Abonnements» Preis:
Jährlich 9 ^. Halbjahrl. 4 ^ 50 ^.
Vierteljährlich
2 M 25 ^J.
Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne
Nummer kostet
10
Einruckiings- grbiihr
für Sladl- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Rcklameniheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 J.
Amtliches Organ für Stadt- unö Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 78
Dienstag den 4. April
1899.
Amtliches.
Dienstnachlichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Fahrradlaterne. Ein grauer Strumpf. Ein schwarzledernes Portemonnaie mit einigen Pfennigen und 2 Eisenbahnfahrkarten. Vier gelbe Knöpfe mit Gewinden.
Verloren: Ein Pfandschein über 3 goldene Ringe, 1 Medaillon und 1 Cplinderuhr. Eine silberne Damenuhr ohne Kette, am Zifferblatt Emailleabsprung. Ein Zehnmarkstück. Ein schwarzer Spazierstock von Rohr mit Federkarabiner.
tZugeflogen: Ein Kanarienvogel.
^Entflogen: Eine Indianer! aube; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Im Main gelandet: Am 2. d. M. ein Floßboden (7ter); Eupsangnahme bei Strommeister Blumentritt hier- selbst.
Hanau am 4. April 1899.
SLcrHI^ers ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Mit dem 31. dieses Monats wird das Baubüreau des städt. Elektrizitätswerkes aufgelöst und geht die gesammte Verwaltung an die Direktion der städt. Gas- und Wasserwerke über.
Es sind dementsprechend alle das städt. Elektrizitätswerk belr. Angelegenheiten für die Folge an die Direktion der städt. Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke zu richten.
Hanau den 27. März 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 4942
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur Kenntniß gebracht, daß nach Beschluß der städtischen Körperschaften vom 1. April ds. Js. ab der Preis für alles nicht zu Lenchtzwerken verwendete Gas, welches durch einen besonderen Messer gemessen wird, ans 12 Pfg. pro obm ermäßigt wird.
Ferner werden von diesem Zeitpunkte ab von dem städtischen Gaswerke auf Wunsch Gaszuführungen und Installationen gegen zu vereinbarende Theilzahlungen ausgeführt, und zwar Letztere nur derart, daß jeder Besteller die betr. Arbeiten seinem Hausinstallateur übertragen kann, welchem das Gaswerk die sofortige Zahlung leistet.
Ferailletsir.
Zwei Kaiscrdcputatunell.
1849—1870.
Ein Blatt zur fünfzigjährigen Erinnerung an den Empfang der Kaiscrdkputotion durch Friedrich Wilhelm VI., 3. April.
Von Robert Oberhuber.
lNachdruck »erboten.]
Wie wunderlich hat doch die GeschiSte im 19. Jafr hundert unserem Volke mitgespiell! Welch' ungeheure Umwege hat es seine Geschicke rehmen lassen, — Kurven, deren Anfangs- und Endpunkt nicht eben weit von einander entfernt sind, nur der Weg liegt zwischen ihnen, der weite Weg bitterer Erfahrung, schwerer Arbeit und blutigen Kampfes, den das deutsche Volk zurücklegen mußte. Diese Erscheinung wird lebhaft vergegenwärtigt durch die Erinnerung an den Tag, an dem vor 50 Jahren die Abordnung des deutschen Parlamentes vor Preußens König erschien, um ihm die Kaiserkrone anzubiete». Damals war die Antwort ein „Nein ; 31 Jahre später erwiderte ein anderer Prenßenkönig m^der Präfektur zu Versailles auf den gleichen Antrag mit »Ja . Und doch standen die beiden Antworten ihren Gedankinzangm einander nahe genug, m d mauchir Mann von 49 erschien auch 1870 wieder zu Versailles. Gerade darin spiegelt sich am deutlichsten die ungeheure Wandlung, die unser Geschick in diesen drei Jahrzehnten durchgemacht hatte.
* *
Am 28. März 1849 halten 290 Abgeordnete in der PaulSkirche zu Frankfurt a. M. Köuig Friedrich Wilhelm IV. zum deutschen Kaiser gewählt. In einem lauten Jubelruf machte sich die tiefe Bewegung der Deputirten Luft, durch die Straßen der alten Reichsstadt pflanzte sich der Jubel fort, und Glockenklang und Kanonendonner mischten sich da
Ebensowohl wird die Abgabe aller Sorten Gas-, Koch- und Heizapparate gegen ratenweise Abzahlung erfolgen, wie auch aus Verlangen für diese Zwecke Gasautomaten, das sind Gasmesser, welche eine, dem einzuwersenden Geldstücke entsprechende Gasmenge hindurch lassen, für die Folge zur Aufstellung gelangen werden.
