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für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum,, für Auswärts 15 ^.

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Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für 9taöt- unö LsnöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

«r. 79

Mittwoch den 5. April

1899.

Amtliches.

St«ötKvois Äanau.

Bekknntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Städtische Handelsschule.

Die Anmeldungen für das Schuljahr 1899/1900 werden Montag den 10. April 1899, um 12 Uhr mittags, im 1. Stock des Gebäudes der Gewerblichen Fort- bildungsschnle, Erbsengoffe 1, entgegengenommen. Ge­burtsschein und letztes Schulzeugnitz sind vorzulegen.

Hanau den 1. April 1899.

Der Dirigent der Handelsschule:

Dr. Ankel.

Auszug aus dem Ortsstatut, betreffend die Handelsschule in Hanau.

§ 1. Alle im Gemeindebezirk der Stadt Hanau beschäf­tigten Gehülfen und Lehrlinge in Handelsgeschäften, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind verpflichtet, die Handelsschule an den festgesetzten Tagen und Stunden zu besuchen.

§ 2. Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind alle diejenigen Lehrlinge und Gehülfen in Handelsgeschäften, die den Besitz des Berechtigungs-Zeugnisses zum Einjährig- Frieiwilligendienst nachweisen.

§ 3. Die zum Besuche der Handelsschule verpflichteten kaufmännischen Gehülfen und Lehrlinge müssen sich mit Be­ginn ihrer Schulvflicht bei dem Dirigenten der Anstalt per­sönlich anmelden und zu den für sie bestimmten Unter­richtsstunden rechtzeitig einfinden.

§ 5. Die Inhaber von Handelsgeschäften haben jeden von ihnen beschäftigten, noch nicht 18 Jahre alten Gehülfen und Lehrling fpätcstens am 6. Tage, nachdem sie ihn kontraktlich oder probeweise angenommen haben, zum Eintritt in die Handelsschule unter genauer Angabe des Namens, des Jahres und Tages der Geburt desselben, sowie des Namens, Berufs und Wohnorts der Eltern, bezw. des Vormundes des jungen Mannes bei der Ortsbehörde (Städtisches Meldeamt) anzumelden und spätestens am 3. Tage, nachdem sie ihn aus irgend welchem Grunde aus der Beschäftigung entlassen haben, daselbst wieder abztimelden.

Fortbildungskursus für Mädchen.

Die Anmeldungen für das Schuljahr 1899/1900 werden Dienstag den 11. April 1899, um 5 Uhr noch- mittags, im 1. Stock des Gebäudes der Höheren Mäd­chenschule, Steinheimerstraße 37, entgegengenommen.

Der Unterricht in Abtheilung II erstreckt sich auf Deutsch, Rechnen, Buchführung und Schreiben und findet Dienstags und Freitags, nachmittags von 41/2-61/2 Uhr, statt. *

Der Unterricht in Abtheilung I umfaßt je 2 Stunden Französisch und Englisch und findet Montags und Donnerstags, nachmittags von 41/sßVi Uhr, statt.

Hanau den 1. April 1899.

Der Dirigent der Handelsschule:

Dr. Ankel. 5411

Dicustuachrichtcu aus dem Kreise.

Gefunden: Ein weißer Zwirnhandschuh (rechter). Ein Buch, der Hausfreund aus dem Lande.

Verloren: Ein goldener Kneifer.

Hanau am 5. April 1899.

Freitag den 7. April d. Js., nachmittags von 12^2 Uhr ab, sollen auf dem Königlichen Hauptgestut zu Beberbeck bei Hofgeismar

ca. 4 ältere und jüngere Mutterstuten und

ca. 29 vierjährige Wallachen und Stuten öffentlich und meistbietend unter den im Termine bekannt zu machenden Bedingungen verkauft werden.

Sämmtliche Pferde sind angeritten oder gefahren vnd werden am Tcge der Auktion vormittags lO1/* Uhr unter dem Reiter gezeigt. .

Vormittags 10 Uhr werden am Bahnhof Hofgeismar Gestütwogen zur Beförderung der mit der Bahn aukommenden Fremden nach Beberbeck bereit stehen.

Anmeldungen zur Benrtzung tiefer Wagen werden recht­zeitig durch die Post erbeten.

Gedruckte Nationallisten der zum Verkauf kommenden Pferde können vom 25. März d. Js. ab hierselbst in Em­pfang genommen werden oder zur Versendung gelangen.

Beberbeck den 14. März 1899.

Königliche Gestüte-Direktion.

Politische und ««politische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold".)

Berlin, 4. April. Der Vorschlag der deutschen Re­gierung, eine englisch-amerikanisch-deutsche Kommission mit der Untersuchung der Verhältnisse auf Samoa zu betrauen, ist von Seiten der Regierung der Vereinigten Staaten unver­züglich angenommen worden.

