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Nr. 9
Mittwoch den 11. Januar
1899
Amtliches.
LcrnöUvois Kernctr».
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Mittelbuchen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben worden.
Hanau am 11. Januar 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 289 v. Schenck.
Die für Eckartshausen, Kreis Büdingen, angeordnete Orts- und Gemarkungs sperre ist aufgehoben und nur Gehöftsperre für ein verseuchtes Gehöft angeordnet worden.
In Lorbach, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauen- seuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.
Die Maul- und Klauenseuche in Hainchen und Himbach, Kreis Büdingen, ist erloschen und sind die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden.
In BücheS bezw. Cobacher Hof desselben Kreises ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöstsperre angeordnet worden.
Hanau am 10. Januar 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 288 v. Schenck.
Dienstnachlichten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Armband mit Anhänger; dasselbe kann bei dem Herrn Bürgermeiner in Kesselstadt in Empfang genommen werden, Ein Portemonnaie mit Inhalt und ein Handschuhknöpfer.
Verloren: Eine Messingwagenkapsel.
Zugelaufen: Ein braungelber schottischer Schäferhund. Ein junger brauner Jagdhund m. Geschl.
Hanau am 11. Januar 1899.
Deutscher Reichstag.
(Sitz ung vom 10. Januar.)
Am Bundesrathstische: Graf Posadowsky, von Hammerstein, von Thielmann.
Präsident Graf Balle st rem gedenkt des Ablebens des Alterspräsidenten Abg. Dieben. Das Haus erhebt sich zu Ehren des Dahingeschiedenen. — Auf der Tagesordnung steht zunächst die definitive Wahl des Präsidiums. Auf Vorschlag des Abg. von Levetzow wird das bisherige Präsidium per Acelamation wiedergewählt, — Es wird nunmehr eine Rech- nurgswche erledigt und sodann die Ucbereinkanst zwischen Deutschland und den Niederlanden betr. die gegenseitige Zu
F««ßAstsir.
Vom Mswigschen Grcnzlonde.
Von Karl Braack.
(Nachdruck »ertöten.)
Auf die alte Wahlstatt der Kämpfe zwischen demDeutsch- thume und dem Dänenthume, auf Schleswigs Nordmark ist wieder einmal die Aufmerksamkeit gerichtet. Hier ringen seit vielen Jahrhunderten die beiden Nationen mit einander, — seit den Tagen, da die Angeln, von den nach Süden drängenden Dänen gedrückt, ihre weltgeschichtliche Meerfahrt zu dem neuen Angelnland antraten, und da der gewaltige Kaiser Otto I. an der damals breiter in tiefem Bette fließenden Königsau stand und seinen Speer mit starker Hand weit ins jütische Land hinein warf. Heut stehen die Verhältnisse so, daß nach der aus dem Anfänge der 90er Jahre stammenden Berechnung von Adler das deutsche Gebiet Schleswigs etwa 234.000 Seelen oder 58*/. pCt. der Gesammibevölkerun-, der dänisäe Theil etwa 117,000 Seelen oder 29 pCt. und das Mischgebiet etwa 49,000 Seelen oder 12 Vs pCt. umfaßte. Eine Linie von Gravenstein, der Heimath des Graven- steiner Apfels, im Osten, bis nach Hoyer an der Nordsee, das allen Besuchern von Sylt wohl bekannt ist, würde ungefähr den Bereich deS niederdeutschen von dem deS jütischen Dialektes abgrenzen. Doch dringt das Deutschthum über diese Linie langsam aber stetig nach Norden vor, hauptsächlich dadurch unterstützt, daß, wie der Däne cand. mag. Ottosen ganz richtig erkannt hat, an die deutsch redenden Gebiete vielfach Kirchspiele von lauer dänischer Gesinnung ««schließen, die der Germanistrung nicht allzu schwer zugänglich sind. Auch hat das Deutschthum in der Nordmark an mehreren größeren Wohnplätzen starke Stützen. Apenrade und Haders-
lassung der Thierärzte in erster und zweiter Lesung debattelos genehmigt. — Es folgt die Berathung der Interpellation von Wangenheim: ob der Reichskanzler bereit sei, Auskunft zu geben über die Enqußte-Ergebnisse der angeblichen Fleischnoth.
Graf Posadowsky erklärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten.
