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Amtliches Organ für $faöi- unö LanSKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrückungV» gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamemheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Rr. 104
Donnerstag den 4 Mai
1899.
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 33.
■■«■■MWBBBnamte^am^^
Amtliches (grtaöf&rew ^»anau.
BekauntMachuugen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Weitzbinderarbeitenzur äußeren Herstellung der städtischen Besttzung Erbfengaffe Nr. 1 — (Fortbildungsschule) — sollen in öffentlicher Ausschreibung vergeben werten.
Arbeilsauszug und Bedingungen liegen bei der unter- zeichveten Amtsstelle — Rathhaus, Zimmer Nr. 23 — werktäglich zwischen 10—12 */• Uhr, für Interessenten zur Einsichtnahme auf.
Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind längstens bis zum Eröffnungstermin: Samstag den 6. Mai er., Bormittags 11 Uhr, emzureichen, um welche Zeit die Eröffnung emgegangencr Angebote im Beisein etwa erschienener Submittenten erfolgt.
Hanau den 26. April 1899.
Sladtbauamt I.
6825 Thyriot.
Dienstnachlichten aus dem Kreise.
Gefunden: 1 Messer mit vier Klingen mit Neu- silberbeschag, 1 Taschenmisser mit Schildk ottbeschlag in einem Zimmer des Königl. Landrothsamtes liegen geblieben.
Verloren: 1 grauer Musterkoffer mit schwarzen Lederriemen, vermuthlich in einer hiesigen Wirthschaft stehen geblieben.
Hanau am 4, Mai 1899.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 3. Mai)
Anträge betreffend Arbettervertretungen.
Präsident Gras Ballestrem theilt dem Hause, bissen Mitglieder sich von den Sitzen erheben, Folgendes mit;
Ich habe dem Hause eine Trauerbotschaft mitzutheilen. Nach Mittheilung des Justizraths v. Simson ist der Bster desselben, der ehemalige Präsident des deuschen Reichstages, Reichsgerichts- präsident a. D. Dr< Martin V. Simson, gestern Abend im 89. Lebensjahre sanft entschlafen. Meine Herren! In allen @nt= wicklungSphasen der deutschen Einigungsbewegung hat der Entschlafene eine hervorragende Stellung eingenommen und eine bedeutsame Thätigkeit entfaltet. Als Präsident der Frankfurter Nationalversammlung kündete er an der Spitze einer Deputation
L««MKLsn.
Die Kaiseneisc ins Elsaß.
Heilige, herrliche, durch die Pracht der Natur und den Zauber der Geschichte geweihte Stätten sind es, an deren der Kaiser gestern und heute weilt. Jrs grüne Elsaß führt ihn sein Weg, an dts Reiches wiedersewonneve Grenze, in besten milder, 'onnenbegünstigter Lust schon srüh die Natur sich entfaltet, schon früh herrliche Blüthen deutscher Art und Gesittung reiften. Wie eine Kette gier prangender Juwelen ziehen sich die Kuppen und Spitzen der Vogesen hin, auf den funkelnden Rheinstrom tief unten zu ihren Füßen blickend, und St. Odilten und Hohkönigsbürg, wohin sich der Kaiser begeben wird, rechnen unter die edelsten und köstlichsten Steine.
