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Kortttches Osgsu fir Stadt- und LsuSkreis Hanau.
DMeMt tZMch «M AMRMse der Sonn- und Fsiertsge, mit beLetnstischer Beilage.
Nr. 73
Montag den 27. März 1899
Amtliches
Slaötkvois ^anau.
Brlamtwachungm des OberbürgermeisteramteS.
Bekanntmachung.
Vom 1. April 1899 ob sind an Stelle der bisherigen Gebühren folgende Gebührensätze für Benutzung des städtischen Schlachthoses zu entrichten:
1. Schlachtgebühren:
für
1 Ochsen
• •
2-
Mk.
W
1 Kuh
1,20
tf
1 Rind
1,20
tf
tf
1 Schwein
• •
1-
tf
tf
1 Kalb
-,45
tf
1 Hammel oder 1 Schaf
-45
tf
1 Lamm
• •
-10
tf
2. Beschaugebühren:
a. für die Beschau vor dem Schlachten 05 Psg. von
jedem Schlachtthier;
b. für die Beschau nach dem Schlachten: für 1 Stück Großvieh 10 Pfg.
„ 1 Schwein 10 „
„ 1 Stück Kleinvieh 05 „
Die vorstehend bezeichneten Gebühren sind bei der Stadtkasse (Abgabenkasse) in den Vormittagsdienststunden zu entrichten; die Mctzgermeister haben dafür zu sorgen, daß ihre; Namen vor der Abgabe der Schlachtscheine im Schlachthose auf dieselben gesetzt werden. Schlachtscheine, auf denen her' Name des Schlachtenden fehft, werden als nicht vorhanden angesehen.
Hanau den 23. März 1899.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 4912
Die im verflossenen Schuljahre von Schülern der Oberrealschule angefertigten Zeichnungen sind im Zeichensaale der - Anstalt vom 25. März bis 5. April c., täglich von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr Nachmittags, zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt.
Hanau den 25. März 1899.
Der Direktor.
Dr. Schmidt. 4923
Zwischen England und Frankreich
ist neulich nach schwierigen Verhandlungen ein Abkommen über den Sudan zu Staude gekommen. Unter Sudan begreift man den ganzen Landstreifen südlich von der Sahara zwischen dem atlantischen Ozean und Abessinien. Der Haupt- «■——1 in» ■■■- "W^wwiiwnwiiiwwwwwMwww
streit drehte sich bekanntlich darum, ob die durch die Besetzung von Faschoda erworbenen Ansprüche Frankreichs auf einen Zugang vom französischen Kongogebiet zum Nil anerkannt würden oder nicht. In dieser Frage ist Frankreich infolge der drohenden Haltung, die England einnahm, vollständig unterlegen, und das Einzige, was es in dem neuen Abkommen in Bezug auf den egyplischen Sudan zu erreichen vermochte, sind Vergünstigungen kommerzieller Natur; mit Hoheitsrechten bleibt es von dem Nilgebiet ganz ausgeschlossen.
Der Vortheil, den Frankreich durch das Abkommen erhielt, besteht in der Anerkennung^ daß die Reiche am Tschadsee und östlich davon, insbesondere Bm nu und Wadai, zur französischen Einflußsphäre gehören sollen. Diese Reiche unter- sieren aber jetzt noch unubhc.ng'gm Herrschern, sie wollen erst erobert sein, bis sich der französische Traum erfüllt, in Afrika ein Riesen-Schutzgebiet zu besitzen, das von Algier durch die Sahara bis zum Senegal, Niger, Tschadsee und Kongo reicht. Der egyptische Sudn dagegen ist bereits thatsächlich größten- theils in englischem Besitz, und die Vernichtung des Chalifa
ist eine leichte Aufgabe im Vergleich zu der Eroberung der Sultanate Wadai und Bo'.nu.
Die französische Presse äußert sich im Ganzen befriedigt, sie hofft, daß nun die „Aera der Mißverständnisse" vorüber sei. Was soll sie auch anders machen? Frankreich hat unter dem Schutze seines Bündnisses mit Rußland eine Periode von Erfolgen gegen England erlebt, in Siam, in Madagaskar, in China, im Mittelländischen Meere, und nichts ist begreiflicher als die Hoffnung, daß sich diese Erfolge nicht noch nachträglich als Mißverständnisse Herausstellen mögen. Das größte Mißverständniß ist und bleibt doch das, daß das französisch-russische Bündniß vollständig versagte, als der englische Löwe vom Knurren zum Zähnefletschen überging.
Tagesschau.
