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Nr. 32

Dienstag den 7. Februar

1899

Amtliches SlerHtkveis ^tanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Die für Errichtung eines Kühlhauses bei dem Schlacht­hof hier erforderlichen

Maurer-, Steinmetz-, Zimmer-, Dachdecker-, Spengler-, Glaser-, Schlosser-, Schreiner-, Weißbinder-Arbeiten < sowie die Eisenlieferung sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden.

Pläne, Beschreibungen und Arbeitsauszüge liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer 23 des Rathhausks, für Btwerber zur Einsicht aus. Auszüge sind abschriftlich für 60 Psg. daselbst zu beziehen und werden verschlossene Angebote bis zum 8. Februar d. I., vormittags 11 Uhr, bei obiger Amtsstelle entgegengenommen.

Die Eröffnung findet in Gegenwart etwa erschienener Bewerber um die vorgenannte Zeit im Zimmer 24 des Rath­hauses statt.

Hanau den 26. Januar 1899.

Stattbauamt I.

Thyriot. 1580

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine schwarze Schürze. Ein Leihhausschein Nr. 5743. Ein Portemonnaie mit 12,39 M. Inhalt; Em­pfangnahme bei dem Herrn Bürgermeister zu Ostheim.

Zu geflogen: Ein weißes Mövchen.

Entflogen: Ein weißer Schmaikaldener Mohrenkopf mit Halskrause.

Zugelaufen: Ein großer schw. Hund; Empfangnahme bei Jakob Kolb zu Ostheim. Ein weißer Foxterrier mit schw. Flecken; Empfangnahme bei Wirth Keller zu Ostheim. Ein brauner Dachshund m. Geschl.; Empfangnahme bei Wagner Hildebrandt zu Ostheim. Ein schwarzer Rehpinscher.

Hanau am 7. Februar 1899.

Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 16. November 1898 wird der Handel mit Klauenvieh im Umher­ziehen im Kreise Offenbach auf Grund des § 56b der Reichs­gewerbeordnung bis zum 1. März 1899 hierdurch ver­boten.

Offenbach a/M. den 30. Januar 1899.

Großherzogliches Kreisamt.

Haas.

Graf Caprivi t»

Der frühere Reichskanzler Graf C a p r i v i ist am Montag Vormittag auf dem Rittergut Skyren bei Crossen »n der Over, wo er seit seiner Entlassung als Kanzler in stiller Zmückzezogenhcit seinen Wohnsitz hatte, gestorben. Der Dahingeschirdene, welcher schon früher häufig mit Herzaffek­tionen zu thun hatte, war bereits längere Zeit leidend und mußte seit drei Tagen das Bett hüten. Sonntag Abmd trat ein Lungenödem ein und gestern Vormittag 10 Uhr ent­schlief Caprivi ganz sanft infolge HerzschlageS. Des deut­schen Reiches zweiter Kanzler hat ein Alter von nicht ganz 68 Jahren erreicht. Auftreten und Wirken des Verstorbenen als Nachfolger deseisernen" Kanzlers find noch in frischer Erinnerung, da sein Rücktritt erst vor noch kaum 4 Jahren erfolgt ist. Das 78. Infanterie Regiment (Osnabrück) wird durch eine Deputation einen Kranz am Sarge seines Chefs niederlegen lassen. Die Beerdigung findet am 9. d. MtS., nachmittags 1 Uhr, in Skyren statt.

[@raf Georg Leo von Caprivi war geboren am 24. Februar 1831 zu Charlottenburg, besuchte das Werdersche Gymnasium in Berlin, trat 1849 in das Kaiser Franz-Grenadier-Regiment, wurde 1350 Sekonde-, 1859 Premierleutnant und 1861 Hauptmann im Generalstabe; 1865 kam er als Konpagniechef in das 64. In­fanterie-Regiment, wurde 1866 in den Großen Generalstab versetzt, nahm am Feldzuge in Böhmen Theil, wurde zum Major befördert und kam nach dem Frieden zum Generalstabe des Gardekorps. 1870 wurde er Oberstleutnant und Chef des Generalstabe- des 10. Armeekorps und nahm an den Kämpfen von Metz und Or- leans sowie an der Loire hervorragenden Antheil; nachdem er bis 1882 nach und nach zum Generalleutnant und Kommandeur der 80. Division in Metz aufgerückt war, erfolgte am 20. März 1883 seine Ernennung zum Chef der Admiralität. Nachdem er aus letz­terer Eigenschaft am 5. Juli 1888 seine Entlassung genommen, wurde er schon am 10. Juli zum kommandirenden General des 10. Armeekorps in Hannover ernannt, nachdem er bereits im April General der Infanterie geworden war. Nach BiSmarcks Ent­lassung, 20. März 1890, wurde Caprivi zn dessen Nachfolger als Reichskanzler, preußischer Ministerpräsident und Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten ernannt, auf welchem Posten er bis zum Frühjahr 1895 verblieb^

