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Amtliches Orgun für Stadt- und Lanölirsis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

M. 105

Freitag den 5. Mai

EinrückungS- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ di« 4gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamenrheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

1899

Dienstnalhrithtcil aus dem Kreise.

Gefunden: Zu Langendiebach ein Fünfmarkstück; Empfangnahme bei dem Herrn Bürgermeister daselbst.

Zugelaufen: 1 hellgelber Pinscher mit braunem Rücken m. Geschl. Empfangnahme bei Jakob Kuprian I. zu Rückingen.

Entlaufen: 1 Bernhardinerhnnd, weiß, mit gelben Flecken u. Kops, m. Geschl.

Hauau am 5. Mai 1899.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 3. Mai)

Vor Eintritt in die Tagesordnung widmet Präsident Gras B a I l e st r e m den kürzlich verstorbenen Abgeordneten Rath und F r a n z i u 3 einen kurzen Nachruf. Tagesordnung ; Fortsetzung der Berathung der Anträge Lieber-Hitze (Arbeits- kammern) und Pachnickr (Reichsarbeitsamt), sowie die noch dazu vorliegenden Anträge von Hehl und Roesicke. Abg. Bebel (Soz.) wendet sich gegen die Ausführungen der Abgg. v. Stumm und v. Kardorff. Abg. Hilbeck (nl.) äußert sich gegen die vorliegenden Anträge mit dem Hinzufügen, er und der ihm gleichgesinnte Theil seiner Partei habe ein eben

so warmes Herz für die Arbeiter, als die Freunde dieser Anttäge. Er wolle nicht diesen Wettlauf um die Gunst der Masten mitmachen. Ein Einigungsverhandlungszwang von dem Gewerbegericht sei ganz unangebracht. Wer arbeiten wolle, für den gebe es immer Arbeit; jener Zwang nütze gar nichts; gegenüber dem, der nicht arbeiten wolle. Abg. Roesicke-! Dessau (wildlib.) antwo

nur mechanischer Natur gewesen. Es sei aber röthig gewesen, ............ ibg. Roesicke-! die Arbeiter viel früher zu Organisten. Wie nöthig das gr-

. (wildttb.) antwortet auf die gestrigen Angriffe des Riesen wäre, zeige der Schritt, den die internationale Sozial- Herrn v. Kardorff, welcher dem Redner gestern seine Stellung- demokratie inzwischen gethan habe mit dem Rufe: Arbeiter! nähme gegen Herrn v. Stumms Popularitätshaschcrei vorge- aller Länder, orzauistrt Euch! Auch jetzt gebe es nur einen i morsen habe. Bei wem solle er, Redner, sich denn populär machen wollen? Etwa bei den Sozialdemokraten? Nein, diese

rechneten ihn ganz so wie Herrn von Kardorff zu der einen wird geschloffen. t--------------v- ------- -.......

reaktionären Masse. An Herrn v. Stumm bekämpfe er nicht' Kommission verwiesen. Nächste Sitzung heute 2 Uhr. die Person, sondern das System. Redner tritt weiter für sT. O.: Geböhrentarif beim Nordost'eekanal, Flaggenrecht der volles Koalitionsrecht der Arbeiter entsprechend seinem An- Kar-ffahrieischiffe, Wat.lp'.üiungen, Petitionen.

trage ein. Gleichberechtigung der Arbeiter verbürge dem Unternehmer auch die beste Disziplin. Herr v. Kardorff wolle den Sozialdemokraten aus 5 Jahre das Wahlrecht nehmen.

Was würde Herr v. Kardorff und Herr v. Stumm denken, wenn man vorschlage, daß ihnen auf 5 Jahre das Wahlrecht entzogen werbe. Abg. v. Heyl (nl.) bemerkt, fein Antrag: , . , , , , ,

stütze sich auf die Prinzipien, aus denen die Gewerbegerichte Zur Berathurg. § 1, welcher bestimmt, daß für jeden An- Aussprache mit den tschechischen Vertrauensmännern in Prag beruhten. Er empfehle seinen Antrag (Arbeitskammern imschluß an ein Fernsprechnetz eine Grundgebühr und eine Ge- eingetreffen.

