LdonnementS- Preis:
Jährlich 9 M. Mbjährl. 4 ^ 50 ^.
Vierteljährlich
2 M 25 -A
Für auswärtige Wvnnentm mit dem betreffenden
Postaufschlag.
Die einzelne stummer kostet 10
Zugleich G
Amtliches Organ für $faöt~ und LsnSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungs- gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamenrheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Nr. 85.
Mittwoch den 12. April
1899.
Amtliches.
LcrnöKveis ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der Zimmermeister Peter H e ck III. zu Bischofsheim ist mit der kommissarischen Verwaltung des Bürgermeisteramts zu Bischofsheim beauftragt und heute beeidigt worden.
Hanau am 11. April 1899.
Der Königliche Landrath.
A. 1768 v. Sch'enck.
einigen Ackelpferden, meistbietend gegen Baarzahlung verkauft Krieg gegen Spanien begonnen, wenn letzteres über eine ent- werden. sprechende Flotte verfügt hätte. Frankreich hat wegen Fa-
Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder schodas gegen England keinen Krieg erklärt, allein aus dem
weniger geritten. Die zum.Verkauf kommenden gerittenen Grunde, weil England eine mächtige Flotte hat.
Pferde werden am 1. und 2. Mai, von 7 bis 10 vormit- Das deutsche Votk kann in den Verhandlungen über Sa- tags, unter dem Reiter, sowie sämmtliche an denselben Tagen moa der Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten gezen-
von 4 bis 6 Uhr g-zügt.
Listen über die am 23. April zum Ansuchen zugeschickt
nachmittags auf Wunsch an der Hand wärtig leider! nur eine moralische Unterstützung gewähren, | indem es mit dem Ausdruck seiner geregten Entrüstung eben- zur Auktion gelangenden Pferde werden so wenig zurückhält, wie mit dem loyalen Vertrauen auf die Versand rc. fertig gestellt fein und auf Festigkeit und Geschicklichkeit unserer Diplomatie, aber es kann
werden.
doch im Laufe der Jahre auch wirkliche Machtmerkzeuge da-
Unter den Schafin zu Niedermittiau, Kreis Gelnhausen, ist die Räude erloschen.
Hanau am 10. April 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 3402 v. Schenck.
^taöt&rew ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Handelsschule.
Fortbildungskursus sürMädchen.
Der Unterricht in Abtheilung II (Deutsch, Rechnen, Buchführung, Schreiben) beginnt, genügende Betheiligung vorausgesitzt, Freitag den 14. April d. I., nachmittags 4^2 Uhr; in Abtheilung I (Französisch, Englisch) Montag' den 17. April, zu derselben Siunde. Anmeldungen sind schleunigst an den Unterzeichneten zu richten.
Hanau den 12. April 1899.
Der Dirigent der Handelsschule:
Ankel. 5878
Dienstnachnchtcn aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Stück schwarzes Futterzeug. Ein braunes Kinderrädchen. Ein Mitgliedsbuch vom Sanitätsverein Hanau und zwei Mitgliedsbücher von der Kranken-' und Sterbekasse der Metallarbeiter, sämmtlich aus den Namen Karl Bott lautend. Ein Cigarrttenwickler.
Verloren: Ein schwarzes Portemonnaie mit 2,44 M. Inhalt.
Hanau am 12. April 1899.
ÄüktiönsAnzeige.
Mittwoch den 3. Mal ds. Zs., von 9 Uhr vormittags ab, sollen hierseibst ungefähr 80 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten (zum Theil bedeckt), 4jährigen Hengsten, Wollc-chen und Stuten, sowie jüngeren Fohlen und
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen von durch liefern, daß es immer wieder für die Stärkung unserer und zum Bahnhof Trakehnen wird am 1., 2. und 3. Mai Macht zur See eü tritt. Deutschland kann nicht lediglich gesorgt sein. Festlands-Politik treiben; seine politischen und wirthjchasclichen
Trakehnen den 27. März 1899. ! Interessen ziehen es Hinaus, und die Weltlage legt ihm die
Der Landstallmeister. i Pflicht auf, sich neuen Aufgaben zu widmen. Dazu bedarf
vonOettingen. ses einer starken Flotte, die sich nicht auf die Vertheidigung
.-^^»»»^^.^^ag^^ —- , der heimischere Küsten und Meere zu beschränken braucht, son-
Idern die imstande ist, die deutschen Interessen und das An- _ m t . . . ’ sehen des deutschen Namens, wo immer in der Welt es nö-
Das Vorgehen ^der Engländer und der Amerikaner gegen ${ m in Krieg und Frieden mit Erfolg zu wahren. Das die Deuttchen auf Damoa hat in allen uctt-onalen Kreisen be- Nische Volk würde sich selbst aufgeben, wenn es tuest große rechtigte Entrüstung erregt. Wenn wir auch ru der bewahrten Wahrheit verkennte. „Unsere Zukunft liegt auf dem Woffer !" Leitung unserer auswarttgm Politk das vertrauen haben, c^ ^c|em Kaiser wart ist die Lehre aus dem Zwischenfoll bei daß sie in der Samoasrage die deutschen Interessen m jeder £amoa enthalten Hinsicht wahren wird, so dürfen wir doch d e Lehre nicht vergessen, die in j-nen Ereignissen beschlossen ist. Woran liegt es denn, daß sich Englan) hat herausnehmen können, ’
uns in einer so schroffen Weise entgegenzutretin? Nur daran, daß die Engländer eine große Flotte haben und wir nicht! Der Macht seiner . Kriegsschiffe bewußt, pocht England aus sein Uebergewicht zur See. Wie ganz anders würden wir bei den Samoa-Wirren dagestanden haben, wenn wir uns ebenfalls aas eine starke Marine hätten stützen können! Die Kriegsflotte ist eben die reale Macht, die in überseeischen Fragen hinter einem Lande steht; sie ist sein Werkzeug, seinen Willen in dir That umzufetzen.
