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Nr. 12
1899
Amtliches
Am 12. d. Mls., vormittags wurde 80—90 m vom Bruchköbeler Wald entfernt unter der Brücke der Bruchköbeler Landstraße in hiesiger Gemarkung ein neugeborenes K>nd männlichen Geschlechts, in einem Stück weißen Leinen und grauem Packpapier eingewickelt, todt aufgefunden. Das Stück Leinen scheint von etntm stensterrouleaux herzurühren. Die vorgenommene Obduktion hat ergeben, daß das Kind gelobtet
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, Gelänge es, überall demokratische Republiken ohne steheud-
obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau am 14. Januar 1899.
Der Königliche Landrath.
v. S ch e n ck.
worden ist. Die Mutter des Kindes ist bis jetzt noch nicht ermittelt.
Diejenigen Personen, welche etwa Angaben in bitfer Beziehung machen können, we den gebeten, sich auf dem hiesigen Polizeibureau, Zimmer 16/17, zu melden, oder solche Der unterzeichneten Behörde schriftlich einzureichen.
Hanau den 13. Januar 1899.
Königl. Polizei-Direktion.
P 355 v. Schenck.
Dienstnachlichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Herren-Eplinderuhr mit Kette. Hanau am 14. Januar 1899.
^taöf^rei# ^anart.
Bekanntmachuilgen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Der von uns genehmigte Entwurf zum Haushaltsplan
Heere oder doch nur mit kleinen Armeen einzuführen, so würde der Krieg mit klemm Schaaren auf Erdm wieder genau so der normale Zustand werden, wir er es im Mittel- alter im Europa war.
Diese Erkenntnisse haben namentlich in den letzten Jahren sehr an Verbreitung in den gebildeten Sckichten gewonnm. Selbst der Arbriterstand hat eingesehen, daß die Form der Republik ihm in mancher Hinsicht noch ungünstiger sein kann als die einer Morarchie, denn die Republtk ist weit rücksichtsloser in der Ausbeutung der Vortheile des Besitzes der herrschenden Klassen als eine kluge Monarchie, die ein Intel esie daran hat, auch die niedere Masse sür sich zn gewinnen. Auch der Arbeiterstand hat deshalb kein Interesse mehr an republikanischer Verfassung.
der Stadthauptkasie sür das Rechnungsjahr 1899 liegt gemäß § 76 der Städtemdr ung vom 4. August 1897 vom 16. ; Januar d. Js. an 8 Tage lang während der Dienststunden i im Stadisekretariat, Rathhaus Zimmer Nr. 21, zur Einsicht der
<-£an öftrer# ^anau
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. ; ^ana^ 1899.
In Klein-Auheim^und Groß- und Klein-Steinheim, Kreis ' Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
Hanau den 14. Januar 1899.
Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und ist die Orts- und Gemarkungssperre aufgehoben worden.
Hanau am 13. Januar 1899.
843
V. 360
Der Königliche Landrath. d. Sckenck.
Republik und Monarchie
Das Thema: „Republik und Monarchie" behandelt der
Zum Etat der Post- und Telegraphen- Verwaltnng.
In der Budgetkommission des Reichstages stand der Etat der Post- und Telegraphen-Verwaltung zur Bermhung. Zunächst die Einnahmen, welche insgesammt auf 360 448 610 Mk. veranschlagt sind, wovon auf Porto 335 500 000 Mk. entfallen, 271 /» Mill on mehr all im vorigen Etat. Der Referent Dr. Paasche konstatirt überall eine erfreuliche Zunahme der Einnahmen, namentlich aus Porto für Briese und Postkarten. Auch die Telegr^phengebühreu, welche im vorigen Jahre eine Abnahme zeigten, sind um 2,35 Millionen gestiegen, die Fernsprechgebühr en um 3, die Portoeinnahmen um
___________________ __________ .................... ....... 18 Millionen. Referent schlägt vor, die Etatsansätze zu ge-
Jn Ober Mockstadt, Kreis Büdingen, ist die Maul- und „Gegenwart" „An des Jahrhunderts Wende": Der Hort lehmigen. Nbg. Müller-Saga« (fr. Vp.) fragt an, wie
Klauenseuche ausgebrochen und Gehöstsperre angeordnet des Friedens sind gegenwärtig diejenigen Monarchien, in s sich der Staatssekretär zur Ermäßigung der Telephongebühren
roorbeIL welchen die Macht der Kro e stark und gesichert genug ist, stille, und wünscht Auskunft über die Resultate der Versuche
Hanau am 14. Januar 1899. um sich von den Masser stlöwuugen im Volke unabhängig zu mit dem Befischen Verfahren (Anschluß mehrerer Sprecher an
* ' Der- Königliche Landrath. behaupten; das sind aber diejenigen Mächte, in welchen die einen Draht). Staatssekretär von Podbielski erklärt,
