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Erscheiut täglich Mit Abnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

St. 58

Donnerstag den 9. März

1899

Dienstnachiichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Eine dunkelblaue Rockbahn. Eine schwarze Sammtmütze (rchülermütze). Ein Päckchen Goldstaub. Ein kleines Portemonnaie, Inhalt 8 Fünfpfennigmarken und 2 kleine bejchrnb-ne Zetbl. Ein langer schmaler Riemen, auf der städtischen Sparkasse liegen geblieben.

Hanau am 9. März 1899.

Parlamentarisches.

Der bisher im Allgemiinen rubice und leidenschaftslose Verlauf der Verham lungen des Abgeordnetenhauses wurde gestern durch eine erregte Debatte von hochpolitischem Charakter unterbrochen, indem die Adgg. M u n ck e l und Dr. Langer- h a n 3 einen demonstrativen Vorstoß in Sachen des Fried- Hofes der Märzgefallenen unternahmen. Während letzterer, bekanntlich Vorsteher der Berliner Stadverordnetenversammlung, feinem Bedauern Ausdruck gab, daß man den Märzgefallenen nicht einmal dieses kleine Denk ^al gönne, machte der Abg. Munckel, der nicht weniger denn drei Mal düs Wort ergriff, gar kein Hehl daraus, daß seine Ausführungen die Ver­herrlichung des Märzaufruhrs bezwecken. Natürlich blieben die Expektorationen der Freisinnsredner nicht unwidersprochen. Konservative und Freikonservative waren einmüthig in der Verurtheilung des gegnerische» Vorstoßes; der Abg. von Pmtkammer-Plautb erging sich in so leidenschaftlicher Kritik des freisinnige« Standpunktes, daß er sich eine zweimalige Rüge drs Präsidenten zuzog. Auf die Sache selbst einzu-

gehen, lehnten die Redner aus dem Hause ebenio wie der

Minister der öffentlichen Arbeiten mit dem Hinweise ab, daß .... _ . . ,.

Inlett ttiti8 sei, eine mr t^Ktli^n SnWeilmtig neunte «"** wird di- B°!l-g- °°,°n.stchllch am D°°°°,st«g

Frage im Parlament aus'S Tapet zu bringen. Zugleich ver­wahrte der Minister sich und die Staatsregierung mit größter Bestimmtheit gegen die tendenziöse Munckel'sche Auffassung von der geschichtlichen Bedeutung des 18. März 1848. Nach diesem stürmischen Intermezzo wandle sich das Haus wi.der _ seiner eigentlichen Aufgabe zu. Ueber tie künftige organi-; auf 14, 20, 24, 30, 36 Pfennig fest. Die Grnndbet ä^e satorische Unterbringung der Wasserbauverwaltung entspann! der Invalidenrenten belaufen sich nach den fünf Lohnklassen sich eine Fehde zwischen den Vertretern der Industrie urd des! auf 60, 70, 80, 90, 100 Mark, die Steigerungssätze für Handels tivers-its, den Vertretern der Landwi.thschaft anderer-^jede Beitragswoche auf 3, 6, 8 10, 12 Pfennig. Der von

feits, indem jene gegen, diese für die Übertragung der Wafferwirthschast an das Landwirthschaftsministerium ein- traten. Auch dir Beschwerden der unteren und mittleren Oderuferanlieger fanden ihre Wortführer, denen zunächst ein Kommissar, dann der Minister selbst mit Richtigstellung ent- gegentrat. Der Minister erklärte, daß ein umfassendes Pro­jekt zur Beseitigung vorhandener Mißstände im nächsten Jahr im Zusammenhang mit den geplanten Verbesserungen im

Laufe der oberen Oder den Lardlai be-chäftiren wcrce und vom 1. Januar 1900 ab ein Theil der Beiträge buchmäßig

ZfEiRskSM.

WicÄadcncr Kaiscr-Festspiclc.

