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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
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MIM W
Zugleich
Amtliches Organ für Ktaöt- unS LsnöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Rr. 14
Dienstag den 17. Januar
1899
Amtliches §taöf^ret0 ^arvaix.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung
am Donnerstag den 19. Januar 1899, nachmittags 5 Uhr im oberen Saale des Rathhauses. Tagesordnung:
1. Jahresbericht.
2. Nachverwilligung von M. 264 auf Titel V, 2 und von M. 300 auf Titel V, 1 aus Titel IV, 2 Spez.- Et. — Schlachthof für 1898/99.
3. Voranschlag deS städt. Schlachthofes für 1899.
4. Reparaturen im Stadtschlsß.
5. Nachverwilligung von M- 521.97 auf Titel VI A. 1 für 1898/99 — Umbau des Stallgebäudes in der Kanalmühle.
6. Herst llung der ehemaligen Konditorei im Stadtschloß zum Wohnranm uns dessen Vermuthung.
7. Nachbew'lligung von M. 300 auf Titel VI A. für 1898/99 — Verlegung des K llereingangs im Frie- drichbau.
8. Bewilliaung von M. 5800 auf E.-O. Tit. I, 12 für 1898/99 — Stadtgrabenüberbrückung am Mühltdor.
9. Nachbewilligung von M. 1300 auf Tit. VI B. 4b für 1898/99 — Reparatur und Anstrich der Wilhelms- brücke.
10. Verbindungsstraße zwischen Erbsengasse und Johann-s- kirchplatz — Ucbereinkommen mit den Eheleuten Peter Weinig.
11. Abänderung der Stromlieferungsbedingungen des Elekri- zitätswerkes.
12. Einquartie ungsstatut-
13. Vermieihung der Räume der Sandelmühle an Th. O. Glöckler unkündbar auf 3 Jahre.
14. Ordnung über die Erhebung einer Gemeindesteuer von Branntwein aller Art.
15. Nachverwilligung von M. 50.67 auf Tit. V für 1898/99 Erhöhung der Vertragssumme für Straßenreinigung.
16. Nachbewilligung von M. 2200 auf Tit. I, 12 E.-O. für 1898/99 — Errichtung eines Warmhauses für die Stadtgärtnerei.
17. Erhöhung der Vergütung für Reinhaltung der beiden Aborte im Rathhause.
F-« itlets«
Aus Kunst und Leben.
Han«U, 17. J-nuar.
■ * Stadttheater in Hanau Die letzte Sonntagsaufführuna brächte uns nach einer sehr langen Pause wieder einmal Björnstjerne Björnsons vieraktiges Schauspiel „Ein Fallissement', welches für viele unserer Theaterbesucher den Reiz der Neuheit h.tte. Die gewaltigen Erfolge seines Stammesgenossen Henrik Ibsen auf dramatischem Gebiete haben das Interesse für die Biihnenwerkc dieses nordischen Dichters etwas beeinträchtigt und dennoch ist dieser Poet mit seinem Schauspiel bahnbrechend für die dramatische Litteratur des Nordens gewesen. Im „Fallissement" offenbart sich der Dichter als ein kraftvolles Talent, dessen energische Bildnerhand eine Reihe lebenswahrer Gestalten geschaffen hat und dessen unbeugsames Rechtsgesühl sich in der Behandlung des Stoffes verrieth, den er dem kaufmännischen Leben entnommen hat. Im Hause des GroßkaufmannS Tjälde werden glänzende Feste »efeiert, weil der Besitzer mit dieser gesellschaftlichen Lüge den schwankenden Zustand seiner Untern ehmun«en zu verdecken sucht. Drei Jahre schon kämpft er gegen daS drohende Verhänzniß und während er bei Tage seiner Familie gegenüber ein sorgloses, heiteres Gesicht zeigt, zermartert er deS Nachts sein Hirn, wie das Unabwendbare fernzuhalten sei. Da wird dem geängsteten Kaufmann plötzlich von dem Advokaten Berent die nackte Wirklichkeit vor Augen gestellt und indem dieser ihn