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Amtliches Organ für $taöt~ und Lanökreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 82
Samstag den 8. April
1899.
Amtliches.
Städtische Oderrealschule.
I. Aufnahmeprüfung: Montag den 10. April, vorm. 8 Uhr.
II. Beginn des Unterrichts: Dienstag den 11. April, vorm.
8 Uhr.
III. Ausnahme der für die 3. Klaffe der Vorschule angcmel- deten Schüler: Dienstag den 11. April, vorm. 9 Uhr.
Hanau, 6. April 1899.
Der Direkior der Oberrealschule Dr. Schmidt.
5592
Schulnachricht
Hstzeve Mädeheirf^hrtle
Verloren: In Wilhelmsbad am 2. Osterfeiertag eine der Hat er Hermann Klein bei seiner Verhaftung hierselbst Brillantnadel im Werthe von 300 Mk., sowie ein goldener auf her Niedergasse erschossen hat.
Armreif mit drei kleinen Blättchen. Eine Photogrsphie.
Ein kleines Fedirmesser. Ein silbernes K ttenarmband.
Zugelaufen: Ein weißer Hund mit schwarzen Abzeichen.
Hanau am 8. April 1899.
Politische und Unpolitische Nachrichten.
(Depesch en-Bureau „Herold ).
Berlin, 7. April. Wie aus London berichtet wird, hat nach einer daselbst eirgelcusinen Meldung aus Peking der Gouverneur von Kiautichou Befehl zur Einäscherung zweier Dörfer gegeben, die in der Nähe der Stelle liegen, wo die
Brunn, 7. April. Die Spinnfabrik von Himmelreich und Zwicker ist total niedergebrannt. Der Schaden wird auf 300,000 Gulden geschätzt.
Prag, 7. April. Im Landtage hielt der kürzlich zum Obersanitätsrath im Ministerium des Innern ernannte Abgeordnete Dr. Dworak eine Rede, in welcher er erklärte, daß der Dreibund von schädlichem Einfluß auf die politische Entwickelung Oesterreichs sei. Das Deutsche Reich arbeite auf eine Jsolirung und wirthschaftliche Unterjochung Oesterreichs hin.
Paris, 7. April. Aurore verzeichnet unter Reserve das Gerücht, daß gestern Abend die Meldung von der Dienstentlassung des Generals Roget in politischen und militärischen Kreisen cursirte. Die Haltung Rogets am Begräbnißtage Fauns soll Anlaß zu dieser Maßregel gegeben haben.
y - -------- -^---f - -----1 deutsche Marine-Patrouille angegriffen worden ist. Diese
Das neue Schuljahr beginnt Dienstag den 11. d. Mts.: Maßregel werde als willkürlich und überflüssig angesehen und' um 8, für die Schülerinnen der Klasse IX (1. Schuljahr)! von der deutschen Gesandtschaft, die gestern vom Tsuvg li * ^——, •• -r— —.....-□- o-o....... u-d— —
um 9 Uhr vorm. ! Damen einen bejche denen Protest gegen das beabsichtigte Vor- °n erster Stelle der morgen beim Schwurgericht zu verha
Die Aufnahmeprüfung neu eintretender Schülerinnen gehen des Gouverneurs erhalten habe, schwerlich gebilligt delnden Angelegenheiten. Vertheidiger des Figaro ist der Au- - - - - - werden. Wie die Berliner Neuesten Nachrichten schreiben, ist s walt Jachoul. Das Gericht hat beschlossen, auch den Leiter
an hiesiger unterrichteter Stelle bisher keine Bestätigung dieser ^ es Figaro zu verfolgen. Nachricht eingezangen. I P^>s, 7. April.
Berlin, 7. April. Wie der Vossischen Zeitung aus Metz Regierung mitgetheilt, daß er sie gleich nach dim Zusammengeschrieben wird, wird daselbst die Ankunft des Kaisers mmh. s tritt der Kammer interpelliren werde über die Ausweisung mählich am 10. Juni erfclgen.
Konsistorium hat cn den Kaiser die Bitte gerichtet, der Grund-! Poris, 7. April.
ste nlegung der neuen Stadtküche beiwohren zu wollen. Eine Offizier, welcher als Geschworener im Dreyfus-Prozeß 1894 diesbezügliche Zusage ist bis jetzt noch nicht erfolgt. i theilgenommen habe, einen Brief an den Kriegsminister ge- Berlin, 7. April. Die Meldung bezüglich einer neuen i richtet hatte, um von ihm die Erlaubniß tinzuholen, sich vor Uniform sür die Feldartillerie entbehrt der Kreuzzeitung zu- dem Cassationshofe über die Umstände zu erklären, unter folge der Begründung. welcher das Urtheil im Dreyfus-Prozeß gefällt worden ist.