Berlin, 6. Febr. Die Abendblätter besprechen den Lebensgang des Grafen Caprivi: DieKreuzztg." sagt, es sei nicht daran zu zweifeln, daß Caprivi bei allen Maßnahmen von den besten und redlichsten Absichten geleitet wurde. DiePost" schreibt: Er übernahm das Amt unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen mit redlichstem Willen und größter Pflichttreue. DieVoss. Ztg." führt aus: Ja verschiedenen Strllungm suchte der tapfere, uneigennützige Mann dem Vaterlands und seinem Könige zu dienen, immer nach bestem Wissen und Gewissen. Graf Caprivi sicherte sich ein ehrenvolles Andenken.

Parlamentarisches.

Der Reichstag brächte gestern die Berathung deS PostordinariumS mit Ausnahme einiger an die Budget- kommission zurückzewiesenen, die Assistenten und üermannte : Kategorien betreffenden, Titel zu Ende. Die politische Debatte wurde von der freisinnige« Seite (Abgg. Müller- Sagan und Lenz man«) noch einmal mit einigen Beschwerdesällen ausgenommen, die das politische Verhalten von Postdirektion«» betrafen. In einem Falle war bereits Rcwedur erfolgt, im : anderen der Instanzenweg noch nicht erledigt. Der StaatS- lsekretär v. Podbielski erklärte, er wolle keine Wahlbeein- fluffungeu, lehne eS aber entschieden ab, dem Reichstage über DiSziplinarentscheidungen Rechenschaft zu geben, für die er nur dem Reichskanzler verantwortlich sei. DerAbg. Singer i betheiligte sich an der Erörterung, um zu erklären, daß die Haltung der leitenden Stelle gegenüber den Sozialdemokratin die Nachgeordneten Postbehörden zu Amtsüberschreitungen an- reize. Auf diese R ü ck z u g S k a n o n a d e, wie der Staats­sekretär die Rede treffend bezeichnete, kam Herrn Singer eine kräftige Antwort aas der Centrumspartei. Der Abg. Lieber beleuchtete unter «armer Anerkennung für die soldatische Offenheit, Entschiedenheit uad Pflichttreue des Staatssekretär-, der trotz seines Gichtleidens scho» den dritten Tag auf dem : Platze sei, die hämischen sozialdewokratischen Angriffe gegen i die Verwaltung und legte insbesondere wen dem Fachblatt jDeutscher Postbote", dessen Abonnementiserbot der H«upt- gegenstand der oppofitouellen Erregung vom Ende der vorigen Woche war, eine Anzahl Blätter vor, wie sie ihm auS Kreisen von Postbeamten mit dem Ausdrucke höchster Ent­rüstung zugegangen waren. Nicht der Staatssekretär, wie Herr Singer behaupte, sondern diejenigen, von denen jene f fortgesetzte Hetzerei und hämische Herabwürdigung der Ver- waltung auSgehe, seien schuld, wenn eine Posibehörde einmal im Zorn die Grenze unbedingter Korrektheit überschreite. Des -Ferueren ist auS der Verhandlung die Mittheilung des Be­richterstatters der Budgetkommission hervorzuhebe«, daß man in der Kommission gegenüber den forgesetzt einlaufenden Petitionen um Gehalt-verbesserungen übereingekommen ist, die Besoldungsreformen von der Beseitigung einzelner Härten abgesehen, nunmehr als abgeschlossen zu be- ' trachten. Ein Antrag des Abg. B a s s e r m a n n, der bei der veränderte» TehaltSregelung eine Verschlechterung für die jetzt im Amte befindlichen Postdirektoren vermiede» sehen möchte, würbe an die Budgetkommission überwiesen. Die Anstellung weiblicher Beamten wurde wieder berührt, und der Abg. Prinz Echönaich-Carolath drückte dem Staats­sekretär für die nach dieser Richtung getreffrnen Maßnahme» den Dank der für Erweiterung des FraueuerwerbS eintretexben Kreise aus. Ueber die Frage, inwieweit bezüglich des W»h-

FeNMstso».