Abg. v. Wangenheim (kons.) begründet die Interpellation. Er weist dabei den Vorwurf zurück, den man der deutschen Landwirttzschaft gemacht habe, daß sie sich nicht genug um Förderung der Viehzucht bemüht habe. Weiter verbreitet sich Redner über die Nothwendigkeit von Sperren zum Schutze gegen Seucheneinschleppung. Nach einer ihm vorliegenden Zusammenstellung von Marktberichten aus 300 Orten im Vorjahre fei von einem mangelhaften Viehauftrieb durchaus nicht die Rede; ebensowenig von kolossal hohen Preisen. Daß die Landwirthschaft so weite Schritte vorwärts habe thun können, das verdanke sie zum großen Theile dem preußischen Landwirthschastsminister.
Staatssekretär Graf Posadowsky: In der Presse, in Kommunalvertretumen, Vereinen und Petitionen kam der Gedanke zum Ausdruck, daß die Fleischversorgung zur Zeit eine außerordentlich schwierige, sogar eine unzureichende geworden sei. Auch Sie amtliche« Nstirungen ließen ein ge, wisses Steigen der Vieh- und Fleischpreise erkennen, wenn auch nicht für alle Vieb? und Fleischsorte«. Diese Verhältnisse veranlaßten den Reichskanzler, sich mit dem Landwirthschaftsminister in Verbindung zu setzm wegen Anstellung von Umfragen, inwieweit die in den Petitionen niedergelegten Forderungen berechtigt seien. Die Fragen deS Reichskanzlers an die Bundesregierungen erstreckten sich aus folgende Punkte: Haben im letzten Jahre, abgesehen von den natürlichen Vermehrungen, Verschiebungen der Bevölkerung stattgefunden, und ist hierdurch der absolute Fleischbedarf gestiegen? Hat die Konsumkraft der Bevölkerung zugenommen und ist hierdurch eine starke Nachfrage nach Fleischnahrung (d. h. der Fleischbedarst gestiegen? Hat die Erhöhung der Fletschpreise eine Verminderung des Fleischverbrauchs zur Folge gehabt? Ist die Viehzucht in Zu- oder Abnahme begriffen? Hat insbesondere eine Vermehrung der Schweinezucht und der Schweinehaltung stattgefunden und hat sich die Qualität der Schweine verändert? Welche Aussichten bestehen für die nächste Zukunft? Genügt die eigene Vieherzeugung zur Fleischversorgung, oder muß eine größere Zufuhr von außerhalb erfolgen? Hat diese Zufuhr zu- oder abgenommen? Woher kommen diese Zufuhren, und wohin gehen eoentl. die Ausfuhren? Wie hat sich endlich Angebot und Nachfrage auf dem Vehmarkt gestaltet? Liegen Anzeichen vor, daß in der nächsten Zeit ein starkes Angebot von Vieh, namentlich von Schweinen stattfinden wird? Wiid die Fleischversorgung durch besondere Verhältnisse,
leben sind jefct wesentlich deutrch; und dicht an der Grenze stehen zwei Bollwerke des Deutschthums: im Osten die aus dem vorigen Jahrhundert stammende Hernihutcrkolonie Christiansfeld, ein freundliches, betriebsames, von Lindenalleen durchzogenes Ocrtchen, im Westen das Kirchdorf Scherre- beck, dessen hoher Thurm das flache Land weithin beherrscht, und dessen wackerer Pastor Jawbsen, Tier Schöpfer der Kunstwebeschule, so eifrig für die Hebung und Germanisirung der Gegend wirkt.
