes arzubahnen. Nach längeren Verhandlungen schlug das Emigungsamt einen Vergleich vor, nach welchem die Arbeitszeit der Steinsetzer auf 9 Stunden bemessen und der Lohn auf 65 Psg., zur Nachtzeit auf 90 Pfg. pro Stunde fest gefegt wird. Die Vereinbarung gilt bs 1. Januar 1901. Die Vertreter der Arbeitgeber, sowie die Arbeitnehmer gaben jedoch diesem Vergleich nicht sofort ihre Zustimmung, bereiten sich vielmehr vor, die heute Abend statt- findende Versammlung zu befragen.
Berlin, 9. Juni. Wie das „Bell. Tagebl." aus Budapest meldit, ist der aus der Affaire der Prinzessin Louise von Coburg bekannte Oberleutnant Mattasich vom Kriegsgericht hauptsächlich wegen Wechselfälschung zu fünf Jahren Gefängniß verurth eilt worden.
Berlin, 9. Juni. Wie das „Berl. Tagebl." erfährt, gibt man in hiesigen gut unterrichteten Kreisen die Hoffnung! n cht auf, deß der Streitfill zwischen England und Trcns-z vaal cuf friedlichem Wege gelöst werden wird. Sollte es jedoch zum Ausbruch von Feindseligkeiten kommen, so würde j die Haltung Deutschlands eine streng neutrale sein. Soni einer deutschen Vermittlungsabsicht ist hier nichts bekannt.
Peking, 9. Juni. Der hiesige Bischof stattete im; Namen des Papstes dem Kaiser von China seinen Dank süc die dm Katholiken eingeräumte Stellung ab.
AuS Stadt- und Landkreis Hans«. Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit DueEenangt^e »Harr. fcntu* gestattet.
* Besuch. Der Herr Regierurgsprästdrnt v. Trott zu Solz, ter gestern einer Sitzung ter Direktion unserer Zeichinakademie briwohnte, begab sich heute in Begleitung deS Herrn Landrath v. Schenck nach Hochstadt zur Juaugen- schiinnohme des Landweges Hochstodt-Bischofsheim.
* Erledigte Stellen im Bezirk des 18. Slrme^ korps. Biebrich, Mogistrat, Kastev-Assifient beim Nccisamt, 1800 Mk. Braubach, Magistrat, Wegewärter, 780 Mk. ^ ........ .
Caub, Magistrat, Polizeisergeant und Dollziehungsbeamter, der ungemüthlichen Stelle fort. Dre Sache hatte ihr unan- 900 Mk. Darmstadt, Kaiser!. Oberpostdirektion, Landbrief- genehmes Nachspiel, denn Hain und Eichmarn hatten sich träger, 700 Mk. und der gesitzliche Wohnuvgsgkldzuschuß danach wegen dieses Vorganges vor dem Schöffengericht zu jä'rlich. Dortmund, Kaiser!. Oberpostdirektion, Laudbrief-Wächtersbach wegen gegenseitiger bezw. gefährlicher Körper-
tläger, 700 Mk. und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß' Verletzung zu verantworten. Eichmann machte sich dabei zur jährlich. Wiesbaden, Magistrat, 2 Kanzleigehilfen, 60 Mk.; Ausrede, er habe mit dem Peitschenstiel deshalb auf Hain ge- pro Monat. Wiesbaden, städt. Schlachthaus, Maschinist,! schlagen, weil büfer seine Frau an der Gurgel gehabt und
1200—1700 Mk und freie Wohnung. WieSbaden, Polizei-' gewürgt hätte und dies bestätigte ihm bet als Zeuge ver-
Direktion Schutzmann, 1200—1600 Mk. und 180 Mk. nommene Flurhüter Johann Huck, der ihm an dem Tage
WshnrnaSarldzufchuß. beim Kartoffelausmachen geholfen hatte. Dem war jedoch
* Garnison ver Wallung An Stelle des nach Allen-! nicht so; wie oben beschrieben, hatte Hain die Frau an der stein vers.tzt.n Garnisonvkrwaltungs-DircktorS Winkler wurde Gurgel gepackt und von sich geschleudert, als sie mit der Garrisormrwaltungs-Oberinspeltor Kühne vom Schießplatz Hacke drohend auf ihn zukam, alS zedoch Erchmann mit der bei Köniasbera nach hier versitzt. ! Peitsche auf Ham schlug, stand dieselbe vorne bei den Ochsen
* Verliehen. Dem Schuldierer am hiesigen Königl.I und suchte das Fortfahren des Wagens zu verhindern. So
Gymnasium ist anläßlich seines Ausscheidens aus dem Dienste! wurde der Vorgang von allen Seiten geschildert. Huck war
dar „Allgemeine Ehrenzeichen" verliehen worden. - trotz aller Vorhaltungen von seiner Darstellung jedoch mch abzu-
V Vom Reicklsa-rick t. Wegen Beleidigung bringen. Er erwidert heute auf die Anklage des MeneidS, in zwei Stilen ist am 2. März vom Landgerichte Hanau er habe den Vorgang so in sich ausgenommen und sei fest d-r Hüttner Gco'g Heil in Okerkalbach zu s-chS Wochen davon überzeugt gewesen. E.chmann könne jedoch auch ein
Heil war von dem Bürgermeisteramt eine Poliz istrase von 10 Mk. für Verweigerung von Gemeindedienfleu festgesetzt worden. Dagegen hatte er Widerspruch erhoben und gerichtliche Entscheidung beantragt. Bei dieser Gelegenheit hat er den Vtzebürgirmeister beleidigt. Die von Hetl gegen daS neue Urtheil eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht alS unbegründet verworfen, da das Urtheil keinen Rechts- irrtbum -ntdalte.
