Erstes Blatt.
«»»aemrnt«.
Preis:
Jährlich 9 * Whjährl. 4 .X 50 ^ vierteljährlich 2 ^ 25 ^.
Für auSwSrtizq Wvimentm mit dem betreffende» Postauffchla-.
Die einzelne Rammet kostet 10 *
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Amtliches Grgsn für Staöf- unS LauSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungs- gebühr
für Stadt- und Land« kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond« znle oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklameniheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Rr. 100
Samstag den 29. April
1899
Amtliches ^£aöt&wi0 ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Weitzbinderarbeiterrzm äußeren Hersielluug der städtischen Besitzung Erbfengusie Nr. 1 — (Fortbildungsschule) — sollen in öffentlicher Ausschreibung vergeben wer tu.
Arbeiisauszug und Bedingungen liegen bei der unter-! zeichneten Amtsstelle — Rathhaus, Zimmer Nr. 23 — werk- täglich zwischen 10—12^2 Uhr, für Interessenten zur Ein-f fichtnahme aus.
Verschlossene, mit emsprechender Aufschrift versehene An-! geböte sind längstens bis zum Eröffnungstermin:
Samstag den 6. Mai er., Vormittags 1t Uhr, einzureichen, um welche Zeit die Eröffnung emgegangener Angebote im Beisein etwa erschienener Submittenten erfolgt.
Hanau den 26. April 1899.
55, 76 und 88; Schutzbezirk Nenwirthshatts, Jagen 52, 57 btS 59, 62, 72, 75 und 82
Eichen: ca. 95 Abschnitte 3.-5. Kl. mit ca. 32 fm, 3 rm Nutzscheit 2. Kl, 38 rm Scheit, 25 rm Knüppel, 25 rm Stockholz 1. Kl., 13,20 Hdt. Reis 3. Kl.
Die Geschichte lehrt, daß der Phrasendrescher unter den Fußtritt:« seiner eigenen Leute endet, und daß, «er Bomben wirst und Guillotinen baut, selbst unter die Bomben und Guillotinen kommt. Gerade dir Schwärmer für die Maifeier und Die-
j nigen, welche von der Sozialdemokratie alles Heil erwarten, sollten nach den zehnjährigen Erfahrungen, die sie gemacht
Buchen: ca. 5 Abschnitte 5. Kl. mit ca. 1,50 fm, 4 haben, etwas gewitzigt sein. Sie sollten sich endlich darüber rm Nutzscheit 2. Kl., 90 rm £ djeit, 25 rm Knüppel, j klar werken- daß ein ausgezwungener Feiertag, der noch dazu 20 rm Stockholz 1. Kl., 27,00 Hdt. Reis 3. und für eine besondere Volksklasse gelten soll, keinen Boden in 4. Kl. der Bevölkerung findet.
And. ttnubh. (Erlen); ca. 16 Abschnitte 4. und 5. Kl. mit ca. 6,00 fm, 15 rm Nutzschrit 2. Kl., 1 rm Scheit, 20 rm Knüppel, 2,40 Hdt. Reis 3. Kl.
der Bevölkerung findet.
Und wie von der Maifeier, so sollten sie auch nicht zu
: viel von der Aenderung der äußern Grundlage d:r Gesell- i schaft, von der Zertrümmerung des Eigenthums, vom pro» Nadelholz: ca. 110 Abschnitte 3.—5. Kl. mit ca. 64 phezeiten Herden- und Gemeinschaftsleben, von der allgemeinen fm, 1 rm Nutzknüppel, 29 rm Scheit. 110 rm Gleichmacherei erwarten. Auch dem sozialistischen Staat
Knüppel, 190 rm Stockholz 1. Kl. und 79,60 Hdt. wird es nicht gelingen, alle Unterschiede auszurotten. Es
Reis 2.-4 Kl.
öffentlich meistbieeend zum Verkauf auSgeboten werden. 6772
6825
Stadtbauamt I.
Thyriot.
Zum 1. Mai.