v. Schenck. Krone sich auf ein starkes und tüchtiges Herr stützt. So die Gesuche um Verbilligung der Fernsprechgebühren seien
' sind die stehenden Kriegsheere zur Bürgschaft den Friedens gleich nach seinem Amtsantritt zahlreich an ihn herangetreten,
bekannte Philo oph von Hartmann in einem Artikel der
V. 395
Kanari geworden, indem sie den srietzliebenden Regierungen ermög-^ namentlich aas kleineren Städten. Er habe im Reich;post- iLulWWllU||uju|u (Mn, die uroernürftigen Kriegsgelüste ihrer Völker unbe-- amt eine bezügliche Vorlage ausarbeiten lassen, welche vor-
Nächste Versammlung Samstag den 21. Januar achtet zu lassen oder im Zavme zu halten. i nehmlich für kleinere Städte eine Verbilligung vorsehe. Ueber
i Die Fürsten und ihre Räthe haben tb^n naturgemäß ein das Befische Verfahren sei noch kein endgiltiges Urtheil abzu-
1899, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen „ _ _ _
Löwen" in Hanau. stärkeres Verantwortlichkeitsgefühl für ihre Entschließungtn>geben,doch nach den bisherigen Versuchenersckeinees zweiscl-
Tagesordnung: als die Masse, bei der sich die Verantwortlichkeit auf Mil- haft, ob es sich bewähren würde. Eine weitere Ausdehnung
1. Geschäftliche Mittheilungen. lionen vertheilt und auf jeden Einzelnen nur ein verschwinden-des Fernsprechnetzes sei nicht angängig, bevor eine gesetzliche
2. Vortrag des Herrn Kreisthierarztes Collmann über des Theilcken kommt. Die ungebildete Masse übersteht nicht Regelung des Wegewesens eingetreten sei. Er hoffe, daß es
/ die Schwere der Folg-n und läßt sich nicht sowohl von der-der Regierung gelingen werde, dmch ihre Vorlage1 die
Schutzimpfung bei Maul- und Klauenseuche.
3. Referat des Herrn Philipp Jung in Butterst ädterhöfe Vernunft als von leidenschaftlichen Impulsen leiten. Sie ist Schwierigkeiten zu beseitigen. Abg. Singer (Soz.) rügt, über Anschluß an den Niederhessischen Obstbau-Verein für gewöhnlich friedliebend; wenn aber eine Anzahl Dema- daß Herr von Podbielski Dinge mit einander verquicke, die gogen es verstehen, ih e Leidenschaft zu erregen, so setzt sie’ nicht zusammengehören. Auf die Regelung des Wegewesens
in Cassel.
Der Vorstand.
jede vernünftige Erwägung bei Seite und wird kriegswütlig. könne man nicht warten mit der Verbilligang der Fernsprech-
^«mitteten»
Kleine Plauderei.
Hanau, 14. Januar.
Gestatten meine Damen und Herren, daß ich mich Ihnen vorstelle: Ich heiße.......Nun, wenn ich mich Ihnen
auf einem Balle, der aber nicht aussellen darf, vorgestellt hätte, wüßten Sie vielleicht, — wie ich tanze, ob mem Frack schwarzen Sammtkragen hätte oder nicht, oder ob ich Steh- oder Stehumlegkragen von 8 cm Höhe trage, meinen Namen
wüßten Sie sicher nicht.
Es ist nun einmal so mit dem Dorstellen, man macht seine bei einem Lehrer der Tanzkunst, ober einem Tanzlehrer gelernte mehr oder minder graziöse Verbeuyung und murmelt etwas in den Bart, etwa w e jetzt die Statisten in Wien. Damit ist die Form erfüllt. Aber gerade dieses undeutliche Aussprechen des Namens kann Swff zu einer ganz schönen Unterhaltung geben. Hat der Herr sich von der Verbeugung erholt, so fängt die Dame wohl an; „Ich habe Ihr n Namen nicht richtig verstanden". Der Herr wiederholt, diesmal deutlich: „Müller". „Ach der Name ist mir bekannt; sind Sie vielleicht verwandt mit Müller in der . . Straße. Und die Unterhaltung ist im Gange. Oder soll man als Ouvertüre sich von einer Dame versichern lass n, sie talte nicht geglaubt, daß der Saal so groß wäre, oder daß das Wetter weder Sommer- noch Winterwetter wäre, oder daß: „Des Tisches schönste Zier, Kanvenbier" wäre, ober gar daß in diesem Winter die Gänse nicht so fett geworden wären, wie voriges Jahr I Aber nicht nur bei Ballunterhaltung ist e8 sv, auch aufber Straße, im Restaurant, in CasS's, wenn solche vorhanden, im Theater 2c. ist das Borst, llen nur Formsache. Oder wissen Sie noch, liebe Freundin, wie der Herr in der
grünen Joppe, der schwarzen Pelzmütze und den braunen Grimme? Handschuhen birß, der im vorigen Winter mit Ihnen so „chic" auf Heuprs Wiese Schl ttschuhe lief? Ahnst Du was, Du Kleine, mit den frischen rothen Backen, die die Händchen mehr in der Bonbonniere als im weißen Müffchen hatte?
