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Amtliches Organ für HisSt- unö LsnöKreis Bansn.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 21

Mittwoch den 25. Januar

1899

Vom Wasenmeister am 24. d.Mts. eingefangen: Ein schwarzer Dachshund m. Geschl. Ein schwarzer glatt­haariger Pinscher m. Geschl.

Hanau am 25. Januar 1899. -------------

Bekanntmachung.

Am 12. Januar 1899 wurde an der Bruchköbeler Land­straße zu Hanau und zwar an der kurz vor dem Walde be- legenen Brücke die Leiche eines neugeborenen Kindes männ­lichen Geschlechtes aufgefunden. Die Leiche war in einen weißen baumwollenen Fenstervorhang und ein Stück braunes Packpapier gehüllt.

Es ist dringender Verdacht vorhanden, daß ein Verbrechen vorliegt.

Indem ich Vorstehendes zur öffentlichen Kenntniß bringe, ersuche ich, mir von etwaigen Wahrnehmungen oder Ermitte­lungen, welche zur Aufklärung des Sachverhalts und nament­lich zur Feststellung der Persönlichkeit der Mutter des Kindes dienlich erscheinen, Anzüge zu erstatten.

Hanau den 22. Januar 1899.

Der Erste Staatsanwalt. Pin off. ^y TTXt * -yw '^'M .^'«yv~ a "*<.7-' W^W^M.1^ rir.^;ir»w...M.'. > x -.-'K-xxy =vnrx'. -. .. -.a.^.^^~ "... - - - ^ . --»*-*.*-

Kaiser Wilhelm in Hannover.

Hannover, 24. Januar. Der Küster traf kurz vor 12 Uhr hier ein und begab sich zum Waterlooplatz, wo die Truppen in Parade standen und den Kaiser mit Hurrahrufen empfingen. Der Kaiser versammelte die Offiziere um sich und ließ nachstehende Kabinetsordre verlesen:

An das Generalkommando des 10. Armeekorps:

Als mein in Gott ruhender Großvater 1870 zur Ab­wehr dcs feindlichen Anfalles dar Schwert zog, standen Hannovers kriegerische Söhne treu zu ihrem neuen König und dem deutschen Vaterlande. Auf blutigen Schlacht­feldern bewährten sie die alte, hannoversche Tapferkeit, auf die unvergänglichen Ehrentafeln der Vergangenheit schrieben sie die neuen Namen Spichern, Metz, Beaune la Rolande und Lemans. So zeigten sie sich ihrer Ahnen werth, die Sieger von Krefeld, Minden und Waterloo, sowie der tapferen Streiter auf der spanischen Ha binsel. Diese ihnen und der ganzen Provinz Hannover so theueren Erinne­rungen, die mit der Auflösung der hannoverschen Armee die Hauptstätte ihrer Pflege eingebüßt hat, habe ich wieder zu beleben beschlossen. Von nun an sollen die preußischen Truppenteile, welche die alten hannoverschen Krieger aus­genommen haben, Träger der Ueberlieferung der früheren hannoverschen Regimenter sein und deren Auszeichnungen weiterführen. Ich will dadurch sowohl den Kämpfern von 1870/71 ein neues Zeichen meines königlichen Dankes geben, als auch die vielfach besonders hervorragenden Leistungen anerkennen, we'che den hannoverschen Soldaten zu allen Zeiten einen ehrenvollen Namen errangen. Zu­gleich gebe ich mich der Hoffnung hin, daß j tzt alle früheren Augehörigen der hannoverschen Armee die lang­entbehrte Stätte wieder finden werden, wo sie im Kreise der jüngeren Kameraden die stolzen Erinnerungen an ihre Vor­fahren pflegen können. Ich bestimme hiermit, daß als Eins anzusehen sind: Die Garde und das 7. Infanterie- Regiment mit dem Füsilier-Regiment Nr. 73, das Leib- Regiment mit dem Regiment N-. 79, 2. Infanterie-Regi­ment mit Regiments-Nr. 164, 3. Infanterie-Regiment mit Regiment 74, 4. Infanterie-Regiment mit Regiment 165, 5. Infanterie-Regiment mit Regiment 77, 6. Infanterie- Regiment mit Regiment 78, das Garde-, erstes, zweites und drittes Jägerbataillon mit dem Jäge^ bataillon N. 10, die Gardes du Corps mit dem Ulanen-Regiment Nr. 13, die Gar dekürassire mit dem Ulanen-Regiment Rr. 14, die Garde-Husa> en und Königin-Husaren mit dem Husareu- Regiment N<. 15, die Cambtstge-Dragoner mit dem Dra­goner-Regiment Nr. 9, die Kronprinz-D-.agoner mit dem Dragoner-Regiment Nr. 16, die Artillerie mit dem Feld­artillerie-Regiment Nr. 10, das Ingenieur-Corps mit dem Pionierbataillon Nr. 10, das Train-Corps mit dem Train­bataillon Nr. 10.

