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IG 4.

Amtliches Organ fir Stadt- unS LsuSKrers Hansu.

ErfcheiKt täglich Mit Assnahure der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Rr. 61

Montag dcn 13. März

1899

Amtliches.

LcrnöKveis ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Klein- Welzheim (Kreis Offenbach) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die GehöftSsperre angeordnet worden.

Hanau am 10. März 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 3435 v. Schenck.

Dienstliachlichten aus dem Kreise.

Gesunden: Ein C'garrenetuis mit Cigarren. Eine Kinde, drille. Ein Zanella- Regenschirm, im Rathhaus stehen geblieben.

Verloren: Eine roth und grau gestreifte Waschllammer- tssche mit 100 Stück Klammern.

Zugelaufen: Ein Foxterrier, weiß, mit schwarzem Kopf und schwarzen Ohren und schwarzen Flecken auf der linken Seite.

Hanau am 13. März 1899.

Cecil J. Rhodes.

Manchen wird es überraschen, zu hören, daß Rhodes, der reiche Diamantminer besitzer von Kimberley, der frühere Ministerpräsident von Koplcnd, der rücksichtsloseste Vertreter der britischen Expansionspolitik in Südafrika, der Eroberer weiter Landstrecken und Bedränger der Burenrepublik, am letzten Freitag in Berlin ein gefressen ist, um Verhandlungen über sein großes Lieblingsprojekt, den Bau einer Eisenbahn und einer Telegraphenlinie längs dem afrikanischen Kontinent von Kapland zum Nil, anzuknüpfen. Eine nüchterne Real­politik konnte natürlich die Frage, ob man ihn empfangen sollte, nicht nach der persönlichen Abneigung entscheiden, die manche seiner südafrikanischen Zeltelungen und Eroberungs- thoten hervorgerufen haben. Er ist zweifellos eine politische Macht, für die prcktische Kolonialpolitik wenigstens, und schon seine Eigenschaft als Mitglied des Geheimen Rathes der Königin von England verleiht ihm einen gewissen An­spruch aus höfliche Behandlung;

Lange genug ist versucht worden, auf Umwegen der Ver­wirklichung jenes großen Eisenbahuprojekis näher zu kommen. Die Reise des Herrn Rhodes nach Berlin beweist, daß der Plan ohne Verständigung mit Deutschland kaum ausführbar ist. Deutsch-Oflafrika sch'ebr sich zu tief in den schwarzen Erdtheil hinein, jene Linie muß Deutschlands Gebiet berühren.

^emtiieten»

Aus 10 Stunden in Südtyrol.

Hanarr, 12. März.

Wohl dem, dessen Mittel es erlauben, zur Sommerzeit eine öue Reise nach Tirol zu machen. Er fährt dann vielleicht dem Rhein hinauf, weilt kurze Zeit am Bodensee und eilt mit dem Dampfroß über Landeck, Innsbruck durch das Sill- und Eisak-Thal nach Bozen. Anders machte ich es. Statt des Dampfrosses benutzte ich das Droschkenpferd eines Hiesigin Kutschers, ter mir am Samstag Abend gegen 8 Uhr gerade in die Arme lief. Ich machte den Lenker des Gespanns mit meinem Vorhaben bekannt; er schmunzelte, zog den Zügel an, schwang die Peitsche und fort ging es nach Südlyrol. Ah! da hatte ich es gut getroffen, denn das Winzerfest, der Freud«ntag für Alt und Jung, stand vor der Thür. Eine Unmenge Touristen war zusammen geströmt, die einen in Lodenjoppen, andre in modernen Sommeranzügen, das Ränzel auf dem Rücken, den Stab in der Hand", mit Feldstechern bewaffnet, und wie verabredet alle Jaft in runden Strohhüten. Aber ich bin unhöflich, ich hätte mit den Damen an fangen sollen. Sakra 1 sahen die erst schön aus. Weiße Sommer-Toiletten, fußfreie Sportkostüme, das Reisetäschchen umgeschrallt, kühne Hütchen mit Spielhahn- sedern, vorsichtigere Gemüther sogar mit Sonnenschirmen! Kurz, ein farbenprächtiges Bild, mitten in Weinbergen, von hohen Gebirgszügen umgeben. Hie und da einKreuzet , die Stelle bezeichnend, an der Eepp'l abgestürzt. Und am Fuße der südlichen GebirgShöhen die freute KneipeZum Enzian", am Nordende dieSchwemme". Aber was höre ich auf einmal, fröhliche Klänge treffen an mein Ohr, richtig, das fröhliche Volk der Winzerinnen und Winzer zieht ein. Eine kleine Musikbande an ter Spitze, Weinlaub umwundene