Wie tneipt sich's so mollig im gemüthlichen Gasthof zum „Rothen Haus" in Barr! „Clävener" ist es, den der Wirth hier verschänkt, und der Name bedeutet, daß die Reben einst aus dem fernen Chiavenna an her wälschen Grenze herübergebracht wurden und hier italienisches Feuer mit deutscher Zartheit tempernen lernten. Wenn man hinaus tritt aus der stillen Landstadt, der man nur den ehrbaren Gerber beruf der meisten Bürger ein wenig zu sehr anriecht, kann man den Wein wachsen sehen aus den grünen, sanft ansteigenden Hügeln, die sich allmählich immer höher und höher wö'ben, bis zum Anstieg des Odilienberges. Rechts vom Weg liegt ein altes, gothtscheS Haus; einst ein Kloster, trägt eS jetzt den Namen des Geschlechts derer von Türkheim, der allen Goetheverehrern bekannt ist, an dessen olympische Gestalt hier im Alemannenland so gar viel erinnert. Wie liegt die Landschaft frei da und friedlich! Ohne Murren be-
derselben am 3. April 1849 dem König Friedrich Wrl- klar. Eine gemtinsame O.ganiation in der Form des Anheim IV. von Preußen seine Wahl zum deutschen Kaiser an. traaes fSike könnte m-niau-nS
Später war der Entschlafene auch Präsident des Erfurter Parla- "°»« H'tze konnte wenigstens wohlthätig wirken. Auch
ments, sowohl im fonftituirenben als im erste» ordentlichen Reichs- dlelsur wurden seine ^nunbe zu haben >em. — Abg.
tage des norddeutschen Bundes und im Zollparlament bekleidete Molkenbuhr (Soz.) wendet sich den vorliegenden An- Simson die Stelle eines ersten Präsidenten. Als solcher überreichte, tragen zu und polemistrt gegen den Abgeordneten v. Stumm. S.&&S8 ÄÄ‘^ »H.UM.W W daß Hetta».
in Versailles die Adresse, wodurch Alttrhöchstdemselben die deutsche Parteiler gegen die Arbelttrkammern seien, er und seine Kaiserwürde angetragen wurde. Auch der deutsche Reichstag wählte Freunde würden für die Letzteren eintreten. — Nach einer Simson zum ersten Präsidenten; er bekleidete diese Würde von weiteren Bemerkung des Abg. v. Stumm vertagt sich das «E SÄ"“iVÄ4"ÄÄ®?".?!* mV°T1KV“6'»”4”^ im*“« d-r hörte. 1879 wurde Simson zum ersten Präsidenten des neu er-: heutigen Berathung, Gebühren beim Nordostsee-Kanal und
richteten Reichsgerichts Leipzig ernannt. 1888 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Entschlaferen den hohen Orden vom Schwarzen Adler und damit den erblichen Adelsstand. Meine Herren! Dieser in der Entwicklungsgeschichte des deutschen Reiches so bedeutsam hervorgetretene Mann ist nicht mehr. Trauernd und tiefbewegt steht der deutsche Reichstag an der Bahre seines ersten Präsidenten, dem er immer ein hochehrendes und dankbares Andenken bewahren wird. Sie haben sich von ihren Sitzen erhoben, um das Andenken Ihres ersten Präsidenten zu ehren. Ich stelle dies fest.
Präsident Graf B a l l e si r e m erbittet und erhält schließlich die Ermächtigung, im Namen des Reichstages ein Beileidsschreiben an den Sohn des Verstorbenen zu richten und eine Kranzspende an der Bahre des Verewigten niederzulegen. Wegen der weiteren Bethätigung des Reichstags an den Trauer fest r.ichk.stten wird der Seniorenkonvent heute am Sitzungsschlussr berath n. — Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Berathung des Antrags Liebermann von Sonnenberg betreffend das Schächtverbot. — Abg. Lieber (Ctr.) beantragt, zunächst den zweiten Punkt der Tagesordnung zu berathen. — Abg. Liebermann von Sonnenberg erklärt sich damit einverstanden, unter der Voraussetzung, daß seinem Anträge die Priorität gewahrt bleibe. — Der Antrag Lieber wird angenommen. — Dann setzte der Reichstag die Berathung der sozialpolitischen Anträge (Einrichtung von Arbeitskau mern) fort. — Abg. v. Kardorff (Rp) glaubt, daß alle diese Anträge der Sozial- demokratie zu Gute kommen und nur diese allein stärken. Für das einzig Richtige halte er ein neues Sozialistengesetz
