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Hanauer Anzeiger
24 Januar.
für immer hiruer uns lägen, wo die philisterhafte Auffassung der Pflichten deutschen Nationalbewußtseins und National- stolzes gegenüber den Anmaßungen des Auslandes die Oberhand hatte. Im Rrhmen der nun folgenden periönllchea Bemerkungen entspann sich eine sehr subtile Kontroverse über die Qualifistrung des Ausdruckes „Eiertanz" unter dem Gesiwtswinkel der parlamentarischen Zulässigkeit oder Unzu- lässizkeit. Herr Richter, der sich diese» tchmückenden Beiwortes in Bezug auf den Minister des Innern bedient hatte, erhielt dafür vom Präsidenten Hrn. v. Kröcher einen Ordnungsruf, worauf alsbald koustatirt wurde, daß der Minister unter dem Vorsitz eines der Vizepräsidenten unbeanstandet denselben Ausdruck gegmüber dem Rbg. Richter gebraucht hatte. Die Akten über dieses Thema sind also zur Zeit noch keineswegs geschlossen.
Allgemeiner preußischer Städtetag.
(Eigenbericht des .HanJAnz.*)
Gestern Vormittag ll1/* Uhr wurde der in Berlin im Rathhause versammelte allgemeine preußische Städtetag durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Oberbürgermeister Becker- Köln, eröffnet. Vor Eintritt in die Tages Ordnung gedachte der Vorsitzende des Hinscheidens des ersten deutschen Kanzlers, des treuesten Dieners der ersten drei deutschen Kaiser. Die zahlreichen Theilve mer der Versammlung erhoben sich zum Gedächtniß Sr. Durchlaucht bei Fürsten Bismarck von den Sitzen. Nach einem kräftigen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König, der mit regem Interesse, mit offenem Auge und Ohr die Versammlungen bei preußischen Städte- tages verfolge, trat die Versammlung in die Tazes-Ordnung ein. Als erster Gegenstand der Berathung wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Rechtsverhältnisse der Kommunal- beamten, verhandelt. Nach einem sehr eingehenden R ferat deS ersten Berichterstatters Stadtrath Mentzel- Breslau und der Mitberichterstatter Oberbürgermeister Schmieding - Dortmund und Zweigert-Essen, von denen besonders der letztere sehr be- achtenswerrhe Winke für die Behandlung der Materie unter Hervorhebung der wichttgsten Gesichtspunkte gab, und einigen vorzüglichen Bemerkungen des Oberbürgermeisters Fues-Kiel stellte eine Reihe von Rednern mehr oder minder wesentliche Abänderungsanträge zu den von den Referenten ausgestellten Thesen. Die Debatte nahm einen sehr lebhaften Verlaut. Die Indikator des Reichsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts wurde von den verschiedenen Rednern eingehend gewürdigt. Alle Redner standen dem Gesetzentwurf durchaus freundlich gegenüber, der die Sicherstellung der Kommunal- beamten und ihrer Hinterbliebenen bezweckt. Bedenken erregten die Vorschriften über die nur oder vornehmlich zu mechanischen Dienstleistungen berufenen Beamten, besonders deswegen, weil dieser Begriff ein sehr dehnbarer, z. B. ein Vorarbeiter nicht bloß zu mechanische« Dienstleistungen berufen, daher als auf Lebenszeit angestelller Beamter zu betrachten sei — eine allerdings sehr anfechtbare Ansicht.
Die Abst mmung über die einzelnen Thesen ergab fast durchweg Einstimmigkeit.
Zu bedauern war, daß der amtliche Text der Gesetzesvorlage noch nicht feststand, so daß nur die Grundzüge zu derselben, wie sie s. Zt. den größeren Gemeinden zur Begutachtung vorgelezt sind, zur Berathung gestellt werden konnten.
