Howeeweit«.
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Amtliches Organ für StaKt» und LanöKreis Hausn.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 102
Dienstag den 2. Mai
1899.
Amtliches.
cSanö&reto ^anau.
Bekauutmachuvgeu des Königlichen Landrathsamtes.
Den Herren Gemeinde- bezw. Gutsvorständen werden in den nächsten Tatzen die festgesetzten Gemeindesteuerlisten für 1899 zugehen.
Nach Vorschrift im § 75 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes und Art. 60 II. 6er Ausführungsanweisung vom 5. Avgust 1891 ist die festgesetzte Steuerliste 14 Tage lang öffentlich auszulegen und der Beginn der Auslegung in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Nach Ablauf der Aus- legungsfrtst ist die Bescheinigung auf dem Titelblatt der Ge- meindesteuerlistr zu vollziehen.
Von dem Tage an welchem die Bekanntmachung über den Beginn der Auslegung stattgefunden hat, wollen Sie als- hald hierher Anzeige erstatten.
Hanau am 25. April 1899.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis Hanau.
J. St. 1780 I. V.:vr. Becker, Reg.-Assessor.
Preußischer Landtag
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 1. Mai.)
Leutenoth.
jenigen, unter deren väterlicher oder vormundschaftlicher Ge- leiten. Redner bittet den inzwischen eingegangeneu Antrag walt sie stehen, aus dem Heimachsort sortziehen dürfen; 8. des Abg.Szmula, wonach eine Bestrafung derjenigen Arbeiter ein- Gewährung des Rechts an die Gemeinden, die Abweisung treten soll, welche ihre Dienst- und Arbeitsgenossen zumKoa- der neu Anziehenden zu bewirk-n, wenn sie nicht den Nach- traktbruch ver eilen, abzulehnen.—Abg. Hirsch (sr. Volksp.) weis einer den sittlichen und hygienischen Anforderungen ent- tritt dem Abg. v. Richthofen entgegen. — Abg. Fritzen sprechenden Wohnung erbringen; 9. Aenderung des Gesetzes (Zevtr.) stimmt im Großen und Ganzen für die Vorschläge über den Umerstützvngswohnsitz; 10. planmäßige Ansiedelung der Kommission und stimmt dem Antrag Lzmula bei. Redner von kleinen und mittleren Lanowirtheu und landwirthschast- hält den Antrag des Abg. v. Richthofen für bedenklich. — lichen Arbeitern; 11. (a) Beurlaubung der im aktiven Mili- Abg. van der Borght (natl.) tritt den einzelnen Aus- tärdienst stehenden Mannschaften zu dringenden landwirth- führungen des Abg. Hirsch entgegen; die Arbeitersreundlich- schaftlichen Arbeiten; (b) größere Rücksichtnahme auf die; keit bestehe nicht darin, daß man die Interessen der Arbeiter dringenden landwirthschaftlichen Arbeiten bei der Einziehung! wahrnimmt, sondern daß man zwischen den Interessen der von Reservisten u. s. w.; (c) Revision der Dienstoorschr iften Arbeiter und Arbeitgeber einen Ausgleich sucht, und spricht über Marschgebühren für entlassene Mannschaften, derart, daß sich gegen den Antrag des Abg. v. Richthofen aus; derselbe die früher der Landwirthschast angehörenden Mannschaften f würde nur die Agitationskraft der Sozialdemokratie unter nach der Heimath entlassen werden; 12. Erweiterung der Zu-den ländlichen Arbeitern vermehren. — Nach einer weiteren lassang ausländischer Arbeiter. Außerdem liegt ein Amrag f Debatte wird der Absatz zwei, Erschwerung des Kontrakt- Hirsch zu Absatz 10, betr. dir Pirzellirung von Staats- bruches, mit dem Antrag Szmula angenommen und der Au- domänen und Beseitigung des Fideikomißrechts vor. — Auf: trag Richthofen abgelehnt. — Es folgt Absatz 3, betreffend den Vorschlag des Berichte-statters Goerdeler wird übersFestsetzung der Schulzeiten. — Abg. Kopsch (sr. Volksp.) die einzelnen Punkte der Kommission svorschläge einzeln be- i spricht sich in einer längeren Ausführung gegen den Absatz rothen. — Abg. Wintermey?r (sr. Volksp.) erklärt sich aus; der Kern des Antrages sei die Verkürzung der Schul- namens der freisinnigen Volkspartei gegen den Absatz eins.' zeit zu Gunsten billigerer Arbeitskräfte. Er bittet, im Jn-
