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Erstes Blatt.

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für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gefpaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

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Amtliches Organ für Stadt- unö LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

XL 128

Samstag den 3 Juni

1899.

AmMch<s

(SanOürets ^attaxt.

Velamtmachunge» des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Rirnvühbestand des Bullenhalters Philipp Scibel II in Hochstadt ist die Maul- und Klauenstuche auSgebe^en und ir.folgebefftn die Gehöftssperre angrorlnet uvldiN. Außerdem wurde die Stroße, in welcher das Seibel'sche Gehöft belegen ist, für Klöuenviih gesperrt. Ferurr find die Viehbestände dts Peter Huhn und Philipp Schäfer in Hochstadt genaß § 69 der Bu desraths- instruktisn zur Ausführung des ReichsviehstuchengesetzeS wegen Verdachts der Ansteckung unter Gehösttz sperre bezw. Obser- oation gestellt, auch ist den Vithhändlern in Hochstadt ver­boten worden, Vieh von dort nach auswärts zu verkaufen.

Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch den gesperrten Ortsiheil ist verbot!» und die Ausführung von Thieren dieser Arten nur aus G.uud eines Zeugnisses eines opprobirteu Thierarztes und nur zum Zwicke sofortiger Abfchlachtvng nach eingtholter polizeilicher Erlaubniß ge­stattet.

Die Herren Ort: Vorstände wollen Vorstehendls ortsüblich bekannt machen.

Hanau am 3. Jini 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 5576 v. Schenck.

KL^HM^STS ^artau.»

BeksrnriMachungeK des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachrmg.

Die diesjährige Heu- und Grummeternte auf den in Dörnigheimer Gemarkung cm Wcsserthmm lirgenden, der Stadt Hanau gihörenden Wiesel flächen soll

Montag den 5. Juni 1899, nachmittags ^4 Uhr, an Ort und Stell/, unter den vor der Versteigerung bekannt gegebenen Bedingungen, meistbicterd versteigert werden.

Hanau bm 31. Mai 1899. 8496

Wasserwerks Direktion.

DleHnachnchtm aus dem Kreise.

Gefunden: 1 deut che Sprachschule mit dem Nomen Carl Linn, 1 kleiner Kirderschuh, 1 Füuspfknnig-Marke von der Post hier abgeliefert, 1 schwarzer Damen-Sonmuschirm in einem Metzgerladen stehen geblieben.

Zugelaufen: I Hohn und 2 Hühner. j yanau am 3. Juni 1899.

Die Karolinen Inseln an Deutschland abgetreten.

Madrid, 2. Juni Die Thronrede, wo­mit heute die Cortes eröffnet wurden, besagt, mit dem deutschen Kaiser sei ein Ab­kommen unterzeichnet, wonach Spanien die Karolinen und Palauinseln, sowie den Spanien noch verbliebenen Rest der Marionen an Deutschland abtritt

Madrid, 2. Juni. Die Th onrede bei der heutigen Eiöffnung der Cortes g'dcnkt der Schmerzen uud Leiden des Vaterlandes. Man müsse aus denietben Leh en ziehen, ater Sammlung und Schwrizen seien besser als Klagen. Sodann heißt es; Infolge der parlammtarischen Schwierigkeiten und des Kabinelswechsels raiistzirte die Königin Regertin den Frieden?-Vertrag gemäß Artikel 54 der Verfassung. Das vorige Kadinet war der Ansicht, i§ sei r icht rathsam für Spar ien, die Karolinen, Palao-Juseln und die Spanien noch verbliebenen Marianeninseln zu behalten. Deshalb sei ein Abkommen mit dem deutschen Kaiser uute zeichnet worden, wonach diese Inseln an Deutschland abgetreten werden. Der be­treffende Gesetzentwurf wird den Koues sofort zugehen. Die Th onrede betont d e herzlichen Beziehungen zu allen Machten und sagt: Besondere Dankbarkeit schulren wir dem Papst/ von dem wir Beweise großen moralischen Beistandes erhalten haben. Die Hauptaufgabe und zugllich die schwierigste der Korks ist, die Finanzen zu ordnen und die Kriegsausgaben zu reguliren und zwar mit den gewöhnlichen dauernden Aus­gaben vermi!telst einer thatkräftigen strengen Politik des Bb- wägeus. In diesem Sinne wird die Regierung schmerzliche Opfer vom Vatinunde verlangen, die aber gerechter Weise auf alle Klaffen der Beoölke ung vertheilt werden stllen Die Regierung wird mit dem Budget mehrere Vorlagen ein­bringen, welche die duch die Verluste d:r Kelonien und Ko- lonialfeid.üge erwachsenen Verpflichtungen regeln, die Staats­schulden zum Theil reorganisircn, die Staatsrenten umgestalten und andere neue R-nten schaffen sollen, getreu allen den Ideen, welche die nesmtl che Grundlog: für die spanische Politik und für die Aufrichtigkeit des Budgets und der Zahlungsfähigkeit Spaniens bleiben werden. In der nächsten Session sollen Vorlagen, welche die Reorganisation des Land- been 3 und d r Marine auf Grund der allgemeinen Wehr­pflicht bezw.cken, eingebracht werden, ferner Vortag n bezüg­lich der Versollstänvignng der Köstenve'theidigung und andere Entwürfe, die hauptsächlich auf administrative Reformen ab­zielen.