Um 7 Uhr fand in den Sälen des Hotels „Kaiserhof" ein gemeinsames Effm der Theiluehmer des Städtetages statt.
schauers ziehen in tiefer Woche weiter retzeare Bilder von Florenz. Caserta rc. rc. vorüber und zu verschiedenen Malen, von verschiedenen Seiten, erblickt man auch den etwa zwei Stunden von Neapel entfernten Vesuv, der im Jahre 79 nach C rrtsti Geburt bei einem furchtbaren AuSbruch die früher blühense und reiche Stadt Pompeji vollständig verschüttete, deren Wiederausgrabuug man, nachdem Spuren ihrer Lage aufgesunven, im Jahre 1748 begann und von welcher Stadt bis jetzt etwa die Hälfte wieder an's Tageslicht gefördert wurde. Eiue Anzahl vorzüglicher Ausnahmen von Pompeji kann man ebeufalls tait Muse betrachten und sich überzeugen, auf welch bedeutender Stufe vor der Verschüttuug die Bird- hauerkunst und Baukunst rc. rc. dort gestanden. — Nebenbei sei bemerkt, daß sich im sog. Pompejanum zu Aschaffenburg Nachbildungen von Fundstückm in Filigranarbeiten aus Psm ^ ji befinden, die bei Kennern derartiger Kunstarbeiten gerechtes Erstaunen bezüglich der Ausführung erregen. — Der Besuch des Kaiserpanorama in dieser Woche kann somit bestens- empfohlen werden.
* Verein „Geselligkeit". In den von Herrn Kunst- gärtner Jäger schöa geschmückten Sälen der „Centralhalle", feierte am Sonntag den 92. b. M. der Verein „Geselligkeit" (früher Verein ebemal. Uaterosfizierr) seine diesjährige Abend- Unterhaltung mit darauf sorgendem Tanz. Nachdem die Kapelle mit einem Konzertstück die Feier um 7Vs Uhr eröffnete, begrüßte Herr RabaSke im %imm des Vereins die Erschienenen. DaS schön zusammengrstellte reichhaltige Programm wurde schnell und exakt abgewick-lt, die seitens des hiesigen Kunstfshrcr Quartetts des Herrn Otto Zahn mit den Herren Schlegel, Pickrodt und Schmtst ausgeführten prachtvollen Nammern im Kunstradfahren, sowie die von den Herren O. Zahn, G. Schnarr, Emmerich, Schlegel, Pickrodt und Schmidt ausgeführten turnerischen Uebungen, die sergetragenen Gesangs- und humoristischen Bor- träge, dies alles zusammen fand oft stürmischen Beifall, sovaß sich die Vortragenden zu verschiedenen Zagaben bereit erklären mußten. Wie deadstchtigt wurde auch den Tanzenden insofern Rechnung getragen als das Tanzbein bei Zeiten geschwungen werben konnte und blieben die Besucher hierbei bis zur frühen Morgenstunde fröhlich beisammen. Wir glauben zum Schluß Hecvorüeben zu können, daß jeder Theilaeh- mer dieser Festlichkeit sich ihrer gerne erinnert.
* Zirkus Drexler. In der zweiten Hälfte des Monats April wird hier der Zirkus Drexler einige Vorstellungen geben.
* Konzert im „Deutschen HaaS". Herr Stabs- trompeler A. Urbach hat für das heutige carnevalistische Konzert im „Deutschen Haus" folgendes Programm vorgesehen: I. Theil. 1. „ Kappenbrüder-Marsch" v. Hofmann. 2. „Im Reich Narrhallr", Ouvertüre v. RuÄofs. 3. „Weaner Kunstpfeifer", Walzer v. Vollstedt. 4. „Faschingstreiben", Fantasie v. C. Machts, a) Das luftige Carnevals- volk versammelt sich, b) Prinz Carneval erscheint, c) Harle- g rin, der lustige Hanswurst, ä) Golombino. e) Fidele Studentenkorps, f) Der gute Mond, g) Der Weihnachtsmann. h) CarnevalSwalzer. H, Es schlägt 5 Uhr. k); Schluß. 5. „Tscherkessischer Zapfenstreich", v. A. Oertel. II. Theil. 6. „C«nevM Ouvertüre", v. Fischer. 7. „Prinz Heinrich-Quadrille", v. Winter. 8, „Musikalische Extrablätter", Potpourri v. Thiele. 9; „Frauenkalender", Polka, schnell v. Löser. 10. „Im Fluge durch die närrische Welt", Konzert-Galopp v. Ziehrer. Neben dem Musikalischen Genuffe dürfte auch die prach'Bolle Dekoration deS Festsrales große Zugkraft ausüben.