In den Audienzen des Herrn Rhodes in Beilin wird es sich daher darum gehandelt haben, um welchen Preis Deutschland darein willigen würde, daß die piojeklirte Eisenbahn- und Telegraphenlinie durch das deutsche Hinterland in Ostafrika am Njassa- und Tanganika-See führt.

Selbstverständlich wäre es verkehrt, von einem solchen Geschäfte blos deshalb, weil der Unterhändler aus seiner Vergangenheit manches auf dem Kerbholz hat, auch dann abzustehiN, wenn es effenbare Vortheile für Deutschland böte. Daß dies möglich ist, liegt auf der Hand; es kommt auf die Garantien an, die unsere Regierung verlangen und die Rhodes zu geben in der Lage fein wird. Das in gehört z. B. die Forderung, daß auf ter Strecke im deutschen Schutzge­biete deutsche Beamte und deutsches Material verwendet wür­den und daß eine deutsche Verwaltung herrscht. Jedenfalls darf man das Vertrauen zu unsern leitenden Kreisen haben, daß sie sich die Wünsche des Herrn Rhodes sehr genau an­sehen und sich nur auf Dinge mit ihm einlassen werden, bei denen die Wahrung und Förderung des deutschen Interesses garantirt ist.

Teutscher Reichstag.

(Sitzung vom 11. März.)

Am Bundesrats! tische: Kolcnialdir«ktor Dr.v. Buchka. Fortsetzung der zweiten Berathung des Kolonialetats. Der Etat für Togo wird debartelos angenommen. Bei dem Etat für SAweflafrila bemerkt Abg. Bebel (Soz.), es sei merkwürdig, daß in dem Falle des Dr. Ester die höchsten Kreise so hätten tupüt werden sönnen. Das Kolonialamt hätte dem Vorbeugen müssen. Direktor v. Buchka erwidert, laß die Kolonialverwaltung zu Dr. Esser keine Beziehungen hätte. Effer sei Privatmann; deshalb hätte Redner keine Veronlossrmg, sich um Preßangriffe gegen Dr. Esser zu kümmern. Auf die von Bebel berührte Thatsache der Ordens­verleihung an Ester könne er nicht eingehen, da die Ordens­verleihung ein Prärogativ der Krone sei. klebrigeres sei von der Militärb«körde eine «hrenger Etliche Untersuchung gegen Ester «ing«leitet worden, vorüber er aber keine Auskunft geben könne. Die avgtblich-n Beziehungen zwischen Esser und tem Okertzcfmeister Mirkoch teständen nicht. Abg. Bebel (Soz.) temängelt, daß Ord>n verliehen werden, ohne daß das Ressort über die betr. Person gefragt sei. Kolonialdirektor v. Buchka: Ich bitte, mich nicht mißzuver- stehen. Ich habe gesagt, daß ich nicht in der Lege bin, über die Vorgeschichte der Verleihung des Kronenordens 2. Klaffe an Dr. Esser hier Auskunft zu geben. Eine Reihe von Titeln wird gemäß den Kommissiovskesälüssen angenommen.

Stäbe in der Haud, leichten Schrittes kam sie heran. Nur einer , Wunsch wieoerholte, bedarf kaum der Erwähnung. Wußte geht langsam, man merkt es ihm an, das Gehen wird ihm bei! Sie denn schon, daß man sich in Tyrol duzt?

seiner Korpulenz schwer, aber der beste ist es doch der Herr

Bürgermeister. Neben ihm in Lederwams, einen gewaltigen Speer in der Hand, die Mütze mit Fuchsschwänzen reichlich verziert geht der Ortsdierer. Plötzlich verstummt die Musik, der Bürgermeister tritt neben denEnzian" und hält eine wohl- gelungene Rede, die der Herr Lehrer in Reime gesetzt hat.

