Ud»««emrn1».
Preis:
Jährlich 9 M. Mdjährl. 4^50* vierteljährlich 2 .* 25 .*
Für auswärtige Monnenten mit dem betreffenden
Postaufschlag.
Die einzeln« Hummer kostet 10 *
Einrückungs- gebühr
für Stadt- und Landkreis Hauau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärrs 15 ^.
Zugleich
Amtliches Organ für Sfaöf- unS Landkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Im Reklamenrheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Nr. 87
Freitag den 14. April
1899
Amtliches ^anö^retö ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister werden veranlaßt, die Verzeichnisse über Gestaltung von solchen Lustbarkeiten, welche nach dem ihnen s. Zr. ^gefertigten gedruckten Ministerial- Erlaß vom 15. November 1896 der Genehmigung der Orts- polizeibehölde unterliegen, behufs Revision durch den Stempelfiskal bis zum 20. d. M. hierher einzureichen.
Den Verzeichnissen sind die bezüglichen Akten seit 1. April 1896, in welchen über die Zulassung des niedrigen Steuersatzes von 0,50 Mk. die vorgeschriebenen Vermerke (vergl. pos. V der vorerwähnten ministeriellen Anweisung) enthalten sein müssen, ordnungsmäßig geheftet beizufügen.
Hanau am 12. April 1899.
vormittags von 10—12/- nnd nachmittags
Von 3—5 Uhr abznholen.
Hanau den 11. April 1899. Der Magistrat. Dr. Gebeschus.
5917
Bekanntmachung.
Gemäß § 13 Abs. 2 der Städteordnung für die Provinz Hessen.Nassau liegen die Satzungen, betreffend die Fürsorge für die Hinterbliebenen der Direktoren, der wissenschaftlichen und der technischen Lehrer an den städtischen Schulen zu Hanau, vom 17. April dieses Jahres ab 14 Tage lang im Rathhaus, Zimmer Nr. 21, zu Jedermanns Einsicht offen
V. 3589
Der Königliche Landrath, v. S ch e n ck.
und steht es jedem Bürger frei, innerhalb uns Einwendungen zu eiheben.
Hanau den 11. April 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
dieser Frist bei
5929
Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, in deren Bezirke auswärts veranlagte Gewerbebetriebe belegen sind, mache ich auf die Vorschrift im Artikel 40 Nr. 2 der Gewerbesteuer-Anweisung vom 4./11. 1895 aufmerksam, wonach das auf ihre Gemeinde znm Zwecke der kommunalen Besteuerung entfallende Gewerbesteuersoll durch Summirung der in Spalte 7 der Rolle und der Nachweisung nach Muster 22 verzeichneten Beträge am Ende der Rolle zu berechnen und diese Berechnung unterschriftlich zu vollziehen ist (vergl. Muster 12 Seite 160 a. a. O.).
Das Ergebniß der Berechnung ist mir bis zum 25.
am
Der gegen den Taglöhner Fabian Ziegler aus Hausen 15. Juli 1898 erlassene Steckbrief wird zurückgezogen. Hanau den 13. April 1899.
Der Erste Staatsanwalt.
