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Erstes Blatt.

®»newe*t*«

Preis:

Zährlich 9 * DMährl. 4^50* vierteljährlich 2 .* 25 4.

Für auswärtige Mummten mit dem letreffrnben Psstaufschla«.

vie einzeln» Ldmuner kofia 19 A

Einrücknngs- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gespalteue Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für Htaöi- unö LanSkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Rr. 106

Samstag dcn 6. Mai

1899.

Amtliche Beilage" Nr. 34.

«mttichrS SterötKvsis ^anau.

Bekaulltmachullgen des OberbürgermeistWamtes. Bekanntmachung.

Der Bauunternehmer Fr. Keu necke hier hat sein Grund­stück, gelegen im Ueberschwemaiungsgebiet der Kinzig in der Verlängerung der Ramsaystraße am Kiuzigvfer, in ungefähr 50 m Länge und 3 ja Höhe aufschütten laffm «ab hat be­antragt, ihm nachträglich die Genehmigung hierzu zu er­theilen.

Gleichzeitig hat er um die Erlaubniß zur Ausfüllung des ganzen Grundstücks nachgesucht. Indem Wir Interessenten hiervon Nachricht geben, bemerken wir, daß auf Grund des § 86 pos. 1 des Zuständigkeitsgesetzes Pläne und sonstige Unterlagen im Stkvtsekretariat, Zimmer Nr. 21 des Rath­haufes, zur Einsicht aufgelegt sind.

Einwendungen sind innerhalb 14 Tagen vom 29. AM d. I. an bei uns einzubringen.

Hanau den 24. April 1899.

Der Stavtausschuß des Stadtkreises Hanau.

Der Vorsitzende.

Dr. Gebeschus. 6723

Am Montag den 8. Mai d. Js., nachmittags von 5 Uhr ab, findet tm unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. I, öffentliche Sitzungdes «ewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Strei­tigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den 2. Mai 1899.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

Dr. Gebeschus. 7151

Bekanntmachung.

Die Heberolle über die von den Unternehmern land« «nd forftwirthschastlichrr Betriebe des Stadtkreises Harau zu zahlenren Beilage für dKS Jahr 1898 liegt in der Zeit vom 9. bis 23. Mai 6. Js. zur Emstcht der Betheiltgte« bei der hiesigen Stsdlhauptkasse aus.

Gleichzeitig findet die Ervebung der Beträge auf Grand § 82 des lanbwirthschaftl. Unfall-Versicherusgs-Gesetzes vom 5. Mai 1886 statt.

Hanau den 6. Mai 1899.

Der Magistrat.

Bode. 7241

FeMlietsn.

@rinntrwigcn an Gottfried Kinkel.

vortrag, gehalten am 4. Mai in der Jahresversammlung des Hanauer Geschichtsvereins, von Prof. Dr. R. Sucht er.

(Schluß.)

Von 1871 an bildeten sich nämlich Vereine, in denen Wandervorträge gehalten wurden von verschiedenen Gelehrten, die sich zur Verfügung stellten und Honorar besamen» Für derartige Vorträge eignete sich niemand besser als Kinkel. Durch vielfache Uebung hatte er gelernt, wie sich ein Redner verhalten mußte, wenn er Eindruck machen und die Aufmerk­samkeit fesseln wollte, und interessante Stoffe lieferte ihm seine Wissenschaft in Menge. Darum fand er sich gern be­reit in den Ferien Vorträge zu halten, nachdeni die erwähnten Vereine unter den Gegenständen, die er zu behandeln ge­dachte, jeder für sich ihre Wahl getroffen hatten.Ehe er diese Reisen begann" sagt .Henne am Rhynhatte er sich, ohne jemals förmlich amnestirt zu sein, die Versicherung ertheilen lassen, daß seine Anwesenheit in Deutschland, selbst in Preußen, keinem Bedenken unterliege,"

Damit sind wir nun in die Zeit gelangt, wo meine per­sönlichen Erinnerungen an Kinkel anfangen.

In dem 1872 gestifteten Hanauer Kunstinduftrie-Verein hielt er am 25. März 1873 seinen ersten Vortrag über

Die von

Pompeji. Von da an tarn er bis 1878 jedes Jahr im März oder April, dann nur noch einmal 1882.

ihm behandelten Themata waren:

1874 die mohamedanische Kunst;

1875 eine Gondelfahrt durch Venedig;

1876 das deutsche Theater im Mittelalter;

1877 Hogarth als Sittenmaler und seine Umgebung;

Dicnstnachrichicn aus dem Kreise.

Gefunden: 1 Brillante inz mit einem Stein, 1 Kinderschuh.

Hanau am 6. Mai 1899.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold").

Berlin, 5. Mai. Der Reichstag wird vom 10. Mai sit zum 6. Juni die Pfingstferren eintreten lassen.

