Einzelbild herunterladen
 

We eh^Mtte ÄtoRStS fofM 10 4.

Si>rüS»»g^ gelier

für Stadt- und** frei« Hanau 10 ^ W ^gespaltene TannoÄ^ zeile oder deren Ran«, für Auswärts 16 4

Im Reklamentheil He Zeile 20 4, fit

Auswärts 30 4.

Amtliches Krgau Mr Staöt- unS LauSkreis Härmn.

GTschei«t täglich mit Ä«s«shMe der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

M. 65

Freitag den 17. März

1899

Amtliches.

Slaötkvsis ^anou.

BekanntWachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Lieferung einer neuen Thurmuhr für die Johannis- kirche und die gründliche Reparatur der Uhren auf dem Rathhause und der Oberreallchule soll ve» geben werden.

Die genauen Bedingungen liegen im Ratyhause, Zimmer 17, zur Einsicht offen. MP:

Angebote sind bis zum 1. Mai d Js., mittags 12 Uhv, verschlossen mit der AufschriftThurmuhrlieserung betr." an uns ein zur eichen.

Hanau den 7. März 1899.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 4349

DienstnachiiHten aus dem Kreise.

Gesunden: Zwölf Kleiderstäbchen. Ein Packet in Sackleinwand.

Entlausen: Ein brauner Dachshund; gegen Belohnung abzugeben.

Hanau am 17. März 1899.

Die Beisetzung des Fürsten Bismarck.

Entgegen frühern Verfügungen, wonach die Beisitzung des Fürsten und der Fürstin Bismarck in dem für sie in Fried- richsruh erbauten Mausoleum am 1. April erfolgen sollte, ist diese Trauerseier bereits am Donrerstag den 16. März ab- gehalten wort en. Als' des Reiches hehrster Leidtragender ging der Kaiser im Leichenzuge, nur die Familie des unvergeßlichen Todten und wenige Auserlesene nahmen noch daran theil. Zu diesen gehörte der Hamburger Reichstags-Wahlverein von 1884, dem der Verstorbene besonders nahe gestanden hat. Die Feier trug einen militärischen Charaklec; sie ging in würdiger, aber schlichter Form vor sich, entsprechend der Ge- müths-Richtvng les Fürsten, dem äußeres Schaugepräge stets zuwider gewesen war.

Es ist eine ergreifende Huldigung des verstorbenen Kanzlers an seinen kaiserlichen Herrn, daß der letzte Weg, der ihm Vorbehalten war auf dieser Erde, noch an den großen Kaiser erinnerte. Am 16. März ward Kaiser Wilyelm zur Gruft seiner Eltern g-tragen, am 16. März, elf Jahre später, betteten wir den treuen Gehilfen seines Königs-Amtes zur letzten Ruhe.

Das Mausoleum in Fried» ichsruh ist im romantischen Stile gehalten. Es besteht aus einem sechseckigen, massiven

Kleines Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

Hanau, 17. März.

* Knnfiinduftrie Verein In der Aula der Zeichen- akademie ve»b»eitkte sich gestern Abend Herr Geheimrath Pro­fessor Dr. Wilhelm O n ck en in fast zweistündiger Rede Vier das Thema:Wollenstes Verrath in Geschichte und Drama". Die Katastrophe, die Alvrecht von Waldstein Wallenstein hieß er im Heere, auch nannte ihn der Kaiser so, im Fe­bruar 1634 ereilte, ist von jeher ein Lieblingsgegenstand historischer Forschung und Kritik gewesen. Die Frage: War Wallenstein ein Verräther? hat sich Friedrich v. Schiller zum ersten Male vorgelegt und auch richtig beantwortet. Das historische Ahnungsvermözen Schillers muß man bewundern; denn nicht standen ihm Urkunden zur Verfügung, aus denen er mit unumstößlicher Gewißheit seine Behauptung beweisen konnte. Erst die Veröffentlichung der Briefe Wallensteins von Förster bestätigen urkundlich die Wahrheit der Behauptung. Schiller urtheilte: Wallenstein fiel nicht, weil er Rebell war, sondern er rebellirte, weil er fiel. Solange Wallenstein im Lorbeer des Sieges dastand, hat kein Mensch an seiner Loyalität gezweifelt, doch als sich das Glück von seinen Faynen wandte, und der Glaube an seinen Genius verloren ging, da ließ ihn der Kaiser fallen. Als aber Wallenstein sah, daß er so jäh von der schwindelnden Höhe herunter gestoßen werden sollte, da suchte er durch rechtswidrige Mittel feine Stellung zu erhalten. Sein Verhängnrß waren die Schweden. Gustav Adolf ist der Retter des Protestantismus gewesen. Doch kam er nicht ganz aus religiösen oder gar deutsch- nationalen Gründen nach Deutschland. Es waren rein staatsmännische Erwägungen, die ihn jn diesem Feldzuge trieben. Die Eroberung von Pommern und Mecklenbuig

