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Amtliches Organ für Stadt- unö LanöKreis Vanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

M. 117

Samstag den 20. Mai

1899.

Amtliches.

Stadtkreis Karraa.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Das Weishaupt'lche Stipendium von 120 Mk. für einen besonders talentrollen Gold- oder Silberarbeiter ist von den auf die ausgeschriebene Korkurrenz ausgetretenen Bewerbern nach dem einstimmigen Vmschlage der berufenen Sachver­ständigen und des Lehrerkollegiums der Königlichen Zeichen­akademie für dieses Jahr dem Akademieschüler Avolf Datt» Mütter zuelkannt worden.

Zugleich ist beschlossen worden, den Schülern der Zeichen­akademie Albert Glock, Philipp H a m b u r g er, Jean Lock und Peter Oberländer, als Versertigern der nächstbesten Arbeiten eine öffentliche Belobung zu ertheilen.

Die auf das Preisausschreiben eingereichten Arbeiten sind vom 20. bis 26. Mai d. Js. in der Aula der Königlichen Zeichenakademie ausgestellt.

Hanau den 17. Mai 1899.

Der Magistrat.

Bode. 7966

Dienstuachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: 1 Geldstück, 1 Aufgabebuch für Heinrich Wörner, 1 braune Knabenmütze mit zwei gelben Sternen, 1 weißes unfertiges Kinderjäckchen mit zwei Stricknadeln.

Verloren: 1 bordoseidenes Tuch, 1 Bogeupeitsche.

Vom Wasenmeister ein gefangen: 1 weißer Foxterrier mit gelb und schwarzem Kopf, 1 schwarzer Pinscher, 1 schwarzer glatter Spitz, sämmtl. m. Geschl.

Hanau am 20. Mai 1899.

Pfingsten

Nachdruck verlöten.

Ein Frühlingstag, ein Tag im Monat Mai . . .

Die Blüthen hängen rings an allen Zweigen . . .

So kommt der Pfingsten Feiertag herbei, Der Sommerfesttag ist der Feste Reigen!

Die sieben Wochen seit dem Osterfeste sind dahingerauscht in das vergängliche Meer der Zeit. Heute pocht der Pfingst- tag an unsere Thür, und der heilige Geist pocht an der Pforte unseres Herzens und begehrt Einlaß. Vor unseren Fenstern vor unseren Häusern und draußen vor den Thoren unserer Stadt hat der Frühling in emsiger Arbeit alles festlich vor­bereitet zum Pfingfifeste. Wiesen und Felder, Berge und Thäler, alles hat er mit seinem goldenen Sounenzauberstab

LettMetsn.

Pfingstbräuche.

Kulturgeschichtliche Skizze von Ludwig Epstein.

tNachdru^ «ertöten).

Nun streut mit immer vollen Händen Der Himmel seine Gaben aus, Die Erde schmückt an allen Enden Mit Blumenkränzen reich ihr Haus.

Den Nachtigallen lauschen Rosen, Verströmend ihres Herzens Duft, Melodisch tönt des Waldes Tosen, Und Klänge zittern durch die Luft/

So singt G. Scherer von der Zeit der Pfingsten, des wonnigsten und lieblichsten aller Feste, das der schwäbische Sänger L. Uhland in einem seiner schönsten Lieder bezeichnet alsdas Fest der Freude, daS da feiere Wald und Haide." Begünstigt durch eine herrliche Jahreszeit, in welcher des Winters Stürme verschwunden sind und ein blauer, heiterer Himmel auf uns hernieder lacht, ist Pfingsten das eigentliche Frühlingsfest, die Krönungsfeier des Lenzes. Wälder vnd Fluren prangen in ihrem schönsten Schmucke, und Mutter Erde zeigt ihr grünes, mit bunten Mustern durchwirktes Fest­gewand in voller Schöne. Das Erwachen und Auferstehen der Natur um die Osterzeit ist zu Pfingsten zur vollendeten Thatsache geworden.

Das Pfingstfest, dessen Name aus dem griechischen Worte Pentekoste", d. h. der Fünfzigste (Tag nach Ostern), ent­standen ist, hat eine doppelte Bedeutung, es ist nicht nur ein religiöses, sondern auch ein Naturfest. Freude herrscht darum auf allen Wegen. Diese Freude äußert sich darin, daß alt und Jung, Groß und Klein, Reich und Arm hinausströmen in Feld und Wald, Berg und Thal, um die Schönheiten, die uns Mutter Natur in so reicher Fülle darbietet, mit ganzem

Die heutige N«

berührt, und üppige, farbenprächtige Blüthen kort erwachsen lassen, wo noch vor Kurzem der kalte Schnee seine weiße Silberhülle schwer und dicht hingelegt hatte. Wo noch jüngst der Tod unumstritten sein finsteres Regiment führte, herrscht heute warm pulstrendes, und thatkräftiges Leben! Möchte doch au^ in den Herzen der Menschen alles Finstere, Starre und Todähnliche gestorben und zu Grabe gegangen sein! Möchte doch morgen der heilige Geist in diese verwaisten und verödeten Herzen mit seinen brausenden Himmelschwingen hineinrauschen und das ewige Licht in die Finsterniß ver­härteter Herzen und vergrämter Gemüther tragen! Ihr Men­schen werdet auch Ihr, wenn auch nicht körperlich, so doch geistig wieder jung und rufet in Eure Seelen den nie wel­kenden Pfingstfrühling himmlischer Offenbarung hinein!

