13. April
Hanauer Anzeiger
Seite 5
Nieveraula, 12. April. Von einem schweren Verluste wurde gestern der Landwirth Ph. Rohrbach hier betroffen. R. fuhr Jauche anf ein in der Nähe der Fulda liegendes Grundstück. Bei der Rückfahrt gingen die Pferde aus falschem Wege fort, während R. den Stopfen des Fasses holte und auf einem anderen Wege zum GeZchirr zu kommen suchte. Die Pferde sind direkt in die hochgehende Fulda gegangen und ertrunken. In der Nähe von Kersprnhausen wurden Sie todlkn Thiere nebst dem Wagen gelandet.
Frankfurt a M, 12. April. Reichskanzler Fürst zu Hohenloae ist heute Morgen 8 Uhr nach Berlin gereist.
Frankfurt a. M., 1L April. Die Stadt serordneten genehmigten enogiltig den neuen Seelingschen Buupian für das Schauspielhaus, wonach die Baukosten 1,900,000 Mark betragen.
<=► Klein Attheim, 12. April. Die am 30. Oktober 1898 hier abgehaltene Bürgermeisterwahl wurde am 1. Februar d. J. vom Offenbacher Kccisavsschusse wegen gröblicher Formfehler unter Verurtheilung der Gemeinde in die Kosten verworfen. Damals siegte Milchhändler Adam Meyer II. mit erheblicher Majorität über seinen Gegner, den Polizei- diener Winter. Bei der gestrigen Neuwahl erhielt nun Meyer 195 und Winter 125 Stimmen. Meyer ist somit, seine Bestätigung vorausgesetzt, auf 9 Jahre zu unserem Gemeindeoberhaupte erkoren. Bei der Wahl an 30. Ok tober stand das Stimmenverhältniß für Winter wesentlich günstiger.
H Klein Welzheim, 12. April. Die 35 Jahre alte Ehefrau des Steinbrucharbeiters Gabriel Kimmel aus unserer Nachbargemeinde Groß Welzheim entfernte sich gestern Abend heimlich aus ihrer Familie. Heute bei Tagesanbruch ichbete man ihre Leiche aus einem geschlossenen Flußbaue, in welchen sie sich offenbar in selbstmörderischer Abstcht gestürzt hatte. Die Unglückliche hinterläßt 4 kleine Kinder in dürftigen Verhältnissen. Ein fünftes Kind starb ihr vor einigen Wochen im Alter von 18 Monaten. Der Verlust dieses Kindes verursachte bei der bedauernswecthen Matter geistige Störungen. In einem derartigen Zustande legte die arme Frau wiederholt erfolglos Hand an ihr Leben. Jetzt erreichte sie leider ihre Absicht.
Q Vom Main, 12. April. Der Main ist innerhalb weniger Stunden um 54 am gestiegen und zeigt j tzt 164 cm Fahrwasser, das dem Schiffen volle Befrachtung gestattet. Es ist weiteres Steigen zu erwarten. Noch am Montag konnte sich die Jugend in einzelnen Spessartdörfern bei Aschaffenburg mit Schneeballwerfen ergötzen. Das fortwährende Regenwetter und das rasche Schmelzen des Schnees verursachte das rapide Anschwellen des Mainwaffers. Auch die Seitenflüßchen des Odenwaldes bringen bedeutende Wasser- mengen. Die Gerspenz ist vielfach aus den Ufern getreten. Bei Babenhausen sind die ausgedehnten Wiesen komplexe vollständig überfluthet.
•'«raiiz-z-Ma«stDGTares
Vermischte Nachrichten.
Aus dem Zuge gestürzt. Man spricht oft vom „Engel tec Kinder", wenn ein Kind aus großer Gefahr durch einen merkwürdigen Zufall heil davonkommt. Von einem solchen Zufall wird aus Bebra berichtet. Auf dec Strecke Frankfurt—B-dra—Eichenberg, und zvar in der Nähe der Station Cornberg, fiel ein sieben Jahre alles Mädchen aus dem in voller Fahrt befindlichen Eisenbahnzuge. Die Mitreisenden zogen sofort die Nothleine, uno nach wenigen Sekunden hielt der Zug auf der Strecke, etwa 200 Meter von der Unglücksstelle entfernt. Das Kind hatte nur eine Wunde am Kopfe, sonst war es mit dem Schrecken davongekommen. Ve muthlich hatte sich das Mädchen an die nicht völlig geschlossene Thüre des Wagentheils angelehnt und ist dann hinausgefallen.
und Fuß durch angem'ssene Pflege sich recht lange zu erhalten. Doch damit streifen wir bereits das Gebiet des Hygienikers.