Es sind gera.e 10 Jahre verflossen, seit die Sozialdemokratie zum ersten Male den „Weltfeiertag" proklamirte. Die
wird auch hier Glückliche und Unglückliche geben, Unterdrücker und Unterdrückte, Egoisten und Patrioten, Gesunde und Kranke, Dumme und Geschulte. Wenn man nicht an die Zerrbilder des sozialistischen Staates denkt, welche jetzt mit Vorliebe entworfen werden, sondern an die thatsächlich bessere
Zeit, welche das sozialistische Jreal anstrebt, so verlangt diese
Altsschreibe«.
Anfangs vorigen Monats entfernte sich der am 11. April 1884 zu Hahn geborene Schlofferlehrling Georg Kirsch, Sohn des Georg Kirsch II. von da, der bei Echloffermeister Peter Bauer von Eberstadt sich in der Lehre befand, von t ort und ist über seinen Aufenthalt nichts weiter
Maifeier sollte „die Bastille der Lohnsklaverei" stürmen; in i neue Webordnung weit bessere Menschen als die jetzigen die „dunkelsten Tage des Byzantinischen Reiches" und in bie ~
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sind, sonst bringt der Zukanstsstaat richt das Wohl aller, verfaulende Hochkultur" sollte der Sonnenschein des neuen sondern den Ruin aller.
Osterfestes bunten,
klaffen".
„des Auferstehurgsseffes der Arbeiter-
Mag die Kirche und die religiöse Gemeinschaft von den
Derartige sozialdemokratische Trompetenstöße, an Menschen und Bestrebungen des 1. Mai ignorirt und ver-
denen es vor und nach der Maifeier nie gefehlt hat, rühmen höhnt, ja später vielleicht einmal suspendier und geschlossen sich recht wunderlich aus. Man fragt sich, was hat denn ein werden: Das alles ist schon dagewesen! Aber auf den willkürlich aufgezwungener und in nichts begrün eter Feiertag - 1. Mai folgt der 2. Mai. Am 2. Mai 1795 wurden in bekannt geworden. mit der Sozialreform, was mit der Besserung der wirthschaft- z Frankreich die Kirchen, welche fall zwei Jahre geschloffen
Kirsch ist 1,58 m groß, schlank, dunkelblond, hat graue lichen Lage zu thun? Man kann sehr warm für den Aus- j waren, wieder geöffnet mit der Proklamation: „Feindschaft
Augen, bleiches, schmales Gesicht, blinzelt und geht etwas nach gleich der herben Gegensätze von arm und reich und für die und Haß kehrten sich gegen die heiligen Stätten, dir Liebe vorn gebengt. Bekleidet war er mit feinen gewöhnlichen, Verwirklichung eines sozialen Reiches der Freibeit und Brüder-, und Versöhnung werden sie wieder weihen!" Dir Feste der grauen Arbeüskleidern. ltchkeit eintreten und es doch für eine große Thorheit halten, Vernunft, das Phrasendreschen, der allgemeine Taumel hatten
Wir bitten um Recherchen nach dem Anflnthclte des Tausende von Arbeitern durch leichtsinnige Phrasen am 1. Mai ihr Ende erreicht. Die Menschen wurden wieder nüchtern
Kirsch. s brodtlos zu mach?» und mit ilmn Familien ins Elend zu und stellten sich auf den Boden der Wirklichkeit. Wenn
Darmstadt, 24. April 1899. j stürzen, indem sie den Verführern folgen und Pflicht und irgend etwas auch in unsern Tagen zur Ernüchterung
Großh. Staatsantwaltschaft. R^cht vergessen. , beitragen kann, so ist es die vollständige Erfolglosigkeit,
J 1282/99. Wunzer. Es gibt überhaupt keinen größeren Aberglauben als den,!welche die Maifeier in den zehn Jahren ihres Bestehens
daß bloße äußerliche Veranstaltungen und Umgestaltungen, i gehabt hat.
