Einzelbild herunterladen
 

Die einzelne Nummer kostet 10 ^.

Nr. 19.

Wh»««ements. Preis:

Jährlich 9 M.

OMjährl. 4 ^ 50 ^.

Vierteljährlich

2 ^ 25 ^. V

Für auswärtige Äonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

EinrückungS- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10^Mt ägespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für $faöf- unö LanHürsis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Montag den 23. Januar

1899

Amtliches.

L«»nöKveis K«rr«r».

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Im Verlag von C. L. Hirschfeld in Leipzig ist ein Kommentar zu btn Pfari befvldungsqesetzen vom 2. Juli 1898 von Regierun gsrath von Rohrscheidt in zweiter Auflage erschienen.

Da die Herren Bürgermeister in der nächsten Zeit mit der Pfari besoldungsangelegenhell mehr oder weniger werden beschäftigt werden, mache ich aus das fragliche Werk, welches die sämmtlichen Staats- und Kirchengesktze mit eingehenden Erläuterungen und btn erlassenen Ausführungsbestimmungen enthält, aufmerksam.

Der Preis für das karionnirte Exemplar beträgt 4 Mark.

Hanau am 21. Januar 1899.

Der Königliche Landrath.

V. 715 v. Schenck.

DienstnaHrichtell aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Sporn. Eine Herrenremontoiruhr mit Kette (Nickeluhr). Ein schwarzer Regenschirm, in einem hie- sigen Laden stehen geblieben. Ein brauner Damenklimmer- handschuh (linker). Ein Soldbuch für b<n Musketier Christian Albert Datz 8 /166. Zwei Photographien. Ein grüner Kinderfilzschuh.

Verloren: Ein kleines gehäkeltes Portemonnaie mit 1,50 M. Inhalt. Ein großer Hundemaulkorb.

Hanau am 23. Januar 1899.

^taöt&rei# ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Der Scklußsotz des § 89 der Baupolizeiordnung vom 1. Juli 1885 schreibt zum Zweck des gründlichen Austrock­nens des Maue-Werks vor, daß mit dem Abputz bet inneren Wände in der Regel nicht früher als 6 Wochen nach Abnahme des Rohbaue- begonnen werden darf.

Da fast unausgesetzt dieser Vorschrift zuwidergehandelt wird, so wird für die Folge neben der verwirkten Strafe die Beseitigung des vorzeitigen Verputzes event, zwangsweise diesseits veranlaßt werden.

Hanau den 30. Dezember 1898.

Städtische Polizeiverwaltung.

Der Oberbürgermeister.

Dr. Gebeschus. 499

Der Zwischenfall auf Samoa.

Aus Samoa wird von blutigen Unruhen unter den Ein­geborenen und von ernsten Differenzen unter den Vertretern der drei Vertragt mächle, Deutschland, England und Nord­amerika, berichtet. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, handelt es sich im Wesentlichen um folgende Vorkommnisse: Bei der Wahl eines neuen Königs an Stelle des verstorbenen Malie­wa erkürte sich die große Mehrheit der Eingeborenen für Mataafa. Der Oberlichter von Samoa ein durch die Samoa-Akte geschaffenes Amt, das gegenwärtig von dem Amerikaner Chambers bekleidet wird erkärte jedoch die Wahl Mataasas für nichtig und den minderjährigen Sohn Janu des bisherigen Könsts Malietoa zum König. Natürlich ließen sich dies die MmcafmLeule nicht gefallen, es kam am am 1. Jvnuar zum Kampf, in dem die Malietoa-Leute unter­lagen. Die Kanfu-n der drei Mächte erkannten nunmehr Mataafa bis auf weiteres als König an.