— Abg. v. Richth ofen (kons.) erklärt sich entschieden für teresse der Schule und Kinder die Anträge abzulehnen. — die wirkliche Konzessionirung der Gesindemakler unb für das s Abg. Dasbach (Zentr.) bittet, den Kommissionsantrag an Verbot, Gewerbe im Umherziehen zu betreiben. — Abg. ——^-— ^— a«-«— -^ f"- °'"- »..««»♦»»— k— ®™-
' zunehmen. Der Westen wird für eine Ausnutzung der Kin-
Czarlinski (Pole) erklärt sich namens der Polen gegen der nicht ein treten. — Abg. Ernst (sr. Vgg.) bittet den die Konzessionspflicht, für das Verbot der Ausübung des Ge-! Antrag abzulehnen. — Abg. Sattler (nat.-lib.) stimmt werbes im Umherziehen und bittet um getrennte Abstimmung. den Erwägungen der Kommission zu und beantragt, anstatt — Abg. Hirsch (fr. Volksp.) richtet einen Appell an die! „größerer Berücksichtigung der örtlichen Verhältniße" zu setzen ^^„^ Landwirthschaftskammern und die landwirthschaftlichen Vereine, „möglichster Berücksichtigung". — Im weiteren Verlaufe der
beantragt zur Hebung der Arbeiterncth: 1. Die Einführung den -Stellennachweis selbst in die Hand zn nehmen. — Geh.;Debatte erklärt Abg. Pohl (fr. Vgg.) er könne den Aus- n ----- Rath Konrad verweist gegenüber dem Abg. v. Richthffen führungen über die Schädlichkeit der Kinderarbeit auf dem
auf den im Reichstage ein gebrauten Gesetzentwurf betreffend ' Lande nicht beistimmen. Er stimme für den Anttag, welcher die Konzessionspflicht der Gesindemakler und spricht sich gegen-; die Aufrechterhaltung der Ideale der Volksschule gewährt.
Das Haus beräth den Kommisstonsbericht über den Antrag Gamp und Genossen, betr. Maßregeln gegen die in der Hanbwirthschaft herrschende Arbeiternoth. Die Kommission
der Konzessionspflicht für Gesindemakler, Arbeitsvermittler
und ähnliche Gewerbetreibende, sowie das Verbot des Betriebes im Umherziehen und eine Versckärfung der Kontrolle der Gesindivermiether und Stellenvermittler; 2. Erschwerung
Antrag abzulehnen.
Abg. Sattler (nat.-lib.) stimmt
über dem Abg. Hirsch für die Konzessionspflicht aus. — Abg. (Zuruf Richter; „Ein schöner Freisinn". Heiterkeit.)
Sattler (nat.-lib.) will der Rtsolution nicht widersprechen,^Der Antrag Sattler wird abgelehnt und Punkt 3 mit großer
des Kontraktbruches; 3. größere Berücksichtigung der örtlichen <^ ^^^^^.-^.j «™ — „**,«>„»«» «^ «».^y^v», w ^Htl»b ^1U« «n« »w »«« ^»»« ~ ».« bwD^ Verhältnisse bei Festsetzung der Schulzeiten auf dem platten: obwohl er der Meinung sei, daß aus einem anderen Wege! Mehrheit angenommen. — Punkt 4 wird nach kurzer De- Lande; 4. möglichste Verminderung der Beschäftigung von ^vielleicht besser zum Ziele zu gelangen sei. — Punkt eins batte angenommen, desgleichen Punkt 5 mit einem dazu ge-
Arbeitern seitens des Staatsbetriebes während der Erntezeit wird mit großer Mehrheit angenommen. — Es folgt Punkt stellten Antrag Gamp, wonach anstatt „Meliorationsarbeiten"
u. s. w.; 5. größere Rücksichtnahme bei einem Strafvollzug zwei, betreffend die Erschwerung des Kontraktbruches. — Abg. "°^ «.^„„ («n rA*iimkMK»«Mi*e gr^t.« n
während der dringenden landwirthschaftlichen Arbeitszeiten - H i r s ch (sr. Volksp.) spricht sich dagegen aus und richtet ^
sowie eine vermehrte Beschäftigung von Korrigenden und'einen Appell an die verwandten Parteien, die geringen Rechte Strafgefangenen bei den Meliorationsarbeiren; 6. Einschrän-! der Arbeiter nicht verkümmern zu lassen. — Abg. v. Richt- kung des bisherigen Verfahrens, den Arbeitermarkt durch Ge-Phasen (kons.) ist neugierig, welche Parteien mit Hirsch Verwährung besonkerer Tarifverdilligungen auf weite Entfernung iwandt seien. (Heiterkeit.) — Abg. v. Richthofen (kons.)
