Erstes Blatt.
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Amtliches Organ für Sisöt^ unö LanSKreis Hanau.
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Im Reklamenrheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Nr. 88
1899
Hierzu Auskunft zu geben?" Auf die nach der Verlesung an den
Minllick-? 9MLtrti>" Wr 9ß »5WHWW^V ^mPmHltmmH^* Staatssekretär v. Bülow gerichtete Frage des Präsidenten, ob <y B g j . Ordentliche Generalversammlung «erwidert Staatssekretär v. Bülow: Ich bin bereit, die Montag den 24. AprU 1899, abends 8 Uhr, Interpellation sogleich zu beantworten. Zur Begründung im unteren Saale des Rathhauses, erhält das Wort Abg. Dr. Lehr (natl.); Es war stire zu welcher die stimmberechtigten Vertreter gemäß § 59 des freundliche Osterstimmuvg, als die Nachricht von der Be- Kassenstatuts hiermit eingeladen werden. Jchießung hierhergelangte. Die Erregung wurde durch die
Tagesordnung: «weitere Nachricht noch verstärkt, daß die Beschießung eine
Amtliches
>$taöf&ret0 ^banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Die Militärpflichtigen hiestger Stadt ..... , . „ ; -
werden hierdurch ansgesordert, ihre Loo- ^^ Abnahme der Rechnung pro 1898 und Dechargeertheilung. halbe Stunde vor der festgesetzten Zeit begonnen hat. Es
binnen S 2. Wahl eines aus 3 Mitgliedern bestehenden Ausschusses herrscht im Lande größere Erregung, als in diN Zeitungen
zur Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. Zum Ausdruck kommt. (Lachen bei den Sozialdemokraten.)
Hiesigen Meldeamte in den Bureaustundeu 3, Definitive Genehmigung der vom Vorstand abgeschlossenen Der Grund zu diesen Wirren ist damals gelegt, als der
Vormittags von 10 12 /a uud nachmittags Verträge mit Aerzten und Krankenhäusern.
von 3—5 Uhr abznholen. Hanau den 11. Aprü 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
5917
Spareinlagen werden hier zu 3 1 Prozent verzinst und Beträge von 1 Mark an in jeder Höhe — auch von Einwohnern des Stadtkreises Hanau — angenommen. Die Kreißsparkaffe. 6029
Wiesenverpachtung.
Der in der Gemarkung von Windecken belegene mit gelben Füßen und gelber Schnauze; Empfangnahme bei domänenfiskalische Wiesenbesitz im Möncksgraben, die«"^----— n-----
„Herrnwiese" gt. zur Gesammlfläche von 11 ha 84 a 34 qm, soll im Einzelnen in 57 wirthschastlich abgetheilten und versteinten Parzellen zum Flächengehalte von durchschnittlich 20 a vom 1. Januar 1899 an auf zwölf Jahre, mithin bis zum Schluß des Jahres 1910, öffentlich
meistbietend verpachtet werden.
Termin hierzu ist auf Donnerstag den 20. dieses Monats, vormittags von 9 Uhr ab, in den Saal des Rathhauses zu Wmdecken anberauwt.
Auf angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Die Kartenzeichnung über die Pachtstücke wird im Termin aufgelegt, kann aber auch schon vorher im Geschäftslokal des Domänen-Rentamts eingeseben werden.
Die sämmtlichen Pachtstücke haben geeignete Wirthschafts
wege.
Hanau am 13. April 1899.
Der Königliche Domänenrath.
Bell.
Feuülletsir.
An der Berger Warte.
Dem Wanderer, der die altehrwürdige Stätte t er Berger Warte an der Landstraße zwischen Bergen und Vilbel betritt, thut sich ein überwältigender Rundblick nach allen Himmelsrichtungen auf. Am überraschendsten ist dieser Blick, ja geradezu Erstaunen erregend, wenn wir einen Weg nach diesem Aussichtspunkt wählen, der uns vorher jeden freien Blick wehrt, wenn wir also etwa von Seckbach her durch dessen Obsthaine, oder von Vilbel durch den Wald nach unserem Ziele wandern. , , , .
Da steht er, der alte, runde Wa'tthurm mit feinem spitzen Steindach, umgeben von einem Kranze Springen, die die Höhe eines ehemaligen Walles krönen. Drei mächtige Pappeln überragen den Thurm und lassen weithin diese charakteristische Gruppe erkennen. Eine Steintreppe, roch gut er= halten — sie ist erst 1844 erbaut worden — führüuns zu dem auf der östlichen Seite, in halber Höhe befindlichen Umgang des Thuimes, dessen sandsteinerner Schlußstem die Jahreszahl 1557 deutlich erhalten zeigt. Drn kleine, quadratische fünfter, in regelmäßigen Abständen angelegt, ermöglichen uns den Rundblick.