Gestalt von besonderen Abtheilungen bei den Gewerbegerichten, i spröchsgebühr erhoben wird, wurde debaitclos angenommen.: Rom, 4. Mai. Die äußerste Linke der Kammer be- mit bestimmten Befugnissen). Herr von Stumm und seine Die Berathung soll morgen fortgesetzt werden, vorher jedoch schloß, ein Manifest an das Land zu richten, worin die Partei sollten nur nicht glauben, daß er und seine Freunde das Postgeietz in zweiter Lesung berathen werden. gefahrvolle Kolonial-Politik, welche gegen den Willen des

sich von denselben einschüchtern lassen würden (Beifall). In dem Kampfe gegen die Soz'aldemokratie habe nichts mehr ge­schadet als das ewige Gerede und Drohen mit der Zucht- Hausoorlage. Redners Freunde lehnten dieselbe rundweg ab. Abg. v. Kardorff (Rp.) polemistrt zunächst gegen den Abg. Stöcker, der ihm Kenntniß der einschlägigen Verhält- viffe abgesprochen habe. Weiter wendet er sich gegen die Abgg. Bebel und v. Hiyl und betont nochmals, daS Richtigste sei ein neues Sozialistengesetz. Wolle die Regierung etwa die Zuchthausvorlage nicht einbringen, weil sie vielleicht doch nicht durchgehe, so sei das ein Abweichen von der Bismarck- schen Praxis, der stets gesagt habe: Ich will wenigstens vom Reichste ge eine Quittung haben! Abg. Molkenbuhr (Soz.) führt aus, wenn die Regierung der Verrohung der Jugend mehr entgegentreten wollte, wie die Herren e. Stumm und v. Kardorff es für.hig hielten, so wüßte sie vor Allem mehr für die Schulbildung thun. Aber da würde sie gerade bei den Herren auf der Rechten auf den größten Widerstand

stoßen, wie dies ja genug -aus den neuesten Verhandlungen

. , , , ......, ______________deutschen Konsuls entsprechend weit westwärts in das Innere

im Abgcmdmtenhause über den Antrag Gamp ersichtlich sei., zurückgezogen, sodaß keinerlei Gefahr einer Colliston mit seinen

Redner tritt weiterhin den Ausführungen des Abg. Hilbeck

entgegen. Abg. Stöcker (b. k. F.) bezeichnet das Benehmen v. Kardorffs als etwas anspruchsvoll. Unsere ganzen kranken Zustände seien seiner Zeit verschuldet worden durch . ein Uebermaß volksverderblicher Freiheiten, wo­gegen nichts geschehen sei, um das Anwachsen der Sozial- demokratie zu verhindern. Was geschehen sei, sei zunächst

Weg der Abhilfe; noch jetzt müßten wir selbst die Arbeiter organisiren und ihnen zurufen : Kommt zu uns ! Die Debatte

wird geschlossen.

Sämmtliche Anträge werden an eine

Politische und m,politische Nachrichten.

(Depeschen-Bureau.Herold').

Berlin, 4. Mai. In der Post-Kommission

des Reichstages staub heute die Fernsprechgebühren Ordnung mittelbar bevorstehend und Finanminister Dr. Kaizl behufs

Berlin, 4. Mai. In der Reichs tag s-Ksmmiffion für das Fleischbeschaugesetz wurden heute zunächst die §§ 6 und 7, welche besagen, daß nach erfolgter Untersuchung je nach dem Befunde nach den Vorschriften des Gesetzes zu verfahren ist, nach unwesentlicher Debaite in der Fassung der Regierungs-Vorlage angenommen. $ 8, der die Untersuchung auf Trichinen betrifft, gelangte in abgeänderter Fassung zur Annahme.

Berlin, 4. Mai. Die Kommission des Abgeordneten­hauses für die Kanalbau-Vorlage hat heute früh ihre Informationsreise in das Ruhrgebiet angetreten.

Berlin, 4. Mai. In der heutigen Vormittags-Ziehung der preußischen Klassrn-Lotterie fiel der Hauptgewinn im Betrage von 500,000 Mark auf die Nummer 10,018.