gesetzt werden soll „landwirthschaftliche Arbeiten."
Hierauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch 12 Uhr.
Tagesschau.
Parlamentarisches.
Das Abgeordnetenhaus verhandelte gestern über
zum Nachtheil der Landwirthschast zukünftig zu verschieben; beantragt, den Kommissionsantrag dahin zu erweitern, daß den Bericht der Kommission zur Vorberathung der Anträge 7. Herbeiführung von Bestimmungen, wonach junge Leute auch die Arbeitnehmer schärfer bestraft werden können, wenn! Gamp und Genossen betreffs Maßregeln gegen die unter 18 Jahren nicht ohne ausdrückliche Genehmigung Der- sie kontraktbrüchig werden oder ihreÄrbeitsgenoffen dazu ver- Leutenoth in der Landwirthschast. Ue Ver-
FsttLÄstsir.
Frühlings Gefahren.
Medizinische Plauderei von Dr. H. E. Brendel.
Nachdruck verdaten.
Fast in jeder Gesellschaft gibt es einen unausstehlichen Kerl, der einem erschreckt zuruft, inne zu halten und alle möglichen jürchterlichen Gefahren ausmalt, wenn man heiß und durstig gerade einen kühlen Trunk an die Lippen setzt, der einem die Freude an der schönsten Aussicht durch seine Warnungen vor Absturzgefahr vergällt, der einem unweigerlich von Kreuzottern ober mindestens von chronischem Gelenkrheumatismus als Folge jugendlichen Leichtsinns erzählt, wenn man sich in Waldesgrün auf schwellendes Moos zu erfrischender Rast lagern will.
Auf die Gefahr hin, in die Kategorie dieser Uvcussteh- lichen gerechnet zu werden, will ich in den folgenden Zeilen dem Frühling, der wonnevollen Lenzeszeit kein begeistert Loblied singen, sondern auf einige Gefahren aufmerksam machen, die uns gerade in dieser von allen Dichiern und Liebenden verherrlichten Jahreszeit bedrohen. Ich thue dies um so leichteren Gemüthes, als es sich vm keine sonderlich schweren Gefahren handelt und zudem um solche, die man mit geringer Mühe umgehen kann. Aber wenn auch erst kürzlich wieder die Statistiker darauf aufmerksam gemacht haben, daß die feststehende Vermehrung der Selbstmorde im Mai nicht nur mit wirihschaftlichen Verhältnissen Zusammenhänge, sondern auch eine Folge einer charakteristischen (beiläufig z. B. auch von Schiller beobachteten) Frühlings- depreffion, ja Frühlingsmelancholie sind, so sind diese Fälle doch zu vereinzelt, als daß sie eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeuteten.