Hanau den 27. März 1899.
Die Direktion des städt. Gaswerks.
v. Gäßler. 4943
Gewerbl. Fortbildungsschule zu Hanau.
Die Anmeldungen neuer Schüler für das am 10. April er. beginnende Sommersemester nehme ich am Freitag der» 7. d M., abends 7^2 Uhr, im Gebäude der Fortbildungsschule entgegen.
Hanau, 4. April 1899.
Hch. Heckeroth, Direktor.
Auszug aus dem Ortsstatut, betreffend die gewerbliche Fortbildungsschule in Hanau.
Alle im gedachten Bezirk in Arbeit stehenden gewerblichen Arbeiter (Gesellen, Gehülfen, Lehrlinge) der nachfolgenden Berufszweige: Glaser, Klempner, Drechsler, Maurer, Weißbinder oder Maler, Lackirer, Steinmetzen, Stuckateure, Tischler, Zimmerleute, Gelbgießer, Gürtler, Schmiede, Schlosser, Maschinenbauer einschließlich Former und Metalldreher, Mechaniker, Wagner, Tapezirer und Kunstgärtner, sowie Buchbinder, welche das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind verpflichtet, die hierselbst errichtete öffentliche gewerbliche Fortbildungsschule an den festgesetzten Tagen und Stunden zu besuchen und an dem Unterricht Theil zu nehmen.
Eltern und Vormünder dürfen ihre zum Besuche der Fortbildungsschule verpflichteten Söhne oder Mündel nicht davon abhalten. Sie haben ihnen vielmehr die dazu erforderliche Zeit zu gewähren.
Die Gewerbeuniernebmer haben jeden von ihnen beschäftigten noch nicht 18 Jahre alten gewerblichen Arbeiter spätestens am 6. Tage, nachdem sie ihn kontraktlich oder probeweise angenommen haben, zum Eintritt in die Fortbildungsschule unter < genauer Angabe des Namens, des Jahres und
rein. Die laijerto e, schreckliche Zeit war überwm drn, der erbitterte «Streit der Parteien entschieden, und Aller Hoffnungen und Wünsche begleiteten die 32 Männer, die dem Könige die Wahl anzeigen und seinen Bescheid entgegennehmen sollten. Wockere, besonnene Männer hatte man für diese Aufgabe auserkoren, wie Beseler, Rüßer, Biedermann; an ihrer Spitze aber stand Martin Eduard Simson, der Königs- berger Tribunalsrath, der seit dem 19. Dezember das Präsidium der Versammlung führte und durch die energische und gcschickte Erfüllung dieses AmUs sich ebenso wie durch seine Vaterlandsliebe die allgemeirc Achtung erworben halte.
ES ist hier nicht der Ort, die streitenden Einflüsse zu charakterisiren und zu schildern, die auf die Entscheidung bei Königs in dieser Sache wirkten. Jedenfalls herrschte im Berliner Schlöffe nicht die Wärme der Stimmung, die der Deputation erwünscht gewesen wäre; und um sie zu erhöhen, beschloß sie auf ihrer Reise einen großen Umweg zu mochen, um so Kundgebungen des allgemeinen Enthusiasmus Herror- zurufen, die zu Berlin bestimmend in die Wagschole fallen könnten.
Zuerst schlug diese Alsicht (änzlich fehl. Am Rhein ward die Deputation kühl empfangen, in Köln mußte sie sogar eine Katzenmusik iber sich ergehen lassen. Dann aber warr'S bester. In Magdeburg, Hannover, Braunschweig schlug ihr Enthusiasmus entgegen; hier bildete die Bürgerwehr Spalier, dort wurde ihr ein Festmahl gegeben, und in Potsdam empfingen sie befreundete Mitglieder des preußischen Landtags. Am 2. April war es, daß die Deputirten in Berlin ein trafen. In diesem Augenblicke standen die Chancen anscheinend günstig; bis zum nächsten Tage aber — »zwischen Lipp' und Kelchesrand* — machte sich wieder ein entgegengesetzter Einfluß geltend und führte die Entscheidung herbei ..
Mittags war's. Die Deputirten fuhren nach dem altersgrauen Schlosse an der Spree. Städtische Equipagen, keine
Tages der Geburt desselben, sowie des Namens, Berufs und Wohnorts der Eltern, bezw. des Vormundes des Arbeiters bei der Ortsbehörde (städtische- Meldeamt) anzumelden und spätestens am 3. Tage nachdem sie ihn aus der Arbeit entlassen haben, daselbst wieder abzumelden. Sie haben die zum Besuche der Fortbildungsschule Verpflichteten so zettig von der Arbeit zu entlassen, daß sie rechtzeitig und soweit erforderlich gereinigt und umgekleidet im Unterricht erscheinen können.
