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Amtliches Args« für Hisöt- unö LsnSKreis Hsnnu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungs- gcbühr
für Stadt- und Land« kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^
Im Reklamemheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Montag den 17. April
1899
Amtliches cSanö&ret^ ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister werden hierdurch ersucht, die zur Stempelrevision hier vorgelegten Verhandlungen, Protokollbücher rc. durch einen zuverlässigen Boten innerhalb 6 Tagen wieder abholen zu lassen.
Hanau am 15. April 1899.
Der Königliche Landrath.
A. 1831 v. Schenck.
Wiesenverpachtung.
Der in der Gemarkung von Windecken belegene domänenfiskalische Wiesenbesitz im Möncksgraben, die „Herrnwiese" gt, zur Gesammtfläche von 11 ha 84 a 34 qm, soll im Einzelnen in 57 wirthschaftlich abgetheilten und versteintcn Parzellen zum Flächengehalte von durchschnittlich 20 a vom 1. Januar 1899 an auf zwölf Jahre, mithin bis zum Schluß des Jahres 1910, öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Termin hierzu ist auf Donnerstag den 20. dieses Monats, vormittags von 9 Uhr ab, in den Saal des Rathhauses zu Windeck-n anberaumt.
Auf angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Die Kartenzeichnung über die Pachtstücke wird im Termin aufgelegt, kann aber auch schon vorher im Geschäftslokal des Domänen-Rentamts eingesehen werden.
Die sämmtlichen Pachtstücke haben geeignete WirthschLsts- wege.
Hanau am 13. April 1899.
Der Königliche Domänenrath.
Bell. 5996
Tienstiillchlichtcn aus dem Kreise.
Gesunden: Gin Gehörrohr für Aerzte. Ein Rasir- messer. Ein kleines Packet, in einer Apotheke hier liegen geblieben, enthaltend Korselsschnürriemen und Petroleumdochte für Rundbrenner. Eine Wagenkapsel. Eine Peitsche. Ein neuer Katechismus. Ein Schraubenzieher. Ein weißer unfertiger Strumpf mit 5 Stricknadeln. Ein Korb mit Va Pfund Butter.
Hanau am 17. April 1899.
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Die samoanische Frage im Reichstage.
„Wir sind nun aus dem Gröbsten heraus," das ist in Kürze der Eindruck, den zdie Rede des Staatssekretärs von
Bülow im Reichstage zur Samoafrage allerwärts hervorgerufen hat. Die Rede war knapp, ernst und würdig gehalten, sie erfaßte die Situation in ihrem Kerne und verschaffte dem ärgsten Zweifler die Beruhigung, daß die Behauptung einzelner weniger Organe von einem deutschen Faschoda ein thörichtes, würdeloses Gerede war, da es nach Den E.öff- nungen des Staatssekretärs die kaiserliche Politik verstanden hat, Die andern beiden betheiligten Mächte zur vollen Anerkennung der deutschen Vertrogsrechte und zur Annahme der deutschen Vorschläge zu nöthigen. H-rr v. Bülow, der als Vertreter der kaiserlichen Politik seine Worte genau abwagen und auf ihre Wirkung auch im Auslande bedacht sein mußte, sprach von den „nicht unerheblichen Schwierigkeiten," die zu überwinden wann. Aus dem Diplomatischen in die Vo ks- sprache übersetzt heißt es: Wir standen vor einer sehr einsten Spannung namentlich mit dem auf seine Seemacht pochenden England oder vor einer Demüthigung des deutschen National- gesühls, wenn es unserer Diplomatie nicht gelungen wäre, mit friedlichen Mitteln den deutschen Standpunkt zur Geltung zu bringen.
Weniger imponirend war die Haltung des -Reichstages. Die Schuld daran trug zum Theil die Begründung der Interpellation durch den Abg. Lehr. Die Rede dieses Abgeordneten athmete zwar warmes patriotisches Gefühl, sie war aber viel zu lang, verweilte, obendrein auf Grund falscher ZeitungSmeldungen, bei Nebendingen und reizte in m,hreren zwar gut gemeinten, aber nutzlos herausfordernden Stellen zum Widersprüche, so daß gegen ihren Inhalt von Rednern der Rechten wie der Stuten Verwahrung eingelegt wurde. Wenig angebracht war besonders die Hoffnung auf eine An- neklion der Samoa-Jnieln durch Deutschland. Es muß-e dem Redner bekannt sein, daß Fürst Birmarck bereits 1889 erklärt hatte, daß alle Annektionsgelüste mit der Politik, die er nach kaiserlichen Inten fron m leistete, in direktem Widersprüche standen, und daß alles Gerede von einer Annektion nur eine unerwünschte Schwächung unserer Stellung zu den Vertragsmächten sei.