Die Veranlassung zum Streite unter den Konsuln wurde damit gegeben, daß der Präsident des Munizipalrathes ebenfalls eine nach der Samoa-Akte funktionirende Behörde, die gegenwärtig der deutsche Dr. Raffel verlölpeit das Obergericht schloß, nachdem der Oberlichter Chambers, ebenso wie der junge Tanu, sein Schützling, auf dem eng­lischen KriegsschiffPorpoise" Zuflucht gesucht hatten. Gegen diese Maßregel legten der englische und der amerikanische Konsul Verwahrung ein, während sie der deutsche Konsul billigte; jene requirirten Mannschaften des englischen Kriegs­schiffes, mit deren Hilfe das Obergericht unter dem Proteste des Munizipalprästbenien wieder geöffnet wurde.

Das sind einstweilen die verbürgten Thatsache«. Daß der englische und amerikanische Draht noch manches dazu ge­flunkert hat, ist nichts Ungewöhnliches. Immerhin bleibt noch genug Bedenkliches übrig. Vor ollem fragt man sich, wie der Oberrichter dazu kam, die Wahl Mataasas zu kaffiren,

obgleich er keine Befugruß dazu hatte, und obendrein das folgende Blurvergießen für diesen Fall vorauszusehen war. Herr Chamterr soll als Grund für sein Verhalten angegeben haben, daß vor zehn Jahren bei der Königswa!.l die deutsche Regierung erklärt habe, Mataafa nicht zulass-n zu können. Letzteres ist richtig; Mataafa hatte sich damals gegen die Deutschen aufhetzen lassen. Aber heute liegen die Dinge wieder anders; Mataala war von allen drei Vertragsmächten als wählbar erklärt wo den, jner Einspruch des Overrichters gegen seine Wahl ist also ganz hinfällig. Ebenso unklar ist es ferner, daß der deutsche Präsident d-s Munizipalrathes nach dem Weggang des Oberrichters das Obergericht schließ-n konnte. Das schemt die zweite Inkorrektheit zu sein. End­lich steht man auch nicht recht ern, warum vom englischen Kriegsschiff Truppen gelandet wurden, während sich das deutsche Kriegschiffgälte" verständigerweise ganz ruhiss ver­hielt. Insgesammt gewinnt man den Eindruck, daß die Ver­treter der Mächte dort nervös geworden sind. Da indessen sowohl von Washington als von Berlin aus übereinstimmend erklärt wird, der Berliner Vertrag müsse respektirt werden und bis auf weiteres maßgebend bleiben, so ist damit eine Grund­lage vorhanden, von der aus sich die Schwierigkeiten diplo- n atisch bald regeln werden.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 21. Januar.)

Am Bundesrathstisch: Gras von Posadowsky.

Wie der Präsident mittheilte, ist dem Hause als neue Vorlage die bereits viel erörterte Novelle zum Bankgefetz eingegangen.

Die heutige Fortsetzung des seit drei Tagen bereits be- bandelten Themas, Etatsgehalt des Staatssekretärs ©rasen von Posadowsky, gestaltete sich etwas lebhafter, weil eine größere Mannigfaltigkeit in der Reihenfolge der Redner eintrat.

Abg. von Czarlinski (Pole) benutzt die Gelegenheit, um polnisch-nationalen Bestrebungen Rechnung zu tragen. Er verlangte nämlich, daß in den Betrieben, in denen pol­nische Arbeiter beschäftigt werden, die Arbeitsordnungen in polnischer Sprache aus gehängt werden.

Abg. Dr. Viel haben (deutschsoz. Reformpartei) dankt dem Abgeordneten Heyl für das lebhafte Eintreten für sozial­politische Forderungen, glaubt aber nicht, daß die national- liberale Partei die schönen Worte in Thaten umsetzen werde. Redner vermißt in der Sozialpolitik die wichtige Fürsorge für das Kleingewerbe und verlangt vor Allem Auskunft von der Regierung über den Stand der Vorarbeiten zur angekündigten Abänderung der Bäckereiverordnung.