Die Ordre ist ballt vom 24. Januar 1899. Nach der Verlesung hielt der Kaiser eine Ansprache, in der er sagte, er babe den Geburtstag Friedrichs des Großen gewählt, um die Traditionen der alten hannoverschen Armee wieder aufleben zu lassen, die unter seinen großen Ahnen ruhmreich am Kampfe lheilgenommen haben. Er hoffe, durch seine Gnadenbeweise den alten hannoverschen Offizieren Gelegenheit zu geben, im Kreise jüngerer Kameraden ihre stolzen Erinnerungen zu 1 pflegen. Die Königsulanen erhielten silberne Pauken und den

Amtliches.

^LcenöKvsis ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Ermittelung des Ernteertrages im Jahre 1898 betreffend.

Wie in den Vorjahren, so findet auch für das Jahr 1898 eine Ermittelung des Ernteertrages der wichtigeren seldmäßiz- gebauten Fruchtarten statt und zwar in der Zeit vom L bis 10. Februar er.

Den Herren Ortsvorständen werden zu diesem Zwecks 2 Exemplare des zur Ermittelung des Ernteertrages dienenden j Formulars B., welches die im Königlichen statistischen Büreau - handschriftlich eingetragenen Ernteertragsziffern und Anbau-! flächen für 1897 enthält, in den nächsten Tagen zugehen, | um in diesen unter genauester Beachtung der dem Formular vorgedruckten Anleitung den Ernteertrag im Jahre 1898 einzutragen.

Die Ausfüllung des Formulars B. hat in der Zeit vom 1. bis 10. Februar d. JS. stattzufi den. Ein Exemplar des Formulars mit Datum und Unterschrift versehen, ist mir bis spätestens 12. Februar er. einzureich n, während das andere, ebenfalls auszufüllende Exemplar in der Gemeinde- repositur sorgfältig aufzubewahren ist.

Sollte die Bildung einer besonderen ehrenamtlich fungiren- den Schätzungskommisston für erforderlich gehalten werden, so erwarte ich innerhalb 8 Tagen einen Bericht, in dem die für die zu bildende Kommission ausersehenen sachkundigen Personen namhaft zu machen sind.

Zur vorläufigen Eintragung der im Jahre 1899 etwa eintretenden Hagelwetter wnd ein Merkblatt beigesü^t werden. Die in dieses Merkblatt, welches aufzubewahren ist, im Laufe des Jahres bei etwa eintretendem Hagelwetter zu machenden Angaben sind bei Ermittelung des Ernttertrages für das Jahr 1899 zu benutzen. Schließlich mache ich noch darauf aufmerksam, daß die Ausfüllung der Formulare mit der größten Sorgfalt zu bewirken ist, damit Rückfragen nicht zu halten sind.

Hanau am 16. Januar 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 348 u. 401 v. Schenck.

In Niederrodenbach ist die Maul- und Klauenseuche er­loschen und sind die ungeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben worden.

Hanau am 24. Januar 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 783 v. Schenck.

^faöt^ret^ /^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers und Kö­nigs, den 27. d. Mts., sind die Bureaus der städtischen Verwaltung geschlossen.

Die Heuwaage und das städtische Steueramt werden von 10 Uhr vormittags an geschlossen.

Hanau den 24. Januar 1899.

Der Magistrat.

Bode. 1391

Bekanntmachung.

Die Lieferung der Uniformen für die uniformirten städti­schen Beamten soll für das Jahr 1. April 1899 bis 31. März 1900 vergeben werden. Lieferungsbedingungen liegen auf der Botenmeisterei Rathhaus, Zimmer Nr. 17 werktäglich von 10 bis 12 Vs Uhr in der Zeit vom 30. ds. Mts. bis 2. k. Mts. zur Einsicht offen.

Angebote sind unter Beifügung von Mustern bis zum 3. k. Mts., vormittags 11 Uhr, an uns einzureichen.

Hanau den 21. Januar 1899.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 1365

DieHnachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Doublsarmband. Eine Pferdedecke. Ein blauer gestreifter Kopfshawl.

Zugelaufen: Ein hellgelber langhaariger Spitzhund m. Geschl.; Empfangnahme bei dem Spezereihändler Karl Zeh zu Kilianstädten. Ein Bernhardinerhund, weiß, mit gelbrothen Flecken, w. Geschl.

fliegend n Adler mit dem Gardestern an der Tschapka und dem Motto des alten Hannoverschen Gardeducorpsregimmts: Peninsula, Waterloo, Garcia, Herrandtz- und zahlreiche Ordensauszeichnungen. Der kommandirende General von > S e e b e ck dankte dem Kaiser kurz.