Berlin, 5. Mai. In cer Wahrung des verttorbemn früheren Retchsgerichts-Präsidenten v. Simson sind Bei­leidsbezeugungen eingrgangen u. N. vom König von Sachsen, vom Hcrivz Ernst Günther von Schl smig-Holstein, vom Fürsten Herbert Bismarck, vom Finanzminister Miquel. Auch prachtvolle Kranzspenden sind im Tranerhause abgegeben wor­den. Zu der morgigen rffiziellen Fster trifft der Reichsge- richts-Präsident Dr. von Oelschläger, der Senats-Präsident Dr. Löwenstein mit mehreren Räthen vom Reichsgericht hier ein. Auch der Berliner Magistrat entsendet zur Beerdigung eine Deputation.

Brrlin, 5. Mai. Inder P o st -K o m m i s s i o n des Reichstages stand heute tue Novelle zum Postgesetz zur zwei­ten Lesung. Artikel 1 wurde, ioweit er das Porto für Briefe betrifft, unverändert angenommen, ebenso Artikel 2 betreffend den Nachbarorts-Verkehr. Auch Absatz 3 von Artikel 1 be­treffend die Zeitungsgebühr wurde nach den Beschlüssen erster Lesung angenommen. Hierauf gelangten verschiedene Re­solutionen zur Annahme. Dior gen wird die Berathung fortgesetzt.

Berlin, 5. Mai. In der Wahlprüfung s-Ksm- mission des Reichstages sind die Wahlen der Abgeordnet n von Staudy (tonst) Harrichhausen (Bund der Landw. Hilbeck (natl.) und Pauly (Reichsp.) beanstandet worden.

Berlin, 5. Mai. Infolge der Neugliederung des Reichs-Marineamts wird beabsichtigt, die Stelle eines dritten Direktors bei dieser Reichsbehörde zu schaffen.

Berlin, 5. Mai. Zur Abrüstungs-Konferenz im Harz erhält dieBossische Zeitung" eine Londoner Draht- meldung, wonach dieDaily News" berichten, Graf Mura- wstw habe in Berlin freundliche Vorstellungen gegen die Er­nennung des Prof sfors Stengel zum Vertreter Deutschlands auf der Konferenz machen lassen.

Betritt, 5. Mai. Wie dasBerliner Tageblatt" er­fährt, bestätigt es sich, daß Bayern die militärischen Bei­sitzer beim Senat am obersten Gerichtshof möglichst aus dem Personal seiner Berliner Gesandtschaft wählen wird, um neue Abtommandirungen zu vermeiden. Auf eine besonders umfangreiche Thätigkeit des Sinais scheust die bay rische Militä verwaltuna sich also nicht einzuriEtrn.

1878 der Kupferstich und seine Stellung im Kreise der zeichnenden Künste;

1882 Christopher Marlowe der Rival Shakespeare's nnd frühste Theaterdichter des Faust.

Diese Vorträge wurden alle imGasthaus zum Riesen" gehalten, in dem auch Kinkel jedesmal logirte, eine Treppe hoch an der Ecke, wo der Riese Goliath steht. Der Andrang war immer außerordentlich groß, und der Kunst­industrie-Verein hatte es namentlid) Kinkel zu verdanken, daß seine Mitgliederzahl ansehnlich wuchs. Denn nur die Mit­glieder und die Schüler der Akademie hatten Zutritt. Die Einrichtung, daß Tagesbillets für 1 Mark verkauft wurden, kam erst später auf. Nach dem Vortrag bildete sich jedesmal im Nebenzimmer am Saal eine Tafelrunde von Herrn und auch Damen; am ersten Abend waren es nach Zieglers Chronik etwa 40 Personen. Ich war an diesem Tage noch nicht Mitglied, darum auch nicht anwesend, hörte aber von Anderen, K. wäre gar nicht so, wie man dächte, niemand merkte ihm an, was er für Schicksale erlitten hätte. Das fand ich bestätigt, als ich ihn am 21. März 1874 zuerst sah. Deutlich steht mir sein Bild noch vor Augen, obgleich 25 Jähre seitdem vergangen sind. Bei der nun folgenden Schilderung leitete mich der Gedanke, daß zu wenig geschieht, um die Persönlichkeit bedeutender Männer dem Gedächtniß zu

kein Wort zu viel, machte keine langen Sätze, brächte nur erhalten. Wenn die Zeitgenossen nichts mittheilen, wie kann vor, was zur Sache gehörte, dieses aber bestimmt und klar, da die Nachwelt noch etwas wissen von Eigenschaften, die alles in wohlgeordnetem Zusammenhang, ganz fließend ohne kein Porträt darstellen kann, wie z. B. die Stimme? Stockung und ohne Wiederholung. 9iie habe ich gehört, daß Kinkel trat sicher und fest auf, eine imponirende Gestalt, er sich einmal versprach oder irrte, daß er nur ein Wort ab- groß und stark, ungefähr so wie der alte Kaiser Wilhelm I. änderte oder hinzufetzte. Alles kam wie ein fertiger Guß, Alles an ihm war wohl proportionirt, die Haltung immer und dies gilt nicht nur von seinen Vorträgen, sondern auch würdevoll, die Miene ernst, aber doch milde und wohlwollend, von den Gesprächen, worin er sich in der Regel einfach, zu- Die Züge waren regelmäßig; mir waren die grauen Augen; weilen aber auch gewählt mit einer poettschen Wendung aus- nicht groß, wenig lebhaft und lagen ziemlich tief unter drückte. Pathos, das er früher offenbar sehr geliebt hatte, buschigen Brauen; eine Brille trug er nie. Die kahle Stirn kam nur noch wenig vor; er hatte sich das in England und

Die heutige Nummer umfaßt außer dem UuterhaltuugSdlatt 14 Seiten

Berlin, 5. Mai. Wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" hört, wird Frhr. v. Soden, welcher von Anfang Juni bis September mit den Geschäften deS KabinetschesS in Stuttgart betraut ist, im September nach Kamerun gehen, wo er bekanntlich an mehreren Plantagen belhriligt ist.