Kriegervereine. Den letzen statistischen Nach- weisungen zufolge gibt es im deutschen Reiche 20500 Krieger- Vereine mit zusammen 1,73 Millionen Mitgliedern. Diese j eindreiviertel Millionen ehemaliger Soldaten sind zusammengefaßt in neun Landes-Verbänden, welche in dem ständigen Kyffhäuser-Ausschuß ihre gemeinschaftliche Vertretung finden. Unter den „Verbänden" zählt der Deutsche Kriegerbund mit 12 906 Umer-Verbän en gegenwärtig 1,15 Millionen Mitglieder. Er begreift die Krieger Vereine Nord- und Mittel- deutschlands, sowie den El aß-Lothringi chen Krieger-Landes- Verdand in sich. Es folgen dann der Bayerische Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossen-Band, der Königlich Sächsische Militärvereins-Bund, der Württembergische Kriegerbund, der Badische Militärbereins-Bund, der Landes-Verband der militärischen Vereine im Großberzogthum Heften, die Schu^arz- l■■■■■^al■■■■uwlMlllL h, «■■■—■—amiirnr■ *r“ 'imimwm
bürget Kriegerkameradschaft, der Hamburger Krieger-Verband und der Bremische Landes Krieger-Verband.
Neues aus Kiuutschou. In der neuen Nummer der „Deutschastattschen Warte", dem amtlichen Anzeiger des Kiautschougebietes, der in Tstutau erscheint, finden wir einen interessanten Bericht über Kaisers Geburtstag in Deutsch- China. Zapfenstreich am Vorabend, Reveille, Festgottesdienst, Parade und Festmahl, Alles wie in der Heimath. „Das Mal verlief in vergnügter Stimmung. Die Kaiserrede des Gouverncu.s wurde von den Gästen mit Begeisterung ausgenommen. Im Verlaufe des Festessens brächte der Gouverneur einen Gedanken in Anregung, für die Armen Kiautschous eine Stiftung in's Sehen zu rufen. Der Gedanke fand so viel Beifall, daß gleich an Ort und Stelle 1000 Dollars für diese Stiftung gezeichnet wurden. Auf Wunsch'seiner Gäste übernahm es Herr Gouverneur Rosen- dahl, an den Kaiser ein Telegramm zu richten, worin um die Erlaubniß gebeten wird, der Stiftung den Namen „Kaiser Wilhelm-Stiftung" zu geben. Eine Kommission, bestehend aus dem Herrn Gouverneur und den Herren Zolldirektor Ohlmer, Zivilkomrr issar Dr. Schrameier, Missionar Voskamp (evang.) und Missionar Barrels (kath.) soll die weiteren Vorbereitungsarbeiten in die Hand nehmen. Mit dem Festessen war die Geburtstagsfeier noch nicht abgeschlossen. Am Abend gab es in den Lagern, sowie auf der „Cormoran" große Festvorstellungen." — Weiterhin meldet das genannte Blatt: Um eine Neuerung ist Tsintau feit Kurzem reicher, um etwa ein Dutzend für den öffentlichen Verkehr bestimmter Rickschas. Unternehmer ist ein Chinese. Rickschas, oder wie das aus dem Chinesischen stammende Wort richtiger heißt, Jinrikischas (Manueskraftwagen) sind bekanntlich die leichten zweiräderigen, von einem orer zwei Kalis gezogene« Fuhrwerke, wie sie in China, Japan, Singapur uud Kolombo fast allgemein für den Personentrausport gebraucht werden. Einige wenige Privatrick chas konnte man hier schon seit dem vorigen Frützjahr sehen, neu sind jedoch die für den öffentlichen Verkehr bestimmten. Derselbe Umstand, der die ausgiebige Benützung der ersteren seither behinderte, die Unvoll- ksmmenheit der Straßen und Wege, stand auch der Einführung der letzteren entgegen. Seit einiger Zeit aber sind die Straßen und Wege, Dank der Fürsorge der deutschen Verwaltung, bedeutend besser geworden, und heute ist eS somit möglich, die verschiedensten Streck n im Rickscha zurück- zulegen, ohne in die Gefahr des Umkippens zu gerathen und einen Arm-, Bein- und Rippmbruch zu riskiren.
PoMifche und rrnpolMsche Nachrichten.
(Depeschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 26. März. Der Kaiser hat nunmehr bestimmt, daß das Berliner Richard Wagner-Denkmal an dem Gold-
FeroiUetsn.
Der MarbaHcr Schillcrllcrcin und die Hanauer Gymnasiasten.