Er weist auf die Beschwerden, die das Winzerleben mit sich

bringt, hin, wettert gegen die Reblaus, zieht Vergleiche zwischen so ermüdet, daß der Bürgermeister sich genöthigt sah, von dem Weinbau in feiner Gemeinde und dem am Rhein, in einer Bestrafung abzusehen.

Hörstein und Hochstadt, wo man mit demWeinberlen bie' Die Anwesenheit der Gäste hatten die Tyroler dazu be- Spatzen todt schießen könnte," freut sich daß in Tirol immer nutzt, ihnen die Erzeugnisse ihrer Weinberge nicht nur im die Sonne die Beeren so schön süß macht und schließt mit flüssig«n, sondern auch im Naturzustand darzureichen. Durch einemJuhu".Es lebe hoch der Winzerstand und hoch daS Städtchen fuhr ein von kräftigen Winzern gezogener mei' schön's Tyroler-Land. Schließlich begrüßt er noch die Wagen, von bem an8 lieblich lächelnde Winzcrinncn Trauben, Gäste, dankt ihren für ihr zahlreiches Erscheinen und fordert Tmoler Aepfel u. s. w. zum Verkauf anboten. Wer hätte sie auf an dem fröhlichen Treiben recht lebhaft theil zu nehwtn. da widerstehen können? Sie '«gten arch, der Reinertrag Auf seinen Zuruf spielen die Musikanten und bit8 Winzer- wäre für einen wohlthätig!n Zwecks außerdem Jtänbe die Völkchen führt einen gut einstudirten, wohl gelungenen Reigen aus, noch verschönert durch Chorgesong. Aber die Südtyroler sind gute Menschen, sie lassen andere an ihrem Glück theil-

nehmen; wenn sie jetzt den zweiten Tauz tanzten, sollen sich alle Touristen anschließen. Und so geschah es auch. Dank der trefflichen Führung des Tanzlehrers, der wie ein Feld­herr mit feinem Stake den Zug leitete, ging alles in bester Ordnung. Zither-Vorträge und einige Volkslieder trugen viel zur Erhöhung der Festesfreude bei. Nur schade, daß das Koschatffche Lied: Verloaffen, verloasten, verloasten bin Vz nicht vomEnzian" aus tot getragen wurde. Es wäre von oben herab noch besser zur Geltung gekommen. Eine besondere Freude für die Touristen war es, einen waschechten Schuhplattler zu sehen, der um sein höchst graziös tanzendes Dirndel" bald auf den Füßen, bald auf den Händen herum- ^wu^-»"^» ~< sprang. Juhn, da saßt er sie an, schwingt sie in die Höhe Heimkehr denken, unb beschließt so den Tanz. Daß er ihn auf allgemeinen dort war, bestätigen können. Juhu!

Die Kommission beantragt, die geforderten 25,000 Mark zur Beihilfe für sich ansiedelnde deutsche Mädchen zu streichen.