Thurme und der Gruftknche, welche einen chorartigen Anbau hat. Die Kapelle steht aas einem Sockel aus Feldsteinen. An der Südseite des Schiff s befindet sich das Portal, daS von einem hohen Giebel überragt wird. Die Nordseite des Schiffes zeigt vier Bogenfenster. Der Thurm und das Schiff werven von spitzen Dächern, das Chor von einem runden Dache ge­krönt. Die Ruhestätte des Fürsten und der Fürstin befindet sich im Thurme des Mausoleums. Dort werden beide ver­eint rühm, und was das Lied einst von Theodor Körner und seiner Gruft unter der Eiche zu Wöbbelin gesungen hat:

Ihr habt in Fürstengrüsten Bestatten mich gewollt Hier in den frischen Düften Ihr ruh'n mich lassen sollt! das gilt nun auch vom Fürsten Bismarck und seiner letzten Erdenruhe.

Inmitten des Waldes, bm er so sehr geliebt, unter dem Rauschen seiner Eichen und Buchen, umwogt vom Dufte seiner Tarnen, schläft der Schöpfer des Deutschen Reiches den ewigen Schlaf. Doch das schlichte Gebäude wird ebenso wenig wie das Mausoleum in Charlottenburg einsam bleiben. Denn wie am 16. März die Gedanken von Millionen dort weilten, so werden avch in Zukunft Vaterlandsbegeisterte Männer und deutsche Frauen hinziehen, um den Manen des Großen zu huldigen und seiner Thaten zu gedenken. Tausende werden jährlich dort vorüter fahren und aus den Fenstern der Eisen- bahnzüge sinnend Hinausgrüßen zu der Stelle, die den Träger einer so gewaltigen Zeit umschließt. Der Streit des Tages, der Zank der Parteien werden ihn nicht mehr erreichen Waldesrauschen, das im Leben seine einzig wahre Er­holung gewesen, ist ihm auch das Schlummerlied in die Ewigkeit.

Aber diese Stätte wird zugleich eine Mahnung sein an das Werk der deutschen Einheit, deren Schöpfer dort von seiner schweren Lebensaufgabe ausruht. Dankbarkeit und Liebe werden Wache halten an Bismarcks Grabe, und ehrfurchtsvoll werden Knaben und Jünglinge, werden der Mann und der Greis es lesen, was dort geschrieben steht:

Hier ruht ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I."

Einzelheiten.

Die Feierlichkeit in Friedrichsruh ist vorüber. An dem­selben Tage, an dem vor elf Jahren die sterbliche Hülle Kaiser Wilhelms I. im Mausoleum zu Charlottenburg beige­fetzt wurde, am 16. März, hat auch der Leib des gewaltigen Kanzler, destreuen drutschen Dieners" seines Herrn, an der Seite seiner Lebensgefährtin, der Fürstin Johanna, im Mausoleum in Friedrichsruh seine letzte Ruhestätte gefunden.