Stadtthcater in Hanau.

Hanau, 7. Februar.

In einer der mächtigen Dichtung für unsere Verhältnisse im Großen und Ganzen würdigen Aufführung ging am Sonntag an unserer BühneWallensieins Tod", der Wallenstein-Tragödie letzter Theil in Szene. In den ersten Frühlingstagen des Jahres 1799 konnte Schiller in seinem Tagebuch die Vollendun« seiner Wallen- stein-Trilogie verzeichnen, nachdem er nahezu zwei Jahre mit dieser mächtigen Dichtung zugebrocht hatte. DasLager" hatte seine erste Aufführung bereits im Oktober 1798 in Weimar im Beisem des Dichters gefunden, dem dann diePiccolowini" Ende Januar und Wallensteins Tod' im April deS Jahres 1799 nachsolgten. Ein Jahrhundert ist also vergangen, seit Schiller diese herrliche Dichtung vollendet und sie ferner Nation zum Geschenk machen konnte und von ihrem mächtigen Reiz hat dieselbe nichts eingebüßt. Haben doch die Worte eines echten Dichters eine unvergängliche Kraft, die alle die lauten Nichtigkeiten übertönt. Wir schätzen in der Wallenstein-Trilo- ßie eine der erhabensten, werthvollsten und vollendetsten Tragödien, welche die Weltlitteratur aufzuweisen hat und in welcher die dra­matische Kunstgestaltung unseres Schillers auf ihrer vollen Höhe steht. Den historischen Gestalten der Vergangenheit hat seine Dichter- kunst neues Leben gegeben, der mächtigen Gestalt des Wallenstein dre Volksthüwlichkeit bewahrt und über das Ganze einen Hauch echter Poesie gebreitet. Dazu die herrliche Sprache, deren wunder­bare Macht und hinreißende Kraft die Zuschauer von Sonntag empfunden haben. Wohl hat die strenge kritische Beurtheilung auch an dreser Tragödie manches auSzusetzen gehabt, im besonderen die unbestimmte Zeichnung der Frauengestalten, aber der künstlerische

®an$e8 und seine hohen Vorzüge wurden dadurch nicht herabgesetzt. Was nun die Aufführung an unserer Bühne betrifft, so haben wer schon oben bemerkt, daß dieselbe eine recht befriedigende war, der lebhafte Beifall, mit dem das Publikum die Aufführung bc- glertete, war wohlverdient. Die Regie, in den bewährten Händen des Herrn Steingötter, zeigte sich klug und geschickt in der Be­wältigung ihrer Aufgabe, besonders wirkungsvoll war die Massen­szene der Pappenheimer Kürassiere herausgebracht worden, wo der Regte, wie wir zu unserer Freude bemerkten, auch die nöthige An­

