Erstes Blatt.
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Amtliches Argan für StsSt- unö LsnöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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für Sladt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmondzeile ober deren Raum, für Auswärts 15 4
Im Reklamenrheil
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Kr. 109
Mittwoch den 10 Mai
1899.
„Amtliche Beilage" Nr. 36.
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^taötBrei^ ^anau.
Beksnntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Wir ersuchen, alle Rechnungen über Lieferungen für die Stadtverwaltung aus der Zeit vor dem 1. April d. JS. wegen des bevorstehenden Jahresabschlusses innerhalb 8 Tagen einzureichev.
Hanau den 9. Mai 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 7459
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: 1 Sack Kleie auf dem Wege Hanau- Niederrodenbach.
Entlausen: 1 kleiner gelber Rchpinscher m. Geschl.
Hanau am 10. Mai 1899.
Himmelfahrt.
k Tmch die gesemmte Menschheit hindurch geht der Gegensatz von Glauben und Unglauben, und sein Kennzeichen ist dies, ob Herz und Gemüth, ob Begierde und Wille sich be-! friedigt an dem, was vor Augen liegt, an dem Sinnlichen urd Zeitlichen, oder ob in Denken und Fühle« die Welt des Göttlichen und Ewigen dem Menschen zur Mehrheit geworden ist und ihn in seinen Lebens-Aeußerungen zu beherrschen vermag.
Der Gegensatz von Glauben und Unglauben ist älter als das Christenthum, aber erst im Christenthum hat er seine volle Schärfe erlangt. Die Ahnung, daß der Mensch im Kerne seines Wesens nicht von dieser Welt ist und daß wahre Befriedigung für ihn nur jenseits der Welt, in himmlischen Gütern zu finden ist, haben die tiefern Naturen, die Denker und die Weisen auch schon in den vorchristlichen Zeiten mitten unter heidnischen Völkern gehegt und kundgethan. Die Besten und Edelsten haben sich durch solche Ahnung auch in ihrer Würdigung menschlicher Verhältnisse und in der Auswahl der Ziele ihres Stribens leiten und bestimmen lassen. Aber in voller Klarheit ist die himmlische Bestimmung des Menschen doch erst im Christenthum ersaßt worden. Hier erst ist sie zur Grundmacht geworden für die Auffassung aller Aufgaben des Menschenlebens,
FeMUetsn.
Himmelfahrt in der Kunst.
Zum Himmelfahrtsseste, 11. Mai.
Von Theodor Lamprecht.
<Nachdru. verboten!.
Wie unsere Feste in vielen Beziehungen in inniger Wechselwirkung zur Kunst stehen, so spiegelt sich auch ihr Charakter und ihre Bedeutung in ihr wieder. In diesem Spiegel Scr Kunst erkennen wir das Eine mit besonderer Klarheit, welche
Feste den tiefsten Eindruck auf die Gemüther gewacht haben und welchen Umständen sie diesen Vorzug verdanken. Wir setzen da, wie der weihnachtliche und der österliche Stoffkreis mit der Fülle ihrer rührenden und erschütternden, dramattschen und idyllischen Momente die Phantast- der Künstler am stärksten angezscen und zu schier zahllosen Darstellungen herausgefordert haben. Den Gegenpol bildet das Pfingstfcst, dessen christliche Grundlage — die Ausgießung des heiligen Geistes — in der Kunst nur vereinzelt behandelt worden ist; begreiflich, da der Vorgang einen ganz vorwiegend geistigen Charakter trägt. Das Himmelfahrtsfest nimmt eire Mittelstellung ein. Von Christi Himmelfahrt besitzen wir immerhin eine ziemlich große Reihe von Darstellungen, die freilich weder an Zahl noch auch — im Allgemeinen wenigstens — an Bedeutung an die Schilderungen der Geburt oder der Kreuzigung Christi, der Anbetung ter Könige oder der Beweinung deS Leichnams heranreicht. Aus den ersten Blick darf diese Thatsache überraschen. Man möchte glauben, daß der zum Himmel aussteigende Welchriland, den der selige Jubel der Cng-ls- schaaren, das tiefe ahnungsvolle Erstaunen der Erdenkinder begleitet, ein Vorwurf sei, der die Künstler habe mächtig reizen müssen. Aber es entbehrt dieser großartige Stoff jenes sinnlichen Reichthumes an Einzelzügen, jener Bestimmtheit, die
. für das Verständniß oer menschlichen Ramr, für die Gestaltung des sittlichen Lebens und für die Verpflichtung jedes Einzelnen und den Aufbau jeder Art von menschlicher Gemeinschaft.
Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir; aber alle irdischen Verhältnisse, Aufgaben und Zustände sind uns durch den Ausblick auf den Himmel verklärt, in den wir eingehen sollen. Wir streben nach einer unvergänglichen Krone; darum sehen wir nicht auf das Sichtbare, sonde>n auf das Unsichtbare, nicht auf das Zeitliche, sondern auf das Ewige. Aber eben darum ist uns diese irdische Stätte unsers zeitlichen Wandels ein geweihter Ort der Vorbereitung und der irdische Beruf, jn dem wir im Dienste unsers Gottes und im Dienste der Brüder erproben und bewähren sollen, was uns an Gaben und Kräften verliehen ist. Unser Beruf ist uns kein bloß menschliches Gewerbe, sondern ein heiliger Anf- traa, in besten Ausführung wir uns unserm Gott nahe fühlen dürfen.
Das himmlische Wesen trägt mithin die Schaar der Gläubigen schon hinieden im Herzen. Es ist nur ein Vorgeschmack, ein Abglanz des Zukünftigen; aber es trägt in unser irdisches Leben einen Strahl vom gö.tlichen Lichte, der unsere Herzen umwandelt und uns fähig macht, einen Schimmer vom verlorenen Paradiese in uns aufzunehmen und auf die uns umgebende Welt zu übertragen.
Zu jeder Zeit, wo der Glaube an das Jenseits und die Himmelssehnsucht unter den Menschen eine besondere Verbreitung und besondere Stärke erlangt hat, ist alles auf Erden in erfreulicher Weise zu besseren Zielen vorgeschritten. Jedesmal aber, wenn die Menschen mit rein irdischer Gesinnung die äußere Welt zu erneuern trachteten, ohne erst das Herz und den Willen zu erneuern, sind sie kläglich gescheitert, mochten sie auch an hochtönenden Worten von Freiheit und Humanität sich berauschen und an allerlei Gedanken von Menschenwohl und Brüderlichkeit den Vorwand gewinnen für ein Sorgen und Mühen um äußere Dinge. Möge der christliche Sinn immer mehr einkehren in Häuser und Gemeinden und unser irdisches Arbeiten, Rügen und Kämpfen verklären im Lichte des HimmelfahrtstageS und seiner erhebenden Botschaft.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau „Herold').
Berlin, 9. Mai. Die Kanal-Kommission des Abgeordnetenhauses trat heute Vormittag hier zusammen. Zum ersten Male war der Kriegsminister von Goßler erschienen. Vom Abgeordneten von Zehvhoff (Centr.) ist der N'Ue Antrag xingegayg.'N, an die Heeresverwältung die.Fräse
die Begbenoeiten des Weihnächte- und Osi-ckieiies so auS- zeichnet, sie so faßlich und klar und dennoch so unerschöpflich reich gestaltet. Zudem scheint es — um es ist sehr naiür- lich —, daß die Kü stier die Schwierigkeit in der Darstel lnng der Himmelfahrt fast gescheut haben. Hier, in dem Augenblicke der Vollendung drs Lebens uns des Werkes Christi, durfte kein Miß on sich erschleichen, hier mußten alle Mittel der Malerei zusammmwirken zu einem gewaltigen vollen reinen Akkorde, einem Akkorde himmlischen Jubels und erhabeyNer Feierlichkeit zugleich; und die Veranschaulichung der Wirkung deS wunderbartn Ereignisses auf He gebundene Fassungsgabe der menschlichen Zeugen stellie ferner an die Fähigkeit der Charakierisirung die höchsten Anforderungen.
Es mag die Erkenntniß dieser Schwierigkeiten wohl mit- gewirkt haben bei der Bildung des Typus der Darstellung der Himmelfahrt, wie ihn die allchristliche Kunst uns zeigt. Da beschränkt sich die Scene im Wesentlichen auf bt irdischen Vorgänge; man steht die erstaunt auswärts blickenden Jünger, während die Gestalt des Meisters selbst durch die Wolken größtentheils verhüllt zu sein pflegt. Das ist die gewöhnliche Form der Schilderung des Vorganges auf den altchristlichen Miniaturen und ElfenbeinreliefS. Aber lange noch hat ste südlich wie nöldlich der Alpen nachgewirkt. Aus Italien sei die an den alten Typus sich eng anichließende und daher recht unfrei wirkende Himmelfahrt Fra Angilo's in der Florentiner Akademie erwähnt; bei uns knüpfen zahlreiche Kupferstiche an die altchristliche Form an; so besonders drei kleine Werke von dem sogenannten Meister von Zwolle, von H. L. Schäuffelein und von Albrecht Dürer. Betrachten wir dies letztere Blättchen, so sehen wir das Erstaunen der zurückbleibenven Gemeinde trotz der Kleinheit des Formates gar mannigfaltig und durchaus realistisch geschildert; auf dem Berge sind noch Christi Fußspuren sichtbar (ein Zug, der in Anknüpfung an das Wort des Zacharias 14, 4; „Und seine
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.
zu richten, ob nicht vom Militär« chen Stanspunne der Kanal erst dann Werth haben würde, wenn die Kanalisirung der Mosel bis Metz als Ergänzung hinzutritt. Der Kriegsminister von Goßler hielt einen eingehenden Vortrcg. Er setzte die Vorzü-e der Kanäle auseinander, um Proviant und Kriegsbedürfn sie fortzuschaffen. Die Bahn w-rde im Kriegsfalle sehr in Anspruch genommen. Es blieben daher die Kanäle für den Provtantorrlehr. Auch in strategischer Beziehung seien Wasserstraßen sehr wichtig. Der Transport der Verwundeten, Munition und Ingenieur Material komme in Betracht.