Aus einer Vorliebe Kaiser Wilhelms II. für das Wies- badenir Hoftheater heben sich im Laute der Zeit die Wies­badener Kaiser-Festsp'ele entwickelt. Sie sind die ständige Institution im deutschen Kunstteben geworden. Auch außer­halb der deutschen Lande haben sie Interesse erregt und oben namentlich auf die Amelilaner eine besondere Avzichungs- krast aus. , . , _.

Den Mittelpunkt der am 14. Mai begrünenden Wies­badener Kalser-Festspiele dürfte, wie es beieti8 im Jahre 1897 der Fall war, auch in Zukunft ein historisches Drama von Joseph Larff bilden. Damals war es derBurggraf ; diesmal wirb es derEiferzahn" sein. Auf Anregung bis Kaisers schreibt Lauff eine Hohenzollern-Tetralogie. ^er erste Theil dieser Dichtung behondelt eben denBurggrafen , der zweite denEiserzahn", der dritte denGroß«» Kurfürsten und der letzteFriedrich ten Großen."Fußend auf eigener Krsft, Begründung des Anspruchs des durch gesunde voLs- entwicklung geforderten Ansehens in Deutschland , daS ist die Grundidee, auf der das DramaDer große Kurfürst aufgebaut werden soll. Selbstredend soll hier die kuUmelle That des Hohenzollern-Fürsten, die Aufnahme der RösugtS s, mit der dramattschen Handlung verwoben werden. Im letzten Theil wird die Gestalt des volksthümlichsten preußischen KSnlgt den Mittelpunkt bildev, um den sich die für die Gestaltung unseres Staatslebens charakteristischen Anschauungen, Persön- lickleiten und Handlungen der damaligen Zeit gruppiren.

' Joseph Lauff hat feinenEisenMn" nahezu vollendet, und Herr von Hülsen, der Jr tendont deS Wiesbadener Hof- theaters, hat daS Drama bereits dem Kaiser vorgelesen. Der

bemerkte noch gegenüber dem ASg. v. Wangen heim, daß die Overregulirung keineswegs im einseitigen Interesse der Schiffsatzrt, Widern naL vorgängigem Einvernehmen und mit Zustimmung des Landwirthschafts-Ministeriums bewirkt worin sei. Die Verharzung wurde in der aus 71/s Uhr anberaumten Abendsitzung so:tgesetzt.

Aus den Kommiffions-Berathungen.

Berlin, 8. März. Die Cer bnmsfraktion des Reichs­tages tat gestern Abend ihre Stellung zur zweiten Lesung der Militär-Vorlage eingehend berathen und be­schlossen, der Regierung unter theilweiser Aufhebung dir Be­schlüsse erster Lesung entgegen zu kommen. Nach dem in erst r Lesung angenommenen Anträge Gröber ist eine Durch- schnittsstäike von 584 Köp'en bei Jufanierik-Batcillonen be­schlossen worden. Außerdem hatte man die in Preußen für die Kavallerie geforderten 1630 Mann abg-setzt. Das Centrum will nun den Durchschnittsrtat der Jufanterie- Bstaillone mit 585 Köpfen und bei der Kavallerie dem Mehr von 10 Schwadronen zustimmen und hat in diesem Sinne bereits seine Anträge eingebracht.

Berlin, 9. März. Die Verständigung über die Mili­tär-Vorlage könn nach den gestrige» Beschlüssen der Budget-Kommission im Reichstage als gesichert betrachtet wer­den. Dr. Lieber beantragt die Zahl der gemeinen Soldaten auf 495 000 festzusetzen und 465 Eskadronen Kavallerie und 17 Eskadronen Jäger zu genehmigen. Dieser Antrag wurde mit 19 gegen 7 Stimmen angenommen. Im Plenum des

der nächsten Woche zur Verhandlung kommen.