war sein Ziel, doch mit den schwedischen Reichsinteressen fielen die protestantischen Weltinteressen zusammen. Gustav Adolf besiegte bei Breitenfeld die katholische Liga. Der Kaiser kam in große Bedrängniß und bat W »Lenzem um Hilfe. Der Kaiser hatte ehedem Wallenstein entlassen müssen, weil ihn die katholischen Fürsten dazu gezwungen hatten. Das Verhältniß zwischen dem Kaiser und seinem gewaltigen Feld­herrn war auch nach der Entlassung ein geradezu freund­liches. Als verschlagener Diplomat stand er noch im Dienst des Kaisers und verhandelte in dessen Auftrage mit den pro­testantischen Fürsten. Nach der Wiedereinsetzung Wallensteins hatte er noch einen Ehren- und Siegestsg. Das war bei Fürth, woselbst er die Schweden dreimal zurückwarf. Darm kam die Entscheidungsschlacht bei Lützen. Gustav Adolf fiel, aber Wallenstein wur^e geschlagen. Den Winter über blieb er in Prag. Im Frühjahr ging er krank an der Gicht zur Armee. Doch die Thaten blieben aus. Ws Bernhard von Weimar gegen seine Erwartung und Berechnung Regensburg nahm kam der Glaube an den Genius Wallensteins ins Wanken. Als er gar entgegen dem kaiserlichen Befehl nicht Bernhard von Weimar entgegenrückte, beschloß der Kaiser, ihn abzusetzen. Doch galt es zunächst die Obersten und Sol­daten zu gewinnen, also Verrath zu üben. Das erfuhr Wallenstein und knüpfte auch Verhandlungen mit anderen Mächten an. Also Verrath gegen Verrath. Am 12. Januar 1634 unterschrieben seine Obersten den bekannten Revers, in denen sich Wallenstein seiner Feldherrn unbedingt ver­sicherte. ? das der Kaiser erfuhr, befahl er Wallenstein, Jllo und Teglly lebend oder todt in seine Hände zu liefern. Wallenstein war kein Mann mehr, der große Thaten er­reichen konnte, er entband die Obersten von ihrem Gelübde und entfloh nach Eger. Hier ereilte ihn in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar das Geschick. So endete der Ge­waltige durch Verrath und Meuchelmord. Wallenstein wurde

Nur in Gedanken konnte das deutsche Volk seinem größten Staatsmann auf diesem letzten Gange folgen, zu dem die Wipfel des Sachsenwaldes feierlich und still die Trauer­melodie rauschten. Die Enge der räumlichen Verhältnisse ge­stattete keine Maffenentfaltung. Aber da^ür war ihm die Genugthuung geworden, daß der hehrste Vertreter der Ration, Kaiser Wilhelm, dem Andenken des großen Todten durch seine Anwesenheit bei der Feier die letzte Ehre erwies und so dem historischen Akt die besondere Weihe verlieh. Ueber die Vorgänge am Orte selbst und über den Verlauf der Feierlich­keit berichtet Nachstehendes:

Kriedrichsr«h, 16. März. Trübe und regnerisch bricht der Tag an; bald fallen einzelne Tropfen aus dem Gewölke. Die Eisenbahnzüge, welche aus Hamburg ankommen, sind überfüllt. Es ist rührend, die Gespräche der einfachen Arbeiter, der Landleute zu belauschen.Er war ein Mann; Er ist viel zu früh gestorben. Er hat Deutschland a- gemacht. Zwanzig Jahr' lang hätte er noch leben müssen." Das ist der Faden, der alle diese Unterhaltungen durchzieht. In Anmühle sind die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Der langjährige Freund des fürstlichen Hauses Herr Specht hul­digt den Todten. Weiter geht es durch den prächtigen, zum Frühlingsleben erwachenden Sachsenwalde. Auf den Wald und die Wafferläufe senken sich die Morgennebel hernieder. Schlechte Aussichten für den Tag", sagen die Wetter- kundigen. Auf dem Bahnhof von Friedrichsruh herrscht dich­tes Menschengewühl. Elegant gekleidete Herren in Cylinder- hüten, einfache Leute aus dem Volke in ihrer Festkleidung bewegen sich durch-inander. Vierzehn Mann der Berliner Feuerwehr unter Führung eines Brandmeisters entsteigen dem Zuge. Sir tragen Oellampen; zahllose halbverhüllte Kränze werden aus den Waggons gehoben. Alles will in Hast trotz des Getümmels die Inschriften der Kranzschleifen lesen. Die Gewinde kommen zumeist aus Hamburg, wo der Fäist die treuesten, aufrichtigsten Freunde hinterlassen hat. Beim Uebergange ber Eisenbahn, nahe dem Schlöffe, halten Fuß- Gendarmen und berittene Wachen, kräftige Leute. Sie üben ihr Amt mit Ruhe, aber trotzdem energisch aus. Den ge­messenen Befehl, daß sie das Publikum in weitem Kreise zurückhalten sollen, müssen sie unter allen Umständen be­folgen. Die Moment-Photographie scheint ihre Vertreter in Hülle und Fülle entsandt zu haben. An allen Ecken und Enden, hinter Bäumen und Maueroorsprüngen, überall lugen die Apparate hervor. Die bekannte Gestalt Schwenningers wird sichtbar; er ist soeben aus Berlin an gelangt. Ueberall begrüßen sich alte Bekannte und Freunde. Die Getreuen des Hau'es, sonst in alle Welt zerstreut, sind an dem heu­tigen Tage wieder in Friedrichsruh vereint. Mit je-em Augenblick schwillt die Fluth der Kränze. Sie werden ins

groß durch das niedere Motiv der Selbstsucht und durch die Meisterschaft, die Selbstsucht anderer in seinen Dienst zu stellen. Keine Gemeinde trauert um ihn, seine Größe ist frei von sittlichen Gedanken. Mit wunderbarem psycholo­gischem Feingefühl hat Schiller in seinem gewaltigen Drama das tragische Eude dieses Mannes als eine Folge seines astrologischen Wahnes gezeichnet. In längerer Ausführung behandelte Redner noch die Frage: Wie war es möglich, daß das Heer so schnell die Fahne wechselte und verbreitete sich dann über jenen Wallenstein, den der Dichter gezeichnet hat iu dem gewaltigsten Bühuenwerke aller Zeiten. Schiller hat in seinem Wallenstein eine typische Gestalt geschaffen, wie sie uns in Napoleon wieder entgegentritt; auch er hat an seine Sterne geglaubt und wurde von ihnen verlassen.Ich habe viele Feinde gehabt", so sagte der gewaltige Corse, als er ge­brochen in St. Helena saß, einer aber war darunter, der immer am nachhaltigsten geschadet hak, und dieser Feind war ich", und ähnlich sagt such Wallenstein wenige Tage vor seinem Tode. Der hochinierl ssaute Vortrag wurde mit stürmischem Beifall belohnt.

* Wettbewerb. Zu dem von der Rheinischen Bahn- .r-stMchast in Düsseldorf ausgeschriebenen Wettbewerb zur Er­langung ' von Bauplänen für herrschaftliche Wohnhäuser in Obncrffel sind 180 Ertwürfe eingegangen. Den ersten Preis (1500 Mk.) erhielt Architekt Franz Thyriot (ein ha- uau-r. D. Red.), den zweiten (1000 Mk.) Architekt Al- fr-b Lswitzki in Berlin und den dritten (500 Mk.) Architekt Franz Brsutzky in Köln.

* Madttyrater. (Gastspiel Edward.) Ein außer­gewöhnlich beliebter Gast, ^err Hoftath Hugo Edward, Gronh. Hess. Hofschauspieler auS Darmstast, wird am nächsten Sonntags nach längerer Zeit wieder aus unserer Bühne er­scheinen, um seine beliebte Relle den Grafen Thorane in Gutzkow's LustspielDer Königsleutnant" vorzusüh- ren. Die Vorstellung findet im Abonnement statt.