zahl Statisten zum Verstärken der dramatischen Wirkung zu Gebote standen. Von den Einzelleistungen interessirte ganz besonders Herr Direktor Oppmar, der in dem Dragoner-Oberst Blittler einen überaus scharf markant gezeichneten Charakter auf die Bretter stellte. Den Wallenstein spielte Herr Linzen und entfaltete auch in dieser Rolle die schon oft gerühmten Vorzüge feiner Darstellungs- weise. Aeußerlich gut repräsentirt, wußte er auch die verschiedenen Phasen des inneren Kampfes des Helden gut zum Ausdruck zu bringen. Im Betonen der mächtigen Willenskraft und der That­kraft des Wallenstein war Herr Linzen vorzüglich, während er andererseits manchmal durch etwas allzu weichliche Gefühlslöne dem Charakterbild des Helden Abbruch that. Herr Stiel er war ein sympathischer Max Piccolomini, aber zu einem vollen Erfolg in dieser Rolle fehlt ihm noch die frische Natürlichkeit der Rede und das ungezwungene Spiel. Uns schien der talentbegabte Darsteller etwas zuviel an der Parthie herauskünsteln zu wollen, wo doch nur Wärme und Temperament erforderlich sind. Gut wirkteHerr Steingötter alsJllo" und Herr v. Stahl war ebenfalls mit Erfolg bestrebt, den Grafen Terzky zur Geltung zu bringen. Herr Heinich in der Rolle desDctavio* zeigte das Bestreben, durch charakteristische Ge­staltung seiner Parthie die Wirkung zu sichern, was ihm auch gelang. Der junge talentvolle Darsteller hat seither in einer Reihe von kleineren Aufgaben bewiesen, daß er zu charakterifiren weiß, sodaß der Wunsch gerechtfertigt ist, denselben ab und zu einmal in einer größeren Aufgabe sein Talent erproben zu sehen. Unter der großen Zahl der übr'gen Herrenrollen sei noch besonders der Wiedergabe des schwe­dischen Hauptmannes durch Herrn Sternberg gedacht, die übrigen müssen sich für das Bestreben, ihren Parthien charakteristische Färbung zu geben, mit einer Gesammtonerkennung begnügen. Die Damen- rollen sind nicht sehr umfangreich, verlangen aber gute Vertretung. Fräul. Brandsw als Gräfin Terzky suchte auf dem ihrem Dar- stcllungkverwögen fremden Gebiete den Anforderungen der Rolle ge­recht zu werden und Frau Lehmann als Herzogin befriedigte. Fräul. S chl om ka war als Thekla eine zierliche hübsche Erscheinung und traf auch den einfach kindlichen Ton. Die Schlußszene der vierten Aktes mit dem schwedischen Hauptmann brächte ihrem wir­kungsvollen Spiel die verdiente Anerkennung.

Aus Kunst und Leben.

VH. Ernst von Wildenbrnch ließ der Buchsüs» gab e seiner neuesten DichtungGewitternacht", welche sich

allerdings bei der Erstaufführung amBerliner Theater" keines starken eigentlichm Erfolges zu erfreuen hatte, ein Vorwort vorausgeheu, worin er hervorhebt:er sei seit Jahren zwar daran ; gewöhnt, daß man seinen Dramen auS der deutschen Geschichte be­stimmte Tendenzen unter schiebe, Zwecke, die mit der Kunst nichts ge- mets haben, und daß man ihm insbesondere die Absicht unter­stelle, StammeS-Polttik zu treiben. Demgegenüber erkläre er, daß seine geschichtlichen Dramen nur die Absicht haben, dem deutschen Volke in seiner Gesammtheit zu dienen, denn kein Volk bedürfe der historischen Dramatik mehr, alS das deutsche. Dieser Aufgabe seien seine Dramm ge­widmet." ES ist erfreulich, daß der Dichter, dessen Werke allerdings meist nur abgegrenzte Theile deutschen Landes zum Schauplatz, die Geschicke einzelner Stämme zum ®e|en« stande haben, aber doch in ihrem Inhalte stets von natio­nalem Hauche erfüllt sind, sich starken Gegenströmungen auf dem dramatischen Gebiete gegenüber, welche dem historischen Drama unterwühlend widerstreben und ihm man lese ' HauptmannS Aeußerungen die künstlerische Wahrheit be­streiten sich alS Bertteter einer idealeren Kunstrichtung streitenb aufrecht erhält und auch nach einem etwa fehlge- schlagenen Versuch den Kampf nur entflossener weiterführt: ich schreibe und werde schrnbm" d. h. nicht um bloßen TageSerfolg, nur seiner Ueberzeugung treu. Möge die nie ermüdende Kraft dichterischen Schaffen- dem verdienstvollen Dramatiker noch die nicht allzuleicht erschließbarm Pfade öffnen, wo sich Natur und Kunst zu rechtem Ausdruck einen.

Humoristisches.

Nobel. Millionär (zn seinem Sohn):Aber, Karl, war zählst Du an bnt Knöpfen ab ob sie Dich liebt! Zähl'S doch ab an unsre Häuser!"^