J. A.: v. Shell
5942
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 13. April.) Tages-Ordnung ; Po st Novelle — Fernsprech-
den Privatpostanstalten gegenüber einen durchaus sachlichen Standpunkt einnehme. Billigkeitsgründe gegenüber denselben werden seitens der Regierungen zugestanden, in deren Auftrag er gestern sprach. Daß er sparsam sei, sei für ihn als konservativer Mann selbstverständlich. — Abg. Rintelen (Ctr.) kann bezüglich des Monopols Pachuicke und Fischbeck zustimmen. Ein neues Monopol solle jetzt geschaffen werten, die Gründe hierfür seien nicht stichhaltig. Die Postverwaltung wolle das Publikum bevormunden, wenn sie die Brief- befördernng durch die Privatposten als unsicher hinstellen. Wer entschädige denn das Publikum für den Verlust, den es durch die Beseitigung der Privatposten erleide? Die Reichs- psstverwaltung habe den Zweck, eine Verkehrserleichterung im Interesse des Publikums, nicht Überschüsse zu machen. — Abg. Dr. Oertel (kons.) erklärt, mehr als im Durchschnitt
sei auch die gegenwärtige Vorlage nicht fiskalisch. Für die Partei des Redners beständen noch erhebliche Bedenken bezüglich der Aufhebung der Expreßbeförderung. Hier müßte mindestens die Zone weiter gezogen werden. Das größte Bedenken errege der Tarif. Es sei falsch, die ZeitungSbe- förderung mit den Drucksachen zu vergleichen. Am meisten geschädigt durch den neuen Tarif seien die kleinen Piovinzial- blätter, die direkt vor der Existenzfrage stehen. Die Grundsätze des neuen Tarifs sino an sich richtig, die Sätze sind aber zu hoch. Die Annoncenblätter seien nicht zu schone». Für die Gewichtsdurchschnittsbestimmung empfehle sich die Deklarationspflicht. Vielleicht ließe sich auch eine Konferenz einberufen, woran nicht nur die großen Blätter, sondern alle Arten von Zeitungen und die entsprechenden Industrien be theiligt sind. Die Sätze müßten aus jeden Füll herabgefitzt, vielleicht gestaffelt werden. Das Inkrafttreten des neuen Tarifs solle möglichst weit hinausgeschoben werden. — Staatssekretär o. Podbielski bemerkt, daß sich die Reichspost ständig in Vorschuß bei der Reichshauptkasse befinde. — Abg. Daßbach (Ctr.) bemängelt, daß in den Motiven nicht auf die entsprechenden Verhältnisse des Auslandes biu-
- _ - . gebührenordnung. — Abg. Fischbeck (sr. Vlkp.)
Aptil b. I., und zwar unter Mittherlung der aux bie j^t die geplanten Reformen sollten in die Wege ge= einzelnen Gewerbe,teucrklassen entfallenden Summen, anzu- leitet werden, ohne daß man fivanzielle Kompensationen sucht, zeigen. In Gemeinten, in denen sich auswärts veranlagte Die Vorwürfe gegen die Privatposten treffen nicht zu. Es! Betriebe nicht befinden, hat sich diese Anzeige^ auf die Ge-j bestehe der Beweis dafür, daß das Publikum sich mehr und sammtfumme der in Spalte 7 der Rolle verzeichneten Beträge - mehr ben Privatposten zuwendet. Eine weitergehende Ver- unb die aus die einzelnen Gewerbesteuerklassen entfallenden staatlichung der Beförderungsanstalten entspricht den Grund-L
... um^™^« sätzen der Sozialdemokratie. Der Aufhebung der Privatposten' auf die Zahl des wöchentlichen Erscheinens und “auf baS Ge-
stimmen wir schon deßhalb nicht zu, weil dann der Reiche- wicht der Reifungen zu basiren, würde die heutigen Derhalt- post die Konkurrenz fehlte. Ohne die Privatposten gäbe die Nisse des Zeitungswesens vollständig verändern und geradezu Regierung uns teufe noch nicht die Vorlage. Daß die söge- umstürren. Auch der Buchhandel werde bedroht. Den müssen
I nannten Annoncenzeitungen kaum noch Zeitungen zu nennen wir schützen. Redner hält das Prinzip der Leistung und - sind, meinen auch wir. Wenn solche Zeitungen Abonnenten Gegenleistung im Zeitungstarif für unrichtig. Ob die Post verlieren, ist dies kein großer Verlust. Der Abonnementpreis! die Zinsen der Abonnementsgelver für V» bis 2'/» Monate ist kein Werthmesser für ein Blatt. Wir halien die Prin-
Summen zu beschränken.
Hanau am 11. April 1899.
Der Königliche Landrath.
