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Amtliches Organ für Htaöl- unö LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 10
Donnerstag den 12. Januar
1899
Amtliches.
Mit dem heutigen Tage scheide ich aus meinem bisherigen Wirkungskreise und sage den Bewohnern meiner Heimath- Provinz Htssen-Nassau «in heizliches Lebewohl, den Behörden und Beamten für ihre bereitwillige Mitwirkung meinen aufrichtigen Dank. Ich scheide mit den herzlichsten Wünschen für das Wohl der Provinz.
Caffel am 4. Januar 1899.
Der Chef-Präsident der Ober-Rechnungskammer . Magdeburg.
Das mir durch Seine Majestät den Kaiser und König Allergnädigst übertragene Amt als Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau übernehme ich mit dem heutigen Tage.
Ich habe den aufrichtigen Wunsch, in demselben den schönen in der Provinz vereinten Landestheilen in ihrer Eigenart, nach Recht und Gesetz und nach dem Maß meiner Kraft zu dienen. Hierzu erbitte ich die Unterstützung der Behörden und Korporationen, sowie das wohlwollinde und vertrauende
Entgegenkommen aller Einwohner der Provinz in Stadt Land.
Cassel am 5. Januar 1899.
Der Königliche Ober-Präsident, Staatsminister Dr. Graf Zedlitz und Trützschler.
und
Dicustuachlichtcu aus dem Kreise.
Gesunden: Eine goldene Brille mit Futteral. Ein Rosenkranz.
Hanau am 12. Januar 1899.
Slcröl^ers ^anaxt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung
: So leben die Deutschen an der Nordgrenze des Reiches so große
Freitag den 13. d. Mts, nachmittags 3 Uhr, nothgedrungener Weise aus fortdauerndem Kriegsfuße mit werbe. —
werden im Hofe der Kanalmühle fremdländisch gesinnten Staatsgenessen, die zum Lohn und
25 Haufen Brennholz, ferner alte Thüren, Pumpen, Dank für die großen Vortheile und Wohlthaten, welche sie
Fenster, altes Eisen rc. von Preußen und dem deutschen Reiche genießen, den Wohl-
öffentlich meistbietend versteigert. thäler bei jeder Gelegenheit verhöhnen und beleidigen und sich
Hanau den 9. Januar 1899. bemühen, Hm ein Glied vom Leibe zu reißen. Dieser Kampf _
Stadtkämmerei. 538 aber wird dadurch in die Länge gezogen und verschärft, daß Existenzfrage (Brüvo's). Ein Staat, der seine Landwirth-
--------- unsere preußischen Dänen Umerstützung und Förderung finden schaft schütze, fei unbesiegbar (Beif. rechts).
Kleines Feuilleton.
Kuntes Allerlei.
(Nachdruck ------ verboten.)
Fürwahr, jetzt wird «8 höchste Zeit, — Daß ich nun wieder reime, — Die Freundschaft mit den Lesern sonst — Sönnt’ gehn mir aus dem Leime, — Denn daß mir im mr flossuen Jahr — Der Fleiß war ein Vergnügen, — Dies zu behaupten, müßt' ich gleich — Im neuen gründlich lügen. — Doch di-se Faulheit sei nunmehr — Auf immerdar 6e= graben — Und Feder, Tinte und Papier — Soll'nS wieder böse haben, — Denn Wie's daS alte Jahr gemacht, — Wirds auch das neue wachen: — Als Stoff mir für mein Allerlei — Beschern» bunte Sachett. — Längst ist der erste Glockenton — Der NeujahrSnacht v-rklavgen, — Die Lieder, sie sind längst verhallt, — Die man in ihr gesungen. — Längst hat ihr Neujahrstrinkgeld weg — Die Schaar der „Gratulanten", — Die froh sich und erwartunesvoll — Glückwünschend zu uns wandten. — Vergessen ist, was meistentheils — Gemacht uns hat nur Qualen: — Das Zinsen-, Schulden-, sowie auch - DaS leid'ge Miethezahlen. — Und die Eliuu'rung nur zurück — Bleibi an die Zeit, bfe heb« — Urid außerdem im Portemonnaie — Me-ganz verflixte Leere. — So hat nicht grabe loben!werth — Die nette Zeit begonnen, — Von der zwei volle Wochen schon — Im eil'aen Lattf entronnen. — Doch hat im großen gan iftt sie — AlS mild sich auch erwiesen, — Als gutes Omen sei sie drum — Für künftighin gepriesen. — Was Falb von ihr uns prophezeit, — Das wird sie Lügen strafen, — Kaun jetzt der Pennebruder ja — Bei Mutter Grün schon schlafen — Denn Blumen allerhand gebetn — Trotz Januar schon im Freien: - Herr Falb, Herr Falb, gehn Sie mir weg
Zu den dänischen Ausweisungen.