Doch Du dauerst mich, H-ufe sWiese! Du armes D ng, Dich macht man immer kleiner, und kein Ersetz läßt sich für Dich finden. Deines Gleichen «xisürt nur in der Phantasie einiger Leute, die da glaubten, man könne Dich III. Güte für 10 Pfennig an einen schönen Punkt unserer Umgebung verlegen, und an der Sielle, wo im Sommer rothe Bälle, von zarter Hand geschlagen, hin- und hn flogen, und Jünglinge im Sporthemd und gelben Schuhen sich aus ein 48-Stunden
ausdrängten). Hübsch gearbeitet sind die beiden Figuren, die über der Ladentbür angebracht sind. Was sie bedeuten, darüber die Unterhaltung, die ich gestern mit anhörle.
„Du Schorich, guck' emol, des thut mer nur leid, daß der Baub dadroke' dem Mädsche nett die Hand darf gewe; die Mäderschen und Jüngelschen, die hie' unne uff der Krämer- und Hawmergass' — ach so, Krämer- und Hammerstraße 'erumlafe, sein doch besser dran." „Da Host Du recht, Tschan, (Jean) awer die Baube delfe ach lafe un’ b> äuche nett so ruhig sitze' zu bleibe, un' ich glab', da drowe zieht's un' des elektrisch Licht, wenn's ach deuer genug is' mecht nett übermäßig warm, höchstens dem, der berappe' muß. —
Wie monn,
wir so da stehen, kommt ein Dienst-
dessen Nase seinem Rockkragen „Tschan",
in früheren
Rad R-nnen trännten, würde sich ein fröhliches Winterfest , •; r, . . . . —, „ , ,
-ntwickeln. Doch die Hcsfpung, so sckön sie auch war, wurde ^Ö1 ß-eitH ^u und fragt den „L.ichan , ob er auch
»«Kumt ...... bm* S°»d, Sand «.’>4 .««! #' «« ?" b->d°n F.gm-n b<d°ul-lm. @. no,
। ' sagt Tschan, wie tn der „schwarze Kuh" beim Eppelwem die
So müssen wir denn unsere Schritte zum Teich lenken, R^dd' druff lam, tat der ^rie-el gesagt, es war Handel und und ich bin sicher — ganz Hanau strömt hinaus, tote im werbe, nur konnt er nett b-'gnffe, her vtanne( nett in „Lamb.wald" wenn es nur erst — Eis gebe. Dcch xut ^ Huunel.-(Kiämer-)gass acb so, S. ße gucke hat, D'vq will Weil haben " und d.s Gewerbe nett in der Hammergosi sitze that, als
Das sahen wir auch am Grimm-Denkmal und sehen ,-! brauchte die G-werb-^ ^ Schuster, Schreiner, Zimmer- noch an dem Geländer, das unser säöres Denkmal umgibt. ^ul' .^"^ Goldschu-nd, ^ ' v^Iojier, Olaser,
Da ich auf diese Weife aus den Markt gekonmen bin, will i Topezeerer, Maurer nett d n Hammer. Raa, Herr, ick an diesem schönen Fleckchen Hanau, wo Dienstag unb: [^ Dienstmann mit ba he Nos. des ane soll den Samstag Handkäse und BlumÄräußchen, Cpansäue und d-n Mam und des aun ^
Dickwurzeln, „Kickel" und „Zwiewel" „Gähle Riwe" und M_doch an der Hellertruck und des soll des fein. Citronen friedlich bei einander wohnen, einen Augenblick Halt Da machten die beiden machen und mir den neuentstandenen Prachtbau, dem gegen- geschellt hätten sie doch auch sein können; sahen sie doch auf
über ich uanchesmal für 5 Pfg. Selters trank, näher an- ihren Reisen, schon manche ähnliche Darstellungen, trotz des
setzen. (Daß ich auch jetzt wieder zum Wassertrinken verur- „Tvppch.n" bei Müller in der Drosselgosse und trotz des
theilt bin, glaube ich daraus zu schließen, doß sich mir 3 Mal Durstes, den sie bei Durchwandlung der Karlsaue besamen.
„Beijer" verdutzte Gesichter, so
12 Wassergläser zusau mm für 49, 48, 47 Pfg. gerrdezu Vergnügt ob des gelungenen Witzes reibt sich der Dienstmann
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltung-blatt 14 Seiten.