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Amtliches Organ für Htsöt- unS Lanökreis Hanau.
Einrückung-» gebühr
für Sradt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltme Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^
Im Rcklamenrheil die Zeile 20 ^, füi
Auswärts 30 ^.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 114
Mittwoch den 17. Mai
1899
Amtliches ^taöt^ei^ ^anau, Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Die zur Einfriedigung des Grundstücks der II. Wasserwerk, Pumpstation, Leipzigerstraße 79 erforderlichen
a) Erd und Maurerarbeiten,
b) Steinmetzarbeiten o) Schmiedeeifenarbeiten, d) Zimmerarbeiten, sollen in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.
auch böh rer Anfangsgehalt. Geeignete Bewerber mit schöner Schrift und guten Ea pfehlungen wollen sich schriftlich an unterfertigte Amtsüelle wenden.
Hanau, 13. Mai 1899.
Ter Vorstand dir Hanauer Ortskrankenkasse.
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Müller,
Vorsitzender.
Theorie und Praxis.
Im Reichstage steht gegenwärtig die zweite Berathung des Jnvaliditäts Verstcherungs-Ges tzes auf der Tagesordnung. Wenngleich ein abschließendes Urtheil zur Zeit noch nicht ' möglich ist, war die Debatte doch bereits reich an in-
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Doch der weitere Verlauf der Debatte sollte auch noch in arderer Beziehung den Widerspruch zwischen sozialdemokratischer Theorie und Praxis grell zu Tage treten lassen. Als die Vertreter der Sozialdemokratie nicht müde wurden, das alte, abgedroschene Märchen von der „agrarischen Begehrlichkeit", durch welche die ländlichen Arbeiter zur Landflucht genöthigt würden, aufzutischen, da hielt ihnen der konservative Abgeordnete Graf Klinckowström ein nettes Stücklein von der Art und Weise entgegen, in welcher sozialdemokratische Großgrundbesitzer die Fürsorge für ihre Arbeiter bethätigen. Auf dem Gute des sozialdemokratischen Rittergutsbesitzers Braun, der vermöge seines Reichthums zu den einflußreichsten Stützen der Sozialdemokratie Ostpreußens gehört, verunglückte ein Arbeiter. Der sozialdemokratische Arbeitgeber aber weigerte sich, die Fuhre ins Krankenhaus zu stellen, bis eine Wittwe sich des Arbeiters endlich erbarmte, und als d:r Letztere trotzdem infolge
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verschlossen bis l^gstens zum ^ auszunutzen, heftete die Sozialdemokratie ihre kmt-fche Arbeiigebererftim Zwangsvirsahren zur Zahlung
1 i Kritik alsbald an den Paragraphen 3a des Entwurfs. Dieser! der Knoten genöthigt werden. Die Sache ist amtlich
unterzeichneten Amtsstelle emzureicheu. Varaoravb bestimmt in der Kassuna der Reaierunasvorlacre verbürgt und wurde von dem einzigen sozialdemokratischen
Die Eröffnung der Angebote findet um obengenannte ^ d^er Bundesrath besagt ftin soll, ausländische^ Arbeiters Abgeordneten Ostpreußens im vollsten Umfange bestätigt.
Zeit im Zimmer Nr. 24 im Set,ein etwa erschienener Dieter ^^ ^ ^^ ^ nar ffit 5 bestimmte ■ So sieht sofialdemokratische^lrb-iter-Freundlichkeit in der
' *- - - — ----- Dauer behördlich gestattet ist, unter gewissen Voraussetzungen A^s "^' -Ä,^^ trieft man von Wsylwollen und
von der Versicherungspflicht zu entbinden. Diese Vorschrift Fürsorge, thatsächlich aber wird harter und rücksichtsloser ist von der Kommission dahin erweitert worden, daß Arbeit-s Erfahren, alsdies von L-erien der großen Mehrheit mcht- geder, welche derartige Arbeiter beschäftigen, denjenigen Betrag -vzmlsemokrat'.scher Arbeitgeber jemals geschieht.
So sieht socialdemokratische Arbeiter-Freundlichkeit in der
Hanau den 9. Mai 1899. Stadtbauamt I. Thyriot.
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Wir suchen einen Krankentontrolleur für die auswärtige Krankenkontrolle. Bewerber müssen eine saubere Handschrift schieiben, um die nothwendige Schreibart leisten zu können und solche Eigenschoflen besitzen, welche sie auch zu Nebenarbeiten auf dem Bureau befähigen. Einmonatliche
an die Versicherungsanstalt zu zahlen haben, den sie aus eigenen Mitteln würden entrichten müssen, wenn die Versicherungspflicht der betreffenden ausländischen Arbeiter bestände.
Kündigung Vorbehalten. Nach einjähriger zufriedenstellender Leistung soll Anstellung erfolgen. Geholt zu Anfang Mk. 1680 steigend in zweijährigen Raren von je Mk. 40.— bis zum
Jeder Grund zu Klagen über Begünstigung durch Ermöglichung billigerer ausländischer damit weg.