zwingt, den We, der geschäftlichen Lüge und Heuchelei zu verlassen und die rechte Bahn der Aufrich tigfeit und Wahrheit einzuschlagen, gibt er diese» auch den festen Boden wieder, auf dem er sich eine neue Existenz gründen kann. Es ist eine Szene von gewaltiger dramatischer Wirkung, in welcher der unerbittliche Advokat den Kaufmann zwingt, nicht nur seine geschäftliche Bilanz richtig zu stellen, sondern auch den bittern Kelch ganz aus- zukosten und seine Frau und seine Kinder von dem hereingebrochenen Verhängniß in Kenntniß zu setzen. Mit Meisterhand sind die weiteren Figuren des Stücke» gestaltet, so besonders die Frau Tjälde, die längst aus den wirren nächtlichen Träume ihres Gatten dessen wahre Lage erfahren und ihm nun bei der Katastrophe einen reichen Schatz von Liebe offenbart. Mit knapper aber ausdrucksvoller Charakteristik sind auch die beiden Töchter des GroßkaufmannS gezeichnet, wie denn überhaupt in allen Figuren wirkliches Leben pulsirt. So bildet dieses Schauspiel mit seiner gesunden, ehrlichen Moral und mit seinem starken bühnenfesten Aufbau eines der werthvollsten Erzeugnisse der modernen nordischen Litteratur. Wir brauchen hier nicht zu betoneu, daß die Menschen, die Björnson hier auf die Bretter stellte, an das
18. Resolution des Ecutralvereins für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalichifffahrt hivstchllich der Nothwendigkeit einer einheitlichtn Organisation der Wafferwirthschaft.
19. Übertragbarkeit des Titels V, 6 d mit Titel V, 6 c., d. u. 6. Feuerlösch- rc. Wesen.
20. Bewilligung von M. 300.— aus Titel 12. 3 für 1898/99 — Britrag für ein bei Cronberg zu errichtendes Kaiser Friedrich- Denkmal.
21. Spmkafsenstatnt zur endgültigen Genehmigung.
22. Ve> Handlungen der VL Hauptversommlurg des Spar- kassenverbandes des Regierungsbezirkes Cassel in Esch- wege am 14. Oktober 1898.
23. Beschickung des am 23. und 24. Januar in Berlin tagenden Städtetages.
24. Mittheilung über die der Stadt Hanau von Professor Dr. Suchier als Geschenk überwiesene Münzsammlung.
25. Nachverwilligung weiterer M. 156.— auf Titel „Aus Vorjahren" Spez.-Et. C. für 1898/99 — Vertretungs- kost« n an der Knaben-Mit eischule.
26. Dienstordnung für die Stadtschuldeputation.
27. Stadlwappen betreffend.
28. Nachbewilligung von M. 2500 — auf E.-O. 1, 12 für 1898/99 zur Anbringung eines Gitters um das Grimmdenkmal.
29. Verpachtung der Plakatsäulen und Tafeln.
30. Niederschlagung der Hypothek von M. 525.— nebst rückständigen Zinsen auf das Haus Steinheimerstraße 51.
31. Subvention an den Ausschuß für Volksvorlesungen.
32. Ueberlassung des Stadtthe-ters an theaterfreien Abenden für Volislonzerte und Uebernahme der sächlichen Kosten durch die Stadt.
33. Ordnung, betreff nd die Erhebung einer Hundesteuer.
34. Verlängerung des Vertrags mit den jetzigen Theaterunternehmern auf weitere 2Jahre(I./IX. 1900—30/IV. 1902).
35. Rechnung d s städt. Wassrwerks pro 1897/98 zur Feststellung und Entlastung des Rechnung!-Führers.
36. Materialienrechnung der Armeumrwaltung. — desgl.
37. Rechnung d s städt. Gaswerks. — desgl.
38. „ der „ Bad° anstatt. — „ 940
Dienstnachlichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein schwarzer Muff nebst einem weißen Taschentuch in einem hiesigen Laden liegen geblieben. Ein kathol. Gebetbuch. Ein 10 Pfg.-Stück in der Post liegen geblieben.
