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Amtliches Grgan für StaSt- unö LanSKreis Hsnsu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 11
Freitag den 13. Januar
1899
Amtliches c^anö&rew ^anau.
Bekanntmachuvgen des Königlichen Landrathsamtes.
Mit Erledigung der in Nr. 33 der Amtlichen Beilage zum Hanauer Anzeiger für 1898 abgedruckten Verfügung vom 3. Mai v. Js., V. 4763, betreffend finnige Rinder und Kälber, ist noch eine Anzahl Bürgermeister im Rückstände. Es wird deshalb an die alsbaldige Erledigung der genannten Verfügung erinnert. Die Nachweisungen oder Fehlanzeigen
müssen spätestens am 15. -. Mts. in
Händen fein.
Hanau am 9. Januar 1899.
meinen
V. 287
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
Die Hebamme Marie Rang, geb. Sange, auf die fernere Ausübung des Hebammenberufes Verzicht geleistet.
Hanau am 7. Januar 1899.
hier hat freiwillig
V. 168
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein Bastard, röthlich, mit weißer Brust, m. Geschl.
Hanau am 13. Januar 1899.
Tagesordnung: Erste Lesung der Militär- dann steigt es herab von der Stelle, zu der es berufen ist. tlage. lJm Kriegsministerium kommen sämmtliche Nachrichten zu
sammen über die Verhältnisse der verschiedenen Staaten, j Wenn ich aufmerksam diese Nachrichten prüfe, so kann ich nur die Ueberzeugung ausdrücken, daß ich keine Stelle weift
vorlage.
Kriegsminister v. G oßler: Die Vorlage unterscheidet sich erheblich von den weittragenden Entwürfen der früheren
Jahre. Früher sind in bestimmten Zeitabschnitten erhebliche uur uic uc; er^eugung nusorucren, sag rcy reine sieue weiß, Verstärkungen der deutschen Heeresmacht beantragt und be- an der die Rüstungen eingestellt sind, im Gegenteil, wenn willigt worden; daraus resultiren sowohl mannigfache i ich die Summen betrachte, die an anderen Stellen zur Ver- Schwierigkeiten auf militärischem Gebiete, wie auch eine un- stärkung der Land- und Seemacht verwendet werden,
stärkung der Land- vnd Seemacht verwendet werden, dann will es fast scheium, als ob diese Vorlage
günstige Beeinfluffung der finanziellen Entwickelung deS
Reiches. Aber das war nothwendig, weil die deutsche Heeres- unzureichend sei. Aber im Vertrauen auf die Heeresmacht nummerisch für längere Perioden festgelegt war, in Verbesserung glauben die verbündeten Regierungen nur das fordern welchen die fremden Staaten mit ihren Rüstungen einen er-! zu sollen, was vorgeschlagen ist. Daß nach jeder Richtung die heblichen Vorsprung gewannen. Da kam es darauf an, diesen finanzielle Seite dieser Vorlage gewahrt ist, ergibt sich aus den
Vorsprung mit einem Schlage wieder einzuholen. Die gegenwärtige Vorlage steht von bitftm System ab, sie nimmt eine
finanzielle Seite dieser Vorlage gewahrt ist, ergibt sich aus den Details der Vorlage. Welche Erfahrungen haben wir nun
gemacht, d'e uns veranlrffen, dieses System vorzuschlagen?
