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Nr. 92
Donnerstag den 20. April
1899.
Amtliches.
StcrHMrersi ^anaxt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Am Freitag den 21. April d. Js., nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. I, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Strei- tigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau den 17. April 1899.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Dr. Gebeschus. 6270
Dicnstvachrichtcn aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Köcher mit der Aufschrist: für die Schule.
Verloren: Ein Packet mit der Aufschrift: Tropon. 4,70 Mk. baar.
Hanau am 20. April 1899.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 19. April.)
Erste Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung. Neben einer Reihe minder wesentlicher Bestimmungen enthält dieselbe namentlich eine Vorschrift, welche die Stellen- vermittler und Gesinden»! ther der Korzessionspflicht unterwirft (Artikel 3 der Vorlage). Ferner trifft ein Artikel 6 Bestimmungen zum Schutze der Konfektions-Arbeiter und -Arbeiterinnen, besonders euch in Bezug ruf Mitgabe von Ardtit nach Hause. Ein Artikel 8 betr. den Schutz der Angestellten im Handelsgewerbe, Vorschriften über Ruhezeit, Zulassung von Anordnungen über Zeit des Ladenschlusses, sofern diese von mindestens % der betheiligttn Ge chäftsin- Haber einer Gemeinde beantragt werden rc An Verbindung hiermit werden zur ersten Berathung gestellt a) ein Antrag von Heyl und Genossen betr. den Arbeiterschutz in Werkstätten der Hausgewerbetreibenden, sowie die Arbeitszeit der weiblichen Angestellten in Ladengeschäften und Schank- und Gastwirthschaften; sowie b) ein Antrag Bassermann und Genossen zur Gewerbeordnung, § 133, betr. Kundigungs- verhältnisse bei den gewerblichen Arbeitern, Wertmeistern, Technikern. Abg. Heyl v. Herrn3heim(nl.)vermißt in der Novelle u. A. Bestimmungen über Krankenversicherungs- pflicht der Heimarbeiter. Unzulänglich seien auch die be- stehrnden Vorschriften der §§ 135 bis 139 der Gewerbeordnung zum Schutze der Arbeiterivren in der Konf-ktions- wäsche. Redner empfiehlt sodann feinen Antrag und betont
KeMRetsn.
Das amerikanische Jingvthnm.
Von Redakteur Schaffmayr (NewHork).
(Nachdruck verboten.)
Vor dem spanisch-Amerikanischen Kriege stand alle Welt unter dem Eindruck, daß die Amerikaner ein glückliches Volk seien, zufrieden mit dem ungeheuren Besitz, dcn das Schick al ihnen gewährt hat, ohne Gelüste nach fremden Schätzen, be. neidenswerth, weil keine Fünde an ihren Grenzen lauerten und ihre Ruhe bedrohten. Wenn Europa in Waffen starrte, wenn im europäischen Konzert fortwährend Tiskorde erklangen und die großen Künstler der Diplomatie ihre ganze Geschick- lichkeit aufbieten mußten, um den ewig bedrohten Fneden, das Schmerzenskind der alten Welt, am Leben zu erbrüten, so hatte man von Onkel Sam die Vorstellung eines Mannes, der in der Lage ist, sich seelenvergnügt die Hände zu woen und sich glücklich zu preisen, daß er im Konzert der Nationen nicht mitzusprelen braucht, der seine ganze Energie und Schaffenskraft der Entwickelung seines Landes widmen darf, unbencidet und ungehemmt. rm .
Und eines Morgens erwachte dieses selbe -boL und stehe da, das Evangelium war wie fortgeblasen; etn neuer Pharao war gekommen, der wußte nichts von dem auen Pharao. Nachdem der Pulverdampf der Seeschlacht von Manila verraucht war, stand das Jingothum plötz ich in voller Blütte vor Aller Augen. Im Namen der Humanität hatte man den Krieg mit Spanien zur Befreiung der Cubaner vom Zaun gebrochen: nachdem Admiral Dswey das Sternenbanner über die Philippinen aufgcpflanzt, gerrety die Humanität in Vergessenheit, man berauschte sich an dem neuen Gefühl — Expansion, und ein ganz neues Wort, ein
schließlich noch die Nothwendigkeit, namentlich für die weiblichen Angestellten in offenen Bei kaufsstellen durch Vorschriften für eine Mindestruhezeit zu so gen — Abg. Basser- mann (n!.) spricht für seinen Antrag, welcher die Gleichstellung der Werkmeister mit den Handlungsgehilfen in Bezug aus die Küntigungsverhälmiffe bezwecke. Zur Vorlage übergehend, bemängelt Redner, daß in Bezug auf die Ge- studevermiethvnz speziell hinsichtlich der Strafbestimmungen zu viel der Partikulargesetzgebung überlassen sei. Halte man überhaupt Strasbestimmurgen für nöthig, so empfehle sich doch jedenfalls der reichsgesetzliche Weg. (Der Reichskanzler betritt den Saal.) Für an gezeigt Halte er Arbeitsordnungen für die großen Waarenhäuser, sowie