Abg. Dr. W i e m e r (freis. Volksp.), ein neuer Mann, zieht mehrfach den Kaiser in die Debatte, was dem Präsidenten Grafen Balleftrem Anlaß gibt, an das Haus die Bitte zu richten, bei Besprechung kaiserlicher Kundgebungen sich nur auf solche zu beschränken, die amtlich beglaubigt sind, nicht aber bloße Zeitungsberichte zu benutzen.

Abg. Schrempf (kons.) weist zunächst die Bemerkung seines Vorredners zurück, als ob die wirthschaftSpolitischen Gesitze der letzten Jahre, Börsengesetz, Gesetz gegen den un­lauteren Wettbewerb, Margarinegesetz u. dgl., einem nervösen Dilettantismus entsprungen seien. Eine Nervosität scheine hier und da gegenüber den Forderungen der Sozialdemokraten Platz gegriffen zu haben, und es seien in dieser Beziehung allerdings Vorlagen gemocht worden, die den Mittelstand schwer belasten, wie die Bäckereiverordnung.

Nach einer mehr persönlichen Rede des wildliberalen Abg. Roesicke gegen Freiherr» von Stumm erhielt das Wort der

Abg. Dr. Roesicke (kons.), gleichfalls ein neuer Mann, dessen rednerische Begabung jedoch längst von den General­versammlungen des Bundes der Landwirthe her bekannt ist.

Dr. Oertel (kons.) wendet sich gegen die Bäckereiver- ordnung und erinnert daran, daß eine Abänderung der Bäckereiverordnung in Aussicht gestellt sei, daß statt der Maximalarbeitszeit eine Mindestruhezeit eingeführt werde, und fragt, wie weit die Vorarbeiten hierzu gediehen seien. Die Ausdehnung der Gewerbeaufsicht auf das Handwerk sei be­denklich und kaum durchführbar, dagegen sei er, Redner, be­reit, mitzuwirken an der Regelung der Arbeitszeit in kauf­männischen Betrieben, namentlich bei den Lagerhaltern der Konsumvereine (Beistimmung). Für weibliche Fabrikinspek­toren trat auch er ein, wenn er auch in Bezug auf die Gleichstellung der Frauen mit den Männern nicht so weit gehe, wie der Abg. Zubeil.

Prinz Schöneich'Carolath(Hospitantb.d.Nationall.) bringt sein Lieblingsthema, nämlich die Frage des Frauen-

studiums, zur Sprache und bittet um mehr Entgegenkommen für die weiblichen Studenten.

Staatssekretär Graf Posadowsky theilt mit, drß vor Kurzem zwischen den Einzelregierun geu Berathungen über die Universitätsstudien der Frauen gepflogen seien und daß sie demnächst fortgesetzt werden sollen. Des Weiteren weist er einige Angriffe, die im Laufe der Verhandlung gegen die Re­gierung erhoben worden sind, als unzutreffend zurück. Nach einigen mehr persönlichen Bemerkungen der Abg. von Stumm, Roesicke (wildlib.). Schrader, Dr. Hitze urd anderen vertagte sich das Haus aus Montag Mittag 1 Uhr.

Vom Abgeordnetenhaufe.