Opcriiellscmblc-GLstspiel.
Hanau, 13. April.
„Der Freischütz", romantische Oper in 3 Akten von Karl Maria von Weber. — Die Lieblingsoper d-s deutschen Volkes ist der „Freischütz". Von den stolzen Kausttempem der Fürsten bis zur kleinen Provinzialbühne herab erklingen seit drei Vierteljahrhunderten seine Weisen mit gleichem E^olge und die Paläste der Reichen, die Hütten der Armen, selbst Wald und Flur Hallen wieder von seinen Me o)ien. Das Textbuch der Oper rührt von Friedr. Kind her. Er wäre wohl jetzt sammt seinen Schriften der Vergessenheit anheim- gefallen, wenn ihm nicht Karl Maria von Weber durch die Komposition des „Freischütz" zur Uasterblichkeit verholzen hatte. Weber empfing das Buch mit Begeisterung und suhlte schon beim Ueberlesen „die Melodien sich zuquellen." Zu kerner Partitur hat sich Weber so viel Zeit gegönnt, wie zum „Frer- schütz" : am 2. Juli 1817 wurde sie begonnen, tm vollendet. In nächsten Jahre entstanden Terzett des 1. Aktes, Walzer und Arie des Max; 1819 brächte die Kaspar-Arte und, nach Bruchstücken des 2. und 3. Aktes, die Vollendung des ersten. Im dritten Jahre schrieb er den „Jungsern- kranz", den Jägerchor, die Cavatine, bearbeitete nochmals die Wolssschlucht und schuf nach dem dritten Finale die Ouvertüre, so daß er am 13. Mai 1820 in sein Tagebuch schreiben konnte; „Ouvertüre der „JägerSbraut" und somit die ganze Oper vollendet. Gott sei gelobt und ihm allein die Eyrel Die Oper hieß zuerst „Der Probeschuß", später „Die Jägers- Sraut" und wurde auf Vorschlag des Intendanten der Berliner Hofbühne, des Grafen Brühl, kurz vor der ersten Aufführung
Verdorben in Amerika. In Brooklyn wurde vor einigen Tagen im Innern eines Eiswagens der preußische Ex Fähnrich Constantin Mathae halbverhungert »ufzefunden und als Vagabund in Haft genommen. Der arme Mensch erzählte die alte und ewig neue Geschichte von Hunger, Ar- beitälofigtdt und Scheitern aller Hoffnungen im Lande der Nüchternheit. Bis vor einem Jahre diente er als vielversprechender Fähnrich in einem Hrnnooerschen Infanterie- Regiment. Als aber die Kunde vom Ausbruch des spanischamerikanischen Krieges nach Deutschland drang, da duldete es ihn nicht länger in der Garnison, und kurz entschloss n reichte er seinen Abschied ein, der ihm auch gewährt wurde. Zwar wußte er anfangs nicht genau, späte er sich die Er- f Tages der Stand"der deutsch englischen Verhaudluagen"wesent- reichung der spanischen Marschallswürde oder die einer simplen lich gebessert. Von Lo.d Salisbury sind dem UnterstaatS- Generalstelle in Onkel Sams Heer als Ziel seines Ehrgeizes s-kcetär im Auswärtigen Amt, Sanverson Inst u'tionen zuvorstecken, schließlich entschied er sich aber doch für Amerika, gegangen, die im Wesentlichen aus eine Zustimmung zu den Als man ihn aber nicht einstellen wollte, wurde er „Privatier", deutschen Vorschlägen hinauslaufen. Man glaubt in gut Vou nun an ging alles den üblichen Weg. Nach Verlust insormirieu Londoner Kreisen, daß damit die Haupthinder-
Drahtnachrichten des „Han. Anz."
Berlin, 13. April. Amtlich wird gemeldet, daß die Engländer ein Dorf auf Samoa jeden Tag beschoffen haben. Sowohl Leute Tanus wie Matafaa's plündern fremdes Eigenthum. Am 1. April ist eine englrsch-amerikanijche Landungstluppe von 70 Mann in einen Hinterhalt gefallen (bei Vailele) wobei drei Offiziere getödtet und zwei Lanvungs- geschütze genommen worden sind. Dir Kriegsschiffe haben die Beschießun; erneut.