Hanau am 17. Januar 1899.
künstlerische Verständniß und Können ihrer Darsteller hohe Anforderungen stellten und mit Befriedigung konstatiren wir, daß fast alle Mitwirkende am Sonntag diesen Ausgaben sich gewachsen zeigten. Der sorgfältigen Regieführung des Herrn Hille sei zuerst anerkennend gedacht, der eine in allen Theilen wohlabgerundete Vorstellung zu danken war. Aber auch der Darsteller Hille verdient alle Anerkennung für seine hervorragende schauspielerische Leistung als Advokat .Bereut", klar und bestimmt zeichnete er den alten unerbittlichen Anwalt, der mit fester Hand das Truggewebe des Kaufmannes zerstört, eine energische Charakteristik, die ihrer Wirkung sicher sein konnte. Eine prächtige schauspielerische Leibung bot uns auch Herr Linzen mit der Wiedergabe des Großhändlers „Tjälde." Die in allen Theilen sorgfältige charakteristische Ausgestaltung zeigte eine Reihe lebenswahrer Züge und das Bestreben des Künstlers, die hochgesteigerten seelstchen Erregungen nach außen zum wirksamen Ausdruck zu bringen. Diesen guten künstlerischen Leistungen schloß sich die des Frau Lehmann als Frau „Tjälde" würdig an. Sie war das typische Bild einer treuen Hausfrau, die die ganze Bürde des schweigenden Kummers tragen muß. Frl. Brandow und Frl. Krause als .Walburg" und .Eigne" trugen durch die feine Charakteristik ihrer Aufgaben ebenfalls ihr Bestes zum Erfolg des Ganzen bei. Eine recht sympathische Gestaltung ward dem Prokuristen „Emmas" durch Herrn Steingötter, schlicht und einfach wie es die Rolle erfordert. Auch die übrigen kleineren Rollen fanden verständige Wiedergabe.
-r IV. Abonnements-Korrzett. Die musikalischen Genüsse in Hanau hänfen sich. In voriger Woche hatten wir das in allen seinen Theilen so wohlgelungene Symphonie- Konzert der 166er und gestern, nur wenige Tage später, wurde uns abermals ein hoher Kunstgenuß in dem unter Mitwirkung von Fräulein Selma Kurz, Herrn Mox G i e ß- w e i n und Herrn Heinrich Appunn veranstalteten vierten Abonnements-Konzert zu Theil. Herr Heinrich Appunn leitete mit einer „Fantasie et Variations“ von F. Servais das Konzert ein. Thema derselben ist die bekannte Melodie des „Sehnsuchtswalwrs" von Schubert, welcher oft fälschlich Beethoven zugeschriebeu wird. Herr Appunn glänzte mit dieser prächtigen Komposition nicht bloß durch den wahrhaft künstlerischen Vortrag, die tadellose Sicherheit und Reinheit seines Spiels, sondern auch durch musikalisches Fühlen und Denken, welches er hier zum schönsten Ausdruck brächte. In Chopin-
Die Eröffnung des preußischen Landtags.
Gestern Vormittag um 11 Uhr fand im Weißen Saale des Königlichen Schlosses die feierliche Eröffnung des preußischen Landtages statt.
Bereits gegen ^ill Uhr hatte sich der Kaiser, «us den inneren Gemächern kommend, zum feierlichen Gottesdienst in die Schloßkirche begeben. Nach Beendigung desselben passtite er kurz vor 11 Uhr, unter präsentstem Gewehr der dort aufgestellten Schloßgarde - Kompagnie, zum zweiten Male den Weißen Saal. Hier hatten sich währenddem zahlreiche Mitglieder beider Häuser sowohl, are die R präscutanteu der höchsten Militär- und Zivilchargen versammelt. Völlig füllte sich der mächtige Raum aber erst, als jetzt sämmtliche Laud- tags-Abgeordnete und Würdenträ er, die dem Gottesdienst be'gewohnt, im Saale zurückblieben, während der Kaiser noch für kurze Zeit die inneren Gemächer aufsuchte.
Wiederum trat die Schloßgarde-Kompagnie im Weißen Saale unter Gewehr. Ihr Kommandeur, Oberstleutnant und Flügeladjotant von Pritzelwitz, in seiner reichen altfriedericani- schen Uniform, mit Dreispitz, Ringkragen und Sponton, ließ präsentiren, uud unter Vorantritt der höchsten Hoschargen betrat nun, zur Vollziehung des eigentlichen Eröffnungsaktes, Kaiser Wilhelm den Saal, empfangen von donnernden Hochs, zu welchen der Präsident des Herrenhauses, Fürst o. Wird, die Versammelten aufforderte.