Die Gewerbeunternehmer haben einem von ihnen beschäftigten gewerblichen Arbeiter, der durch Krankheit am Besuche des Unterrichts gehindert gewesen ist, bei dem nächsten Besuche der Fortbildungsschule hierüber eine Bescheinigung mit- zugeben. Wenn sie wünschen, daß ein gewerblicher Arbeiter aus dringenden Gründen vom Besuche des Unterrichts für einzelne Stunden oder für längere Zeit entbunden werde, so haben sie dies bei dem Leiter der Schule so zeitig zu beantragen, daß dieser nöthigenfalls die Entscheidung des Kuratoriums der Fortbildungsschule einholen kann.
Eltern und Vormünder, die dem § 4 entzegenhandeln, und Arbeitgeber, welche die im $ 5 vorgeschriebenen An- und Abmeldungen überhaupt nicht oder nicht rechtzeitig machen, oder die von ihnen beschäftigten schulpflichtigen Lehrlinge, Gesellen, Gehülfen und Arbeiter ohne Erlaubniß aus irgend einem Grunde veranlassen, den Unterricht ganz oder zum Theil zu versäumen, oder ihnen die im § 6 vorgeschriebene Bescheinigung dann nicht mitgeben, wenn der Schulpflichtige krankheitshalber die Schule versäumt hat, werden nach § 150 Nr. 4 der Gewerbeordnung in der Fassung des Gesetzes, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 (R.-G.-Bl. S. 287), mit Geldstrafe bis zu 20 Mark oder im Unvermögensfalle mit Haft bis zu drei Tagen bestraft.
Hanau, 4. April 1899.
Das Kuratorium. 5350
Heimkehr der „Dulgaria".
Hamburg, 1. April. Bei herrlichstem klare» Wetter fahr heute Früh 8 Uhr der große Salondampfer »Blankenese", gefolgt vom Dampfer »Silvanta", zur Begrüßung der »Bul- gana" und Einholung von deren KapUän, den Offizieren und der Mannschaft nach Blankenese aus. An Bord des erstgenannten Schiffes befanden sich die vom Kaiser beorderte i Deputation, Admiral Köster, der Korpskommandant von ; Massow, die Direktion der Hamburg-Amerika-Linie, ham- burgische Honoratioren und zahlreiche Offiziere der Marine uvd des Landheeres mit ihren Damen, im Ganzen etwa 250 Personen. Die »Siloania" zählte ungefähr 500 Pasta-
Hoswagen . .. ein böses Zeichen, meinten die Schwarzseher; und dem würdigen Biedermann fi-l die bemerkliche Kühle der Hofdienerschaft auf, die dem Präfideaten Simson sogar ein Glas Wasser verweigerte. Schlimme Zeichen, — und doch, als die 32 in den großen Rittersaal traten, da konnten sie wohl glauben, daß alles gut ablaufen müsse. Im Strahle der Frühlingssonne stand da der König, hoch aufgerichtet, den Helm im Arme, um ihn ein glänzmdeS Gefolge von Prinzen, Ministern, Hofleuten, Militärs — der Prinz von Preußen an ihrer Spitze. Der auf gebotene Glanz schien anzuzeigen, daß man die Bedeutung des Augenblicks fühle und ihr Rechnung trage. Und bedeutete das nicht vielleicht schon halb gewonnenes Spiel?
Simson hielt eire kurze bewegte Ansprache und übergab das Verfastungs- und Wahlprotokoll. Dann ergriff der König das Wort, er sprach frei, und laut klang seine Stimme durch den Saal. Er sprach von seiner Befriedigung, seinem Denke, seiner Bereitschaft zu Deutschlands Schutz und Schirm; und die Hoffnung der Deputirten wuchs. Aber dann, seine Stimme besonders erhebend, erklärte er, die Krone erst dann au nehmen zu können, wenn die deutschen Fürsten dieser Würde zugestimmt und sich auch über die jetzige Gestalt der Reichsverfastunz untereianber verständigt hätten.
Das war die Absage. Die Fürsten — sie waren vielleicht zu gewinnen; die Reichsverfastung aber, die unter den erbitterten Kämpfen der Parteien notdürftig unter Dach und Fach gebracht war, verändert — im Sinne der Fürsten verändert — noch einmal in Frankfurt vorzulegen, in erneuten endlosen Berathungen um sie zu kämpfen, den ganzen Fanatismus der Parteien wieder zu entflammen, — das war aussichtslos. Bestürzt zogen sich die Deputirten zurück, »in vielen Augen von sehr ruhigen, ja kalten Männern sah man Thränen.* Abends war die Deputation zum Prinzen von Preußen geladen, der gerade und frei über die Sache sprach