Berlin, 13. April. Wie der Lokal-Anzeiger aus London zuverlässig erfährt, hat Nch im Laufe des gestrigen
seiner Stelle in einer Pfeifmfabrik wurde er zum Bettler,
feiner Stelle in einer Pfeifmfabrik wurde er zum Bettler, nisse, die der Eutsendang der Kommission nach Samoa ent- und er kann es als eine Wohlthat anerkennen, daß ihn der gegenstwden, aus dem Wege geräumt sind. In wie weit
Richter auf 29 Tage in Staatsversorgung schickte.
Stadt Paris 400
Ziehung 9361 38011 74881 93591
die neuesten Vorgänge bei Apia die Lage beeinflussen können, entzieht sich noch der Beurtheilung, doch wird angenommen, daß die Kabinette sich dadurch erst recht veranlaßt sehen Kr.-Loose vom Jahre 1871.! werden, die Entsendung b.-r Kommission zu beschleunigen.
Berloofnngen
am 10. April
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Gezogene Serien:
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1175621 1204876
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1032551 1054650 1100291 1132131
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1205611 1232801 1259661
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In den politischen Londoner Klubs wurde gestern Abend diese Wendung lebhaft besprochen.
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90841 11201'.
143771! Posen, 13. April. Der hiesige Oberbürgermeister
160181! Wittiua erklärte in der gestrigen Stadtverordneten Sitzung, 180681! bet Kaiser hckte die Ostlinie des Groß Schifffahrtsweges WienVerlin für unbedingt nothwendig zur wirthschaftlichen
Dresden, 13. April. Die Festlichkeiten zum 50jährigen Jubiläum der Erstürmung der Düppeler Schanzen nahmen gestern ihren Anfang.
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Hebung des Ostens, die der Kaiser bekanntlich für absolut geboten erachte.
Wien, 13. April. Die neuesten Vorgänge auf Samoa
388501 werden in hiesizen diplomatischen Kreisen als ein recht un- 409521! heilsamer Zwi'cheafall bezeichnet, der den Chaumnisten in
388501
471371.! Amerika und En zland willkommenen Anlaß za neuen Hetze- ----- reien gegen Deutschland gibt und die schwebenden " 574741! langen beeinflussen dürfte.
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Verhand-
622641. Karlsbad, 13. April. Mehrere hundert
6463911 Maurer durchzogen gestern wiederholt die Stadt und be- 671391 s lästigten theilwus; die Passanten. Es wurden 40 V:r- 723001 Haftungen vorgenommen. Von Egger sind 40 Gendarmen 739811 und vier Konpagnien Militär reqnrirt worden.
757871s Kraka«, 13. April. Eine große Avzahl beshäslizungs-
779121 Pr- "^-1- " ---- - ' - -
streikende
40 V:r-
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840431
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loser Arbeite- und Arbeiterinnen in Lemberg revollirte und
verlangte A.beit und Lohn. Sie wollten mit Gewalt in das Rathhaus einwingro, wurden jedoch von der Wache zurück- gehalteu. Es wurde nur eine Deputation vocgelaffen, welche Bürgermeister Malachowski an das Bauamt verwies. Eine Versammlung, die im Arbeiterhause abgehalten werden sollte, wurde, weil sie polizeilich nicht angemeldet war, untersagt. Für heute werden neue Unruhen befürchtet.
1035781 i Paris, A3. Ap:ll. Die Nachrichten aus Samoa ver- 1091221 anlassen die Zeitungen zu Ermahnungen an die Diplomatie, 1108811 die Gelegenheit zum Zusammenschluß der kontinentalen Mächte 1137371 gegen angelsähstsche Weltherrschafts-Gelüste auszunutzen.
1147811s Paris, 13. April. Nach einer noch unbestätigten Mel- 1192501 dung des Soir ist der hier übende russische Geheim Polizist 1211551 Snukovski in der Lage, anzazebeo, daß Dreiy'us fast täg- 1248491 lich e n Pari ec Spionage-Bureau besucht habe.
Schiffsbericht.
New'Nork, 10. April. Der Dampfer „St. Louis" von der American Linie in Liverpool ist gestern hier eingt- troffen.
Paris, 13. April. Marineminister Lockroy hatte gestern nach zeinr Rückkehr aus Cherbourg mit d.m Admiral Cuver- ville eine Unterredung über deren Ergebnß vollständiges Stillichrreiczen beobachtet wnd.