Welchen Zweck hatte dieser, ohne jede Kunst, geradezu primitiv erbaute Thurm? Es ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß er in früheren Zeiten als Galgen diente. Nun hat man aber niemals Verbrecher in Thürmen, sondern aufidemFelde unter freiem Himmel an Galgen gehängt und sie als av schreckendes Beispiel hängen lassen. Auch verräth die ganze Bauart des ThurmeS keinerlei Vorrichtungen zur Anbringung eines Querbalkens, an dem der Missethäter emporgezogen werden konnte.)
Die hurtige Rv
Ordentliche Generalversammlung
Verträge mit Aerzten und Krankenhäusern.
4. Neuwa-J für ausscheidende Vorstandsmitglieder.
5.
Verschied-nes.
Hanau, 15. April 1899.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.
Müller,
Vorsitzender.
6004
Dikllstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Wasserwaage. Ein braunes Rädchen. Zwei Herren: egensch-rme, in der Post stehen geblieben. Eine Fahrradlufipumpe; Empfangnahme Pumpstation Dörnigheim.
Verloren: Eine Schirmmarke Nr. 77 von Ph. Hein- zinger. Eine Reisedecke zwischen Niederrodenbach und Hanau.
Zugelaufen: Ein schwarzer Spitzhund w. Geschl,
Stationsaufseber L'ßmann zu Langendirbach.
Hanau am 15. April 1899.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 14. April.)
Am Tische des Bundesraths: v. Bülo w, Tirpitz, Freiherr v. d. Recke, Graf Posadowsky, Graf Lerchen- s e l d, Dr. v. B u ch k a und zahlreiche Kommissare. (Unter den in der Hofloge Anwesenden befinden sich der Hausminister Graf Wedel und General-Adjutant Fürst Radziwill.) Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung. Erster Gegenstand der Taget Ordnung ist die Interpellation der Mitglieder des Reichstages Dr. Lehr, Dr. v. L e v e tz o w, R t ck e r t, Dr. S ch a e d l e r, Graf von Arnim, Schmidt (Elberfeld) und Genossen, betreffend die Vorgänge vor und auf Samoa. Die Interpellation lautet: Ist der Herr Reichskanzler bereit, über die Vor änge vor und auf Samoa, sowie über die von
5996 der Regierung petroffenen und beabsichliglen Maßnabme«
Die befestigte, weitausschauende Lage des Thurmes auf d m höchsten Punkte der Berger Höhe, jenes Landrückens, der sich wie ein Keil von Osten nach Westen zwischen die Maiuebene und W tterau drängt, läßt doch wohl auf einen anderen, vor Allem wichtigeren Zweck schließen; es war ein Wartthurm, der einem Wachtposten neben dem Schutze gegen die Unbilden der Witterung einen ungehinderten freien Blick nach all-n Richtungen gewährte. Der Thurm ist in jenen unruhigen Zeiten beständiger Fehde der Ritter jedenfalls von dem Schelm von Bergen zum größeren Schutze seiner in dem btnachbaiten Flecken gelegenen Burg e»baut worden.
Mehr als der altersgraue Thurm mit seinem stark verwitterten Gemäuer zieht uns der wunderbare Rundblick an. Er zaubert uns eines der reichsten und schönsten Landschafts- bilver vor die Augen, ein Panorama, wie es sich nicht lieblicher in seiner Großartigkeit, nicht mannigfaltiger in seiner Abwechslung und nicht umfangreicher in feiner Ausdehnung so leicht wieder finden dürfte. Wegen seiner he: vorragenden Lage als Aussichtspunkt wurde die Berger Warte von der Vermefsungsabtheilung des Generalstabes als trigonometrischer Punkt gewählt, von wo aus mit der Ronneburg und dem Feldberg durch bestimmte Zeichen verkehrt werten kann. Leider ist der zu diesem Zwecke neben der Warte erbaute Holzthurm nicht zu besteigen, der seiner Baufälligkeit wegen besser niedergelegt würde. Uebrigens kann man sich durch den unter dem Holzthurme befindlichen Stein vorzüglich über die Himmelsgegenden orienliren.