Immerhin bewies die Eiumüthigkeit, mit der die Führer aller Parteien die Uebertreibungen des Abgeordneten Lehr ab- lehnten und aus eine Besprechnung der Interpellation verzichteten, daß die Leitung d:r auswärtigen Politik auf die Unterstützung der gesummten Volksvertretung zu zählen hat. Auch der Abgeordnete Lehr selbst, Generalsekretär deS Alldeutschen Verband! s, hatte wiederholt sein vollstes Vertrauen bekundet. Das mögen einzelne Ortsgruppen des Verbandes wohl beachten, die ohne das von Herrn v. Bülow scharf betonte richtige Augenmaß für die reale Bedeutung der Dinge recht uaioe oder gar prahlerische Resolutionen gefaßt hatten. Von den paar Wegelagerern aber, die aus den einseitigsten,
mit der samoanischev Frage außer jedem Zusammenhang stehenden Partei-Interessen mit Klappern der eigenen Regierung in den Rücken gefallen waren, wollen wir nicht weiter reden.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 15. April.)
Der Reichstag setzte die Berathung des Telegraphenge- setzrs fort. — Abg. Singer (Soz.) hat einige Einwendungen gegen die Vorlage zu machen. Die §§ 6 und 12 halte er für unannehmbar. Wenn diese beiden 8§, sowie § 18, ter zu viel in das Ermessen des Reichskanzlers stellt, geändert würden, dann könne man dem Gesetze zustimmm, weil es nothwendig sei. — Staatssekretär von Podbielski entgegnet, im $ 6 sei ja in Bezug auf spätere nothwendige kommunale Anlagen das Recht der Gemeinden gegenüber schon bestehenden postalischen Anlagen durchaus gewahrt. Die Verwaltung werde auch stets wie bisher den Kommunen gegenüber gefällig sein. Aber naturgemäß liege ja jeder Fall ver- jschicden. — Abg. v. Waldow-Rertzenstein (kons.) erklärt sich Namens seiner Partei für Die Vorlage. Die i Telegrophenlinien müßten aber nicht nur „nach Möglichkeit", 1 sondern unbedingt so ausgeführt werden, daß sie vorhandene besondere Anlagen nicht störend beeinflußten. Im § 5 seien daher die Worte „nach Möglichkeit" zu streichen. Ferner theile er die Bedenken gegen § 6. — Abg. Stephan (Centr.) hat ebenfalls verschiedene Bedenken gegen die Vorlage, so auch gegen die §§ 6 und 12. — Direktor Sydow bemerkt, § 12 beziehe sich nicht aus die Straßen in Städten. — Abg. Hasse (nl.) gibt seiner Freude Ausdruck über die Schnelligkeit, mit der das Kabel zwischen Deutschland und Südwestafrika hergrsttllt worden ist. Er könne nur bitten, daß auch andere Wirthschaftsgebiete dieselbe Aufmerksamkeit erfahren. Redner behält sich ein näheres Eingehen auf die Vorlage in der Kommilsion vor. — Abg. Schrader (frs. Vg.) bezeichnet die Vorlage als ein Konfiskationsgesetz, welches in das Eigentumsrecht eingreife, ohne Entschädigung zu ge- , währen. Wenn er die Stimmung im Hause recht verste e, so glaube er, daß wohl Alle darin einig seien, daß die bestehenden privaten Eigenthumsrechte mehr gewahrt werden müßten, als dies in der Vorlage geschehe. — Direktor Sydow bemerkt, es scheine ihm, als wenn der Vorredner übertreibe. Es handele sich hier um Eingriffe innerhalb einer Sphäre, wo Entschädigungen nicht Usus seien. — Abg. Siemens (frs. Vg.) spricht gegen die §§ 14 und 12 und will alsdann der Auffassung entgegentrefer, als ob die Starkstrom-Industrie mit Begeisterung diesem Gesetz entgegen- f^. — Staatssekretär v. Podbielski entgegnet dem Vorredner, er glaube, daß die Stäste demnächst Lei den
^mitteten*
Der Erfinder der SchncHresse.
Zum 125. Geburtstage Friedrich Köriks, geb. am 17. April 1774. jVon Dr. Rob. Wirlh.^
(Nachdruck »erboten.]
Es war nichts anders, als eine der vielen Konst guenzen, wie sie die Muse der Geschichte zu ziehen beliebt, wenn das deutsche Volk, das Volk der Denker, wie Bulwer es nannte, nicht nur euren Gulenberg, londern avch einen Friedrich König Hervorgebrachl Hai. War die Bvchdruckerkunst cls solche von einem Deutschen erfunden worden, so wußte füglich auch die Schnellpresse von einem Sohne Teuls erfunden werden. Ebenso lonji qmnt mußte aber auch der eine Erfinder wie der andere — als deutscher Erfinder nämlich — zeitlebens mit Noth, Entbehrung und hämischer Ar feindung und mit dem weltberühmten, verzopften Pedantenthum seines Volkes zu kämpfen haben. Hätte ein Aankee die, schnell- plisse erfunden, dann hätte sie als etwas „Ausländisches bei uns Deutschen eine schnellere Aneikennurg gefunden; nun aber war sie eben „nicht weit her", darum halte fe es nur ihrer Einführung im Auslande zu verdanken, daß ihr das Heimathrecht in ihrem Vaterlande gewährt wurde, ja gewahrt werden mußte, wollte man feinen allen Rrhm als das geistig am tussten und reichsten veranlagte Volk der Erde nicht schwinden sehen. Wenn auch gewiß nicht rühmlich, so doch wenigstens charakteristisch für uns Deutsche ist es, das Grab dieses groß.n erfinderischen GenieS im Garten hinter der alten Piämorstlauvsttkttche Oberzell in der Nähe von Würz- burg suchen zu muffen; ebenfo bezeichnend ist es, daß man ihm erst 58 Jahre nach seinem Tode eine — Bronzebüste in seiner Vaterstadt Eisleben enthüllt hat.