Nein, die Gefahr?n Les Frühlings liegen auf gesundheitlichem Gebiete. Um sie ganz würdigen zu können, ist es wohl das Beste, sich erst einmal darüber klar zu werden, was der Frühling für Veränderungen in uns selbst hervor- bringt und was er in der Natur um uns so ändert, daß es für unser Wohlbefinden von Eivflnß ist. Vor etwa zehn Jahren suchte ein bekannter Wiener Arzt eine Statistik darüber aufzunebmtN, welche hauptsächliche Veränderung, welche Wirkung die Menjchen an sich selbst im Frütjahr wahrnehmen. Unter ca. 506 Antworten, die er bei einer ersten Umfrage erhielt, waren ca. 300, die ein starkes Müdigkeitsgefühl betonten, etwas mehr als 100, die eine starke Zunahme von Hunger und Durst, namentlich von Durst verzeichneten, der Rest war sehr zersplittert, z. B. stärkeres Wachsthum von Haaren und Nägeln, oder getchwollene Hände; interessant war noch, daß etwa ebenso viel Leute erhöhtes Fröhtichkeits- gefühl, wie vermehrte Traurigkeit hervorhoben.
Wie ist die vermehrte Frühjahrsmüdigkeit, die wohl fast jeder an sich wahr genommen hat, zu erklären? Jede Müdigkeit entspricht Blutmangel und dadurch hervorgerufenen Sauerstoffmangel des Gehirns. Eine der ersten Folgen der Müdigkeit ist das Gähnen, das ja weiter nichts ist als ein sehr tiefes Athmen, entsprungen aus dem dringenden Bedürfniß des Körpers nach dem Sauerstcff der Luft, den wir durch die Athmung unserem Blute zuführen. Wenn wir den ganzen Tag körperlich oder geistig gearbeitet haben, so war der Sauerstoffverbrauch so groß, daß wir 6—8 Stunden völliger Ruhe, also Schlaf brauchen, um des nöthige Gleichgewicht wieder herzustellen. Wenn wir eine starke Mahlzeit gegessen haben, so wird bei der Verdauungsthätigkeit ein so starker Mehrgebrauch von Blut in den Blutgefäßen der Verdauungs- orgaue erfolgen, daß die anderen Organe vorübergehend blutleerer werden, darunter auch daS Gehirn. Daher die Müdigkeit nach jeder größeren Mahlzett.
Die Frühjahrsmüdigkeit kommt nun daher, datz sich unter dem Einfluß der größeren Wärme vnd der milden Früh- lingslüfie unsere Hautgesäße siebter mit Blut füllen; das können wir u. a. daran merken, daß uns im Frühjrhr unsere Schuhe und Handschuhe plötzlich anfangen, eng zu werden. Das Plus an Blut in den Hantgcfäßeu bedingt ein Minus in anderen Organen; und wieder ist es das Gehirn, das blutleere-, sauerstoffarmer wird und uns eine mehr oder weniger starke Müdigkeit empfinden läßt. Aber auch die meisten anteren Organe und Theile des Körpers werden blutleerer und flüssigkeitsärmer; und dies bedingt in Verbindung mit der in den warmen Frühjahrstagen beginnenden stärkeren Transpiration das auch sehr auffällige Zunehmen des Durstes.
Nun ist natürlich weder die Müdigkeit noch der Durst eine Gefahr; denn gegen diese Gefahren gäbe es zu einfache Gegenmittel: Schlafen und Trinken ; aber doch existirt ein wenigstens indirekter Zusammenhang. Fast alle Gefahren des Frühjahrs beruhen nämlich vermuthlich auf einer Art Erkältung. Erkältung ist ein Begriff, mit dem ziemlich viel Unfug getrieben wurde. Die einen Forscher haben ihn maßlos überschätzt und die meisten Laien haben sich ihren Anschauungen angeschlossen, andere Forscher wieder haben eine Erkältungsgefahr strikt geleugnet. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Nicht die Erkältung selbst ist eine Krankheit, sondern sie »ersetzt nur den Organismus in eine Disposition, die ihn geg-n Krankheitskeime, die er sonst über- winbtn würde, empfänglich macht. In einigen wenigen Fällen ist allerdings ein direkter phtzstscher oder ein mechanischer Zusammenhang zwischen Erkältung und Krankheitsbild vorhanden. Eine Erkältung beruht nun nicht auf einer Einwirkung absoluter Kälte — sonst müßte sich die Erkältung auf die Wintermonate beschränken —, sonder» auf einer gewissen stets vorhandenen und zeitweise besonders gesteigerten Empfindlich-