Eine Großmacht wird in den Beziehungen der Völker zu einander nach der Kraft geachtet, die sie einsetzen kann. Ohne unser Heer wür e alle staatsmännische Kunst nicht Deutschlands Stellung in Europa geschaffen haben, ohne eine starke
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 11. April.)
Präsident Graf Ballestrem begrüßt die anwesenden Kollegen und hofft, daß auch Diejenigen sich bald einfinden werden, welche noch nicht hier stuv. Wir haben große umfangreiche legislatorische Arbeiten vor uns, sodrß wir unsere ganze Kraft aufwenden müssen, um ihnen in absehbarer Zeit gereckt zu werden. (Beifall.) Der Präsident theilt sodann die Antwort des Reichskanzlers auf die Geburtstagsglückwünsche des Reichstags mit. Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen für 1897/98 wird dibattlos in zweiter Berathung angenommen. Bei rer Berathung des Gesetzentwurfs betreffend das Flaggenrecht der Kauffahrteischiffe wünscht Abg. Basermann (nat. lib.) Kommissionsberathuvg, besonders
Flotte kann selbst die geschickteste Diplomatie das Ansehen und
die Interessen des Reiches im Auslande auf die Dauer nicht darüber, ob und wie weit auch Ausländer als Eigenthümer schützen und fördern. Dank seinem Heere steht Deutschland von Kauffahrteischiffen zuzulassen seien, welche die deutsche als Landmacht unerreicht da. Nur unser starkes Heer hat Flagge führen. Redner schlägt eine 21gliebttge Kommission
die Franzosen bisher daran gehindert, uns zu überfallen, nur vor. Abg. Fr ese (fr.' Vgg.) schließt sich dem Anträge des unser Heer hat uns den Frieden erhalten. Zur See dagegen Vorredners an und wünscht Beseitigung einiger kleinen Un- fehlen uns die nöthigen Machtmittel. Auch eine starke Kriegs- ebenhei en des Entwurfs. Hierauf wird der Antrag an eine flotte ist in erster Linie nicht bestimmt, Kriege zu führen, son- 14gl:edrige Kommission verwiesen. Sodann werden ohne erden: dazu, sie zu verhindern. Amerika hätte niemals den Heblicke Debatte die Beichte der Tahtprüfu gs Kommission
FsNrAsts«.
Japail's Rafael.
Eine Skizze zum 50. Todrstage, Hokusta's 12. April. Von Theodor Lamprecht.
(Nachdruu. verboten»)
Zweimal ist Japans Kunst mit der unsrigen in bedeutsame Berührung getreten. Zunächst im 18. Jahrhuncert, als die japanischen Porzellan- und Lackarbeiten zuerst nach Europa gelangten und hier den Geschmack so wesentlich beem- flußten, daß er den Stil Ludwigs XIV. ablosende ^oms XV.- Stil die deutlichen Spuren davon trägt. Die Zweite, wichtigere Berührung fand in unserem Jahrhundert statt. Seit der Weltausstellung von 1867 lernten wir die Manische Kunst in ihrem ganzen Umfange kennen, und zuerst in den Kreisen der Liebhaber und in den Ateliers der Künstleri bildete sich ein zunehmendes Verständniß, entstand eine wachsende Begeisterung für sie, die allmählich weiter und weiter hrnau-- drang. Der Japanismus wurde ein wichtiger Faktor m unserer Kunst, ein mächtiger Anreger für unsere Künstler un es ist speziell unsere neue Landschaftsmalerei und die woderne dekorative Kunst ohne den Blick auf Japans verstehen. Daß in der Verwerthung des Vorbildes Mrßgrlste begangen worden sind, ist nicht zu leugnen; wer aber nie künstlerische Beeinflussung durch Japan von vornhererin als eine ethnographische lächerliche Mode verurtheilen will, der Übersicht, daß das Kulturtheater sich ungeheuer erweitert hat. Was für den Kölner Künstler des Mittelalters das ferne Italien war, das darf — rein räumlich genommen — für den heutigen Künstler recht wohl das Land der ausgehenden Sonne sein.