Paris, 13. April. Die Zahl derjenigen, welche Drey- ful als unschuldig betrachten, nimmt infolge der Enthüllungen _____________________________________________________ ■ deS „Figaro" jeden Tag zu. In höheren Kreisen aber wächst „Freischütz" getauft. Zu gleicher Aeit komponirte Weber für ^ Unruhe uno das Unbehagen in gleichem Maßgabe, denn das erste Aennchen, einem Frl. Eanicke, der die Rolle zu Mit schnck-n fragt man Ztch, zu wessm Gunsten alle diese unbedeutend schien, noch die Romanze des 3. Aktes „Einst 0'alschungen auszesuhn worden stnd. Wenn nicht alle Au- häumte meiner sel'gen Base". Der „Freischütz" zeigt vou An- 1° durfte bald eine neue Bombe platzen in
fang bis zuEade eine wunderbare Gleichmäßigkeit der Konzeption, gestatt der Ank a ze wegen Hoch oerrach oder der wissentlichen nirgends gewahrt man auch nur die leiseste Spur von überreizter ' dettreiligung au einem solchen Wrbrechrn und vieles trifft oder ermüdeter Produktion, jede Note athmet die Empfindung des fenie<« ^ s^l^^ Generalstabschef Boisdeffce.
Herz-ns. Wohl tummelt Weber seine Phantasie auch in stolzeren , ^'^- "^^^ro veröffentticht heute
Gefilden, entführt sie an die Ritterhöfe der Provence, nachdem Nestor Jaejage des G.nerals Gonse sowe die Ausschönen Spanien — ihre eigentliche Heimath aber hat seine verschieden-r anderer Osfiziere ferner einen ^hell der Muse doch im harzigen Duft der deutschen Fichtenwälder, ?-^ ?,^ ^-lteralstabes, welche der Cc air bereits oer- unreim grünen Blätterdache der Buchen, wo Vater Kuno, der vsfmn,chl
brave M^x und der böse Kaspar pürschen und samiel seinen
Rom, 13. April.
Bei der gestrigen Gala-Vorstellung
Ui^li^n Sput 'treibt; im p°t-i-r«»«,4-n Förster,--!-, i» E-gti-n ju Ehren des srmMchm G«w°d--S s-nd-n
in der Dorfschenke, beim Wettschießen, da fühlt er sich zu Hause und da sang er auch seine schönsten Weisen. — Die
stürmische franzo enfreuadlich; Kundgebungen statt.
In den
Zwischenakren der Oper Carmen spielte das Orchester unter
ÄW« w ^Ä" ^ ***; W* 6(8 FEH«» %»M und
gehörte zu den besten Darbietungen seit dem hier begonnenen Loubet d.e Mar eillane. D.e sranzostzchm Datiere ant- Gastspiele. In der „Agathe" debutirte Fräul. Mariette ^wien ^ Am
Die französischen Offiziere ant-
Werther, eine Schülerin des Herrn Gustav Walther aas
Schluffe der Vorstellung konnten sich die Offiziere nur mit
Wien. Ganz prächtig gestaltete Fräul. Hellborn das^^^ den Oomiovea entzieh-v^
„Aennchen" und die" ihr gewordene reizende Blumenip.'nse war sicherlich recht angebracht. Die Herrenrollen befriedigten, wenn auch Herr Thoma als „Mox" stimmlich etwas er-
müdet schien. Der Regie des Herrn Äd. Carlhoff darf die Anerkennung nicht vorenthalten werden, wie auch Herrn Kapellmeister Maas, der mit gewohnter Sicherheit seines AmteS waltete.
Cagliari, 13. April. Gestern Nachmittag machte das italienische Königspaar eine Rundfahrt durch die Stadt in einem offenen Wagen, wobei es überall von der zahlreichen Menge enthusiastisch begrüßt wurde.
Nizza, 13. April. Salisbury ist von seinem Unwohlsein wieder vollständig hergestellt und hielt gestern der Königin einen Vortrag.
Washington, 13. April. Der Marireminister Long hat dem Präsidenten Mac Kinley gestern die letzten Telegramme aus Samoa mitgetheilt. Die Unterredung dauerte J»r denn der Tod nicht Fortdauer? Uebrrgaug auS die- eine halbe Stunde. Mac Kinley war vollständig beruhigt sem Erdenleben in ein anderes, deffen Momente Aeonev über die eingegangenen Meldungen.
Mbnmbtätter
sind?
v. Gersteuberg.