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Amtliches Organ für StaSi- unS LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungs« gebühr

für Stadt- und Land» kreis Hanau 10 ^ di« sgespaltene Garmond« zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 A für Auswärts 30 ^.

Nr. 107

Montag den 8. Mai

1899.

Amtliche Beilage" Nr. 35.

Amtliches

Zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche ordne ich aus Grund der zu 8 4 des Gesetzes vom 25. Februar 1876, betreffend die Beseitigung von Ansteckungsqoffen bei Vieh- beförderungen auf Eisenbahnen, ergangenen, durch den Herrn Reichskanzler am 20. Juni 1886 bekannt gegebenen Bundes­rathsbestimmungen, zufolge Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten für den Umfang des Regierungsbezirks Toffel die Vornahme der unter Nr. II. 4b. a. a. O. bezeichneten verschärften Desinfektion der Vieh­eisenbahnwagen, und zwar sowohl auf Staats- wie auf Privat-Bahneu, nach Maßgabe deS Ministerial-Erlsffes vom 19. November 1886 bei allen aus verseuchten Gegenden kommenden Klauenviehsendungen an. Die Desinfektion hat hiernach bei allen Klauenviehsendungen aus solchen Verlade­stationen stattzufinden, in deren Umkreis von 20 km die Maul- und Klauenseuche herrscht, bez«. noch nicht nach § 69 der BundesrathS-Jnstruktion vom 30. Mai/27. Juni 1895 für erloschen erklärt worden ist.

In gleicher Weise wie die zu« Transport benutzten Wage« find die in Nr. II. 5, 6 und 7 der Bundesraths Bestim- muugkn vom 20. Juni 1886 bezeichneten, mit dem Vieh in Berührung gekommenen Geräthschaften, Rampen, Ladebrücken, Vieh-Ein- und Ausladeplätze und Viehhöfe der Eisenbahn­verwaltungen zu desinficiren. Die Desinfektion der Rampen u. s. w. mit drrchlossrvdem Boden hat nach Maßgabe des S 7 C. E. des Ministerial-ErlaffeS vom 19. Nooemver 1886 zu erfolgen.

Die Anordnung tritt mit dem 8. Mai 1899 in Kraft.

Mit dem gleichen Zeitpunkt wird die Verordnung vom 17. Dezember 1895, A. III. 11827, bezw. 12. Februar 1896, A. III. 1558, 23. März 1886, A. III. 3026 und 23. Mai 1896, A. III. 2548, betreffend die kreisthierärzt- liche Untersuchung von Klauenvieh aus verseuchten Gegenden vor Entladung aus der Bahn, sowie am 3ten und 6ten Tage nach der Entladunq, für den ganzen Regierungsbezirk aufge­hoben. (A. III. 3553.)

Caffel am 29. April 1899.

Der Regierungs-Präsident. Trott zu Solz.

Dicnstuachnchtcn aus dem Kreise.

Gefunden: 1 Trauring mit der Inschrift Josef Adler.

Verloren: 1 schwarzer Herrenregenschirm, 1 Drei­markstück.

Entlaufen: 1 gelber Dachshund m. Geschl.

Zugelaufen: 1 weißer Spitzhund w. Geschl.;

Empfanznahme bei Ludwig Philipp Wenzel in Grouau. Hanau am 8. Mai 1899.

Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung

am Mittwoch den 10. Mai 1899, nachmittags 5 Uhr,

im oberen Saale des Rathhauses.

Tagesordnung:

1. Niederschlagung der von einer Steuerpflichtigen zu zahlen­den Gemeint eumlage von M. 31,47.

2. Niederschlagung eines rückständigen Schulgeldpostens von M. 12, und der Belln ibuvgskostrn.

3. Uebertragung des Verlags von M. 7000, auf das Rechnungsjahr 1899 Regulirung der öffentlichen Uhren.

4. Abrechnung über den Ausbau der Schirnstraße.

5. Entwurf zu einer Ordnung über die Erhebung einer Gemeindesteuer von Fleisch, Wils und Geflügel (2. Vor­lage).

6. Nachbewilligung von M. 1170, auf Titel I, 16 a Sp. Et. A für 1898/99. Ueber stunden bei Ver- theilung des Turnunterrichts an der Ober Realschule.

7. Nachbewilligung von M. 450, auf VII. B. Tit. I. 3 für 1899 zur Besoldung des Oberlehrer- Müller der höheren Mädchenschule.

8. Spezialbewilligung von M. 2500, auf Tit. V. A. 2 für 1899. Reparaturen au Läsen, Fenster« und Eix- friedigung des Stadtjchloffes.

9. Abkommen mit dem Brauereiconsortium unter Auf­hebung des Beschlusses wegen der Aversionirung der Ver­brauchssteuer.

10. Uebertragung des ResteS von 1439,40 M. des Verlags von M. 14000, für die Heizunztanlage in der Ober- Realschule für 1899.

11. Nachbewilligung von M. 204, auf Tit. I, 5. Sp.

r Et. H für 1898/99. VertretungSkosten in der Fort- bildungs-§ chule.