Nach der Parade begab sich der Kaiser nach dem Kasino des RegimentsPrinz Albrecht" zur Frühstückstafel, woran außer den direkten Vorgesetzten nur die ehemaligen han­noverschen Offiziere, ungefähr 60, sowie Deputationen der bannoverschen Truppentheile von außerhalb und General- Oberst Graf W a l d e r s e e theilnahmen. Während der Tafel hielt der Kaiser eine Awpräche, in der er etwa Fol­gendes aus führte:

Eines der Hauptprinzipe, das ich stets, so lange ich die Ehre habe, mein Heer zu führen, aller Orten ver­kündete vnd vertrat, ist die Tradition. Dieser Gedanke führte mich zu dem Entschluß, der am heutigen Tage seine Vollendung fand. Ich glaube des Einverständnisses Aller sicher zu sein, wenn ich annehme, daß die heute von mir befohlenen Ehrungen Ihrer aller Herzen mit Freude er­füllten, weil durch dieselben die Tradition hochgehalten wird und die glorreichen Namen der Vergangenheit wieder aufgelebt werde«. Ich wünsche dem 10. Armeekorps von Herzen Glück, das nunmehr mit Stolz zurückblicken kann auch auf die ruhmreichen Tage der hannoverschen Armee von Krefeld, Minden und Waterloo. Dann leitete mich aber auch vor Allem der Gesichtspunkt, daß ich es für die zu­rückgezogen lebenden Soldaten als das Schwerste hielt, daß ihnen nicht mehr vergönnt war, mit ihrem Truppentherl Freud und Leid zu theilen. Es lag mir daran, ihnen heute diese Lücke auszufüllen, indem ich die Traditionen der hannoverschen Regimenter mit den neuen Regimentern des 10. Armeekorps wieder aufleben ließ und hierdurch in den Herren die E innerunz an ihre militärische Jugendzeit frisch erweckte. In den Regimentern des 10. Armeekorps und den sonstigen hannoverschen Truppenthei'en mögen nun­mehr diejenigen, welche der alten hannoverschen Armee an- gehörten, ihre volle Heimath finden. Das 10. Armeekorps aber möge stets der stolzen Thaten der hannoverschen Ar­mee eingedenk bleiben.

Um 5 Uhr kehrte der Kaiser nach Berlin zurück.

Parlamentarisches.

Indem der Reichstag sich gestern wieder der Be­rathung des Etats für das Reichsamt des Innern zuwandte, nahm er die sozialpolitische Debatte der vorigen Woche nochmals auf, und zwar war es der Abgeordnete S t ö cke r, der sich darüber noch vom christlich-sozialen Stand­punkte zu äußern hatte. Er vermißte in der Sozialpolitik zwar nicht den Fortschritt, aber das von ihm gewünschte Temperament.- Statt die Organisation der Arbeiter in Berufsvereinen zu fördern und damit die Sozialdemokratie organisch zu überwinden, mache man innervösen Dilettantis­mus- Repressionsversuche durch Vereins- und Umsturzgesetz- vorlagen, mit denen man die Sozialdemokratie nur stärke. Im übrigen spannen die Sozialdemokraten den Faden endlos weiter, indem sie unter der geduldigen Aufmerksamkeit des Hauses in breitester Weise auf spezielle Verhältnisse eingingen. So behandelte der Abg. Horn- Sachsen die Glasindustrie, der Abg. Albrecht die Konfektion, der Abg. Hoch das Baugewerbe, für das er Gewerbeaufstcht von Reichs wegen verlangte. In Bezug auf diese Forderung theilte der Staats­sekretär Graf Posadowsky mit, daß er wegen eines wirk­samen Schutzes der Bauarbeiter gegen Unfälle und Gesund- Heitsschädigung ein Rundschreiben an die verbündeten Re­gierungen gerichtet hat. Die Sozialdemokraten möchten zu­nächst einmal das Ergebniß dieser Anregung abwarten. Eine Verfügung der bayerischen Regierung, wonach Arbeiter zur Beaufsichtigung mit herangezogen werden sollten, sei auch auf eine Anregung des ReichsamtS zurückzuführen. _ Andere Fragen wurden, so weit dafür R«um blieb, kurz berührt. Der Ab­geordnete Müller- Meiningen befürwortete den Anschluß Deutschlands an die internationale Union.zum Schutze des gewerblichen Eigenthums, der Abg. B ö ck e l die Bildung i einer deutschen Nationalbibliothek, der Abg. Hasse die 1 finanzielle Betheiligung des Reichs an der Südpolarforschung. Der Staatssekretär Graf PosadowSky erklärte, eine Nach­tragsforderung zur Unterstützung der Südpolarexpedition noch nicht in Aussicht stellen zu können, weil der Bundesrath sich mit dieser Frage noch nicht beschäftigt habe; die Bedeutung der Südpolarforschvng werde jedoch von den verbündetm Regierungen nicht verkannt. Die Aussichten auf den Bei­tritt Deutschlands zur Union für den Schutz deS gewerb­lichen Eigenthums sind zur Zeit günstiger, als bisher.