--7-O- -------,-,- —— ------v — -—1-7— v......—,» Ist auch Deutschland von einem Kriege verschont geblieben,
in AuSstcht; sie behält, zwar die fünfjährige Periode bei, so bietet doch die verfloffene Periode eine Reihe kriegerischer ‘ Ereignisse, die uns wohl veranlassen können, einen bestimmten Schluß auf die Zukunft zu ziehen. Die Kriege, die uns hierbei beschäftigen können, sind der Krieg zwischen Japan und China, zwischen der Türkei und Griechenland, der Kampf der Engländer im Sudan und der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Spanien. Sind auch die Verhältnisse dieser Kriege vollständig verschieden, so ergibt sich doch aus allen ein bestimmtes Resultat, das ist, daß die Grundbedingung des Sieges ist, daß man im Frieden ganz klar die Ziele des Krieges und die Mittel, sie zu erreichen, kennt und vorbereitet. Wenn man nid t in dieser sorgsamen Weise die Kriegführung für die Zukunft vorbereitet, dann erkennt man, daß weder die Größe des Staates, noch eine
ruhige systematische Entwickelung der deutschen Heeresmacht
denn die gesetzgebenden Faktoren, die diese fünfjährige Periode
festgestellt haben, haben meines Erachtens das richtige gefunden. Die Vorlage kommt auch noch in anderer Hinsicht den Wünschen dieses hohen Hauses entgegen. Es ist hier verlangt worden, man solle ein Ziel für die Organisation angeben; hier ist ein Ziel für eine Reihe von Jahren festgesetzt, in welchen der Fortschritt erreicht werden soll. Ist in dieser Hinsicht den Wünschen des Reichstages entgegengekommen, so ist auch in anderer Beziehung ihm entgegengekommen insofern, als eine jährliche Bewilligung des Budgets der Friedenspräsenzstärke stattfinden soll. Bei der Beurtheilung dieses Systemwechsels ist zunächst in Betracht zu ziehen das
Friedens-Manifest des Kaisers von Roßland. Diese Kund- ___________, _____ ___... ________ _____
gebarg gibt uns die Sicherheit, daß wir auf absehbare Zeit Organisation, noch eine Begeisterung, noch der Fanatismus von vitser Sf#f d-rch einen Angriffskrieg nicht bedroht sind, ■ im Stande sind, die sorgfältige KriegSvorbereitung zu er- und damit ändern sich wesentlich unsere militärischen und po- i setzen. r ~ „
litischen Verhältnisse. Andererseits hat auch die deutsche Amerika und Spanien zeigt, daß der Staat, der die Vervoll- Heeresmacht einen Umfang und eine Sicherheit erreicht, dieikommnung der Technik im Frieden außer Acht läßt, sie im uns wohl veranlassen könnte, die Nervosität abzustreifen und Kriege nicht wieder herstellen kann. Wir haben in unserer mit Ruhe der Zukunft entgegenzasehen. Es ist die Frage be- i Heeresverfassung auf Grund eines eingehenden Studiums eine rechtigt, ob es überhaupt noch nothwendig ist, mit den sorgfältige Organisation. Wenn wir »ieses wichtige Moment Rüstungen fortzuschreiten. Jede Organisation, mag sie noch weiter vervollkommnen und stärken, kann das Deutsche Reich so gut sein, hat ihre Mängel, und je größer sie ist, destoi mit Sicherheit der Zukunft entgegensehen. Was die Einzel- stärker wirkt auf sie der Fortschritt der Technik und die ver- heilen der Vorlage betrifft, so sind zunächst bestimmte Kom-
änderte Situation ein und macht Verbesserungen nothwendig, mandobehörden gefordert und zwar für Preußen, Bayern und
Wenn ich zum Manifest des Kaisers von Rußland zurück- Sachsen je ein Generalkommando. Es ist klar, daß ein
kehre, so lehrt die Weltgeschichte, daß auch der Wunsch des großes Heer ohne handliche Gliederung operationsunfähig ist.