12. Vermuthung der Wohnung Nordstraße 12 gleicher Erde.

13. Festsetzung der Gebührensätze für die Benutzung des! SchloßsaaleS.

14. Entfernung von Schlamm und Zufällen des alten Kanals * der vom Gerbergraben abzweigend durch Bangert und

Schulstraße über Johanniskirchplatz nach dem Stadtgraben an der Hainstraße führt.

15. Nachbewilligung von M. 35,37 auf Titel I, 14 von M. 62,22 auf Tit. I, 15 Sp. Et. C. uxd von M. 10,54 auf Tit. I, 20 Sp. Et. E für 1898/99. Gehalts­nachzahlungen an Lehrer.

16. Nachbewillung von M. 300, auf VH B, Tit. I. 14 für 1899 zur Besoldung der Lehrerin Weymann.

17. Nachbewilligung von M. 55,60 auf Tit. VII, 2 Sp. Et. B. für 1998/99 UmzugSkosten für Lehrerin Frl. Wepmann.

18. Uebertragung der Rostvorlage von 1898/99 auf 1899 betreffend den Ausbau von Straßen.

19. Uebertragung des öffentlichen JmpfgeschäftS für 1899 an Geh. Sanitätsrath Dr. Suukel gegen von M. 250.

20. Rechnung der Kleinkinderschule

21. Schlachthofkasse

22. höheren Mädchenschule

23. Armenkasse

24. Begräbnißkaffe

25. des Stadtschlosses

eine Vergütung

zur Fest- stelluug und zur Ent­lastung des Rechnung--

26. Banuos u. Beauxschen Stiftungsuyrers.

Um 4*/i Uhr Sitzung des RechvungSprüfvngsausschuffes, dazu Punkt 1926 der vorstehenden Tagesordnung.

Der Stadtverordneteuvorsteher.

_________________________Canthal._________________________

Aus dem Nachtrag zum Reichs­haushaltsetat

für das Rechnungsjahr 1899, der jetzt dem Bundesrath zu­gegangen ist, theilen wir Folgendes mit; Es werden im Ganzen 8 439 990 Mk. gefordert, nnd zwar 940 866 Mk. an fortdauernden Ausgaben, sowie 1 911932 Mk. an ein­maligen Ausgaben des ordentlichen, und 5 587 192 Mk. des außerordentlichen Etats. 1642 250 Mk. sind ««gesetzt zu Theuerungszulagen für Unterbeamte. Zur Erläuterung dieser Forderung wird gesagt:Die Einkommens- verbefferung für Unterbeamte im Etat für 1899 hat noch einer Ergänzung bedurft. Solche Ergänzung ist durch die namentlich in größere« Orten und in den Jndustriebezirke« erschwerte Lebenshaltung, welche sich nicht blos auf die WobnungSverhältnisse beschränkt, geboten und nicht in einer Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses, auch nicht etwa in einer weiteren allgemeinen Einkommenserhöhung zu finden. Die Gehaltsaufbesserung muß vielmehr als abgeschlossen gelten. Die Abhilfe soll auf dem Wege einer die Einzel­verhältnisse berücksichtigenden Bewilligung wiederrvfiicher und nickt pensionsfähiger Zulagen erfolgen, bei denen die niedrigst

feuitteton.

Berliner Stimmungsbilder.

Von Eduard Eudrow.

(Nachdruck verboten.)

Weun ein Provinzler zur Zeit der großen Frühjahrs- oder Herbstparaden der Reichshauptstadt einen Besuch ab- stattet also Anfang Mai und Ende Sept-mber dann sollte er sich ein interessantes Schauspiel unter keiner Be­dingung entgehen lasten: Dem Einmarsch oer Garderegimenter mit dem Kaiser an der Sp tze durch dir Belle- Alliance- und Friedrichstraße. Zwischen 1 usd 2 Uhr mittags er filzt h der Regel die Rückkehr vom Tempelhofer Felde. Vom Kreuz­berg bis zur StraßeUut r ven Linsen" sind viele Hunderte von Schutzleuten zur Aufrechterhaltung und gleichzeitig zur Ablenkung des Verkehrs posttrt. Südwärts dürfen, während die Soli alert die rechte Seite der Straßenlänge okkupiren, einige Omnibusse und Droschken, aber nur wenige, fahren nordwärts ist jeder Zugang versperrt. Da kommt es denn unvermeidlich zu allerlei Zwischeufälleu. Die Omnibus­kutscher müssen laut Vorschrift die Friedrichstraße befahren unb dürfen von dem vorgeschriebeuen Wege nicht abweichen. Zunächst setzen sie den Anordnungen der Schutzleute durch­weg ein kategorischesNee! bet derfeu wir uich!" entgegen, bis der uniformtrte Diener der Gerechtigkeit kurzer Hand die Pferde in die nächste Seitenstraße leitet, ohne auf Kutscher, Schaffner oder Publikum irgendwelche Rücksicht zu nehmen. Dann wird die Friedrichstraße auch für Passanten gesperrt. Wer aus einem Hause kommt, darf den Kordon durchbrechen, hinein darf Keiner. Um 1 oder 2 Uhr müssen aber un­gezählte Tausevde von Gewerbetreibenden, Kaufleuten, Fabrik arbeitern nach der Mittagsstunde wieder in ihre Bureaux, in