* Priimiirung» Auf der Ersten großen allgemeinen Kanarien - Ausstellung, welche vsm 91. bis 23„ Januar zu Fracklurt a. M. stattfand, erhielt Herr H. Grau, Mitglies desMrems „Kanaris", 5 zweite und 1 dritten PreiL. Die erhaltene Auszeichnung ist um so ehrender, als die Aussirllunz eine der größten war, die noch fe stattgesuaden hat, waren doch nicht rotniger als 27?4 KoukurreNzfänger vorhanden, eine erstaunliche Zahl!
* * Strafkammer I (Sitzung vom 23. Januar.) Wilderer. Schon seit Jahren bemerkte der Pächter der Steivauer Jagd, Apothiker Rappe, daß in feinem. Jagdrevier der Wildstand ein außerordentlich geringer war «nd daß derselbe auch gering blieb, trotz aller Versuche, denselben zu heben. Es mtstand dort der Verdacht, daß eine unbekannte Person da fein müffe> die diesen Wildstand durch Abschießen dezimire. In Steins« lebte der Uhrmacher Wendt, von Geburt ein NorddeutsckM, besten Lebenswandel zu Gesprächen mancherlei Stoff gab. Er vernachlässigte sein Geschäft, trieb sich draußen umher, bsnshm sich such sonst auffällig und war außerdem ein großer Aufschneider, ebenfrlls ein Grund mehr, ihn in den Geruch der unberechtigten Jigerei z» bringen, ja daß er sogar das Wildern gewerbsmäßig betrekbe, seinen Unterhalt sich dadurch verschaffe. Er besaß eine Wiese, die hinter seinem Hause lag und direkt an daS Jagdgebiet des vorgenannten Jagdpächters stieß. Von dieser Wiese ging die Mähr, daß auf ihr ein Gewehr versteckt liege, ober wenigstens in der Nähe derselben in einem bw FuchS- oder Dachsbaue. Eines Morgens sprach Wendt bei einem Mäher vor, den er bei k-er Arbeit traf und bei diesem hat er geäußert, er sei auf der Jagd gewesen und der Mäher möge ihm daS Reh helfm nach Hamse bringen. Eines Tages ließ er sich auch einmal in Steinau auf der Straße sehen, bekleidet als echter Hubrrtusjüuger, angethan mit grüner Jägerjoppe, dito Hut, Gamaschen, Gewehr über der Schulter u. s. w. Es kam auch vor, daß er auf Spaziergänger! im Walde oder an Gesträuchen rc. bekannte Steinauer Einwohner traf, diesen seine Begleitung aubot und dann plötzlich in einen Fuchsbau griff, in welchem er stets sein Gewehr versteckt hatte, bieft3 hervorholte, damit einen Schuß abgab, ei wieder in den
Aus Stadt- und Landkreis Hanau. Nachdruck unserer Lokalartiket nur mit Quellenangabe „Hau. ? m." gestattet.
* Vertilgung der Raben nnb Krähen. In der letzten Versammlung deS landwirth'chüstlichm Kreisvereins wurde konstatirt, daß der im Vorjahre unternommene Feld- zug zur Vertilgung der R«bcv un« Krähen von gutem Erfolge gewesen sei, rohem in verschiedenen Orten, so in Rüdig- Heim und Niederdorfelren eine Abnahme der Rabenplage kon- statirt werden konnte. Als wünfchenSwerth wurde es jedoch bezeichnet, daß der Kreistag auch für das kommende Etatsjahr nmh einmal einen Betrag für den gleichen Zweck einstelle.
* Körnertrankheit. Nach amtlicher Bekanntgabe des des Königl. LandrathSamteS Gelnhausen leisen in Nieder- ?iründan zahlreiche Personen an einer gefährlichen an- teckenben Augenkrankheit, der egpptischen oder Kö merk rank- Seit Entsprechende Vorsichtsmaßregeln sind angeordnet worden.