Das hinderte die sozialdemokratischen
der Agrarier
Arbeit fällt
Volksvertreter
Politische und Unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau „Herold").
Berlin, 16. Mai. Der Kaiser arbeitete gestern auf der Fahrt nach Homburg v. d. H. mit dem Vertreter des Auswärtigen Amtes, Grafen Wolff-Metternich und empfing,
nach Wiesbaden zurückgekehrt, den General-Obersten Freiherrn
r„ov„, ... 0_____________,_______ u natürlich nicht, diese Klagen dennoch in aller Breite vorzu- 5 ~_____
Höchstgehalt von Mk. 1320.— pro Jahr. Geeignete Be- tragen. Bezeichnender aber war noch, daß sie ihre Pfeile von Lse. Für heute ist der Chef des Marine-Kabinets Contre- ' ' " " ‘ 1 nicht bloß gegen die agrarischen Arbeitgeber, sondern auch Admiral von Senden-Bibran vom Kaiser zum Vortrag be-
gegen die ausländischen, im Wesentlichen russisch-polnischen fohlen. Auch wollte der Kaiser die Regierunzs-Präsidenten Arbeiter richteten. Der sozialdemokratische Abgeordnete Stadt- Zur Neddin aus Trier und Freiherr« von Höoel auS Kob-
! Hagen sprach von „ausländischer Schmutz-Konkurrenz" und lenz sowie den Landrath a. D. .Birkner-Cadinen um 12 Vt
I stellte die fremden Arbeiter mit „chinesischen Kulis" auf eine Uhr in Audienz empfangen.
! Stufe. Die schöne Theorie von der internationalen Ver-s Berlin, 16. Mai. Den Mitgliedern der P o st - K o m - 7708 brüderung der Arbeiterschaft, mit der die Sozialdemokratie m i s s i o n des Reichstages ist heute ein in Stuttgart gedruck- s sonst immer hausuen geht, war plötzlich ganz vergessen. Die tes Riesen-Plakat zugegaugen, welches das höchste Mißfallen
Wir suchen einen Hülfsbeamte» zunächst auf ein- Arbeiter polnischer Nationalität erfuhren seitens der Sozial- der Besitzer der Prioat-Stadtposten mit den Beschlüfien der
monatliche Kündigung. Nach einjähriger zufriedenstellender demokratie eine derartige Herabsetzung, daß selbst die polnische Kommission kund gibt. Die vorgesehene Entschädigung wird
Leistung soll Anstellung erfolgen. Gehalt zu Anfang Mk. 900 Fraktion gewisse anti-sozialdemokratische Neigungen verspätte, in dem Plakat als bei weitem nicht dem wirklichen Geschäfts-
strigend in zweijährigen Dickn von je Mk. 70.— bis zum und durch eines ihrer Mitglieder gegen die Beschimpfung des werth der Betriebe entsprechend bezeichnet. Wie es heißt,
Höchstgehalt von Mk. 1320 pro Jahr. Je nach Leistung Polenthums feierlichst Verwahrung einlegen ließ. soll das Plakat in der Kommission nicht dazu beigetragen
werber, welche gesund sink, thunlichst radfahren und gute
Zeugnisse aufweisen können, wollen sich schriftlich an unterfertigte Amtsstelle wenden.
Hanau, 12. Mai 1899.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankeukafse.
Müller,
Vorsitzender.
Breite vorzn
Feuilletsn.
Im Haag.
Eine Skizze zum Zusammentritt der Abrüstungskonferenz, 18. Mai.
Von Hermann Eickels.
l»achdruü 6erbeten.]
So tritt sie denn endlich zusammen, die vielberufene Friedenskonferenz", und die stillste der europäischen Residenzen ist nun mit einem Male der Zielpunkt des allgemeinsten Interesses geworden. Nun, wenn es für derlei Dinge, wie Staats- und Diplomatenkonferenzen, Vorbedeutungen gibt, so ist der Ort, an dem die Konferenz zusammen- tritt, sicherlich als ein günstiges Omen anzusehen. Eine Groß- und Hauptstadt, die doch dabei ganz unverkennbar den Charakter" des Idyllischen trägt; eine Bevölkerong, deren Behäbigkeit und ruhige Sicherheit beredt von den Segnungen eines langen Friedens spricht; ein Haus, das die Wipfel alter Bäume umrauschen und die holdesten Werke der Frie- denskünste schmücken, — ließe sich wohl eine günstigere Stätte für eine „Friedenskonferenz" denken? Und die Geschichte des Haags erzählt von Friedensschlüssen, die die kriegSmüde Diplomatie hier wiederholt geschlossen hat (der berühmteste wurde im nahen RijSwrk unterzeichnet und ist dort durch einen Denkstein verewigt), und der Anblick der Stadt selbst von der Verträglichkeit, die sich die Holländer nach harten Kämpfe«, speziell auf dem religiösen Gebiete angeeignet haben. Denn hier haben die Dies er mitten, die Lutheraner, die Deutsche Evangelischen, die Remonstranten, die Englisch- EpiSkopalen, die Altreformirten, die Französtsch-Reformirten, die Katholiken, die deutschen und die portugiesischen Juden zugleich Gotteshäuser und leben friedlich und ohne Reibungen miteinander.