mächtigsten Monarchen nicht im Stande i't, die Interessen Wir müssen das Heer theilen in kleine Armeen, und auch
und Le: ensbedingunzen einer großen Nation zu ändern. Um diese einzelnen Armeen bleiben nur dann operationsfähig,
unabhängig vom Auslande zu sein, muß eine Nation selbst wen» ihre einzelnen Theile so handlich organisirt sind, daß
van.,, v» ~vö. ^.,..^. v- -------- ---------- a^,—, bie Macht besitzen, ihre Interessen gegen die Welt zu schützen. sie der Führung und Verwaltung möglichst wenig Schwierig-
Mitgesühl für die Landwirtdschaft abgesprochen. Dieser Vor- Wenn ein Volk auf die Durchbildung seiner kriegerischen feiten bereiten. Erreicht aber die Stärke eines Armeekorps
wurf sei vollständig ungerechtfertigt. Macht, auf das Aufrechterhalten seiner Wehrkraft verzichtet, eine solche Höhe, daß die einheitliche Leitung und Verwaltung
^taOt^rei^ ^artaix.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von
In diesen Tagen wird eine Kommission bet den hiesigen Pferdebesiyern die für das kommende Jahr im Mobilmachungsfalle freihändig anzukaufenden Pferde einzeln aussuchen.
Pferdebesitzer werden hiervon in Kenntniß gesetzt.
Hanau den 12. Januar 1899.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus.
739
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 12. Januar.)
Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt ^bg. Lieber
(CtrJ, der Nbg. Eßlinger habe ihm und dem Centrum gestern
FsAMetsir.
Stadtthcatcr in Hanau.
Hanau, 12. Januar.
- Schörthan und Kadelburg's vieraktiges älteres Lustspiel .Goldfische" gelangte am Mittwoch zur Aufführung. Wird dem lustigen Stück eine so in allen Theilen sein abgetönte Darstellung wie am letzten Mittwoch unter der sorgfältigen und geschmackvollen Regieführung unseres Herrn Stein gött er zu Theil, so läßt man sich die Einfügung des gefälligen Lustspiels in den Spielplan gern gefallen. Eine ebenso liebenswürdige wie geistvolle Joscphine von Pöchlar war Fil. Brandow; mit ihrer vornehmen Gestaltungsweise wußte sie auch den Humor der Rolle wirksam zu vereinigen und ihrer Darstellung ein interessantes, fesselndes Gepräge zu verleihen. Ein ebenbürtiger Partner war Herr Steingötter als Erich von Felsen. Der liebenswürdige Künstler präsentirte sich in schmucker Husarentracht ganz prächtig und seine Darstellung wurde dem ritterlichen Wesen des kecken übermüthigen Husarculieutenants in jeder Beziehung gerecht. Eine ganz prächtige Figur stellte Herr Hille als Wolf von Pöchlar-Benzberg auf bie, Bretter. Der Künstler befleißigte sich bei dem Humor der Rolle einer wohlthucn- den Natürlichkeit die in ungezwungener fein komischer Charakteri- strung den Erfolg suchte und fand. Herr v. Stahl scheuet für tue humorvollen Liebhaberrollen befähigter zu sein als für bte ernsten, jedenfalls hatten wir von seiner Darstellung einen besseren Eindruck als am letzten Sonntag. Sein damaliger „Jganoff" war in der Eharakterisirung matt und unbestimmt u»d litt unter sprachlichen Mängeln, während das Spiel am Mittwoch dagegen dem Humor, mit dem die Autoren den .Hans Roland" ausgestattet haben, ver- ständnißvoll entgegen kam und ein frischer temperamentvoller Zug seine Darstellung belebte; von seinen sprachlichen Mitteln haben wir jedoch einen besseren Eindruck nicht erhalten. Einen herzerquickenden Humor entwickelte Frl. Krause M Emwy Winter und eine Gestalt von köstlicher Frische bot uns Frau Lchmarin als Mathilde von Koßwitz. Herr Gehrmann als Martin Winter und Herr Schön als Stettendorf bervollstandigten in den Hauptrollen das heitere Ensemble.
Aus Kunst und Leben.
Hanau, 13. Jmuar.