und dieses müsse u. A. auch eine Bestimmung enthalten, daß, wer sich zur Sozialdemokratie bekenrt, für sie Beiträge leiste u. s. w. auf fünf Jahre das aktive und passive Wahlrecht verliere. *- Abg Bü sing (natl.) erklärt, ein großer Theil se ner F eunde und auch er nehmen zu den vorliegenden Anträgen einen abweichenden Standpunkt ein. — Abg. Wiemer (freis. Vp.) hält eine durchgreifende Prüfung bei jedem Antrag für geboten. — Abg. Kropatscheck (kous.) bekennt sich als Gegner ter ges-tz tchen Anerkennung der Berufs- Vereine, occ.ptire aber mit seinen Freunden den Antrag
L eber Hitze (gemeinsame Organisation von Arblitern und s junge Leute unter 18 Jahren ohne väterliche Genehmigung Arbeitgebern). Die Hky.'schen Vorschläge seien ihm nicht ihren Heimatbsort nicht verlassen dürfen. Punkt 8 verlangt
pellt der Bauer den reichlich tragenden Acker, gesund und behäbig steigen die holzgeschnitz'en Bauernhäuser aus dem Bösen, kräftiges Vi-H schreitet uns schwerfällig entgegen, und aus der ehemaligen Abtei, hinter t-ppichumfponnrnen Fenstern hervor, k-ingen die ruheverbreitenden Töne des Harmoniums und seieilichen Viergesan s kräftiger Mänrerstimmen und schweben gelösten über tie Weingärten und die blühenden W-izeväcker.
Immer energischer steigt der Weg zur Fläche des breiten, klotzigen Bergstockes an, der der heiligen Odilie geweiht ist, und über uns in ansehnlicher Hö e, aus der vordersten Spitze gelegen, taucht bald das land berühmte Kloster auf mit seinen weißen Mauern, seinen viereckigen Fenstern, die wie die treuen Augen einer Wärterin zum blühenden Gau niederblicken. Des Waldes stärkende Kühle nimmt uns auf, und vor uns riefelt der klare Brunnen, mit dessen Wasser die heilige Odilie die armen, kranken, blinden Augen wusch, die unglückliche Fürstentochter: das reizvollste Geschöpf der ganzen Welt, aber auch das bedauernswertheste. Doch Wunder wirkte das klare, kühle Wasser, die todten Augen öffneten sich und mit dem äußeren Licht kam das innere über die Heidenjungfrau. Der rauhe Vater wollte sie indessen einem Heiden vermählen — dem inneren Lichte getreu, das ihr bald dank.nswerther erschien, als das weltliche, entfloh sie, und wunderbare Rettungen folgten ihrem Wege, bis es der zarten, schwachen Maid gelang, des Vaters und der Verwandten unbändigen Sinn zu zähmm und auch sie dem neuen Glaube« zu gewinnen. Die Legende von der heiligen Odilie ist eine der schönsten des ChristeMums: sie schildert ergreifend den Sieg edler, milder Weiblichkeit über derbe Männerart, und ein junger deutscher Poet, dir dem Elsaß entstammt, Fritz Lienhard, hat sie in wohllautende Verse gekleidet. Seit den Tagen, da jenes Wunder sich begab, ist der Brunnen der Heiligen geweiht und so mancher, dessen Glauben stark ist, aber dessen Augen schwach sind, hat seitdem in kindlichem
kleinere Vorlagen.
Preußischer Landtag
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 3. Mai.)