I eine Maifeier, die Einführung einer verkürzten Arbeitszeit, die Überführung des Prioat-Eiglntmms in den gemeinschaftlichen
i Besitz u. a. m. genügen könnten, das wahre Reich der Freiheit und des Friedens zu bringen. Die best re Zeit kommt durch bessere Menschen, nicht aber mit ävßntichen Geberdey, i mit neuen Rechten, neuen Gesetzen, neuen Forderungen, chem „Berlmer Tageblatt" aus Kirl°telegrapbirt wird/dem- neuen Einrichtungen; sie kommt weder turch den Phrasen- nächst eine Expedition in das Innere Chinas anzutrete». schwall der Sozialisten noch durch die Bomben der Ana chisten. Es soll die Absicht bestehen, den Dang tfe Kiang zirka 100
Holz-VerkallssbeküllntmachWg.
Königliche Oberfärfterei W^lfgang.
Am Freitag den 5. Mai $899, von vormittags 10 Uhr ab soll M der Amrhcin'schen Gastwirthschast zu Nenwirthshans nachstryenves Holz und zwar aus dem Schutzbezuk Grotzkrotzenbnrg, Jagen 15, 18 und aus der Totalität; Swutzbezirk Niederrodenbach, Jaam 49,
Politische und unpolitische Nachrichten
(Depeschen-Bureau ^Herold*).
Berlin, 28. April.
Prinz Heinrich beabsichtigt, wie
FEiNeton
Seckbach! Wie elektristrend wirkt dieser Name auf Diejenigen, die allwöchentlich des Sonntags den Weg nach diesem Dorado der Aebbelweintriecker nehmen. Nun, Seckbach ver- dier t auch seinen Ruf. Wie reizend liegt doch der Ort, man mag dahin kommen, von welcher Seite man will. Zum Erdrücken voll sind da die schönen Wirthsgärten, in welchen der Familienvater mit den Seinen beim Schoppen Hohenasiheimer, obligatem Handtäs und Butterbrod, oder einer monströsen Bratwurst nicht mit Lukullus tauschen würde. Derweil schwingt in den Sälen, nach den Klängen einer schrecklich verstimmten Drahtkommode, der angehende Jünger Merkurs unermüdlich das Tanzbein und jubelnd fallen er und die roth-
wangige Schöne ein, wenn der klavierschlagende Virtuose das bewußte „schöne" Lied anstimmt.
Alt-Seckbach macht einen ungemein lieblichen Eindruck; es zeigt so recht das Bild eines wohlhabenden Bauerndörs- chen. Die reinlichen Straßen, die freundlichen, sauberen Häuser, die Kirche auf dem Berge, überall Grün unb Blumen, fesseln das Auge des Besuchers. Leider sind die laufenden Rohrbrunnen feit einigen Jahren verschwunreu. Nach Bornheim zu hat es in letzterer Zeit ein mehr städtisches Bus- sehen gewonnen und wie lange wirds dauern, dann ist Seck- bach mit Bornheim verwachsen und dann — nun kürzlich wetterleuchtete schon das Gerücht, Seckbach solle Frankfurt ein»
werden, durch die Tagespresse. Bornheim und Seckbach hatten schon in alter Vorzeit eine gewisse Verbindung, eine Gemeinschaft sowohl an Gütern, wie an gewissen Rech- «N. Es rst unentschieden, welcher von beiden Orten 'der altere ist. Bornheim soll schon zu Römerzeiten bestandcn
haben. Seckbach, nach ver Bach benannt, roiib in einer Urkunde vom Jahre 947 lateinisch „Seggibach“, in einer anderen vom Jahre 1290 wird es deutsch „Seckebach" geschrieben. In den älteren Theilen Seckbachs finden wir die vergangenen Jahrhunderte leb ndig bewahrt. Jedes Häuschen bat seinen Hosraum abgeschlossen gegen die Straße. Es ist die Bauweise, die sich überall in dirsen alten Ortschaften, zum Beispiel in Enkheim wieder findet. Auf dem Hofraum im Hintergrund der Stall und die Scheune, dem Hause geseu- über neben dem Hofthor der Dunghaufen. Vom Hof führt ein Treppchen mit Maurergeiänder zur Hansthüre, über ihr ein Dächetchen zum Schutze b § Eintretenden, sowie des Sitzplatzes auf der Treppenmauer. So sind hier die alten Woh- nangen, ebenso finden wir sie auch in den alten Dörfern am Taunus und im Odenwald.