Bekanntlich war schon während längerer Zeit die Rede davon, daß Spanien b absichüge, sich des Restes seiner einst

weltumspannenden Kolonialbcsitzungen, speziell der Inseln im Großen Ozean, zu entäußern, namentlich wurde verschiedent­lich bericht-t, daß Verhandlungen über den Verkauf der Ju- s lgruppe der Karolinen im westlichen Stillen Ozean an Deutschland im Ganze seien und bereits zum Abschluß geführt hätten. Nunmehr liegt die Bestätigung dieser Nachricht vor. Die Karoltnen-Jnseln erstrecken sich in westöstlicher Richtung vom 135. Grad bis zum 165. Grad östlicher Länge und in südnördl ch.-r Richtung vom A qaator bis zum 12. Grad nördlicher Breite, sie bestehen aus einer großen Anzahl zum größten Theil sehr kleiner Inseln und Korallenr ffe, hängen westlich mit den PalauJnseln zusammen und nördlich mit den Marianen oder Lad-onen. S e liegen in dem Winkel, welcher zwisch n der deutschen Marschall Gruppe und Neu- Guinea gebildet ist. Die sämmtlichen Inseln zusammen um- faffen ungefähr 1450 Quadratkiwmtr. mit 36,000 Einwohnern, unter denen sich 865 Weiße befinden. Die Einwohner der Inseln gehören noch der mikronesischen Raffe an. Außer den Palau-Jnsrln im Westen der Karolinen find von Wichtigkeit nur die 4 hohen von Korallenriffen am gürteten und mit guten Binnenhäfen versehenen Inseln Dap mit 3060 Einwohnern, dann östlich davon Hongalu oder Tsk mit 12,000 Einwohnern, Ponape mit 2000 Einwohnern und Kusai. Die Insel Kusai, auch Walam- oder Strovg-Insel genannt, wurde im Jahre 1804 von Crocer enttedi; sie ist 110 Quadratkilometer groß, etwa 600 Meter hoch, eine schöne stark bewaldete Insel und hat gute Häfen, aber nur 400 Einwohner. Auf der Insel befindet sich eine Missionsstation. Ursprünglich waren die Karolinen bald nach ihrer Entdeckung in spanischen Besitz ge­rathen, von Spanien aber nach mehreren gescheiterten Ver­suchen, die Einwohner zu Christen zu machen, wieder aufgegeben. Erst seit Anfang dieses Jahrhunderts lieferten deutsche, russische und französische Forscher genauere Beschreibungen. Obgleich fast nur deutsche Handelsintereffen auf den Karolineu-Jnseln vertreten waren, erhob Spanien im Jahre 1875 An Sprüche auf die Inseln, welche damals jedoch von Deutschland und England zurückgewiesen wurden. J n Jah^e 1885 hißte das deutsche KanonenbootIltis" auf ter Jujel Dop die deutsche Flagge, worüber eine große Aufregung in Spanien entstand, welches auf seine angeblichen sehr zweifelhaften älteren Rechte pochte. Schließlich einigten sich bekanntlich Deutschland und Spanien dahin, dem Papste das Schi dsgericht anzutrazen und Letzterer erkannte am 22. Oktober 1885 die Souveräni­tät über die Karolinen und die Palau-Jnseln Spanien zu. Deutschland jedoch habe Freiheit des Haudls, der Schifffahrt und der Fischerei, sowie das Recht, eine Schiffs- und Kohlen- ' ftation oder Plantagen auf den Jns-ln zu errichten. Auf die Kohlenstation verzichtete Deutschland im Jahre 1886. Auf d n Inseln sind hauptsächlich deutsche Firmen, vor Allen

FK»Mstsir.

Aus Kunst und Leben.