Im diesjährigen Jahresbericht des Kgl. Gymnasiums befinde sich unter vorstehendem Titel eine auch weitere Kreise interessierende Abhandlung, die folgendermaßen lautet:
Eine gedruckte Einladung zur Theilnahme an einer am 10. November, btm Geburtstage Schillers, in seiner Geburts stadt Marbach a. N. stattfindenden Schillerstier, die für das hiesige Gymnasium dem Unterzeichneten (Direktor Dr. B r a u n) seitens des Vorsitzenden des Schillervereins Marbach a. N., des Herin Stadtichultheißen Hoffuer daselbst, zuging, gab Veranlassung, daß an diesem Tage die Lehrer und Schüler unserer Anstalt in der Aula sich versammelten und von dem Direktor auf die engen Beziehungen hingewiefen wurden, die unsere Anstalt mit jenem Verein verknüpfen. Da diese Beziehungen in der Chronik der Programms früherer Jahre keine Erwähung gefunden haben, für die Geschichte des hiesigen Gymnasiums aber von Wichtigkeit und wohl auch für weitere Kreise von Interesse sind, so ist es dem Direktor eine liebe Pflicht, das früher Unterlassene hier nachzuholen und zu dem Zwecke etwas eingehendere Mittheilungen zu machen. Diese sind zum Theil einem Briefe des Herrn Stadtschultheißen Haffner, zum Theil den von jenem zugesandten Druckschriften, insbesondere auch einem Aufsatz in der Halbmonatsschrift Schwabenland „Zur Geschichte des Schwäbischen Schillervereins" von Eugen Patmer, entnommen. Dieser letztere theilt u. a. ungefähr folgendes mit:
„Bald nachdem Schiller fern der Schwäbischen Heimath „am 9. Mai 1805 für immer die Augen geschlossen hatte,
„thu sich eine Anzahl Maibacher Bürger mit anderen Schlller- „verehrern zusammen, um dem Dichter in seiner Geburtsstadt „Marbach ein Denkmal zu errichten. Die Mittel dazu waren „schon im Jahre 1811 vorhanden, aber auf eine von außer- „halb an sie herarstretende Anregung bin entschlossen sich die „Marbacher, die gesammelten Beträge ben Eintet bliebtnen des „Dichters zuzuwenden. Den Bemühungen des Marbacher „Gürtlermcisters Franke gelang es im folgenden Jahre (1812) „durch protokollarische, vom Marbacher Oberamt vorgenommene „Vernehmung von 15 Personen, meist Zeitgenossen des „Dichters, das Haus, „worin der vor einigen Jahren in „Weimar gestorbene, und von Marbach gebürtige Dichter „Hofrath Friedrich von Schiller zur Welt gekommen", und „das Zimmer, in dem er geboren wurde, zu ermitteln. „Infolge einer ganzen Reihe ungünstiger Umstände blieb der „Gedanke an die Errichtung eines Schillerdenkmals in dem „Geburtsorte des Dichters unausgeführt, und a^S sein 100= „jähriger Geburtstag h-raurahte, war er noch nicht ver- „wirklicht.
„Schon am 18. Juli 1835 hatte der Marbacher Schiller- „verein sich mit einem Aufrufe an das deutsche Volk, inibe* „sondere an die Schillerperehrer gewendet mit ber dringenden „Bitte um kräftige Unterstützung bei der Errichtung eines „einfachen Denkmals in der Geburtsstadt des Dichters. Die „Mittel aber waren nur spärlich geflossen und hatten eben „ausgereicht zuL Anpflanzung der sogenannten Schillerhöhe „bei Marbach, auf der man das Denkmal später zu errichten „dachte. Da richtete im Mai 1858 der Marbacher Schiller- „verein einen zweiten Ausruf an daS deutsche Volk, der nun- „mehr in der. sich mächtig regepden Theilnahme für die Jubel- „feier eine kräftige Stütze fand. Aus den damals gesammelten „Mitteln von 10539 Gulden konnte zunächst daS Geburts- „Haus Schillers dem Privatbesitz entzogen, in seiner msprüng- „lichen Gestalt unter Zugrundelegung einer alten Zeichnung
„wiederhergestellt und „zu einem Tempel der Erinnerung" „für das ganze deutsche Volk gestaltet werden. Am Tage der „100jährigen Geburt!feier Schillers wurde es eir g weiht, urb „gleichzeitig ward der Giundstein des Denkmals aus der „Schillerhöhe gelegt, das freilich erst viele Jahre später auf- wgestellt wurde. Hergestellt ward es aus dem Metall im „großen Kriege 1870/71 Erbeuteter Kanonen, die den Mar- „bechern als kaiserliches Geschenk vom hochseligen Kaiser „Wilhelm I. üb erwiesen wurden. Die Enthüllung fand erst „am 9. Mai 1876, also 71 Jahre nach dem Tode des „Dichters statt.
„Die Jubelfeier im Jahre 1859 aber brächte verschiedene „Stiftungen für den Marbacher Verein mit sich. Unter „diesen sei besonders hervorgehoben ein Bettrag von 1424 „Gulden 24 Kr., den sieben Hanauer Gym- „n a s i a st e n gesammelt und dem Verein mit der Bc- „stimmung übergeben hatten, daß aus der Summe 100 „Gulden ausgeschieden und angelegt, das Zinsenerträzniß aber „dazu verwendet werden möge, alljährlich einen frischen Lor- „beerkranz zu beschaffen, der von der Schuljugend Marbachs „an passender Stelle im Janem des Schillerhauses aufge- „hängt «erden solle".
Für die Feier in Marbach am 10. November 1898 nun fand sich in der oben erwähnten gedruckten Einladung u. a. folgendes vorgesehen:
Morgens 11 Uhr Schulfeier der Lateinfchüler im Geburtshause Schillers: „Festrede des Herrn Präceptor Lauer über „Wie feiern wir Schiller am wür- digsteu", Deklamationen und Gefänge der Schüler, Ansprache und Vekränzung der Schillerbüste durch einen Lateinschüler namens der deutsche« Jugend (Stiftung der Gymnasiasten