Am Ministertische v. Miguel, Frhr. v. Hammer- ftein und Kommissarien. — Präsident v. Kröcher theilt dem Hause das Ableben des früheren Präsidenten des Reichsgerichts, Dr. Eduard v. Simson, mit. Der Verstorbene hat früher lange diesem Hause angehört; er war von 1849 bis 1851 dessen erster Vizepräsident uns von 1860 bis 1861 dessen Präsident. (Die Mitglieder des Hauses haben sich von ihren Plätzen erhoben.) — Ja gleicher Weise wird das Andenken des verstorbenen Abg. Rath (Ctr.) geehrt. — Der Gesetzentwurf betr. die Bullmhaltung in der Provinz Sachsen wird debattelos in 3. Lesung angenommen und sodann die Berathung des Kommissionsberichtes über den Antrag G a m p (frk.) und Genossen, betr. Maßregeln gegen die in der Land- wirthschaft herrfchende Arbeiternoth, fortgesetzt. — Unter Punkt 6 verlangt der Kommissionsantraz Einschränkung des bisherigen. Verfahrens, den Arbeitsmarkt durch Tarifver- billflungen aus weite Entfernungen zum Nachtheil der Landwirthschaft künstlich zu verschieden. — Abg. Wetekamp (frs. Vp.) vertheidigt das bestehende System der billigen Arbeiterfahrkarten. — Abg. v. Meudel-Steinfels (kons.) meint, es müsse unbedingt vermieden werden, daß
i ländliche Arbeiter, angeregt durch die billigen Tarife, ihre ländliche Beschäftigung auf^eben und Arbeit in der Stadt an- nehmen. Dagegen habe er nichts, daß die Arbeiter aus der Stadt sich auf dem Lande ansiedeln und ihnen billige Fahrgelegenheit zur Arbeitsstätte gewährt werde. — Reg.-Kommiffar Geh. Rath M ö l l h a u s e n theilt mit, daß die Eisenbahn- verwaltung gegenwärtig mit Erhebungen beschäftigt sei, um nach dem Ergebniß derselben das Personentarifwefeu für den Lokalverkehr umzngeüalten. — Der Kommissionsantraz wird
angenommen. — Punkt 7 verlangt Bestimmungen, wonach
Vertrauen tutend die kranken Lider mit der stärken en Feuchte genetzt.
Wie vie'e Kaiser und Könige und Päpste und Fürsten und Herren haben hier oben im Kloster gesessen und aus dem freundlichen Klostergarten den Blick schweifen lassen über daS blühende Laan, über die helle Rheinebene, in der feuchtes Schimmern den Lauf des F.uffes anzeizt, b.s zu dem ernsten Dunkel des Schwaczwalces, der sinnend und träumend vor uns emporwächst, und unwillkürlich murmelt die Lippe die Worte Utzlands:
„--Wohlgelegen ist dies Stift:
Man sieht von seiner Schwelle weit umher Die Städt' und Burgen, Fluß und Feld und Hain, Und allen Reichthum dieser schönen Welt, So freundlich und so blühend hingelegt. —"
Man wird den Kaiser über den breiten Rücken des Ge- birgsstocks führen, und er wird den ungeheuren, gewaltigen Steinwall sehen, der, viele Kilometer lang, den ganzen Rand umzieht. Die „Heivenmauer" heißt daS Cyklopenwerk im Volksmund, und noch haben die Gelehrten seinen Ursprung nicht ergründet. JK'S ein Werk aus der Römerzeit, ein befestigter Platz der Eroberer, die hier Proviant- und Waffen- magazine errichteten und dem höchsten und besten Jupiter dienten? Oder ift's ein Vertherdigungswerk der alemannischen Urväter, die in Landnoth und Feindesdrang zum Höchsten Gipfel ihre Zuflucht nahmen und von hier gewaltige Felsklötze gegen die herauf stürmen den Feinde wälzten? Niemand weiß es und selbst der uralte Epheu, der mit grünen Krallen die titanischen Quadern umspannt und seine armdicken Zweige und Aeste zwtschm die einzelnen Blöcke geschoben hat, ist trotz seiner mehrfachen Jahrhunderte viel zu jung, um künden zu können, waS sich hier zutrug, als dem Urvater Wodan noch daS warme Blut auS geopferten Pferdeleibern in Wasga« entgegendampfte.