Abg. Bebel (Soz.) bemängelt die Bedingungen uns Lohnverhältnisse, unter denen diese Mädchen engagirt werden. Es fehle ihnen außerdem die Möglichkeit, zurück.ukommen. Al g. v. Arnim (Rpt.) hält die Lage der Mädchen durchaus nicht für so bedauernswerth, wie Bebel sie geschildert habe. Die ganze Angelegenheit stehe übrigens unter Aufsicht des Gouverneurs. Abg. Mülle r-Sagan führt aus, der Ver­trag gebe zu schwerwiegenden Bedenken Anlaß. Man wolle die Mädchen dem Wohlwollen des Gouverneurs empfehlen. Das bedeute ein weißes Sllavenoerhältniß. Der Vertrag stimme nicht mit dem sittlichen Begriffe des deutschen Volkes ükeieiv. Abg. Bebel (Soz) meint, Sklavinn« rhältniß sei der richtige Ausdruck, denn alle Rechte seien auf Seite der Herrschaft. Die Mädchen hätten nur Pflichten. Kolonial- direktor v. Buchka erklärt, der Abg. Bebel habe offene Thüren ein gestoßen. Der Posten sei in der Kommission ge­strichen worden. Redner gibt zu, daß der Vertrag mit deutschen Mädchen Härten enthalte. Auf feine Anregung habe aber die Kolonialverwaltung Remedur bezüglich der freien Rück­beförderung und nach der Richtung tzin, daß bei der Ent­lassung die Entscheidung der Gerichte angerufen werden müsse, in Aussicht gestellt. Die Tendenz des Vertrages sei gut. Es sei dringend wünschenswerth, rein deutsche Familien in den Kolonien seßhaft zu machen.

Es folgen Bemerkungen derAbgg. Bebel und v.Kar­de rff. Abg. v. Arnim (Rpt.) wirft dem Abg. Bebel vor, mit der objektiven Wahrheit auf gespanntem Fuße zu stehen und streitet ihm als Verfasser des BuchesDie Frau" das Recht ab, hier für die deutsche Frau einzutreten. Nach tem Komwissionsantrag wird der Posten gestrichen -unb der Rest des Etats für Südafrika angenommen. Bei dem Etat für Neu-Guinea beantragt die Kommission eine Resolution, wonach das Auswahlrecht der Neu-Guivea-Kompagnie auf 50 600 Hektar Land auf drei Jahre und auf das Kaiser W«lhelm-Lrnd beschränkt werden soll. Abg. Frese (fr.Vgg.) erklärt, daß die Baumwoll- und Tabakpflanzungen in Neu- Guinea Erfolg versprächen. Der Besitz Neu-Guineas sei werthvoll. Der vorgelegte Vertrag sei bester als der frühere. Redner stimmt der Rzsolutionzu. Kolonialdirektor v.Buchka erklärt, von einem Vorzugsrecht der Neu-Guinea-Kompagnie stehe im Vertrage nichts. Er habe gar nicht die Absicht, ihr den Vorzug eirrzur Lumen, er würde sich im Gegentheil freuen, wenn sich möglichst viel neue Unternehmer fänden. Abg. G amp (dt. Rpt.) ist mit dem neuen Verträge einverstanden, ebenso mit einer angemessenen Entschädigung der Neu Guinea- Kompagnie. Es scheine aber nicht allzuviel Werthvolles

Ja das ist dort so. Der Herr Bürgermeister hat es laut und vornehmlich g sagt. Unb Gnade dem, der mit dem steifenSie" kam. Da waren der Orts- und Polizeidiener sofort bei der Hand und arretirten den Sünder. Ins Ge­fängniß wurde er geschleppt und mußte da schmachten, bis er ein angemessenes Lösegeld bezahlt hatte. Schließlich war das Zuchthaus so überfüllt und die armenAugen des Gesetzes"

große Koste so schlecht, wie" nur denkbar. Unb damit ver­wiesen sie uns auf einen Auszug aus demHauptbuch", da stand schwarz auf weiß: Einnahmen 3000 M., Aus­

gaben 2999 M.

Von den anderen National-Tänzen will ich der Kurze halber nur noch denSteirischen" erwähnen. Ich nannte vorhin dieSchwemme". DieSchwemme" ist ein Wirths­haus am Nordende des Städtchens. Dort wurde gutes Bier verzapft und eine kleine Tyroler-Gesellschaft gab da Vorstel­lung. Ein etwas blaß aussehender und scheinbar früher durstig gewesener Tyroler zeigte den Weg zur Bierkneipe.

Nachdem ich ca. 10 Stunden in dem schönen Tyroler- Land verbracht hatte, natürlich ließ man eS sich nicht ent­gehen, Ansichtskarten an die Lieben in der Heimath in die schwarz-gelben Briefkästen niederzulegen, mußte ich an die , Schön war es, das wird jeder, der