J. St. 1572 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
StcrHM^sr-s ^anait
BekanntmachMgen des Oberbürgermeisteramtes.
gewiesen ist. Der Grundsatz, den Postzeitungstarif allein
BekaNNMachllllgeN des Overburgermelfleramles. ist kein Werthmesser für ein Blatt. Wir halten die Prin- ba^r erhält, oder durch Einstellung von Geldmitteln in den ÜieKaeit Stadt ä'?'™ des Entwurfs für geeignet, zu einer billigen Reform Betrieb Ersparnisse erzielt, ist in der Wirkung gleich. — fcWhMrrft «ruIaelurdLit ikre Loo des Zeitungstarifs zu kommen. Mit Kommissionsberathungen Staatssekretär v. Podbielski führt aus, es handle sich werden hlerdttra) aufgesoroert, kyre ftnb wir einverstanden. — Staatssekretär v. Podbielski um 2000 bis 2500 Beamte in Privatposten. DerVorwurf, snngsscheme drnnen o ^agen NNs VVW nimmt gern den Vorwurf des Vorredners hin bezüglich der daß mehr abhängige Beamte geschaffen werden sollen, sei ganz hiesigen Meldeamte in den Vureanftunden Beuebunaen zu der Sollaldemokratie und hebt hervor, daher nngerecktferttgt. — Abg. Werner (Rip.) hebt hervor/ der
F^rriNetsn
Londoner Dameullnds.
Von Mary Wood.
Nachdruck »ertöten.
Diese Ueberschrift ist weder ein Scherz noch das Sujet einer Posse, sie ist nur die Verkündigerin einer Bewegung auf sozialem Gebiet, deren Folgen sehr bedeutend werden können. Noch tönen in Ihren Ohren vielleicht die schlechten Witze und bte Bonmots, welche angesichts der ersten Bc- strevuNgen der Frauen nach dieser Richtung, auf dieselben niedeiprasselten, denn diese Idee sich zu vereinigen, eine Masse zu bilden, um sich durch Jreenaustausch gegenseitig an- zuregen, und zu förbern, und last not least dadurch eine Macht zu werven, welche für die Freiheitsbestrebungen ihres Geschlechtes kämpft, — wurde viel bespöttelt. Die Gegner derselben argumentnten zwar ganz schlau: „Die Frauen , meinten sie, „würden sich nie gesellig zusammenfinden, dort wo keine Herren hinkommen." Nun, da hat sich mannu^ Eitelkeit geirrt. Die Frauen ließen sie reden und haben f« in Klubs vereinigt. Ein einziger derselben der J^ommerDtue- klub zählt bereits 800 Mitglieder weiblichen Geschlecht-1 Dies ist der Kreis der gebildeten Bourgeoisie der ledigen nutet- richteten Fräuleins, welche sich durch Stundengebm oder einen sonstigen Beruf ernähren müssen. Der Sommervme- klub hat seinen Sitz Oxford-Street und empfängt ausnahmsweise als geladene Gälte manchesmal Vertreter des starken Geschlechts; eS versteht sich von selbst, daß die Leitung des Klubs ausschließlich in Damenhänden liegt. Ein Komitee aus 20 Damen zusammengesitzt, entscheidet über die Aufnahme neuer Mitglüder. Das Reglement ist sehr streng, eine einzige schwarze Kugel genügt, um die Kandidatin Mück- zuweisen. Die Klubräume sind von V2IO Uhr vormittags
bcs 11 Uhr o-s Nachts gröffrut, uno es ist ichwierig, sich „Dre,e Blaustrümpfe!" AVer die englischen Frauen kümmern davon eine Vo stellung zu machen, wie vielseitigen Nutzen '
alleinstehende Damen aus der Provinz, die sich in London