Berlin 7. Aprl. Vor der 7. Strafkammer des Land-' Rom, 7. April. Mehrere Freunde Panizzardis, der geriete I begann heute die Verhandlung in der bekannten früher Militär-Attache in Paris war, versichern, Panizzardi Strafsache Schachtel u. Gen. Avgeklaat sind der Makler habe ihnen mitgetheilt, daß, nachdem Frankreich sein soge- Henry Schachtel, der Stallmeister Herbert Dietel und der vanntes Petit bleu-Telegramm an Oberst Schwatzkoppen miß- Leutnant Graf von und zu Egloffstein. Es handelt sich um verstanden und infolgedessen falsch übersetzt habe, er durch
verwickelte Geldgeschichten, bei reuen die Angek agten in ver- s Vermittelung des italienischen Gesandten die französische Re-
i schie tuen Rollen betheiligt sind. Die Anklage lauter auf g«rung hierauf aufmerksam gemacht habe, seine Erklärung sei
Untreue und Unterschlagung sowie auf Anstiftung und Bei- ober von dem französitchen Minister des Buswärtwen nicht
~ j beantwortet worden. Panizzardi versicherte wiederholt, daß
Paris, 7. April. Die Klage gegen den Figaro steht
n-
findet Montag den 10. d Mls., vorm. 10 Uhr, statt. Hanau den 8. April 1899.
Der Direktor
Bungenstab.
5688;
Bekanntmachung.
Das dem Althanauer Hospital gehörige, in der Gemarkung Hanau belegene Grundstück Karte U Nr. 142/70, 30 ar 78,7 qm groß, stößt auf das große Rohr, soll am
Freitag den 28. April d. Js., vormittags 11 Uhr,
im unteren Saale des Rathhauies zu Hanau öffentlich meistbietend verkauft werden. Die Ertheilung des Zuschlags bleibt Vorbehalten.
Hanau den 5. April 1899.
Der Hospitalrath.
5603
Der Abgeordnete Perivier hat der
Das dortige evangelische des Exministers Charbonelle ans Belgien. m “,a " “ Der Rappel versichert, daß ein
Dicnstnalhrichtcn aus dem Kreise
Gefunden: Ein weißes Taschentuch mt Monogramm!Hilfe zum Betrüge. .beantwortet worden. Panizzardi versicherte wiederholt, daß
J. H. Ein Herrenregenschirm, au? der städtischen Sparkasse j Berlin, 7. Apiil. Die Meldung englischer Blätter, er keine Beziehungen zu Dreyfus gehabt habe.
stehen geblieben. Ein Geldstück. Ein Schild mit der Be- daß die aus Anlaß der afrikanischen Nord-Südbahn geführten j Madrid, 7. April. Die Wahlvereinigung der Korliste« Zeichnung „Tabak und Cigarren". Ein Rastrpinsel. Eine s Verhandlungen, die von Cecil Rsodes eingeleitet wurden, und der katholischen Partei, wie sie in der Provinz Gvi- rothe Bisitentasche, aus dcm^Wege von Wilhelmsbad nach dem ihi em Abschluß nahe stier, ist, wie die National-Zeitung von puzcoa besteht, soll, wie es heißt, kurz davor stehen, auch in Bahnhof, enthaltend Visitenkarten ic., lautend aus den Namen unterrichteter Seite e>fährt, verfrüht. Richtig sei, daß die anderen Provinzen festen Fuß zu fassen. Es sind daher Benjamin Rosenberg. Eine CpannÜtte und eine Zugkette, s Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen. neurliche Vorsichtsmaßregeln in den Nordproninzen getroffen
Einige Stücke weißes Band. Eine schwarze Schleife mit s Breslchtt, 7. April. Der Bree lauer General-Anzeiger und die militärischen Manöver bei einigen Truppenkörpern rother Verzierung und Sicherheitsnadel. meldet, daß sich der Mördir der Näherin Martba Nagel, wieder ausgenommen worden.
Fs«illetsn
Japanische Ringkämpfer.
Eine Skizze aus dem Sportleben des fernen Ostens.
(Nachdruck »erboten.)
Japan kann als das Liliput der Natur und der Kunst bezeichnet werden. Alles ist dort klein, niedlich, reizend; es ist ein Miniaturland. Selbst die Menschen sind hier von einer Statur, die hinter dem Durchschnitte der menschlichen Rasse zurückbleibt. Aber zwei Ausnahmen von dieser Regel gibt es: die kolossale Statue des Buddha zu Nara, die Daibutsu genannt wird, und die schrecklichen Ringkämpfer, die man mit dem Namen Suwo bezeichnet. Die Japaner sind auf diese von ihnen so verschiedenen Ungeheuer sehr stolz, und aus dieser Bewunderung für die Ringkämpfer ist zwelsel- los jene Liebe zum Ringkampse im Lande des Mikado entstanden, die zu den schwachen Gliedern seiner Bewohner
^^^Nun muß maVaber bei den japanischen Ringkämpfern nicht an ihre europäischen Kollegen denken. Bei bieten 00 wie man wohl sagen darf, ohne ihnen zu nahe zu treten, die Entwickelung des Gehirns hinter der der Muskeln zurückgeblieben. Uebrigens scheint es auch im grauen Alterthume nicht anders gewesen zu sein, dessen mythologische und beroesche Athleten, den einzigen Herkules ausgenommen, sich als recht mittelmäßige Denker darstellen. Ganz anders steht es m Japan. Die Ringkämpfer sind, wie die Geisha's, Wesen der Freude und Heiterkeit. Sie sind temperamentvolle Erzähler, brave Leute, sanft, wie die Tapferen gewöhnlich, im höchs ten Grade amüsant und bilden das Entzücken der Geselljchasten, zu denen sie eingeladen sind.