Zwischen Seckbach, Bergen, Enkheim und Fechev- Heim bestand noch eine andere Verbindung; diese Ortschaften hatten nämlich eine gemeinschaftliche Kirche. Dieselbe stand auf dem „alten Kirchberg" bei Seckbach, da, wo die Landstraße von Seckbach nach Bergen die Höhe erreicht, kurz ebe sich die alte Bergstraße nördlich abzweigt. Der Platz fällt heute noch sehr ins Auge, er erhebt sich rechts von der Landstraße podestartig, mit Gras und Bäumen bewachsen, über die ihn begrenzendkn, ziemlich steil abfallenden Wingerte. Rechts südwärts zieht ein alter, kaum noch betretener Pfad, der Leichtweg (Leichtnweg) in der Richtung nach Fechenheim. Steinbrocken unb zahlreiche Schiefersteine liegen noch umher. Die Stelle heißt jetzt „der alte Kirchhof"; viele Knochen hat man^ daselbst ausgegraben. Die Kirche war ein kunstloses Gebäude mit viereckigem Thurme; eine bildliche Darstellung sieht man auf dem Frankfurter Belagerungsplane von 1552. Sie wurde benutzt bis zum Jahre 1740, erst 1757 ist sie abgebrochen worden. In Seckbach selbst hatten zuerst die!
blick, nebenan Bornheim, im Thale Overrad und Offenbach, Fechenheim, Enkheim und Seckbach, auf der Höhe daS alte Bergen. Diese Höhe hieß sonst der Galgenberg, ein Pfad darauf der Armesünderweg. Dort war nämlich zur sofortigen ............ ^» «»..««, i^i» ¥«.«« z«»,. »>l Strafvollsinkung auch ein Galgen errichtet, an welchem der -------o...„. „vpumv.h Lutherischen eine Kirche gebaut, dann auch die Resormirten,1 von dem unter dem Vorsitze deS Schultheißen von Frankfurt
Die hentige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 16 Seiten.
das Gebäude, welches j'tzt cls Schule benutzt wird. Seckbach hat gar mancherlei Schicksale erlitten. Oefters wedelte es im Mittelalter die Herren, wurde mit anderen Ortschaften des Bornheimer Bergs vertauscht oder verpfändet. Die dem jewelltgen Besitzer gebührenden Huldigungen fanden dann „in dem Dorf^ bei einer Linden" statt. Wie das Recht, so lagen damals auch Friede und Sicherheit darnieder. „Gewalt vor Recht war damals auch die Devise der Raub- und Rauflustigen.
„Wer mächtig ist, wird auch vermessen,
Groß Fisch allzeit die kleinen fressen;
Denn wenn die Junkern rauffen, schreien,
Müssen die Bauern ihr Haar herleyhen«'
Im Jahre 1642 mußte Schultheiß Henne zu Seckbach, als Junker Hans Schelme (Schelme von Bergen) gestorben war und er das zum Begräbniß Nöthige einkaufen wollte, den Frankfurter Rath bitten, „daß er ihm ein Geleit dahin gebe, einen Tag o^er zwei."
Die Grafschaft „Bornheimer Berg" umfaßte 19 Ortschaften, zum größten Theil zwischen Main und Nidda gelegen, auf der Ost- und Nordseite Frankfurts. Das Gericht oder der Platz, auf welchem das Gericht abgehalten wurde, lag beim nordöstlichen Ausgang Bornheims, an der Berger- straße rechts, etwas nach dem letzten Hause. Der alte Weg, welcher dahin führte, ist umgepflügt. Auf einem Berge lag die Stelle eigentlich nicht, es ist nur ein Hügel, welcher gegen Osten etwas steil nach der sogenannten Sulz, südlich nach dem Mainthale abfällt. Er bietet einen freundlichen Rund