-r. Das II. Symphonie - Konzert, welches der Stabshoboist Herr Schmidt mit seiner Kapelle der 166er gestern Abend im Stadttheater gab, zeigte wieder ein sorgfältig zusommengestelltes und an Abwechselung reichhaltiges Programm. Als Solisten hatte er für diesen Abend gewonnen unseren trefflichen Bassisten Herrn Franz Waß- muth, den Violinkünstler Herrn Adolf Redner aus Wien und für die Klavierbegleitung Frau Balser-Landmann von h.er. Erfreulich ist es, daß dieses Konzert viel besser besucht war, als das erste; noch erfreulicher aber ist, daß die Darbietungen des gestrigen Abends denen der ersten nicht blos nicht nachstat>den, sondern dieselben noch übertrafen. Zuerst kam der Altmeister Beethoven zum Wort. Mit dessen Ouvertüre „Leonore Nr. 3" in C-dur eröffnete Herr Schmidt mit seiner wackeren Schaar den Reigen der Konzertnummern. Die Ouvertüre war vorzüglich einstudirt und wurde demgemäß auch vorgetragen. Haydns ^Theilung der Erde" über das gleiflnsmige Rückert'iche Gedicht folgte. Herr Waßmuth sang uns zwar so schön und so innig, daß ihm der reichste Beifall gespendet wurde. Wir haben den geschätzten Sänger schon oft gehört; aber gestern hatte er einen besonders glücklichen Tag, vnd der ihm gewordene Applaus für dieses reizende Lied wie auch für die Schubert- schen „Der Wanderer" und ^Du bist die Ruh", welche Frau Balser-Landmann sehr decent begleitete, war ein wohlverdienter. Die Begleitung von ^Die Theilung der Erde" — instrumentirt für großes Orchester von dem verstorbenen Heinrich Lucan — wurde von der Schmidt'schen Kapelle ebenso schön gespielt, als sie von Lucan geschrieben war. Sinnig und gefühlvoll war auch die Begleitung des ^Violinkonzerts" von Mendelssohn-Barthol:y durch oben-
geuannte Kapelle. Herr Redner, ein noch jugendlicher Künstler, hat sich in den Geist dieses herrlichen Musikwerkes hineingelebt und trug es zugleich mit einer solch eminenten Fertigkeit und Reinheit vor, daß das Publikum davon ganz hingerissen und zu dm lautesten und anhaltendsten Beifallsäußerungen veranlaßt wurde. Auch in Pablo de Sarasates ^Zigeuner- weisen" zeigte er sich als ein gottbegnadeter Künstler. Was nun endlich noch die Musik unserer 166er betrifft, so müssen wir dieser wie ihrem unermüdlichen Dirigenten hohes Lob zollen. In der ^Orchester-Suite", namentlich aber in der wunderbar schönen ^8-woII-Symphonie" von Franz Schubert haben Kapellmeister und Kapelle gezeigt, was sie zu leisten im Stande sind. Die Besucher dieses Konzertes hatten einen schönen und hohen Kunstgenuß. Möge das Publikum das Unternehmen des Herrn Schmidt weiter unterstützen, damit dieser ermuthigt werde, auch ferner solche „Symphonie- Konzerte" zu veranstalten.
Humoristisches.
Schadenfroh. Im Amte fraate der Richter eine ältliche Dame: „Wie alt sind Sie?" — Dame: „Zweiundvierzig Jahre I" — Richter (lächelnd): „Und ledig?" — Dame (die den Mann des GesetzeS in scharfem Ehejoch wußte): „Ja! Lachen Sie nur Herr Richter! Wie würden Sie erst lachen, wenn auch Sie noch — ledig wären I" — DaS traf zu. Der Mann des Rechtes biß die Zähne auseinander und schwieg.
Zeugniß. In einer deutschen Provinzialstadt sollte einmal ein Individuum gehenkt werden, wurde aber wenige Tage vor der Exekution krank und bedurfte der sorgsamsten ärztlichen Pflege. Langsam unter dieser genesend und endlich gesund werdend, zeigte dieS der Arzr mit folgenden Zeilen der Behörde an: „Deliqucnt N. kann jetzt ohne Nachtheil für seine Gesundheit gehenkt werden."