* Beleuchtungsanlage, Anschließend an die in unserer gestrigen Nummer mitget-eilte Verschönerung des „Hotel abler* hier, können wir noch mittheilen, daß das ganze Hotel noch ei-se weitere Zierde durch die von der Firma Heinrich Bechtel hier in vrllendeter Weise durchgeführte elek- trische Beleuchtungsanlage erhalte« hat. Wohl kann man von einer Zierdr reden, denn sowohl die Bogenlampm, als auch die sonstigen Beltucht»ngSgrge»stLvdt, wie überhaupt die ganze Anlage, sind von einer Gediegenheit, daß sie jeder Fachmann mit Freude erfüllen und die Beleuchtung eine so brillante, daß ei sich der Mühe lohnt, sich dieselbe «azusehm.
W. Kaiserpanorama. Wenn der Dichter Samrazoro die Stadt Neapel, Hauptstadt bei früherm Königreich» Neapel, „ein Stück Himmel, biS auf die Erde gefallen", nennt, und wenn ein landläufiger Nusspruch in Jtalim lamet „Sieh Neapel und dann stirb", — welch letzteres «an emfsch auch bleiben lassen kann — so ist damit gemeint, daß die Stadt wenig Nebeabuhltriunrn « Schönheit besitzt. Man darf bei« stimmen, daß die Lag, der Stadt vom Meere aus reizender nicht gedacht werden kann; ,» sind deshalb die verschiedenen Ansichtm von Neapel und feiner Umgebung allein schon einer Besuches des Katserpauorama werth. Am Auge bei Be
Fuchsbau zurücklegte und seines Weges weiterging. Dann erzählte er auch wohl am Biertisch, er habe schon vieles Wild abgeschossen und an Wildprethändler verkauft und was er sonst noch alles renommirte. Einmal wurde Haussuchung bei ihm abgHalten, aber nichts gefunden, nachher prahlte er, die hätten Haussuchung abgehalten und wären so dumm gewesen und hätten nichts gesunden, aber er habe doch ein Reh gehabt. Dies alles führte schließlich zu seinw Verhaftung, die Untersuchung lehrte aber, daß er ein großer Renommist war, der seine Jägerei sehr „lateinisch" betrieben hatte. Von den vielen Gastwirthen und WAdprethändlern, denen er Wild geliefert haben wollte, blieb nm einer übrig, wie sich auch seine sonstigen JÄgdgeschichten als Prahlereien erwiesen. Trotzdem blieb noch genug übrig,, um Wendt als gewerbsmäßigen Wilderer festzuhalten und er gestand auch 4 Fälle ein, in denen er gewildert hatte. Gelegentlich eines Konstr- mationsfestes bei ihm war Rehwild gegessen worden, wie auch der Butterhändler Hohmann vsn Ulmbach verschiedentlich von ihm Wild abgetanst hatte. Letzterer wollte zwar nicht roiffm, daß Wendt das Wild unberechtigt gejagt hatte, wurde aber ebenfalls wegen gewerbsmäßiger Hehlerei einge- zogen. Wendt und Hohmann sind nun des gewerbsmäßigen mrberechtiaten Jagens bezw. der Hehlerei angeklagt. Wendt erhält 1 Jahr Gefängniß unter Anrechnung von 3- Monaten Untersuchungshaft mit der Begründung,, daß trotzdem die Beweisaufnahme ergeben habe, daß W-. ein großer Renommist gewesen, das Gericht doch zu der Ueb.rzeugung gekommen sei, daß er in weit mehr als den eingestan^enen 4r Fällen unberechtigt gejagt, und oaß er daraus ein Gewerbe gemacht habe. Hohmann wird freigesprochm; er habe sich allerdings in hohem Grade verdächtig gemacht, jedoch sei ein sicherer Beweis für seine Hehlerei doch nicht' erbracht worden. — In einem hiesigen Tanzlokal besamen die Taglöhner Bär, Przybilsky, der Schlaffer Hahn und und Zimmermann Bopp mit einem Musketier des hiesigen Infanterieregiments einer Frauensperson wegen Streit. Beim Verlaffen des Lokals stellte Przpbilsky den Soldat gxr R de, dieser gab dem P. einen Stoß, daß er im nächsten Augenblick am Boden saß. Diesen Moment hielt Bär seinerseits zum Eingreifen für geeignet; er zog einen festen