Berlin, 4. April. DerPost" zufolge ist vom Londoner Kabinet noch keine definitive Zustimmung zu dem von Deutschland gemachten Vorschläge, zur Regelung der Samoanischen Streiifrage eine Kommission einzusetzen, einge- gangen.

Berlin, 4. April. Wie derLokalanzeiger" berichtet, ist der Koffer seit Charfreitag von leichtem Unwohlsein be­fallen. Ein sogenannter Hexenschuß zwang ihn, während der Feiertage das Zimmer zu hüten und zeitweise auch das Bett. Das Befinden des Kaisers hat sich jetzt so weit gebessert, daß er heute Vormittag Vorträge entgegen nehmen konnte. Die Theilnahme an der Taufe beim württember zischen Ge­sandten mußte jedoch noch abgesagt werden.

Berlin, 4. April. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung deS Finarzdirektors beim Gouvernement für Deutsch-Ostafrika, von Bcnnizsm zum Gouverneur von Deutsch-Neu Guineas.

Berlin, 4. April. Die Uebersiedelung des Kaiserpaares nach dem neuen Palais zu Potsdam, welches mehrfachen baulichen Veränderungen unterworfen worden, soll am 23. April erfolgen.

Berlin, 4. April. Der Kaiser hat, wie diePost" hört, nunmehr die Ordre vollzogen, durch welche der General­major z. D. Freiherr von Bvddenbrock an Stelle des Ende vorigen Jahres zurückgetretenen Herrn von Senden zum Vor­stand des Hofstaates der Prinzessin Louise von Preußen in Wiesbaden ernannt worden ist.

Berlin, 4. April. Der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums, Finanzmivtster Dr. Miguel hatte am zweiten Osterfeiertag tem geheimen Oberjustizrath Dr. Blarcq, dem Mitarbeiter am bürgerlichen Gesetzbuch in Göttingen einen Besuch abgestattet und mir diesem über die Ausführungs- gesetze zum bürgerlichen Gesetzbuch, welche theils dem Land­tage schon zugegangen sind, theils noch zugehen sollen, Rück­sprache genommen. Der Minister ist heute von dieser Reise wieder in Berlin eingetroffen.

Berlin, 4. April. Der Geheime Regierungsrath Jvtze, Professor an der technischen Hochschule zu Aachen, hat sich auf einige Wochen in das Gebiet der pontinischen Sümpfe be- geben. DieBerliner Neuesten Nachrichten" bringen diese Reise mit den Verhandlungen in Zusammenhang, welche im November v. I. in Rom mit der italienischen Regierurz ge­führt worden sind.

Wien, 4. April. Die türkische Botschaft dementirt die Meldung über einen Zusammenstoß zwischen bulgarischen und türkischen Truppen bet Kizil-Agatsch.

Lemberg, 4. April. Hier fand ein Rencontre zwischen einem Generalstabs-Offizier R. und einem Ingenieur M. statt. Letzterer wurde durch einen Säbelhieb über den Kopf schwer verwundet.

Rom, 4» April. Der Popst hatte gestern einen längeren Ohnmachlsaufall.

Areo, 4. April. Der Erzherzog Einst ist heute Nacht 128/* Uhr gestorben.

Paris, 4. April. Aus den Enthüllungen desFigaro" ist besonders hervorzuheben die Erklärung Poincarös, wonach General Billot an Eidesstatt gesagt habe, er sei von der Schuld Dreysus überzeugt, sei aber keineswegs überrascht, wenn auch Esterhazy ebenfalls ein Verräther und wenn außer Esterhazy und Dreysus noch ein Dritter schuldig wäre. Die Aussagen Develles bieten insofern Interesse, als derselbe erklärte, daß nach seiner Ansicht nicht nur Dreysus durch den Buchstaben D. des Schriftstücks die Canaille gemeint sei, sondern zwei französische Offiziere durch den Buchstaben D. verdächtig seien. Weiter hatte General Billot gesagt, die Schuld DreyfuS sei durch die Schriftstücke zwischen Panizzardt und Schwartzkoppen festgestellt, da in einem dieser Briefe der Name Erfind ganz geblieben sei. General Billot habe erklärt: Zweifeln Sie nicht an der Schuld DreyfuS, wir brauchten mehr alS einen Monat, um diese Schriftstücke, welche das geheime Dossier bildeten, zusammenzustellen.

Mein Nachfolger wird Sie innerhalb zwei Stunden von der Schuld Dreysus überzeugen. Auch glaube ich, daß Esterhazy ebenfalls schuldig ist. Bon hohem Jutereffe war das Verhör Rogets. Der General erklärte, in dem Dossier des Kriegs­ministeriums befinde sich ein Schriftstück vom Jahre 1895, worin der Name Dreysus genannt wird. General Roget gab weiter seiner Ueberzeugung von der Schuld Dreysus Ausdruck nach den Aussagen, welche Dreyms selber gemacht habe. Wie ein Schuldiger habe auch Dreysus sich geweigert, eine Aufklärung zu geben.