Alt-

t Klans Groth. Kiel, 2. Juni. Der

Meister der ploitdeutichen T'ichtung, Pro­fessor Klaus Groth, ist diese Nacht nach kurzer Erkrankung gestorben. Fünf Wochen sind eS her, da feierte die meerun schlrngene deutsche Nord­mark und mit ihr tUe Freunde der plettdertichcn Sprache an derWaterkant" den 80. Geburtstag beffen, der die niederdeutsche Sprache der Litteratur wietergewann. Jahr­hunderte war dasPlatt^ vom Mißverstand der Stubenge- lehrtcn verächtlich gemacht und aus der Schriftsprache ver­trieben worden, obwohl es doch zu hoher Blüthe g,kommen war urd unserer Nation ihre bedeutendste sttnische Dichtung, denReinicke Fucks" gegeben hatte. Da kam im Jahre 1852 ein junger holfieii sicher Schvllchrcr mit einem Ge­dichtbuch und mit einem Schlafe eroberte d'es kleine Buch der plattdeutschen Sprache wieder ihr altes Recht in der Litteratur. Klaus Groth hieß der dreiunddreißizjährige Dichter er war am 24. April 1819 in dem alten Dithmarschen- ort Heide geboren bissen Name schnell bekannt und be­rühmt wurde. Er war erst Mädchenschullehrer gewesen, dann hatte seine schwache Gesundheit ihn gezwungen, ben Beruf aufzngkben und auf dem seeumrauschten Fehmarn seiner Kräftigung zu leben. TiefeS Empfinden, seines Beobachten der Natur urd der Menschenseele, innige Liebe zur Heimath drückten ihm die Feder in die Hand zur Schöpfung einer Poesie von überraschender Wahrheit und zartem Gefühl. Nicht minder stark war der feine Sinn des Dichters für die Form. So entstand derQuickborn". Als eine Samm­lung ron Gedichten in dithmarsischer Mundart trat er in die Welt. KlauS Groth erschien mit dieser großen litterarischen

IThat, b e es wagte, eine verachte« Sprache in den innigsten ! zartesten Lauten hoä deutscher Lyrik ausklingen zu lassen, als der Märcherprinz, der das schle fende Dormörchen der nieder- deuischkn Sprache erweckte. Und r ärchenhast war auch der Erfolg; denn sofort nach dem Erschemen des Dichterwerkes wu de es wiederholt irs Hochdeutsche und in verschiedene europäische Sprachen übersitzt. Namhafte Komponisten wählten die Lieder des Quicktorn zu Tkxien, viele Maler und Zeichner nehmen ihre Motve aus der stimmungsvellen Lyrik, aus der wunderbaren Naturschilderung, die er so echt künstlerisch mit der menschlichen Empfindung in innerlichen Zusammenhang zu bringen wußte. Groth hat noch vieles ^schrieben, Gedichte (auch Hochdeutsche, die weniger g>fielen), Erzählungen in bereitem Platt und mit plastischer Kunst, darunter die hübschenVerlelln^ undUt min JungsparadieS", aber keines seiner Büch-r reichte an das große Erstlings­werk. Mit feinen bel.hrer den Schriften hatte dir Dichter

weniger Glück. SeineBriefe über Hochdeutsch md Platt­deutsch" schoflen über das Ziel hinaus, da sie geradezu die Ar ficht aus sprechen, daß die Vmherrschast des Hochdeutschen nicht nur der niederdentschen Sprache, sondern der ganzen deutschen Litteratur verderblich gewesen sei. Seit 1857 lebte Greih dauernd in Kill, wo er sich, rachdem ihm die philo sophiscke Frcultät der Universität Kiel die Würde eines Ehren­doktors ertheilt hatte, als Privatdozent für deutsche Sprache habilitirte. Seine akademische Thätigkeit war nicht von Be deutung. Der Ehren wurden ihm genug zu Theil, Orden, der Professortitel; mehr als das aber wog die herzliche Ver- eh'Uvg, welche Kaiser Friedrich und seine Gemahlin ihm feit Jahrzehnten bewiesen. Der treffliche Mann war in der be­scheidenen Innerlichkeit seines WesenS, der Reinheit seiner Gesinnung der Sympathie der Besten werth. Um so schwerer mußte ihn ein Vorwurf all.» eifriger Reuterverehrer kränken, die durchaus einen Gegensatz zwischen ihm und dem mecklen-

Die Mutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 16 Seien.

vurgischen Meister koastruiren wollten. Es war die Behaup­tung, Groth habe in seinen Gedichten zwar plattdeutsch ge­schrieben, aber hochdeutsch gedacht. So empfänden keine hol- steinschen Bauern. Ein Kern von Wahrheit steckt in diesem Vorwurf; aber so realistisch lebenswahre Menschen, wie die Fritz Reuters, find eben Gestalten, wie sie in Wirklichkeits- i omare h'neingehören. Die lyrische Dichtung greift ihre Töve höher, und darum wirkt sie tiefer in der Empfindung. Klaus Groth bleibt ein Dichter, wie Fritz Sinter einer war.

So stehen sie Beide als poetische Herolde-ides niederdeutschen Wesius vom Glanz echter Dichtersonne vei klärt da. Wie innig Groth empfindet, beweist ^as im Hinblick auf den todten

Poeten doppelt rührende Gedicht:

De Garn.

1. Leben och! wa't ni schön!

Dod is wul so swar l Und de Karkhof is so neeg, Dicht an unse Garn.

2. Seeg ik na de Krüz un Steen, Seeg ik na de Maan, Hör ik sach de Karkenklock Still un truri gan.

3. Och I un dochen rückt de Blom, Und min Hart, bat sleit I Sieh I un ünnern Appelbom, Sieh mal, wull dar steit l

4. Kumm, dat Leben is so schön I Dod is wul en Drom.

Lat uns aewern Karkhof sehn Mank be Büsch un Blom'.