Euer Heiland, der zum Osterfeste auferstanden, er ist zum Himmel gefahren und sendet Euch seinen Trost und seine erlösende Offenbarung!

Die Osterknospen und Osterkeime sind Blüthen und Blu­men geworden, die in verschwenderischer Fülle Strauch und Baum, Wald und Feld schmücken. Das erlösende Wort des Auferstehungsfestes ist zur Wahrheit geworden, und wie ein heiliger Geist lebender Pracht liegt es überall über die Pfingst- erde ausgegossen.

Was noch vor wenigen Wochen zaghaft und schüchtern sich kaum an's Licht wagte, reift nun seinem Sommer entgegen, die Saat wird zur Ernte, und die Blüthe zur Frucht.

Der Cyclus der religiösen und des naturmythischen Festes liegt nunmehr abgeschlossen hinter uns, und geht von neuem seinem Werden entgegen. Der Heiland, der verheißende Glaube, der uns im Schneesturm winterlicher Weihnachtszeit vom Himmel auf die Erde gesandt wurde, der uns nach dem bitteren Kreuzestode am Ausgange der winterlichen Jahreszeit, uns am Frühlings- und Eiöffnungsfeste, am österlichen der Auferstehung aus des Grabes Nacht wieder zum Leben, zum ewigen Leben erstanden, dieser Heiland läßt morgen am Tage der Pfingsten das ewige Heil, den reichen sommerlichen Segen, durch den Mund seiner Jünger aller Welt verkünden, auf daß sie ihn verstehe, ihn begreife uud seine ewige Gnade und Milde erkenne!

Das ist unser Pfingsten! Das ist jenes herrliche Som­merfest, an dem unser H-rr und Meister einst seinen Auser- wählten zurief:Gehet hin in alle Welt und lehret die Heiden . . ."Gehet hin in alle Welt! . / Von tausend Zweigen und Sträuchern fällt silbern und glänzend der schimmernde Blüthenschnee. Aus tausend Feldern und Wäl­dern athmet der neue, belebende Obern werdenden Segens. Tausend und abertausend Holme harren der Reife entgegen. Und überall ist es ein und derselbe Segen, der Segen dessen, der seine Hände schützend hält ob den Häupten der

Herzen zu genießen, sie durchweht auch die zahlreichen Sitten und Gebräuche, die seit Jahrhunderten gleich einem duftigen Blumenkränze sich winden um die Feier der sonnenhellen Pfingsttage.

Neberall fühlt man das Bedürfniß, zum Pfingfifeste den Wohnungen einen festlichen Schmuck zu verleihen, und in manchen Gegenden herrscht noch der altheidnische Brauch, die Häuser sowohl äußerlich als auch im Innern mitMaien" zu zieren. Besonders in Süddeutschland ist es üblich, daß der Bursche seiner Liebsten eineMaie" vors Haussteckt" oder vor das Fenster ihres Kämmerleius pflanzt. An diese Sitte erinnert auch Hoffmann von Fallersleben, wenn er singt:

Uebers Jahr, zur Zeit der Pfingsten, Pflanz' ich Maien Dir vors Haus, Bringe Dir aus weiter Ferne Einen frischen Blumenstrauß/

Die Bewohner von Moskau wandern am Pfingstmorgen in ihr Marienwäldchen hinaus, um dort ein kleines Opfer­mahl einzunehmen, die vornehme Welt der westeuropäschen Großstädte setzt prunkvolle Korsofahrtin in Szene, und die minder Begüterten strömen schaarenweise hinaus in den herr­lichen Tempel der Notur, um sich ungezügelter Freude hin­geben zu können.

Auch die verschiedenen Volksbelustigungen, denen wir in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes noch heut­zutage am Pfingstfeste begegnen, verfolgen alle denselben Zweck: allgemeine Freude für Groß und Klein, Alt und Jung. In manchen Gegenteil veranstaltet man das sogenannte Kranzreiten". Auf einem Anger wird an einer Stange ein Kranz befestigt. Die jungen Burschen muffen nunhoch zu Roß" im vollen Laufe unter dem Kranze vor beijagen, und wem es hierbei gelingt, denselben Herunterzureißen, der ge­winnt einen Preis.

mmer umfaßt außer dem UnterhaltungSt

Menschheit, die er liebt, da sie seine Geschöpfe seine Kinder sind!