Berlin, 9. März. Die 9. Kommission des Reichstags zur Borberathung der Novelle zum Jnvalidenver- sicherungsgesetz setzte gestern im § 20 nach den An­trägen Schmidt die Wochenbeiträge für die fünf Lohnklassen

ben Versicherungsanstalten aufznbiingende Theil der Alters­rente beträgt in den 5 Lohnklassen 60, 90, 120, 150, 180

Mark. Nach § 20 fall die Gemrinlast gebildet wtrden durch drei Viertel aller Altersrenten, die Grundbeträge aller In­validenrenten, die Rentensteigerungen infolge von Krankheits- wochen und die Revteuabrundunger!. Alle übrigen Veipflich- tun^en bilden die Sonderlast der Versicherungsanstalt. Zur Deckung der Gemeinlast wird in jeder Versicherungsanvalt

Monarch, welcher den Entwurf kannte, war von der Aus­arbeitung in hohem Grade befriedigt. ImBurggraf" machte Lauff den Versuch, die Niedcrwe:fuvg der Anarchie, die Noth­wendigkeit einer Begründung der gesetzlichen Ordnung durch die ReichSgewalt zu schildern. Im zweit,n Thc^l der Tetra­logie, in dem DramaDer Eisenzahn" behandelt er die Niederwerfung der städtischen Sonderntereffen. Der historische Grundgedanke, ous dem sich dieses Stück auf baut, ist folgen­der : Noch immer war beim Tode Friedrichs I. die Gewalt des Landesherr» in der Mark Brandenburg eine außerordent- l'ch beschränkte. Wenn auch Friedrich I. die Macht des rebel­lischen AdelS gebrochen hotte, wie kiel Ernst v. Wi'denbrr ch in seinenQuitzowk" mit so hinreißender dramatischer Kraft barfteDt, so woren andererseits der Trotz und der Widerstand der Städte um so böher gewach'en. Diese bildeten jetzt beim Regierungsantritt Friedrichs II., des Markgrafen mit den eisernen Zähnen, das Hinderniß einer kirheitlichen Volksent- wicklung und Landesregierung. Jede Stadt war stolz auf ihre an gemalten Privilegien und Rechte, nnb keiner fiel es ein, irgend ein Vorrecht zum Besten der Ullge»einheit zu opfern. Ein Mann mit gepanzerter Faust that noth, und dieser erstand den selbstsüchtigen Städtern eben in der Gestalt Friedrichs deS Eisenzahns. Die rückstchlSlose Politik städtischer Sonderinteressen zu brechen, einen einheitlichen Staat aus der Mark Brandenburg zu machen, das war das Ziel, welches sich der thatkräftige Herrscher gestellt hatte und erreichte. ES ist auch das Leitmotiv deS zweiten Dramas aus der Tetralogie: Die Hohmzollern".

Aus liefen Verhältnissen heraus, mit ihnen aufS innigste verwachsen, entwickeln sich die Charakle e und Handlungen des DramaS. Die leidenschaftlich bewegte Szene, in der sich die politisch erregte Stimmung widerspiegelt und der steinerne Roland, das Sinnbild der städtischen Gewalt vnd deS Blut- bannes, gestürzt wird, dürsten den poetischen Höhepunkt des

auSgeschieden (GemeiuvermöM). Dieser Theil beträgt bis auf weit r s 4/io; eine anderweite Festsetzung desselben be­darf der Zustimmung deS Reichstags. Jede Versicherungs­anstalt vervaltet den für die Gemeinlast bestimmten Theil bei Vermögens, sowie ihr Sondervermözen selbstständig. Der Bundesrath bestimmt unabhängig von der jeweiligen Kapital­bewegung einheitlich den Zinsfuß, nach dem jede Versicherungs­anstalt den für die Gemeinlast bestimmten Theil ihres Ver­mögens tu verzinsen hat.

Berlin, 8. März. In der Budget-Kommission des Reichstages wurden heute Vormittag bte Berathungen des Kolouial-EtatS fortgesetzt und die für deutsche Mädchen, welche sich in der Kolonie ansiedeln sollen, geforderte Summe von 25,000 Mk. vom Kolonialdirektor v. Buchka nach längerer Debatte zurückgezogen. Schließlich wurde der Ge- sammtetat angenommen.