Der Kaiser, der die Garde du Corps-Uniform mit dem Stern und Band des Schwarzen Adlerordens trag, stieg die Stufen zum Thron empor. Zur rechten Seite nahmen die Königlichen Prinzen mit dem Regenten von Braunschweig, dem Prinzen Albrecht beginnend, Ausstellung; zur linken feie Minister. Den eigentlichen Thronseffel flankirten rechts und livks die beiden Leibpagen des Kaiser-, schmucke Selektaner des Kadettenkorps. Prächtig stand den Beiden die reiche, geschmackvolle alte Tracht! Rother, silberbetreßter Rock, weiß- seivene Kniehosen und Strümpfe, schwarze Schnallenlackschuhe. Wie Bildsäulen standen sie da, den Dreispitz unter dem Arm.
Vor dem Thronseffel bedeckte der Kaiser sein Haupt mit dem blinkenden Adlerhelm und verlas dann stehend mit volltönender Stimme die ihm vorn Reichskanzler, Fürsten Hohen- lohe, überreichte Thronrede, die folgenden Wortlaut hesitzt:
„Erlauchte, edle und geehrte Herrm von beiden Häusern des Landtages! Indem ich Ihnen beim Beginn eines neuen Abschnitts der parlamentarischen Arbeiten meinen königlichen Gruß entbiete, gebe ich meinem Vertrauen Ausdruck, auf Ihre verständnisvolle Unterstützung auch bei den beo-rstehenden wichtigen Ausgaben rechnen zu können. Die Finanzlage
Coßmann'S „Nocmrno" zeigte er ebenfalls sein künstlerisch gereiftes Spiel neben geistvoller Auffassung, und in Popers „Tarantelle" kam seine eminente Technik zur vollsten Geltung. Das Publikum belohnte die vorzüglichen Leistungen unseres wackeren Künstlers mit stürmischem Applaus. Fräulein Kurz sang gestern Abend zum zweiten Male in den dies- winterlichen Abonnements-Kouzerten. Im ersten Kpnzert sang sie schon so reizend und bezaubernd, daß wir den Wunsch äußerten, es möchte die Leitung dieser Konzerte versuchen, die geschätzte Sängerin noch für einen Abend zu gewinnen. Wir glaubten damals im Sinne der Konzertbesucher zu handeln und haben uns nicht getäuscht; denn das anwesende Publikum bereitete Frl. Kurz einen warmen und herzlichen Empfang. Dafür bot nun wieder die Sängerin all ihre Kunst auf, durch den wunderbar schönen Vortrag der herrlichen Lieder ihren Dank abzustatten. Sie sang von allem „Süßen und Hohen", was das Menschenherz erfreut, und lauter und immer anhaltender wurde der Beifall der Zuhörer. Als aber ihr „La Volctta", die letzte Konzertnummer, verklunzen war, blieb Alles sitzen; den« man dachte, es kommt noch eine Zugabe. Und richtig: „ES war ein kleines Mäuschen rc.", so tönts zum Schluß von ihren Lippen, und nochmals durchbraust der Beifall den Saal. — Für den unpäßlich gewordenen Herru Naviarky trat Herr Mox G i e ß w e i n von Frankfurt auf. Es mußte deshalb auch eine Aenderung des Programms vorgenommen werden. Er sang: „Die Lotosblume" von Schumann, „Au die Musik" von Schubert, „O laß dich halten, goldne Stunde" von Senfen und „Aus deinen Augen fließen meine Lieder" von Ries. Herr Girß- wein hat einen kräftigm und dabei sehr sympathischen Tenor. Seine Lieder trug er innig und gefühlvoll vor, was zur Folge hatte, daß auch ihm die Anwesenden reichlich Beifall spendeten. Der Sänger verstand sich ebenfalls zu einer Zugabe. Herr Mische! begleitete Herrn Appunn sowie die gesungenen Lieder in gewohnter Weise. Noch ist zu bemerkn, daß diesmal das Konzert sich eines besseren Besuches erfreute.