Seil dir Forschung sich mit der japanischen Kunst beschäftigt hat, sind ihre führenden Persönlichkeiten nacheinander lebendig erkannt worden. Das größere Publikum aber pflegt nur einen japanischen Künstlernamen zu kennen; den Hoku- sar's. Die neueren Kenner billigen freilich Hokusai nicht die Stellung zu, die ihm zuerst eingeräumt wurde. Bei der geringen Vertrautheit mit der japanischen Kunst aber, die im Allgemeinen bei uns noch herrscht, dürfen wir hier über diese feineren Meinungsunterschiede hinwegsehen und aus Hokusai als einen Typus und Höhrpunkt der japanischen Kunst, als „Japans Rafael" vergegenwärtigen. Um aber seine Stellung zu verstehen, wird zunächst eine kurze Skizze der Entwickelung der japanischen Malerei erforderlich sein.
Die Kunst der Maleret ist in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitiechnung aus China nach Japan gebracht worden. Sehr merkwürdig ist der Parellelismus tdreS Entwickelungsganges mit dem unserer europäischen Maleret. Sie hat zuerst entsprechend unserem byzantischen Stile eine hieratische Periode gehabt, in der die Kunstwerke einen feierlich strengen Charakter von archaistischer Großartigkeit trugen. Dieser Stil feierte noch im 15. Jahrhundert eine Nachblüthe in den Wirken Cho-Densus, den man mit Fra Angelico verglichen hat. Das 15. Jahrhundert brächte auch für Japan eine Renaissarce, in dem die Kunst sich von dem Gängelbande der einseitig kirchlichen und religiösen Beziehungen befreite und sich das Gebiet der profanen Darstellung eroberte. Diese blühte in zwei Schulen. Während die Tosa-Schule für die Japaner besonders durch ihre nationalen Stoffe Werth hat, erblickte die Kano-Schule ihr Ideal in China, der Mutter der Kunst; sie behandelte mit Vorliebe chinesische Motive, bearbeitete sie aber ganz in nationalem Stile, das Chinesische war wie ein Ideal, das über Allem schwebte, und so entstand eine Art romantischer Kunst. Zugleich aber bildete diese Schule die Kunst nach allen Seiten hin weiter aus; eS ent-
wickette sich die Thier- und Pflanzenstudie, in der die Japaner so Hervorragendes geleistet haben; die Landschaft wurde (etwa gleichzeitig wie bei uns in Hollano) selbstständig, doch bet Allem blieb der an China sich anlehnende ideale Stil stets der allein maßgebende, er allein vertrat die „große Kunst."
Doch war es denn Hukosai, der den Bann dieser „großen Kunst" durchbrach und als ein kecker Realist mitten in's volle Menschenleben hineiugriff. Es war, wie wir sagen würden ein moderner Mensch, und Esp'.it und Laune ersetzten bei ihm die erhabene Größe der alten Meister. Darum eb-n stellen ihn jetzt die Kenner der japanischen Kunst tiefer, darum aber ist er auch uns am Ehesten verständlich. Urbrigens hatte er unter seiner Abkehr der großen Kunst zu leiden; seine Landsleute, deren Jseal in der älteren Kunst erfüllt war, haben ihn nicht für voll genommen, haben seine Blätter nur ungern gekauft und schlecht bezahlt. Nun darf man sich indeß keineswegs vorstellen, daß Hokustas Werk als etwas ganz Unerhörtes und Ketzerisches aus dem Rahmen der japanischen Kunst heraus fiele. Ni'gends ist die Tradition so mächtig, als gerade in Japans Kunst; was der Schüler vom Lehrer übernimmt, das hält er mit pietätvollem Eifer fest; es scheint selbst, daß manche charakteristische Fehler der jg- panffchen Kunst zum Theil auf diese Forterbung von einem Geschlecht zum anderen zurückgehen. Wir werden also Hokusai zunächst als ein Kind dieser Tradition in seinen Mängeln wie in seinen Vorzügen zu betrachten haben.
Unter den Mängeln fällt die Unvollkommenheit der Anatomie selbst dem oberflächlichen Betrachter auf. Merkwürdig, wie manchmal durch einen Federzug der Gliederbau und das Muskelspiel verblüffend wahr charakteristrt sind, während man doch wieder Füße von unmöglicher Konstruktion, unwahres Spiel der Hände und fehlerhaften Ansatz des Halses oft genug beobachten kann. Dieser Mangel gehört ebenso wie der oft besprochene der Perspektive