Soeben ist der ausführliche Bericht eines Vortrages erschienen, den vor Kurzem zu Hamburg in der dortigen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes einer der ältesten und rührigsten Vorkämpfer des Deutschthums in NordschleSwig, Professor Mecke-Hadersleben, über die Lage der Deutschen Nordschleswigs und die Ausweisungen dänischer Unterthanen gehalten hat. In der ernsten, ruhigen Sprache eines Mannes, der lange Jahre mitten in den von dänischer Agitation bedrohten, durch dänische Aufwiegler ihrer Rahe beraubten deutschen Landestheilen gelebt hat, werden hier die Verhältnisse geschildert.
Professor Macke weist darauf hin, daß es unmöglich sei, in dem kurzen Rahmen eines Vortrages auch nur einigermaßen darzustelleu, was aus dänisch gesinnter Seite an Frechheit und Unwahrheit unserm H-rrscherhause und unserm Volke gegenüber geleistet wird. Aber schon die Blüthenlese, die er gibt, genügt, um von neuem deutlich und greifbar erkennen zu losten, wie unverhohlen und ausdauernd die deutschfeindliche Partei in ihrer Agitation für den Zweck, Nordschleswig dänisch zu machen, zu Werke geht.
An den Wänden der mit dem Danebrog geschmückten Familienzimmer sieht das Kind neben einer bis zur Schlei reichenden Karte Südjütlands die Bilder der dänischen und russischen Herrscherfamilien, bei Familienfesten hört es das Hurrah aus Christian IX., von seinem eigenen Kaiser and König sieht und hört es zu Hause nichts, höchstens, daß unseres allverehrten, unvergeßlichen Heldenkaisers Wilhelm I. einmal als des „Räuberlönigs" gedacht wird. Hat der junge Mann seiner Militärpflicht genügt, so wird sofort nach seiner Rückkehr ins Vaterhaus in die dänischen Wahl-, Schul-, Kommunal-, Handwerker- und landwirthschaftlichen Vereine eingeführt, mit denen das ganze nördliche Schleswig überzogen ist. Hier hört der preußische Unterthan die Parole für die Wahlen: „Wir sind Dänen, und wir bleiben Dänen." Hier liest er im „Flensborg Avis", daß der König nicht Wilhelm, sondern Christian heißt, und daß die Hauptstadt nicht Berlin sondern Kopenhagen ist. Hier wird er auch belehrt, daß die tapferen Vorkämpfer für die Befreiung von ! der Fremdherrschaft „Aufrührer" gewesen seien.
— Mit J^rem Prophezeien! — Doch wieder auch der Wiuhc Schaar — Die Hör' ich grimmig fluchen, — Und nach dem letzten Stückchen Eis — Wie nach ’ner Nadel suchen. — Ja, gibts nicht bald grhör'gen Frost, — Gibts gutes Bier auch nimmer, — Und daß das einfach schrecklich wär' — Habt Ihr davon 'ücn Schimmer? — Ja, wer ein Freund von gutem Stoff — Im Glase oder Becher, — Den Brauern wüuscht und Wirthen er — Bald Eis, und CiS drin Zecher. — Drauf leer ich meinen Krug mit Bier — Dem ganz entsetzlich warmen, — Mög' über diesen Zustand doch — Der Himmel sich erbarmen.
Aus Kunst und Leben.
Eine neue Heilmethode für Tuberkulose geht von Professor Landerer, dem Oberarzt des Karl-Olga-Kranken- hauses in Stuttgart, aus. Die Entdeckung dieses Heilweges geschah, wie fast alle großen Erfindungen, ohne Absicht. Landerer war, gleich vielen anderen Chirurgen, mit den vor» handenen Mitteln zur lokalen, äußeren Behandlung tuberkulöser Leiden (beionbyS mit Jodoform) unzufrieden geworden. „Zufällig", so schreibt er, „lernte ich damals den Perubalsam als ein vortreffliches Antituberkulosum schätzen." Von da bis zur Einspritzung des Medikaments in die Venen behufs innerer Behandlung, wie er sie jetzt betreibt, war ein weiter Weg, ein ebenso weiter bis zur Zerlegung des Perubalsams in seine Bestandtheile, zur Auswahl der in ihm enthaltenen Zimmtsäure und zum alleinigen Gebrauch wässeriger Lösungen zimmtsaurer Salze (Hetol und Hetol-Kresol), mit allen Verfeinerungen einer bis ins Einzelne vollendeten Technik. Die Grundidee, von denen Landerer auSgeht, sind folgende: Wenn Tuberkel überhaupt heilen, heilen sie durch Vernarbung. Da nun das Charakteristische des Tuberkels seine Leblosigkeit, sein Mangel an Blutgefäßen ist, entsteht
bei den von der dänischen Regierung innerhalb der Grenzen ihres Landes geduldeten südjütischen Vereinen, die ebenso wie noch eine ganze Schaar sonstiger deutschfeindlicher National- dänen völlig unverblümt mit Wort, Schrift und Geld die Lostrennung des nördlichen Schleswig von Deutschland betreiben.