Gummischlauch hervor und hieb dem Soldat 2-' Mal damit über den Kopf. Beim zweiten Schlag versuchte der Soldat sein Seitengewehr blank zu ziehen, verlor aber die Besinnung und nun war auch Bopp am Platze. Er riß dem taumelnden Soldaten daS Seitengewehr aus der Hand und schlug ihm mehrmals damit über den Kopf, so daß er zweimal nachher vernäht werden mußte. Bär, der ohne jede Veranlaffung den V rieften in so roher Weise angriff, erhalt, trotzdem er noch unbestraft ist, 6 Monate Gefängniß; Hahn, gegen d« nichts erbracht ist, wird ftngefprochen; PrzybilSky, der eben eine Lmonttliche Gefängnißstrafe verbüßt, erhält eine Zusatz strafe von 3 Mo» — | nuten und Bopp, der schon mehrfach vorbestraft ist und diesmal auch wieder aus reiner Lust den Soldaten verletzt hat, erhalt 1 Jahr Gefängniß. — Ein Feuerchen. Drei auf dem Exerzirplatz und bessert Umgebung herumlung rnde halbwüchsige Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren und ein in ihrer Gesellschaft befindlicher 13jähriger Schuljunge hatten auf den Bruchwiesen in der Nähe des Bruchköbeler Waldes ein Feuerchen angezündtt, auf dem Kartoffeln ge* braten wurden, die der Jean Oberding von einem in der Mhe befindlichen Acker holte. Als eben das Mahl beendet war, das Feuerchen aber noch lustig prasselte, erschien der Förster von Bruchköbel und machte sich die Gesellschaft namhaft. Jean Hixt, ein- mehrfach vorbestrafter ISjähriger Tauge- Nichts, stieß dem Förster, als dieser ihn vom Platze jagen , wollte, mit der Faust vor die BrNÜ, während die andere Gesellschaft in einem fort lärmte und den Förster verhöhnte. Mohn und Oberding, die zwei, die das Feuer anzündeten, erhalten wegen dieser Übertretung je 2 Tage Haft, Hixt wegen Widerstandes, verübt an der Person eines Forstbeamten mit Gewalt, 3 Monate Gefängniß, her Schuljunge Ewald wird freigesprochen. — Fahrlässige Brand- stiftuvg. Ein l3jähriger Schuljunge von Ravolzhausen ist der fahrlässigen Brandstiftung beschuldigt. Er hatte ^von der älteren Jugend gesehen, wie diese mit bengalischen Zündhölzchen durch plötzliches JnLrandsetzen derselben im Dunkeln Leute erschreckten und wollte dieses Manöver auch bei seinen Schulkameraden probirm. Am Machen des 29. November v. I. war die Schuljugend von Ravolzhausen vor dem Schulbeginn in der Bedürfnißanstalt versammelt. Der kleine Angeklagte suchte nun sein Kunststückchen anzubringen, entzündete ein bengalisches Hölzchen und warf es in die Höhe. Von der Decke der Bedürfnißanstalt hingen aber von einem über derselben Strohschuppen Halme herunter und so war der Erfolg des Schreckversuchs des kleinen Mannes ein ganz unbeabsichtigter. Im nächste» Augenblick flammte nämlich der Heu- und Strohvorrath des Schuppens in die Höhe und die Feuerwehr mußte alarmirt werden, ein weiterer Schaden entstand jedoch nicht. Der Junge kommt mit einem Verweis davon.
* Gewerbegericht. (Sitzung vom 23. Januar.) Der Schreiner Fr. R. klagt gegen die Firma E. n. M. aus 14tägige Lohnzahlung wegen Entlassung ohne Kündigung. Die beklagte Firm« behauptet, Kläger wären die Beftim- umngen der Arbeitsordnung, nach welcher die Kündigungsfrist aasgefchloffen sei, bekannt gemacht worden, und dieser habe sie auch unterschrieben. Beklagte legt die bezüglichen Unterschriften vor, Kläger wird mit der Klage kostenpflichtig abgewtefen.
H Ein seltsamer Kokardenstreit wird in der Umgegend lebhaft besprochen und sehr verschieden beurtheilt. ; Die Beamten und Bediensteten der neuen Kahlthalbahn trugen nämlich bisher unbeanstandet die preußische Kokarde,