Sapienti sat. Wer wollen tua dadurch sa, püiätooUe 'And rer«,» an unsern großen La; dsmaun an seinem 125. Geburtstage nicht nehmen noch vergällen lassen.
In seinem sechzehnten Lebeusjahre trat Friedrich König, als der Sohn eines einfachen Ackerbürgers, in die Breittops und Härtel'sche Offizin zu Leipzig als Lehrling der Buchdrucker kun st ein und blieb auch nach Beendigung seiner Lehr- ziit 1795 eine Zeitlang dort. Der außerord-ntlich strebsame und wißbegierige Jünzling brach sich rom Schlase ab, um neben seinem Berussxeschäfte feitet weiteren Ausbildung sich zu widmen, wie er denn auch Plotens Vorlesungen über ^h lcsophie und Geschichte zu Höeen, sich die nöthige Muße abgerungen hat.
Die mannigfachen Mangel der bis dahin im Gebrauche befindlichen FlaLdruckpresfen fielen dem Denkenden sehr bald auf und schon 1803 bis 1805 sehen wir ihn zunächst in Meiningen und dann in Suhl eifrig mit der Seit esset ung ler Buchdruckerpressen beschäftigt. Sein lange gehegter Plan, die Handpressen nmzuändern, gewann Gestaltung und Körper und in verhültnißmäßig kvrzer Zeit führten ihn diese Um- und Abänderungen und immer wieder »öigenommenen Verbesserungen zur Erfindung der Echrellpresse, welche seiren Namen für alle Zeiten unsterblich gemacht hat. Bis es aker dahin kam, welch littere Erfahrungen hatte König mechen b uffm! Mittellos, wie er war, wanl te er sich zunächst an bie Regierung seines engeren Vaterlandes um Unterstützung. Als er hier vergeblich an geklopft hatte, wankte er sich noch Wien — mit temselben Erfolge. Schließlich gab er seiner Nation — gewiß ferneren blutenden Herzens — den Abschied und ging 1806 nach Peteriburg, wohin ihn die Hoffnung als Err chter und Vorsteher einer Druckerei mit Stereotypen eine Stoairanstillung zu erhalten, hinlenkte. Auch hier enttäuscht und abg,wiesen, zog er im Spätherbst bei Johl es nach Lonh on, der Metropole des größten Krämer-
voltes Der alten Welt, uno siehe oa! — Hier hatte er Erfolg.
Im Jahre 1807 schloß er mit dem bedeutenden Buch- druck.reibesitzer Benrl.y ein Uebereinkommen ab behufs Ausführung seiner Pläne zur Erbauung einer Buchdruckmaschine, wie er seine Erfindung zunächst nannte. 1809 vereinigte er sich mit Dem aus Stuttgart gebürtigen Mechaniker Andreas Frudrich Bauer, welcher von da ab sein getreuer Mithelfer wurde, der, wie König in selbstloser Wahrheilsliebe bezeugte: „durch sein Unheil und die Genauigkeit der Ausführung sehr mit zum aiücklichen Erfolge meiner Anstrengungen bei- trug." Eine 1810 geplante Tiegeldruckmaschine war das erste Ergebniß ihrer Thätigkeit und noch in demselben Jahre wurden die Bogen eines englischen Werkes damit gedruckt. Bald ersetzte König jedoch das Prinzip des Flachdrucks durch den Cylivderdrrck und in den Jahren 1811,1813 und 1814 herausgekommene Patente hatten sämmtlich Druckmaschinen mit cylrrdrlschem Druck zum Gegenstände. Die erste Doppelmaschine wurde 1813 erfunden und zum ersten Male die — „Times" auf einer Maschine von König gedruckt.
Die Frucht d.utschtn Schweißes erntete natürlich Bensley und erst als dessen Eigennutz, der auch vor offenen Unredlichkeiten nicht zurückjchreckte, dem duldsamen und immer be- scheidkNlN beutln Erfinder auf die Dauer unerträglich wurde, kam es zu einem Bruch zwischen Beiden. 1817 kehrte König, ein Jahr später auch Bauer nach — Deutschland zurück, wo sie in bem säkularifirten ehemaligen Prämoustra- tenfertfofter Oberzell, nicht weit von der bayerischen Univer- silätestadt Würzburg, eine Maschinenfabrik gründeten und vereint wciterführten. Sie hatten wieder mit den allergrößten Schwierigkeiten zu kämpfen. Es fehlte an genügenden Mitteln, an Vertrauen, an Abnehmern und an fähigen Arbeitern, ja sogar der Bezug der erforderlichen Werkzeuge stieß auf mancherlei Hindernisse. Aber das nie versiechende Genie