So gehet auch Ihr hinaus in alle Welt, und lehret die Heiden, saget ihnen, weshalb der Gottessohn Mensch gewor­den und sich aller Mühseligkeiten dieser Erde unterzogen. Kündet allen den Heiden, die noch heute unter Euch weilen, wenn sie auch das äußerliche Merkmal der heiligen Taufe empfangen, daß unseres Heilands Gebot die Liebe gewesen. Jene Liebe ist es gewesen, die Ihr heute so verschwenderisch ringS um Euch in der ganzen üppigen Pfingst-Frühlivgs- Natur schaut, jene Liebe, die so vielen Menschen gerade in unseren Tagen abhanden gekommen, die entwichen und ent­flohen vor den finsteren Schreckgestalten der Unzufriedenheit und der Zügellosigkeit, die sich in so übermüthiger Weise rings auf Erden breit machen, daß sie all- s überwuchern und die zarten Pflanzen der Wahrheit, der Tugend und der Sitte damit garnicht mehr aufkommen lassen.

Pfingsten ist da! Ein neues Hoffen, das Hoffen eines reifenden Sommers erfüllt und schwellt alle Herzen. Möge das Hoff n zur Wahrheit, möge der Frühlingstraum zur Wirklichkeit und der Drang und die Sehnsucht nach dem Guten und Schönen sich zu Leben gestalten und im Innern der Menschheit kräftige und machtvolle Form werden. Das ist unser Pfingstwunsch!

Frühlingsstimmung in unserm Innern, und Festtags­stimmung draußen in der frühlingsprangenden Natur! In messen Gemüth wirrten da nicht die unvergleichlich schönen Worte des Dichters wach?

Im Festschmuck stehst du da gleich einer Braut, Geschmückt mit Blumen und mit Blüthenzweigen . . Das Eis des Winters ist hinfortgethaut, Und bunte Falter flattern ihren Reigen! Macht weit die Herzen, öffnet sie dem Licht, Der h e i l g e G e i st ist auf die Erde kommen Am Tag der Pfingsten! Säumet länger nicht.

Die ihr sein Rufen rings umher vernommen!

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold').

Berlin, 19. Mai. Das Staatsministerium trat heute Nachmittag unter dem Vorsitz des Fürsten Hohru- lohe in seinem Dienstgebäude zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 19. Mai. Aus Leipzig wird gemeldet, daß der Oberreichsanwalt Hamm als P r äs lb e n t deS Oberlandes­gerichts Köln in Aussicht genommen ist.

Berlin, 19. Mai. In einem Artikel, betitelt: Die Waffen nieder, welchen Baronin v. Suttner in der Heu- tegenZukunft" veröffentlicht, theilt dieselbe mit, daß ihr der Deligirte einer großen Macht von der Friedens-Konferenz vor einigen Tagen Folgendes geschrieben habe: Ich glaube, und

Ein zweites Spiel dieser Ait ist dasMannstechen". Es besteht darin, daß eine aus Stroh verfertigte Puppe in­mitten eines Angers ausgestellt wird, und jetzt gilt es, zu Pferde uvt verbundenen Augen und einem Stocke in der Hand den Strohmann zu finden und zu schlagen. Wer dieses Kunststück fertig bringt, wird preisgekrönt.

Zu Straßburg i. E. vergnügt man sich am Pfingstmontag mit demSchifferstechcn". Die Thecknehmer an diesem Vergnügen nehmen, in ein leichtes Matrosengewand gekleidet, in zwei Booten Platz, die aneinander vorbeifahren. Auf dem vorderen Theile eines jeden Bootes steht auf einem erhabenen Standpunkte ein Schiff-r mit langer Ruderstange, womit er versucht, seinen Gegner ins Wasser zu stoßen. Wem dies unter dem lauten Jubel der Zuschauer gelingt, der erlangt einen Preis.

Weit verbreitet ist auch die Sitte, an einem Pfingsttage, gewöhnlich dem zweiten, die Rinder und Pferde auf die Weide zu treiben. Der Bursche, welcher bei dieser Gelegen­heit zuerst auf dem Platze ist, heißtPsingstfuchs." Das zuletzt ankommende Mädchen ist diePfingfloraut." Ist die Herde zum Austrieb versammelt, dann erscheint noch die Pfingstkuh" oder derPfingstochse," der mit Putz voll­ständig bedickt ist, weshalb man auch von einem mit Flitter­werk überladenen Mädchen nach der derb-drastischen Weise des Landvolkes sagt:Sie ist geputzt wie ein Pfingstochse."

Wo man noch die Pferde auf die Weide treibt, putzt man auch den Pferdijungen mit Blumen aus und macht ihn zum bunten Jungen. In der Altmark führt man ihn nach­mittags der Austrieb geschieht gewöhnlich vormittags vo« Haus zu Haus, um Gaben einzusammeln, wobei man singt:

Wir bringen einen bunten Jungen inS HauS,

Wer Um sehen will, der komme heraus,

Die Blumen haben wir für uns gepflückt, Da haben wir ihn mit ausgeschmückt.

latt 16 Seiten.