Merkwürdig ist es, daß die Ringkämpfer in Japan das lltzte Asyl der konfervatieen Ideen sind. Noch tragen sie auf ihren Köpfen die alle Mage-Frisur, die sonst schon seit lange allgemein ausgegeben ist. Die Regeln und Gesetze ihrer Gilde sind seit undenklicher Zeit unverändert geblieben, trotz des Neuerungs- und Umsturzfiebers, dessen Beute das gegenwärtige Japan ist. Nicht daß sie sich mehr als Andere gegen die europäische Zivilifation abschlossen, deren Wohlthaten sie ebenso wie all' ihre anderen Landsleute würdigen. Aber was ihre Profession anlangt, so verharren sie in einer unangreifbaren Orthodoxie. Uebrigens nimmt ja ihr Gewerbe an den Fortschritten der Künste und Wissenschaften auch nicht Theil. Im Gegentheile können sich die japanischen Ringkämpfer von heut nicht mit ihren Kameraden von einst messen, da sie unter ungünstigeren Bedingungen leben. Denn jene waren von den Daimio's fest angestellt und beschäftigt, während sich heutzutage bei den Ringkämpfern ihr berufsmäßiger Kampf mit dem oft recht harten Kampfe ums Leben vereinigt.
Feierlicher Trommelschlag ertönt zu Tokio am Thurme Dakoin nahe der Brücke Riogoku. Seit der Morgendämmerung machen die Tambours hier ihre Musik, und sie fahren damit fort, bis das Schauspiel des Tages sein Ende erreicht hat. Sofort lassen die Liebhaber des Ringkampfes nicht nur ihren Schlaf, nein, auch ihr Frühstück im Stiche, um nur ja zeitig genug zu kommen und sich einen guten Platz zu sichern. Die Trommelwirbel sind aber nicht der Laune des Tambours anheimgestellt. Vielmehr gibt es dafür einen orthodoxen, durch eine Praxis von Jahrhunderten geheiligten Rhythmus. Während der Saison ertönt in den Straßen der Stadt allabendlich die Trommel, um die Kämpfe des nächsten TageS anzukündigen.
Um keinen Preis würde ein Amateur die Homba Sum» versäumen, — die feierlichen Veranstaltungen, die zweimal im Jahre, im Mai und im Nooember, im Tempel Dakoin, nahe
Die hetttige Nummer umfaßt außer dem Nuterhaltungshlatt 14 Setteu.
der Brücke Riogoku, stattfinten. Nirgends aus der Erde findet man wohl etwas ähnliches. Darin liegt insofern nichts Ueberraschendes, als der Rang eines Ringers in der ^tandes- Hierarchie davon abhängt, wie er sich hier beträgt. Der Erfolg oder die Niederlage an diesen großen Tagen entscheiden sein Geschick; daher thut natürlich jeder das Unmögliche, um zu triumphiren. Da zwei Vorstellungen im Jahre, jede von zehn Tagen, nicht genügen würden, um diesen Künstlern für den Rest des Jahres Lebensunterhalt zu verschaffen, so theilen sie sich nach ihrer Beendigung in Gruppen, die dann Vorstellungen in der Provinz v.ranstalten. Aber da kann sich ein Ringkämpfer ruhig schlagen lassen; das schadet seiner Reputation nicht im Geringsten.
Zur Zeit der großen Veranstaltungen bietet die Brücke Riogoku ein unbeschreibliches Schauspiel. Ein Menschenstrom rollt zum Thurme Dakoin, und auf allen Gesichtern kann man die Furcht lesen, daß der Favoritkämpfer heut etwa eine Niederlage erleiden könne. Nach Ueberschreitung der Brücke werden die Augen geblendet von den glänzenden Farben der Banner, auf denen die Namen der Kämpfer stehen, — wahrscheinlich Geschenke ihrer Patrone. Im Theater selbst über- steigt der Lärm und die Verwirrung alles Maß. Eine riesige Menxe strömt nach Bezahlung deS Eintritts durch das Gitter und sieht sich nun auf einem weiten Felde, in deren Mitte sich die Arena befindet, während sich auf allen Seiten amphi- theatralische Sitzreihen erheben. Kein Dach schützt die Kämpfer und die Zuschauer, woraus es sich erklärt, warum die Kämpfe nie währmd der Regenzeit stattfinden. Die Bänke sind mit Kissm versehen, deren Härte sprichwörtlich ist; die Zuschauer müssen also die Begeisterung weit treiben, um einen ganzen Tag auf diesen wenig bequemen Sitzen zuzabringen.
Die Arena — Dohyo genannt — ist von kreisrunder Form und hat einen Durchmesser von 14—15 Fuß; an