Berlin, 4. Mai. Aus Apia wird vom 22. April berichtet; Die Befehle aus London und Washington, die Feind­seligkeiten einzusttllen, haben der Bevölkerung Ruhe und Frie­den zurückgebracht. Mataafa hat sich der Forderung deS

Truppen besteht.

Berlin, 4. Mai. DieNational-Zeitung" meldet aus Rom: General Pelloux wird nach der heutigen Senals- Sitzung, in der er den Rücktritt des Kabinets ankündigen wird, den Auftrag zur Bildung eines neuen Kabinets er­halten. Die Verbindung Pelloux mit Sonniuo gilt als mög­lich. Pelloux wird Sonniuo das Portefeuille des Auswär­tigen anbieten.

Berlin, 4. Mai. DerLokal-Anzeiger" meldet aus Petersburg: FürstRebuton, das Haupt der armenischen Bewegung in Petersburg ist in seiner Wohnung an der großen Gartenstraße verhaftet worden und in Untersuchungs­und zwar in Einzelhaft genommen worden. Die Polizei fahndete schon lange auf ihn, da er die Armenier gegen die Maßregeln des General-Gouverneurs des Kaukasus aufhetzte. In der Wohnung des Fürsten Rebuton sind viele kompro- mittirende Briefe und Schriften gefunden worden. Die hiesige armenische Kolonie ist in großer Aufregung.

Budapest, 4. Mai. In der heutigen Abgeordneten­haus-Sitzung brächte der Finanz-Minister eine Börsen- Steuer-Vorlage ein.

Prag, 4. Die tschechischen Blätter bestätigen ohne Aus­nahme, die Entscheidung in her Spr'achenfrage sei un-

(Erinnerungen an Gottfried Kinkel, Vortrag, gehalten am 4. Mai in der Jahresversammlung des Hananer Geschichtsvereins, von Prof. Dr. R. Suchier.

Johann Gottfried Kinkel wurde geboren am 11. August 1815 in Oberkassel, einem Dorf am Siebengebirge, eine Stunde von Königswinter. Sein Vater, der gleichfalls Joh. Gottfried hieß, und damals schon 60 Jahre alt war, war dort evangelischer Pfarrer, Sohn eines armen Schuhflickers in Herborn. Die Mutter unseres Dichters, Marie Beekmann aus dem Wupperthal, war höchst energisch, bewies aber heiße Liebe, Fürsorge für die Bedürftigen und unbestechliche Wahr­haftigkeit. Er sagt selbst:Die Züge ihres Charakters sind im Wesentlichen auf mich übergegangen, und es hat sich da die fast nie trügende Erscheinung bewährt, daß die Söhne der Mutter nacharten." Wie richtig dieser auch von Arthur Schopenhauer hervorgehobene Satz ist, läßt sich überall in der Geschichte verfolgen. Man denke nur an Goethe, mit dem Kinkel überhaupt in mancher Hinsicht Aehnlichkeit hatte.

Vom 10. Jahre an besuchte dieser das Gymnasium in Bonn, und 1831, erst 16 Jahre alt, bestand er glänzend das Maturitätsexamen. In Bonn, ein Jahr lang auch in Ber­lin, studirte er Theologie und wurde dann 1837 Privatdozent in Bonn. Kirchengeschichte war damals sein Hauptfach. Beide Eltern waren um diese Zeit gestorben. Im Herbst 1837 machte er eine Reise über Genf nach Italien bis Neapel und kehrte im folgenden Frühling zurück. Bald nachher ver­lobte er sich, ohne besondere Steigung, nur auf Betreiben feiner 6 Jahre älteren Schwester Johanna, die einen Pfarrer Bögehold geheirathet hatte, mit dessen Schwester Sophie. Er wurde Religionslehrer am Bonner Gynmasium, 1840 auch Hülfsprediger der evangelischen Gemeinde in Köln, sagte sich