Aus:ehnuvg der Ge- werbeinspektion auf die Hausirdustrie. — Staatssekretär Graf Posado wsky führt anläßlich einer Aeußerung des Vorredners aus, daß auf dem Gebich auch des Theateragentenwesens schwere Mißstände beständen, wie überhaupt auf dem Gebiete des Stellenvermittlerwesens, sodaß hier eine Regelung unerläßlich sei. Gegen den 8 Uhr-Ladenschlug bestehe großer Widerspruch, man thue daher gut, den Handelsgehilfen mit etwas sanfteren Mitteln zu helfen. Statt der Maximalarbeitszeit empfehle sich eine Mivimalrubezeit. Persönlich glaube er, daß der Antrag Bassermann keinem Bedenken unterliege. Anders liege die Sache mit dem Antrag Heyl. Die Vorschläge desselben betr. Arbeiterschutz in Werkstätten der Hausgewerbetreibenden dürften zum Theil nicht durchführbar sein. Die Sonntagsruhe sei überdies schon jetzt auf diese Werkstätten ausgedehnt. Einen eigentlichen Heimarbeiter könne man aber unmöglich zwingen, am Sonntag zu ruhen, auch könne er gar nicht überwacht werden. Gestern habe sich hier ein Sturm erhoben, weil die Hausschlachtungen kontrollirt werden sollten. Heute verlange man, die Polizei solle das gesunde Wohnen uns die gesunde und ausreichende Beköstigung überwachen. Solche Vorschläge könne er, der Staatssekretär, nicht ernst nehmen. — Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) wendet sich gleifalls gegen die Htylschen Vorschläge. Mit der Vorlage erklärt Redner sein volles Einverständniß, dieselbe könne mau ganz gut ohne Kommissionsberatbung annehmen. — Adg. Pfannkuch (Soz.) sieht die Vorlage als bloße Abschlagszahlung an, zu der man greife, um den fortwährenden Angriffen wegen Stillstands der Sozialgrsetzgebung wenigstens irgend etwas entgegensetzen zu können. Vorlage und Antrag Heyl befriedigten weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer. Seine, Redners, Partei werde sich bemühen, die Vorlage zu verbessern. Die Gc- werbeaufsicht müsse auf Hausindustrie und Handwerk ausgedehnt und auf Arbeitskammern aufgebaut werden. Auch das Einführen einer Maximalarbeitszeit müsse gefordert werden. Unzulänglich seien die Bestimmungen zu Gunsten der Handlungsgehilfen in offenen Ladengeschäften. — Abg. Jacobs-
gar merkwürdiges Wort für eine hundertjährige Republik wurde geprägt und gewann eine gewaltige Popularität: Imperialismus.
Ein politischer Blaustrumpf machte damals die Bemerkung, man müsse die Insel behalten, die man in Wirklichkeit noch nicht erobert hatte, um den Filipinos die Segnungen amerikanischer Zivilisation beimbringen. Und Oberst Roosevelt, der „Rauhe Reiter", den die Kriegs- lorbeeren seitdem auf den Gouverneursposten des Staates New-Pork gehoben, hat erklärt: Das Volk bedarf neuer Gebiete für seine Thatkraft, um nicht in Stagnation zu versinken. Auch eine seltsame Ansicht, wenn man bedenkt, daß die Vereinigten Staaten noch Raum für ungezählte Millionen bieten und das Volk auch für die größte Thatkraft unermeßliche Gebiete innerhalb seiner eigenen Grenzen findet.
Es trat nun freilich bald, von besonnenen und hervorragenden Männern geleitet, eine energische Agitation gegen den Imperialismus ins Leben, die auch nicht ohne große Erfolge geblieben ist, allein die Stimmung der Waffe bleibt doch auch heute noch entschieden zu Gunsten der Expansion. ES ist dies eine Neuentwicklung im amerikanischen Volks- charakter, mit dem man aller Voraussicht nach, auch in der Zukunft wird rechnen müssen. Ein alexandrinischer Zug, neue Welten zu erobern, im Rath b?r großen Nationen mit- zureden, hat sich im Volk erzeugt, und wer die Abenteurer, natur der Amerikaner k-nrt, wird das Symptom nicht unterschätzen.
Diese Lust am blutigen Krieg mit ihrem Gefolge von @roberung9gelüsten unb die hysterische Aufregung, in die der Kampf mit einem durchaus unebenbürtigen Gegner das ganze Land gestürzt hatte, waren in der That Erscheinungen, auf die mcn jetzt, wo die wildbewegten Wogen sich beruhigt haben, nicht ohne tiefes Erstaunen zurückblicken kann. Der
loett er (kons.) synpathistrt mit der Vorlage und wendet sich gegen die weitergehenden Forderungen des Vorredners. Zur Abstellung der Mißbräuche bei der Heimarbeit seien seine Freunde bereit, mitzuwirken, ob man aber da werde über die Vorlage hinausgehen können, sei ihm noch unklar. Den Antrag Heyl lehnten seine Freund: ab, weil er zu weit gehe. — Abg. Pauli (Antis.) protestirt gegen zu viel Polizeiaufsicht im Gewerbe und stimmt der Vorlage zu unter Ablehnung der darüber hinauszehenden Forderungen. — Nächste Sitzung: Heute 1 Uhr. Fortsetzung der Debatte.