Den Thurm eines dieser Golieshäu>er besteigen wir jetzt, um einen orientirenden Blick von der Höhe auf die Stadt zu werfen. Die Hauptkirche der Stadt, die groote Kerk oder Jakobskirche, ist ein gothisches Bauwerk von gutem Stile, jedoch ohne besondere Schönheiten oder Merkwürdigkeiten. Von ihrem Thurme bietet sich die Stadt als eine Gruppe von rothen Ziegeldächern dar, die so sauber aus- sehcn, als seien sie am selben Morgen erst abgeseist worden; dazwischen erheben sich Paläste, die einige Aehnlichkeit mit Kasernen haben; hier und da ein Thurm, große von Bäumm bejitzte Plätze, eine Wasserader blinkt dazwischen auf und ringsherum dehnt sich das ebene grüne Land, das die Kanäle durchziehen, wo das Vieh weidet und die Windmühlen ihre Flügel drehen. Nach Nordwesten zu aber erreicht der Blick das unermeßliche Meer, das dort gegen die weißen Sanddünen brandet: da liegt, vom Haag nur wenige Kilometer entfernt und durch verschiedene Verbindungen aufs schnellste zu erreichen, Scheveningen, die Perle aller holländischen Seebäder, durch sein Meer, seine Dünen, seine Eleganz und seine Kostspieligkeit gleicherweise berühmt.
Macht so der Haag auS der Vogelperspektive einen freundlichen Eindruck, so wird der Besucher auch bei einer Wanderung auf der festen Erde nicht enttäuscht. Mit vollem Rechte ist die Stadt die hübscheste und sashionabelste unter allen holländischen Städten genannt worden. Ihre besondere Zier ist das lebendige Grün, das überall das todte Gemäuer zu besiegen scheint. Mächtige Alleen durchziehen die Stadt, be- gleiten die Straßen, beschatten die Plätze; zierliche kleine HauSgärten, mit peinlicher Sorgfalt bestellt, laben das Auge. Die für Holland charakteristischen Grachten und Kanäle fehlen nicht, aber ihr Wasser ist nicht, wie in Amsterdam, dick und trübe, sondern frisch und hat einen leisen Fluß. Im Mittelpunkte der Stadt, von schattigen alten Alleen umgeben, liegt der schöne Vijver (Weiher), ein von Schwänm belebtes Waffer
m t einer Jniel in der Mitte; hierhin strömt Tag für Tag das friscke, aus dem Meere emporgehobene Wasser, um sich dann all' den zahlreichen Kanälen der Stadt mitzutheilen, an denen entlang zum Theil reizende Promenaden führen. • Etwas sehr Behagliches hat die Stadt überall. Man blickt die langen baumbestandenen Straßen hinunter: ein Haus blitzsauber und mit vielen großen spiegelblanken Fenster» neben dem andern, der rothe Backstein und der bunte Anstrich, der besojiders in kaffeebrauner Couleur sehr beliebt ist, wetteifern miteinander an Lustigkeit und Nettigkett; üb«all walten große Verhältnisse vor, die Straßen sind breit, hell, geräumig, und ein angenehmer Sonntagscharakter scheint stets über ihnen und über diesen ruhigen behäbigen Bürgern zu liegen. Holland zeigt hier seine besten Seiten; ein Schuß Französisch ist aber nach Amicis' treffender Bemerkung dem Stadtbilde auch beigemischt, und gerade diese Mischung wirkt glücklich. Man darf nun nicht etwa denken, daß der Haag den Ein- drnck einer jener auSgestorbenen Städte mache, die man im Herzen Alt-Hollands so oft trifft. Das Leben von anderthalb Hunderttausend Menschen brapdet am Buitenhof und in der Spui-Straat, am Plaats und Vijoerberg lebhaft genug; aber, wie gesagt, ein Zug von Idyllischem mischt sich immer wieder ein, ob nun eine kleine, alte, im Schatten der Bäume wie schlafend daliegende Brücke über einen Kanal ihn her- norbringt, oder die Störche, die mitten aus de« lauten Fischmarkt ruhig und gemächlich hin- und herspazieren und die ihnen ^ugrworfenen Brocken würdevoll in Empfang nehmen; s^ werden dort von Stadtwegen gehalten und genährt, weil der Storch das Wappenthier des Haags ist.
Wesentlich mitbestimmend für die vornehme Erscheinung der Stadt ist der Umstand, daß die Moderne Industrie, die unsere. Kapitalien mit unruhigem Lärme und mächtigen rauchcoden Schloten zu beschenken pflegt, im Haag ganz in dm Hintergrund trüt. Die Hauptsache ist hier der Hof,