_ Die Samstags-Sitzung ging unter ganz wesentlich ver- besserten akustischen Verhältnissen vor sich. In nahezu zwei­stündiger Rede widmete Abg. Richter dem Etat und den Finanzen Preußens den kleineren Theil seiner Ausführungen, beschuldigte die Finanzpolitik des einseitigen Trachtens nach Vermehrung des Staatsoermögens, plaidirte für Verminderung der Schuldentilgung, für Verweisung eines Theils der ein­maligen Ausgaben der Eisenbahnverwaltung auf Anleihen und für Verwendung der infolgedessen verfügbar werdenden Mittel zur Ermäßigung der Einkommensteuer und zu Tarif- herabsetzungen. Den größten Theil seiner Rede füllte eine nahezu vollständige Aufzählung aller tagespolitischen Zwischen- fälle der neuesten Zeit aus, soweit dabei oppositionelle Spitzen gegen die Regierung?politik herauSzuarbeiten waren. Der Finanzminister Dr. v. Miguel kor statirte ironischen ToneS vorweg, daß Herr Richter an dem Etat selbst nichts auszu- setzen gehabt habe, und wies sodann die Richterschen Be­mängelungen der leitenden Gesichtspunkte des von ihm ver­tretenen Systems der Finanzpolitik, welches auf die dauernde Sicherung des finanziellen Gleichgewichts abzielt, mit Schärfe und Eleganz zurück. Insbesondere verbreitete sich der Mi­nister noch über die in den gemischtsprachigen Landestheilen eingeleitete Aktion behufs materieller und geistiger Hebung der dortigen Bevölkerung und trat mit nachdrücklicher Energie und unter dem Beifall des Hauses den Versuchen entgegen, welche vom Auslande unternommen worden, um durch plan­mäßige Agitation den Angliederungsprozeß jener Landestheile au Deutschland und Preußen zu hemmen. Der Redner der Konservativen Graf L i m b u r g begann mit einer kräftigen Abwehr der Richter'schen Angriffe auf feine Partei. Bezüg­lich der Neuregelung der Schalunterhaltungspflichten erklärte Redner, daß seine Partei zwar an ihren diesbezüglichen Be­denken festhalte, aber bereit sei, mit bestem Willen an der Berathung einer etwaigen, darauf bezüglichen Vorlage der Staatsregierung mitzuwirken. Der Kanalvorlage stehen Red­ner und dessen Freunde zwar nicht grundsätzlich ablehnend, aber skeptisch gegenüber. In der ländlichen Arbeiterfrage ver­tritt Redner die Anschauung, daß die völlige freie Wahl ihres Aufenthaltsortes für ganz jugendliche Leute, während ihre Altersgenossen höheren Bildungsgr ades noch die Schul­bank drücken, ihr Bedenkliches habe und feiert schließlich mit Wärme das Andenken des Fürsten Bismarck. Der nunmehr das Wort ergreifende Kultusminister hob hervor, daß die Staatsregierung an der Nothwendigkeit festhält, die Schul- unterhaltungspflicht nach den Bestimmungen des Art. 25 der Verfassung im Allgemeinen neu zu regeln, daß sie aber mit Rücksicht auf die aus dem Lehrerbesoldungsgesetz resultirende weitgehende Verschiebung der Schu Hasten und auf die mit der Durchführung des Pfaarer- und Lehrerbesoldungsgesetzes verbundene Ueber lafiung der Verwaltungsbehörden davon ab- gesehen habe, mit einer solchen Vorlage schon in der laufenden Session vorzugehen. Auf die Affaire Delbrück über­gehend, wies der Minister darauf hin, wie verkehrt es sei, von Delbrück als demNachfolger Treitschke's" zu reden, da deS Letzteren Professur noch unbesetzt sei. Der Minister er­innert daran, daß Delbrück, trotzdem er in den Preußischen Jahrbüchern bereits eine sehr ausfallende Kritik an der Polenpolitik der Regierung geübt, zum ordentlichen Professor der Geschichte an die Universität Berlin berufen sei. Im j-tzigen Falle aber sei die Kritik DelbrückS der Form nach eine derartig maßlose gewesen, daß die Regierung eS ihrer Autorität vor dem Jvlande wie dem Auslande schuldig war, gegen den Genannten disziplinarisch vorzugehen. Die Dar­legungen des Ministers, welche dann auch n»ch die bekannten Berliner Gravamina wegen der jüdischen Lehrerinnen und Schülerinnen in das richtige Licht rückten, blieben nicht ohne tiefen Eindruck auf daS Haus. Der die Reihe der Samstags- Redner beschließende nationalliberale Dr. Sattler ent­wickelte unter steigender Aufmerksamkeit deS Hauses die be­kannten politischen Fordrungen der Nationalliberalen betreffend reinliche Scheidung der Finanzen Preußens und des Reiches