Preußischer Landtag Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 19. April.)
Das Haus tritt in die Berathung des Antrages Reineke ein, betreffend Auferlegung der Ve^ pflichtung zur Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen auf die bürgerlichen Gemeinden und Gutsbezüke, und des Antrags Arendt, betr-ff:ud Regelung der äußeren Verhältnisse, insbesondere der Unter- Haltungslast der Volksschulen unter Wahrung des konfessionellen Charakters, sowie der Rechte der Eltern und Gemeinden. — Abg. Reineke (frei-kons.) begründet seinen Antrag. — Abg. v. Heydebrand (kons.) schildert die Mißstände im Volksschulwesen. Um diesem abzuhelfen, müsse ein klares Prinzip bei der Vertheilung der Lasten festgestellt werden, und zwar auf kommunaler Grundlage unter Anlehnung an die Steuer kraft der Gemeinden. Eine Dotation aus Staatsmitteln werde nicht zu umgehen sUn. Im Gegensatz zu dea Anträgen fei er dafür, daß man die Konfessionautät der Volksschule auf eine sichere Grundlage stellen müsse. Was für die jüdisch konfessionellen Schulen selbstverständlich sei, müsse auch für die Christen gelten. — Abg. Seydel- Hirschberg (nat.-lib.) stimmt im Allgemeinen dem Abg. Hryde- brand zu, meint a^r, wenn man auch den konfessionellen Charakter der Volksschule beibehalten wolle, brauche man doch nicht uns die Frage zurückzugreifen, ob der Staat dir Stellung eines „dominus ecclesiae" hat, oder nicht, und beantragt die Ueberweisung an eine Kommission. — Abg. Winkler (kons.) meint, die Kommissionsberathung sei erst nach Eingang der Regierungsvorlage am Platze. — Abg. Rickert (sreis. Vgg.) warnt davor, die Konfessionalität in die Frage hiueinzuziehen und bittet den Minister, sich bloß auf die Vorlegung eines Dotationsgesetzes zu beschränken, für das außer den Konservativen, auch das Centrum zu haben wäre. — Abg. Bänsch-Schmidtlein (frei-kons.) vertritt den freikonservativen Antrag und beantragt beide Anträge an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu verweisen. — Abg. Frievber g (nat.-lib.) wünscht auch für die inneren Schul -
Aufwand pairrotischer Eksiase, der an eine cße Fesseln brechende Sturmfl-üh gemahnte, stand außer jecem Verhältniß zu den dem Lande drohenden Gefahren und zu der Bedeutung des Krieges; nie hat der Hang der Amerikaner zur Uebertreibung sich in markanterer Weise kundgegeben. In manchen großen und in hundert kleinen Zügen trat btefe maßlose patriotische Aufwallung hervor, die freilich auch ebenso rasch in ihre Ufer wieder zurückgetreten ist.
Ganz besonders in der Presse. In seinem notorischen „gelben Journalismus" besitzt der Amerikaner heute eine Press;, die systematisch alle Volksvernunft in Sensation ersauft. Durch sie erk.ärt sich manches, was sonst bei einem ruhig denkenden und nicht durch ungewöhnliche Heißblütigkeit ausgezeichneten Volk ganz unerklärlich wä-e. Diese Presse, deren Lebersodem die Sensation ist, der nichts heilig gilt unb die auch vor nichts zurückschreckt, übte über die Masse, trotz des Achselzuckens der besseren Elemente, eine Macht aus, die gewaltig und unberechenbar ist. Sie war es allein, die mit wilder Gier das Feuer schürte, die Leidenschaften der Menge entfeff lte, den Krieg forderte — um des Krieges willen, da sie, hungrig nach Sensationen, hier die große Gelegenheit sah, sich selbst zu entfallen. Und wahre Orgien hat sie gefeiert, so lange die beiden Mächte einander feindlich gegenüberftanben. Eigene Expeditionen nach cubanischen Gewässern wurden von einigen dieser Blätter ausgerüstet, und von den Korrespondenten ward nun geschrieben, depeschirt, Kritik geübt, Geheimnisse preisgegeben^ wie eS wohl nie zuvor geschehen ist, bis diese Berichteistattung endlich so alles Maß überschritt, daß die Militärbehörden sich gezwungen sahen, die Censur einzuführen. Hatten die Newyorker Sensationsblä'ter bis dahin drei und nür Ausgaben täglich ausgegeben, so wuchs die Zahl jetzt zu einem Dutzend, oftmals erschienen die Blätter in den rothweißblauen Farben des Landes ober ein großes kolorirtes