Dresden, 5. Mai. Heute früh wurde in einem Hause der Königstraße in Dresdm N. der Comptoirist Bernhard verhaltet, unter dem Verdachte, ein Attentat aus den Geldbriefträger geplant zu haben. Er hatte, wie die Dresdener Neuesten Nachrichten" meiden, einen fingirten Geldbrief mit seiner Adresse versehen, gestern bei der Post aufgegeben und erwartete heute den Geldbriefträger. Der Post war aber bereits gestern ein Verdacht gekommen und man vsstirte heute früh Kriminal-Schutzleute in der Nähe des betreffenden Hauses, welche Bernhard fistnahwen. In seiner Tasche fand man ein schweres eisernes Instrument, mit wel­chem er vermuthlich drs Attentat hatte ausführen wollen.

Gablonz, 5. Mai. Nachdem die Fabrikanten sich der Lohnbewegung gegenüber ablehnend veralten haben, sind sämmtliche Textilarbeiter des gesammten Reichenberger Jndustriebezirks in den Au 8st and getreten.

Trieft, 5. Mai. Seit voriger Nacht herrscht hier ein heftiger Schneefall. Die Tempercturen betragen 2 Grad.

Lemberg, 5. Mai. Der flüchtige Amtsanwalt Dr. Kratter wurde in New-York, als er in einem Bankhause 15,000 Dollar erheben wollte, fest genommen.

Mailand, 5. Mai. WiePerseveranza" meldet, soll die Besetzung der Sanmun-Bai am 12. ds. erfolgen.

Aus Stadt- uti& Landkreis Hanan. Hochdruck unserer Lokalartikel nur mit QueLenaugobe .Hau ^u-." gestattet.

* Staatszufchuft Durch Erlaß des Herrn Unter» ricktsminisiers vom 15. April l. J. ist der Königl. Re­gierung zu Cassel aus den U e b e r s ch ü s s e n an Staats- zuschüssen bezüglich deS Lehrerbesoldungsgesetzes der Be­trag von 120,292 Mark überwiesen und von dieser Behörde auf die einzelnen Kreise vertheilt wordtn. Hiernach wird je­der einzelnen SchulsteLe der Betrag von 61 Mk., welche be­reits gezahlt sind, zurückvergütet.

* Vom Landkreise Hanau. Das Sollaufkommen an Einkommensteuer für 1898/99 betrug liuschl. des fingirten Einkommens und der Forensen 287 408 Mark 67 Pfg. (236 065 Mk. 70 Pfg. im Vorjahr). Dir Staatseinlommrn- steuer verteilte sich aus: 3588 Censiten mit einem Jahres­einkommen von 420 bis 3000 Mk., 256 Crnsiten mit einem Jahreseinkommen über 3000 Mk. Das Ergänzungssteuer- Soü betrug 29 582 Mk. 40 Pig. und 2002 Censiten. Das

und der lange silberweiße Bart in Verbindung mit dem ent­schiedenen Gesichtsausdruck gaben ihm den Charakter eines altgriechischen Weisen. Der Kops bewahrte phllosophische Ruhe und hatte etwas Marmorartiges. Niemals sah ich ihn lächeln. Leider kann ich hierbei nicht umhin eins zu be­klagen. Alle Porträts von ilnn, die ich gesehen habe, sind mir zu wenig ähnlich; immer ist ein Ausdruck hineingelegt, den er nicht hatte.

Zu der stattlichen Persönlichkeit kam nun noch eine außer­ordentliche Rednergabe. Kinkel hatte einen Baryton, den man keineswegs sonor nennen konnte; die Stimme hatte nichts Ungewöhnliches, weder im Klang noch in der Kraft. Aber er ivußre sie zu behandeln, sprach sehr deirtlich, nie ein­tönig, nie hastig, immer mit sachgemäßer Abwechselung, selten im Affekt. Zuweilen, wenn er etwas besonders hervorheben wollte, ging er mit der Stimme in die Höhe. Professor Fischbach, ein Landsmann von Kinkel, bezeichnete diese Eigen­thümlichkeit einst sehr treffend, indem er zu mir sagte:Haben Sie wohl bemerkt, daß er verschiedene Register auszieht? Es ist manchmal beinahe wie Fistel." Von Dialekt war bei Kinkel nichts zu erkennen; er sprach das reine Deutsch, wie es im Theater Regel ist. In der Wsdrncksweise vermied er alles Langweilige; er sprach ganz frei ohne Concept, aber