"Schwurgericht. (Sitzung vom 9. Juni.) Meineid. Angeklagt ist der am 27. September 1833 geborene Flur Hüter Johann Huck von Wächtersbach, am 4. Januar 1899 vor dem Kgl. Schöffengericht zu Wächtersbach in der Strafsache gegen Eichmann und Hain den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid w ssentlich durch ein falsches Zeugniß
verletzt zu haben. Den Hintergrund zu diesem Prozeß bildet
bei ihr angefragt, ob fie ihm für den nächsten Tag ihr Fuhr-
Frau bejahte ihm dies, als aber am nächsten Tage der Wagen um 11 Uhr, bis zu welcher Zeit er längst versprochen war, noch nicht auf dem Grundstück anlangte, begab sich Hain auf die Suche nach demselben. Er machte dabei die Entdeckung, daß der Wagen, der ihm versprochen war, auf dem j Grundstück des ebenfalls Kartoffeln erntenden Einwohners Eichmann stand und daß auf demselben bereits eine Menge Kartoffeln des Eichmann verladen waren. Der Führer des WagenS war der 16jährige Knecht Sauer und diesen fragte nun Hain, wem er den Wagen dmn eigentlich habe bringen , sollen. Sauer antwortete darauf, ihm (dem Hain), aber der f Eichmann und Huck wären gekommen und hätten ihm den Wagen ' einfach fortgefahren. Hain reklamirte nun von dem Eichmann das Fuhrwerk, worauf dieser, der völlig im Unrecht war, nicht eivging. Hain wollte ihm sogar gestalten, die bereits verladenen Kartoffeln auf dem Wagen zu lasten, ta für feine noch genügend Platz gewesen wäre. Darauf ging Eichmann jedoch nicht ein, sondern wollte weiter fortfahren, zu laden. Nun forderte Hain den Wagen zum letzten Mal und als er ihm wieder verweigert wurde, sagte er Eichmann, wenn er den Wagen nicht gutwillig hergebe, werde er ihm seine Kartoffeln herunterwerfen. Hieraus packte ihn Eichmann an der Brust, Hain st'eß diesen von sich, und dadurch fielen beide Kämpfer zur Erde. Als die Frau des Eichmann sah, daß die Sache ernst wurde, kam sie mit einer Hacke und wollte damit auf Hain einhauen, dieser war aber flinker als die andern, war bereits wieder auf den Beinen und schleuderte
die nun auch auf ihn eindringende Frau von sich, die ebenfalls zu Bod:n fiel. Nun befahl Hain dem Knecht, weiter zu fahren uud wollte sich nach dem vorderen Theil des Fuhrwerks begeben, hatte aber kaum einige Schritte gethan, als auch schon Eichmann hinter ihm her war und mit dem Peitschenstiel von hinten dem Hain rasch hintereinander mehrere Schläge auf den Kopf versetzte; Hain drehte stch erschreckt um, hatte aber im selben Moment auch einen Schlag auf die
Stirn erhalteo, so daß ihm das Blut herauSspritzte. Sauer fetzte nun das Fuhrwerk doch wieder in Bewegung, trotzdem sich die Frau vorne vor die Ochsen stellte, um das Fortfahren zu verhindern. Sie mußte auf die Seite springen und setzte sich dann in die Furche und gab ihrer Wuth über daS verlorene Spiel durch ausgiebiges Schimpfen Ausdruck. Inzwischen hatte sich auch Hain erholt und machte sich von