Berlin, 9. Mai. Im Herrenhause stand heute zur Berathung der Bericht der verstärkten Kommunal-Kommission über den Gesetzentwurf betreffend die Anstellung uno Versorgung der Kommunalbeamten. Die einzelnen Paragraphen gelangten zur Annahme. Desgleichen schließlich das ganze Gesrtz. Aus der morgigen Tagesordnung stehen Petitionen.
Berlin, 9. Mai. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Nothwendigkeit der sorgfältigen Prüfung aller bei dem Erlaß eines Gesetzes über die Besteuerung der großem Waarenhäuser, Bazare u. s. w. in Betracht kommenden Verhältnisse, wir sie u. A. durch die Einholung der Gutachten kaufmännischer und anderer Korporationen in die Wege geleitet ist, läßt es als ausgeschlossen erscheinen, daß dem Landtage roch in der gegenwärtigen Tagung ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt wird.
Berlin, 9. Mai. In der Reichstags- Kommission für die G'ewerbe-Ordnungs-Novelle wurde der heute neu beantragte § 139e (Ladenschlußstunde) nach längerer Debatte angenommen. Desgleichen die neue §§ 139 f. g. h. i. (Besugrisse des Bunoesraths und der Polizeibehörden zum Erlaß von Durchführungs-Verordnungen.) Die Berathungen werden morgen fortgesetzt.
Berlin, 9. Mai. In der P o st - K o m m i s s i o n des Reichstages wurde beute oie Berathung der Novelle zum Post- gesetz fortgesetzt. Bei Artikel 2 wurde ein Antrag Certcl abgelehnt, sodaß es beim Beschluß der ersten Lesung bleibt, wonach die Expreßbestellung wie bisher gestattet ist. Artikel 3, welcher bm Betrieb der Privatposten vom 1. April 1900 untersagt, wurde mit einer redaktionellen Abänderung in der Fassung der ersten Lesung bestätigt. Bet Artikel 4a betreffend Entschädigung der Privat-Postanstalten wurde die Debatte abgebrochen. Die Berathung wird morgen fortgesetzt.
Berlin, 9 Mai. Auf Samoa hat jüngst eine Versammlung der Chefs der größeren dort etablirten Handels- häus r stattgefunden, in der man sich darüb-r aussprach, welche endgültige Gestaltung der Oberhoheits-Verhältnisse auf den Inseln im Jr. »reffe der ge'MüSen Weiter-Entwickelung
Füße werden stehen zu der Zeit aus dem Oelbeig^ in allen diesen Darstellungen älteren Stils wiederk-hrt); von Christus selbst aber steht man nur das unterste Stück des Mantels und die Füße, und wenn schon diese Anordnung überhaupt etwas Sonderbares, fast Komisches an sich hat, so erweckt noch der starre und schwere Faltenwurf des Mantels eher den Eindruck von etwas Statuarischem, Feststehtndem, als — wie doch beabsichtigt ist — den des Schwebenden, Steigenden. So gestaltete sich die alle Form in der Hand eines Meisters, — ein Beweis, daß diese Form nicht im Stande war, den Vorgang der Himmelfahrt Christi künstlerisch zu bewältigen.
Es war der große Bahnbrecher Giotto, der in eimm der Fresken in der Kapelle der Madonna bell’Arena zu Padua mit der Ueberlieferung kühn brach und eine eigene und überzeugende Darstellung der Himmelfahrt versuchte. Mit so entschiedenem Glücke, daß sein Werk noch heut in der vordersten Reihe zu nennen ist. Die majestätische Gestalt des Heilandes, der die Hände dem Himmel entgegen streckend durch die aubetenden Schaareu der Engel und der Heiligen hindurch langsam emporschwebt, ist an großartiger Feierlichkeit, an schlichter Glaubwürdigkeit kaum übertroffen worden. Das Moment des Schwebens hat den Künstlern aller Epochen an diesem Borwurfe besondere Schwierigkeiten bereitet und sie haben das Problem, uns die irdische Schwere des Leibes oer- g ffen zu machen, auf mannigfache Weise zu überwinden veracht; aber so' einfach und überzeugend, wie von diesem großen Frühflorentiner, ist es selten wieder gelöst worden. Einen schönen Zug in Giotto's Fresko bilden auch die beiden Engel, die, die überraschte Gemeinde aufwärts weisend, künstlerisch eine Verbindung zwischen den beiden Theilen des Bildes, menschlich eine solche zwischen dem Hübe» und Drüben dar- stellen. Unter den Andächtigen ist Maria besonders gelungen, deren stilles Gesicht eher anzudeuten scheint, daß sie