befinden, aus dreier Vereinigung ziehen. Ein riesiger Lese saal enthält außer sämmtlichen Zeitungen und Revuen, litterarische, historische und wissenschaftliche Werke. Die „Ewige Puppe", wie ein philosophischer Schriftsteller das Weib genannt hat, finbd dort ein geistiges Milieu, wie es sich die Männer schon lange zu verschaffen wußten, aber aus dem sie verächtlich ihre Mütter, Frauen und Schwestern am geschlossen haben. Die blasse Idee, diese Klubs zu gründen, die Frauen, die sich mühsam ernähren, zu nerrinigen, ihnen ein angenehmes Dasein zu bieten, beweist, daß die Frau aufgehört hat, eine Puppe zu sein. Der Sommeroilleklub stellt seinen Mitgliedern ein Restaurant zur Verfügung, wo sie für den mäßigen Preis eines Schillings ein Mittagessen, sogenanntes „dinner* bestehend aus 4 Gängen, erhalten. Der Klub neist seinen Mitgliedern freie Stellen an und erleichtert ihnen die undankbare Arbeit, sich eine Beschäftigung zu suchen. Der Sommeroilleklub hat sich die Aufgabe gestellt, seine Mitglieder für das praktische und öffentliche Leben vorzubereiten, denn die englische Frau hofft, daß der Moment nicht fern ist, wo das Parlament ihr seine Pforten öff, en muß. Jeder Montag Abend wird den Debatten über die Tagesfragen gewidmet, sowie den in den Monalsrevuen entwickelten Ideen. In diesem Jahr zum Beispiel haben die Damen des Klubs aus der Oxfordstraße in verschiedenen Sitzungen die Pläne des General Booth, des Begründers der Heilsarmee, besprochen. Es waren Fragen über den weltlichen Unterricht, die Moralität, den ökonomischen Kampf um das Dasein uns die Maßnahmen, welche gegen die Trunksucht zu nehmen sind. Dieser Klub hat Kurse organisirt für die Donnerstagabende. Das Programm dieses Jahres lautet: „Die Wirk lichkeit und die Einbildung", „der Arbeiter in England", „bie Religion und der Staat", ... ich höre schon dm Ruf:
sich ersichtlich sehr wenig über das, was die Gegner der „Blaustrümpfe" beiden und die Freunde der „Meinen weißen Gänse". S^ haben den Kampf für die geistige Emancipation, eröffnet, und trösten sich über die Verachtung der Oberfläch- licken durch dea Gedanken, daß ein Denker, wie John Stuart M ll, mit ihnen ist. Sie betrachten ihn ein wenig als den Pulhen ihrer Klubs und aus seinen Werken entnommene
Sätze schmücken die Stirnseiten des Vortragssaales ihrer Vereinigung, wo man nur spricht, aber nie spielt. Uebrigens ist der „Sommeroilleklub" nicht die einzige Vereinigung der englischen Frauen. Es gibt noch den „Alexandraklub", den Versammlungsort aristokratischer Damen. Der jährliche Beitrag ist nach deutschem Geld mit ungefähr 125 Mark berechnet. Der Klub ist mit großem Luxus eingerichtet und unterscheidet sich durch den vollkommenen Ausschluß des starken Geschlechtes. Die Herren werden unter keinem Vorwand zugelassen, auch nicht als geladene Gäste. Dieser Klub, in welchem alle aristokratische Damen aus der Provinz oft ganze Wochen verbringen, ist wie ein Kloster verschlossen. Der Arzt, welcher zum Klub gehört, ist eine Frau. — Der „Pioneerklub", welcher sich in der Care-Street befindet, ist auch sehr elegant, zugänglicher und nimmt als Mitglieder sowohl bürgerliche als aristokratische Damen auf. Im Empfangsaal dieses Klubs hängt ein Bild, welches die Bestrebungen der englischen Frauen symbolisirt. Das Weib der Vergangenheit ist durch eine gekrümmte, hilflose mit dem Kopf nach der Erde gerichtete Frau dargestellt; ihr zur Seite steht man ein Mädchen von Leben und Schönheit erglänzend; ihre leuchtenden Augen schauen stolz in die aufgehenoe Sonne.. . dies ist die Frau der Zukunft! Die englischen Arbeiterinnen wollten nicht hinter den Aristokratinuen und den Bürgerlichen Zurückbleiben, und haben im „East-End" ihre Klubs gegründet, über die ich in einem späteren Feuilleton berichten werde.