Am Schlüsse seiner Ausführung verurtheilt Profeffor Macke aufs Schärfste das jämmerliche Verhalten des Freisinns in der Ausweisun^s-Frage. „Mögen in deutschen Landen," so ruft er aus, „nie und nimmermehr die Grundsätze der Pm^monnaie-Politik triumphiren über ein tiefes uno leb- Hafws Gefühl für die Ehre und Würde des Vaterlandes. Wer wie so viele unserer deutschen Gegrer statt des warmen deutschen Herzeus einen Geldbeutel in der Brust trä.t, der mag weiter klagen über die „Schädigung materieller Interessen." Wir andern können dort im strettdurchwühlten Grenzlande
nur einen Maßstab anlegen, den des Nutzens deutsche Sache.
für die
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 11. Januar.)
Am Bundesrathstische: Graf Posadowsky. Auf gesordnung steht die Wahl von sieben
der Ta- Mit-
gliedern zu der Reichskommission für Arbeit e r st a t i st i k. Es werden wiedergewählt die Abg. Jakobskötter (kors.), Hitze (Centr.), Letocha (Centr.), Schmidt (Elberfeld) (frs. Volksp.), Molkenbuhr (Ssz.), ferner neugewählt werden die Abg. Bauermeister (Rp.) und H-yl zu Herrnsheim (natlib). Ferner werden die Mitgliedec der Reichsschuldenkommission wiedergewählt. — Es folgt die Fortsetzung der Besprechung der Interpellation Wangenheim (betreffend angebliche Fleischnoth.)
Abg. Stolle (Ssz.) verbreitet sich ausführlich über die Fleischnoth. Die Regierung habe nicht nur die Interessen der Viehzüchter zu schützen, sondern sie habe in erster Linie die Pflicht, die Interessen der armen Leute zu schützen. Kritik üben müsse er an dem sächsischen Landeskultur rath, der die Fleischnoth leugne. Durch diese ganze Politik werde auch das Interesse der Kleinbauern nicht nur nicht gefördert, sondern geschädigt (Lachen rechts). Uebrigens «xistire gar keine
so große Seuchcnzefahr, wie sie hier immer vorgeschützt
Abg. Nißlcr (kons.) führt demgegenüber aus, daß ge
rade die kleinbäuerlichen Schweimmäster ein Interesse hätten an der Abwehr der Seuchengefahr vom Auslarde, sowie daran, daß die Preise nicht zu niedrig seien (Beifall rechts). Hier handele es sich nicht um eine Partei-, sondern um eine
die Ausgabe: die mit Vernarbung abzuschließende Entzündung künstlich hervsrzurufen, indem man Stoffe in die Blutbahn bringt, die ohne stürmische örtliche oder Allgemein-Erschei- nungen jenen Reiz ausüben, der zur Entwickelung von Blutgefäßen (die in den Tuberkel vordringen), zur Entzündung und schließlich Aufsaugung oder Vernarbung führt; etwa wie die tuberkulöse fressende Gesichtsflechte, der sogenannte Lupus, läufig ausheilt, wenn der Kranke zufällig eine Gesichtsrose hinzu bekam. Solche wirksame Stoffe hat nun Professor Landerer eben in den zimmtsauren Salzen gefunden. Sie haben zu tuberkulösen Geweien jene eigenthümliche Verwandtschaft, die wir, um nur ein paar Beispiele anzuführen, zwischen Arsenik und den Lymphdrüsen, zwischen Wismuth und der Magenschleimhaut, Chinin und der Milz bewundern. „Wenn wir körperliche Elemente in feinster Vercheilung dem Blutstrom beimischen, so ist ihr Schicksal keineswegs dem Zufall unterworfen," heißt es auf Seite 7 des Landererschee- Buches, das die neue Heilmethode darlegt; und nachdem bin geheime Anziehung zwischen kranken Geweben und gewissen Medikamenten erläutert worden: „Insofern ist der Weg, Heilmittel in feinster Vertheilung durch den Blutstrom an die erkrankten Stellen tragen zu lassen, ein durchaus sicherer." Daß Landerer« Methode berechtigt ist, großes Aussehen zu erregen, kann keinem Zweifel unterliegen. Wie weit sie sich in die allgemeine Praxis wird überführen lassen, ist vorläufig noch nicht zu überseheN, zumal die Technik der intravenösen Jrjektion der der sorgsamsten Schulung bedarf.
Europas zukünftige Speisekammer. Der Handel mit Sibirien ist seit dem Bau der Babnen zusehends im Steigen. Ganz besonders sind e8 die südlichen Bezirke des weiten Reiches, die eine recht lebhafte Ausfuhr nach Europa unterhalten. Kurgan z. B., das an der südsibirischen Linie liegt, kann heute als der erste Exportort in Butter gelten; eS versorgt die größten Geschäfte der Welt mit diesem Er-