Sofia, 4. April. Der Finanzvertrag zwischen Bulgarien und einer bekannten Finanzgruppe wurde gestern unter­zeichnet.

Die Schiffskatastrophen im Aermelkanal.

Der dichte Nebel, welcher in den letzten Tagen und Nächten aus den ohnedies so gefährlichen Gewässern des Kanal« zwischen England und Frankreich lagerte, hat mehrere schwere Schiffsunfälle herbeigeführt. Zahlreiche Menschen­leben hat die Strandung des englischen VergnügungsdampferS Stella" auf den Felsen der Kanalinseln gefordert; von dem deutschen DampferPontos", der infolge einer Kollision bei Hastings sank, sind glücklicherweise die Mannschaften und Passagiere sämmtlich gerettet worden. Zu dem

Untergänge derStelln"

liegen weitere Nachrichten vor:

Southampton, 1. April. Gerettete Passagiere und Beamten erzählen folgende Einzelheiten über den Untergang derStella"; Dieser Dampfer machte Donnerstag um halb zwölf Uhr vormittags seine erste Tagesfahrt nach den Kanal- mscln mit ungefähr 200 Passagieren und Mannschaften. Sonst fahren die Dampfer Mitternachts von Southampton ab. Vor drei Uhr fuhr dieStella" in eine dichte Nebel­schicht hinein, ohne b:e Fahrgeschwindigkeit von 20 Knoten stündlich zu vermindern, vermuthlich, weil der scharfe Wett­bewerb mit den von Weymouth abführenden Dampfern der West bahn keine Verzögerung erlaubte. Der Kurs derStella" lag westlich von der Aldernky-Jusel durch die Meerenge Swinge; aber infolge des Nebels hatte Kapitän Geakes die Richtung oetToren und fuhr gerade auf die 8 englische Meilen weiter westlich gelegenen Caequetsfelsen los, wo ein Leucht- thurm mit Drehlicht 15 Meilen weit die gefahrvolle Insel­gruppe anzeigt. Der Kapitän Geakes hörte das Nebelsignal des Leuchtthurms. Als er nach vier Uhr auf den Felsen aufrannte, gab er sofort Befehl, alle Boote klar zu machen und die Frauen und Kinder zu retten. Vier Rettungsboote waren abgestoßen, als das Schiff, dessen Verdeck unter Wasser war, entzwei brach, ein fünftes beladenes Rettungsboot mit sich ziehend. Der Kapitän befahl:Rette sich, wer kann." DieStella" verschwand mit dem Heck voran in der Tiefe. Bis zuletzt blieb die Mannszucht musterhaft. Die Stewards vertheilten Schwimmgürtel an alle Paffagiere; die Stewardeß gab ihren eigenen Schwimmgürtel einem darum bittenden Mädchen und ertrank. Die ganze Nacht hindurch ruderten die vier Boote. Gegen sieben Uhr morgens erschienen zwei Dampfer auf dem Schauplatze.Lynx", von Weymouth kommend, fischte zwei Boote mit 38 Personen, zumeist Frauen, auf und brächte sie nach Guernfey in ganz er­schöpftem Zustande.Vera" von Southampton fischte zwei andere Boote mit 57 Männern und Frauen auf und fuhr mit de» Geretteten nach Jersey. Gestern Nicht hat der DampferFrederica" drei Männer aus Jersey nach Sout­hampton zurückgebracht. Darunter ist einer, namens Heil­bronn, der Braut und Schwester verloren hat. Ein anderer, namenS King, gab eine ergreifende Schilderung der Szenen auf derStella", die zehn Minuten nach dem Aufrennen unter gewaltiger Explosion des Dampfkessels mit dem Kapitän auf der Kommandobrücke, dem ersten Osfizier, dem ersten Maschinisten, sowie vielen Passagieren und Mannschaften ver­sank. DaS fünfte Boot enthielt 30 Personen, wovon 14 sich beim Umkippen an den Kiel anklammerten, unter großen Strapazen das Boot ausrichtetev und in dem halb mit Wasser gefüllten Fahrzeug von der Strömung gegen die französische Küste getrieben wurden. Sechs starben während der 17stündigen Fahrt, acht, worunter drei Matrosen, wurden von einem französischen Dampfer ausgenommen und nach Cherkourg gebracht,. wo sie in Verpflegung sind. Gestern kreuzte der DampferHonfleur" bei denCaequetS, ohne eine Spur lebender Menschen zu sehen. Die Insassen der Leucht­turmes hörten die Dampfpfeife derStella". Sie wußten nichts von dem Schiffbruch. Der von Southampton zur Rettung abgesandte DampferSouth-Western" ist in be­schädigtem Zustande in St. Germ am bei Kap La Hague an­gelangt. Die meisten Geretteten bleiben in Jersey und