die Geschäfte, an die Arbeit. Sie müssen die Frieortch^rrafe durchschneiden, denn diese zieht sich s/* Stunden lang von Norden nach Süden, oser die Geschäfte liegen, was meistens der Fall ist, in der Friedrichstraße selbst einerlei, warten müssen alle. Es kommt thatsächlich vor, daß Schüler und Arbeiter sich ob des Durchmarsches der endlosen Reihen der Garderegimenter um eine volle halbe Stunde verspäten. Sie können es beim besten Willen nicht vermeiden. Ja voriger Woche wohnte ich an der Kochstraße, Ecke Friedrichstraße, wo alles abgesperrt war, einer regelrechten Balgerei zwischen Schutzmanuschaften und jungen Kaufleuten bei. Ernstere Exzeste wurden nur durch die Besonnenheit einer älteren Wachtmeisters vermieden, der die Ungehaltenen im solidesten Bierbaß darauf aufmerk am machte, daß sie (die Schutzleute) doch auch nichts dafür könnten und noch weniger dagegen. Et i8 nu man so, nun da jllbls jar nischt braune rumze- zoppen" also ließ er sich vernehmen. Und es gelang ihm wirklich die Aufgeregten zu besänftigen. Nach Hundert taufenden zählten die Neugierigen auf dem Paradewege, Hunserttausende wmea in den Nebenstraße« eingepfercht. Ueberall stockt der Wagenverkchr. Immer reger schwillt der Knäuel au, Kinder schreien, zartbesaitete Damen werden ohn­mächtig vom Platze getragen endlich in der Ferne er­klingen die Weisen eines flotten MilitärmarscheS. Generale nnd Adjutanten sprengen über die reinliche, blitzende Asphalt- fläche, die in kurzen Zwtschinräumen mit gelbem Sand be­streut wird, damit der Staub gemildert werde und die Pferde nicht stürzen. Ein halbes Hundert reich gallouirter kaiserlicher Diener und Stallmeister zieht vorüber, dann folgt in offener Equipage, umgeben von einer glänzenden Suite, Ihre Maje­stät die Kaiserin mit ihrer Hofdame, dann der Generalstab, dann, zwischen seinem Atjutanten und dem kommaudireuden General deS Gardekorps von Bock und Polach der Kaiser, in einfacher Uniform, geschmückt mit dem Bande deS Schwarzen

Ameror^enS. Unaufhörlich, gleich feiner hohen Gemahlin, nach allen Richtungen hin freundlich grüßend. Aus allen Fenstern wird mit weißen Tüchern gewinkt, Blumensträußchen werden geworfen, viele Herren schwiugen die Hüte zum Gruße. Zu lauten Ovationen kommt es seltener, ertönt aber ein Hurrahruf" auS der Menge, dann pflanzt er sich mit Wmdsseilr fort. Berlin ist durchweg von freisinnigen und sozialdemolratischen Elementen durchs-tzt, aber eS ist trotzdem die Kaiserstadt, die Residenz- und die Burg deS Hohenzollern« hausls geblieben und wird eS auch fernerhin sein. Berlin ist dikjenige Stadt, in deren Theatern, trotz deS überhaud- uehmendrn Freisinns, jede patriotische Anspielung, jedes patrioti-Le Stück, daS einigermaßen genießbar ist, mit juvelu- dem Beifall ausgenommen wird . . . Eruft Don Wildenbruch, ehedem der kühnste Vorkämpfer des Zollernaars auf drama­tischem Gebiete, hat in den lebten Jahre« einen ernftzuneh- menden Konkurrenten erhalten, den in WieSbaden mit Ruhm überschütteten Hauptmaun Josef Laufs, der Dichter ^Burg­grafen" und neuerdings desEiseuzahn". Wildenbruch brächte uns in dieser Saison eine Saftige TragödieG e- Mitternacht", die im Berliner Theater nach hartem Kampf einen Sieg errang, beinahe aber durch eine absolut unzuläng­liche Darstellerin zu Boden geworfen wäre. Ein Theil der freisinnigen Presse zog nach der Premiere furchtbar über den Dichter her, sodaß dieser restznirt sein Stück zurückzog und eine Umarbeitung vornahm. Dieselbe ist vollendet und soll dieser Tage im Hamburger Stadttheater probeweise aufgeführt werden. Der Dichter derQuitzow'S", desNeuen Herrn" und derHeinrichs Tragödien" steht dem modernen bürger­lichen Drama und dem nackte» RealiSmuS sehr feindlich gegenüber, trotz seinerHaubenlerche". Er sprach sich in einer Unterredung, die ich Mitte Dezember vorigen JahreS mit ihm hatte, darüber folgmdermaßen au«:WaS unS die meisten bürgerlichen Schauspiele, in ihrer modern > realistischen