Berlin, 8. März. In der Reichstags Kommission für die Bank-Novelle find heute die Anträge, das Grnud- kapital der Reichsbank auf 200 bezw. 180 Millionen Mk. z» erhöhen, obzelehnt worden. Die Bestimmung der Re- gierungs-Vorlage, wonach die Erhöhung von 120 auf 150 Millionen eintritt, wurde angenommen. Es bleibt bei den Beschlüssen erster Lesung, wonach die neuen Antheile im Wege öffentlicher Zeichnung zu begeben sind.

Tagesschau.

Neuerangen betr. die Arbeitszeit der jugend­lichen Arbeiter in Fabriken. Eme der bisher noch nicht in der Oeffentlichkrit ermähnten Neuerungen der dem Reichstage ^gegangenen Gewerbeordnungsnovelle betrifft die Arbeitszeit der jugendlichen Arbrster in Fabriken. Bekannt­lich dürfen junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren in Fa­briken nicht länger als 10 Stunden beschäftigt werden. Werden sie täglich über sechs Stunden beschäftigt, so muß ihnen nach dem jetzigen Wortlaut der betieffenden Vorschrift der Gewerbeordnung außer einer einstündchen Mittagspause vormittags und nachmittags je eine halbstündige Pause ge­währt werden. Diese Pausen müssen ihnen gewährt werden, auch wenn die Beschäftigung am Vor- oder Nachmittage weniger els je fünf Stunden beträgt. Infolge dieser An­ordnung kon' ie es vorkommen, daß Arbeitgeber, welche ihre jugendlichen Arbeiter, um ihnen eine Wohlthat zu erweisen, erst nach Seenbigmeg der für die erwachsenen Arbeiter einge- richteien Frühstückspause in den Betrieb eintreten ließen und sie von da ab bis zur Mittagspause, also wesentlich kürzere Zeit als fünf Stunden, ohne Pause durcharbeiten ließen, zur gerichtlichen Bestrafung gezogen wurden. Ob^chon eine der­artige Regelung der Arbeitszeit durch eine Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde zu erreichen ist, so ist dies doch

Etjenzatzn" bilden. Der Kaiser hat, wie schon bemerkt, auch diesem zweiten Theil der Joseph Lauff'schen Hohenzollern- Tetralogie, bie'im übrigen scenisch fast durchweg einen bürger­lichen Hintergrund hat, sein Interesse zuzewandt, und die einfrinen Figuren zumEisenzahn" selbst entworfen.

Während das historische Drama im Mittelpunkt dieser Festspiele steht, sind diese im übrigen aus Musteraufführungen haupt'ächlich deutscher Opern, zusammengesetzt. Hierdurch wird den Festspielen der Charakter des Einseitigen genommen und der Stenpel des Allgemein-Künstlerischen ausgeprägt.

Intendant von Hülsen wird auch dieses Mal der Fest­spielleiter sein. Er hat ein außergewöhnliches Regietalent be­wiesen und den Festspielen stets eine geschmackvolle und glän­zende Juscenirung gegeben.

Historisch-patriotische Dramen werden vielfach pro und contra biicstirt. Aber bei Joseph Lauff hat man die Ge- wißheir, daß ihm jeder gemachte Patriotismus fremb ist, daß seine Liebe zum Hohenzollernhause seinem innersten Empfinden entquillt.

Das Telephon für Alle.

(Stockholmer Brief.)

Das Wahrzeichen des modernen Stockholm ist ein mäch­tiger, viereckiger Thurm, ganz aus Eisenstangen, zwischen denen sich Tausende feiner Drähte hin und her spinnen. Wie ein ungeheures Netz scheint das Geflecht Himmel und Erde zu binden, zierlich an den vier oberen Ecken von kleinen Wart­burgen gekrönt, die wir Schwalbennester mitten in der Luft zu hängen scheinen. Von welcher Seite man sich immer Stock­holm nähert, aus dem wogenden Häusergewirr ragt stets auf viele Kilometer weit dieses zierliche, scheinbar tausendfältig durchbrochene Gerüst hervor, die Stadt beherrschend, ähnlich wie der Eiffelthurm Paris krönt.