Zunächst überblicken wir eine breite Hochebene, das Schlachtfeld vom 13. April 1759, wo der Herzog Ferdinand von Braunschweig die Franzosen trotz wiederholter Angriffe nicht zurückzudrängen vermochte. Das französische Heer war zwar dem der Verbündeten an Stärke gleich, hatte aber längs der Berger Warte und in dem nahen westlichen Theile deS Vilbeler Waldes eine vortheilhaftere Stellung uud eine stärkere armer umfaßt außer dem Unterhaltung-d
Reichstag dem Kanzler Fürsten von Bismarck die Mittel zu einer friedlichen Lölung verweigerte. Der Hauptschuldige ist England (sehr richtig! rechts), das unsers kolonialen Be
strebungen überall stört, wo es kann. Wir sind sogar mit Nachrichten auf England angewiesen, und die Nachnchten tragen den Stemp-l der Tendenz an der Stirn. In Amerika haben die Ereignisse eine starke Reaktion der Deutschamerikaner helvorgerufen, die uns zustattcn kommt. Eine Reihe von Nachrichten bedarf der Aufklärung, wie das Verhalten des Admirals Kantz, seine Behauptung, daß er im Auftlage aller drei Mächte gehandelt habe, u. s. w. Wie steht es denn ferner mit der Annexion der Tonga-Inseln? Wie verhalt es sich mit dem angeblichen Befehl des Admirals Kactz an das deutsche Kriegsschiff, die Bucht nicht zu verlaffen, und mit der angeblichen Verhaftung eines Deutschen. Ein deutscher Offizier würde, ohne zu zucken, in den Tod gehen, wenn sein Vorgesetzter es befiehlt, aber einem fremden Offizier wird er nicht gehorchen. (Lebhaftes Bravo.) Alle Plantagen auf Samoa sind deutsch, die Beamten sind ruhige Leute, dir sich stets s-hr ruhig verhalten. Es ist undenkbar, daß einer der Beamten sich aktiv am Kampfe betheiligt habe. Vor 11 Jahren wurde eine Abtheilung Deutscher von den Samoanern Überfällen, der Anführer derselben war ein Amerikaner mit dem deutschen Namen Klein. Ich hoffe, die Amerikaner werden jetzt nach dem Rezept handeln, das sie uns damals empfahlen; die armen Insulaner die Vorfälle nicht entgelten zu lassen. Die Beschießung Apias war nach unserer Ansicht ein Dertrauensbruch, ein Bruch der Samoaakte. Niemavo von uns denkt daran, deswegen England und Amerika den Krieg zu erklären. (Lachen bet den Sozialdemokraten. Glocke des Präsidenten.) Aber wir erwarten von der Regierung, daß sie mit Festigkeit Deutschlands Recht wahrt. Sie wird mit Ruhe und Festigkeit weiter kommen, als mit Liebenswürdigkeit. Sie muß mit Amerika die wicthschast- lichen Verhandlungen abbrechen. (Lärm bet den Sozialdemokraten. Stürmischer Seife H rechts. Glocke des Präst enten.) Sie (zu den Sozialdem.) mögen thun, was S'e woll-n, ich
Artillerie. Der Kampf wogte von morgens 8 Uhr bis in die sinkende Nacht. Beide Seiten hatten schwere Verluste, die Alliirten mußten sich schließlich nach Hessen zurückziehen. Noch erinnert eine Kanonenkugel in einem Gebäude des Wirthshauses zum Hrilizenstock an diese unglückliche Schlacht.
Das flaschenähnliche Denkmal, das wir weiterhin ^ nach Westen erblicken, ist zum Andenken an das Hoflager errichtet, das hier Kaiser Leopold II 1790 zu seinem Schutze während seiner Krönung aufgeschlagen hatte.
Mit großer Befriedigung ruht daS Auge auf den fruchtbaren Gefilden der zu unseren Füßen sich ausb-eitenden Ebenen, deren wogende Kornfelder, grünende Aecker und üppige Wiesengründe sich in dem Golde der Sonnenstrahlen zu einem vielfarbigen Teppich zusammensetzen. Mitten auS diesen gesegneten Fluren erheben sich zahlreiche blühende Städte, Dörfer und Gehöfte, die die Landschaft zu einem außerordentlich lebensvollen Bilde gestalten und ihren malerischen Reiz erhöhen. Zwischen ihnen schlängelt sich sanft und still, wie ein breites Silberband, der alle Mainstrom durch die Landschaft, bis er sich im Westen unseren Blicken entzieht. Nach allen Seiten daffelbe Bild einer reich gesegneten Flur, von fleißigen Menschen bis aufs letzte Fleckchen bebaut und doch wieder wie ganz anders und verschieden von einander in seinen einzelnen Theilen! Wie ein duftiger Rahmen umziehen die blauen Berge am fernen Horizonte das liebliche Bild und geben ihm einen harmonischen, wohlthuenden Abschluß.
Im Osten erblicken wir die Höhen deS VogelsbergS, weüerhin durch den Ausgang des Kinzigthales unterbrochen den Spessart mit dem Hahnenkamm, der uns das liebliche Thal von Alzenau mit den sanften Höhen des FreigerichtS deutlich zeigt. Dann beginnen im Süden die flachen Sand- steiuhöhen des Odenwalds den Horizont zu begrenzm, die von dem Basaltkegel deS burggekrönten Otzberges jäh durch- lait 14 Setter*.