poetischen Schaffens. 1843 erschien die erste Sammlung von Kinkels Gedichten; 1844 entstand sein Grobschmied Don Ant- werpen und mehrere Erzählungen in Prosa. Solche schrieb auch Johanna; sie trieb außerdem eifrig Musik, gründete einen musikalischen Verein, sang schön und komponirte selbst. Die Anfechtungen von theologischer Seite störten dies reine Glück nicht. Als Kinkel im März 1844 vom Schulkollegium eine Rüge bekam, daß er in seinen ReligioNsstunden am Gymnasium den Werth des alten Testaments herabsetzte, nahm er sofort seine Entlassung von dieser Lehrerstelle. Die Zen­sur hinderte den Druck einer öffentlichen Rechtfertigung von ihm. Da schied er auS der theologischen Fakultät aus und trat in die philosophische, um sich fortan der Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte zu widmen. Seine Vorlesungen fanden großen Beifall, die Zahl seiner Zuhörer stieg im Jahre 1845 auf 149, und im Anfang des Jahres 1846 wurde er zum außerordentlichen Professor der Kunstgeschichte ernannt.

Das Jahr 1848, in dem so vieles aus Rand und Band ging, riß Kinkel in den großen Strudel mit Er wurde de- mokratischer Agitator, gehörte als Abgeordneter der zweiten preußischen Kammer zur äußersten Linken, betheiligte sich als Freischärler bei dem badischen Aufstande, wurde am 29. Juni 1849 uwveil. Rastatt verwundet und von den Preußen ge­fangen genommen. Die Kunde von diesem ganz un­erwarteten Ereigniß machte ungeheures Aufsehen. Man fürchtete, daß es Kinkel ebenso ergehen würde wie dem Robert Blum in Wien. Aber der Dichterruhm, den er sich bereits erworben hatte, wendete das schlimmste Schicksal von ihm ab; er faub auch in höheren Kreisen Fürsprecher. Am 4. August verurtheilte ihn das Kriegsgericht zu lebens­länglicher Festmtgsstrafe. Der König Friedrich Wilhelm IV. zögerte lange mit der Bestätigung, weil Kinkels Gegmr ihm vorstellten, daß die Strafe zu gelinde wäre, und setzte Ende September an Stelle der Festung lebenslängliches Zuchthaus.

aber immer mehr von der orthodoxen Richtung, in der er er­zogen war, los. Da trat die bekannte Wendung ein, die für ihn verhüngnißvoll war, da sein Oppositionsgeist durch die Verfolgungen, die nun für ihn begannen, erst recht ge­weckt und gestärkt mürbe. Johanna Mockel, die Tochter eines katholischen Gymnasiallehrers in Bonn, geboren 1810, mit einem Buchhändler Mathieux vermählt, aber nach einigen Monaten 1840 geschieden, mit Kinkel schon 1839 sehr be­freundet, wurde von diesem im Herbst 1840 bei einer Kahn­fahrt vom Tode gerettet. Beide fühlten sich nun mächtig zu einander hingezogen. Mit raschem Entschluß löste Kinkel das Verhältniß zu Sophie Bögehold und verlobte sich mit der charakterfesten ihm gleichgesinnten Johanna. Nach katholischer Lehre war es verboten, daß eine geschiedene Frau, deren Mann noch lebte, wieder heirathete. Warum aber auch pro­testantische Zeloten alles Mögliche aufboten, um die Ver­bindung zu hindern, ist schwer begreiflich. Kinkel wurde als Religionslehrer in einem Privatinstitut entlassen, dann auch als Hülfsprediger in Köln abgesetzt, und die theologische Fakultät that alles, um seine Anstellung als Professor zu hindern. Er aber ließ sich nicht beugen; im Gegentheil, die Anfeindungen förderten nur seine Entwickelung.Im Rausche der neuen Liebe" (sein eigner Ausdruck) vollendete er damals in drei Monaten sein Hauptwerk, das kleine Epos Otto der Schütz, das im Drruck erst 1846 erschien. Sein Biograph Henne am Rhyn sagt darüber:Es hat wohl keine deutsche Dichtung einen Erfolg gehabt, wie diese auf­weisen kann, von der bis jetzt (d. i. 1883) beinahe 70 000 Exemplare verkauft sind." (1897 erschien die 78. Auflage.)

Nachdem Johanna zur protestantischen Konfession überge­treten war, fand am 22. Mai 1843 die Trauung statt, wo­bei Emanuel Geibel einer der Zeugen war. Die Ehe war eine überaus glückliche, beide vollkommen einig in ihren An­sichten unb Bestrebungen. Es war die Blüthezeit des