Wie den Eltern ein «Sorgenkind, so ist diese Grenzmark dem deutschen Volke besonders aus Herz gewachsen. Und wohl verdient das nordschleswigsche Land Interesse und Liebe, denn es ist reich an Schönheiten, reich an charakteristischen Erscheinungen, reich an freundlichen Dörfern und Städten, deren rothe Ziegeldächer sich prächtig in das landschaftliche Bild einfügen. Der sich hierhin fortsetzende und dicht an die See herantretende cstholfteinischr Höhenzug ist es, der dem östlichen Theile finstres Gebietes den Charakter «usdrückt. Die schönen Seen der vielgerühmten „holsteinischen Schweiz" fehlen hier freilich, aber sonst findet der Besucher so ziemlich alle Elemente jener reizvollen Landschaft wieder. Bon Hügel zu Hüjel führt der Weg, bald durch Wälder, bald durch liebliche Thalgründe, aus denen stattlich und ehrwürdig alte Bauernhäuser hervorblicken. Rauschend begleitet die See unseren Piad; ihre tief einschneidenden, von Hainen bekränzten Föhrden ersetzen jenen Mangel an Landsee», vor allem die flußartig sich durch bewaldete Abhänge windende, stets belebte, schöne Haderslebener Föhrde mit ihren idyllischen Umgebungen. Die Wege begleiten lebindige Hecken, in denen sich Hasel und Ahorn und blühende Büsche vereinigen. Dann ersteigen wir wohl eine überragende Höhe, wie den »ord- östlich von Apenrade belegenen, 96 Meter hohen Knivsberg, den alten Sammelplatz der Deutschen NordschleswigS, aus dem jetzt als bedeutsames Wahrzeichen der Bismarckthvrm sich
namentlich durch die Händler beeinflußt? Die Beantwortung dieser Fragen ist zum Theil erst in den letzten Tagen erfolgt. Das reichhaltige Material bedarf einer eingehenden Prüfung, und der Reichskanzler ist deshalb nur in der Lage, Ihnen den allgemeinen Eindruck wiederzugeben, den er von diesen Aeußerungen erhalten hat. Die Preise für Rinder und Rindfleisch sind in den letzten Jahren in einigen Gegenden allerdings etwas gestiegen, in anderen Gegenden aber stabil geblieben oder sogar gefallen. (Hört, hört! rechts!) Die Preise für Rinder und Rindfleisch sind daher keineswegs ungewöhnlich hoch, halten sich vielmehr im Allgemeinen auf dem Niveau früherer Jahre. So sind die Preise für Rinder in Berlin, Breslau, München, Straßburg im November 1898 niedriger gewesen als 1894 und 1895. Der Durchschnittspreis pro Kilogramm Rindfleisch betrug 1891 128 Pf. und hat sich bis September 1898 zwischen 121 und 126 Pf. gehalten und betrug im Dezember 1898 125 Pf. Bei den Preisen für lebende Schweine darf man nicht -vergessen, daß sie 1896 einen ganz ungewöhnlichen Tiefstand erreicht hatten. (Sehr richtig! rechts.) Die Durchschnittspreise für Preußen betrugen pro Kiogramm Schweinefleisch 1891 130 Pf., dagegen bis September 1898 zwischen 120—124 Pf., im Oktober 1898 143 Pf. und im November 142 Pf. In Württemberg und Elfaß hat man beobachtet, daß das Fleisch im Detailverkauf der steigenden Tendenz der Viehpreise zwar sehr schnell folgt, daß aber die Fletschpreise den sinkenden Viehvreifen nicht so schnell folgen. Beim Speck und Fett sind die Preise sticht in dem Maße gestiegen wie die Fletschpreise. Aus der Rheinprovinz und Sachsen meldet man sogar, daß Speck im Gegensatz zum Schweinefleisch im Preise gefallen ist. Der Fleischbedarf ist unzweifelhaft in den industriellen Bezirken sowohl absolut wie relativ gestiegen infolge des Wachsthums der städtischen Bevölkerung, der größeren Wohlhabenheit, der steigenden industriellen Löhne und auch weil aus dem Lande das ländliche Gesinde an die Fleischnahrung höhere Anforderungen stellt. Andrerseits wird auch damit gerechnet, daß der kleine Mann auf dem Lande sich mit einer geringeren Fleischnahrung zu behelfen pflegt. Aus einer Reihe von Städten wird allerdings ein Rückgang der Zahl der Schlachtungen, namentlich der Schweineschlach- t u n g e n gemeldet, aber nur ausnahmsweise ist dabei beobachtet worden, daß der allgemeine Fleischverbrauch zurück- gegangen sei. Die geringere Zahl der Schwemeschlachtungen ist durch die Schlachtung von Rindern und Hämmeln und durch ausländisches Fleisch ersetzt worden. Es ist auch vielfach in Frage gestellt, ob die durch die Steigerung der Preise zurückgezogenen Schweineschlachtungen eine Ursache der ausländischen Einfuhr sind oder nicht vielmehr die Folge. Ver- MM wird auch eine Zunahme der Schlachtungen von
erhebt und entzückt schweift das Auge über die blauen Wogen der See und über das grüne Meer der Wälder, über lachende Thäler und weitgevehnte, hinter üppigen Obstdäumen fast versteckte Dörfer, über Kirchthürme, deren man bei Hellem Wetter 32 zählt, Hecken, die „wie dicke Laubgehänge um die Felder geschlungen sind", über tiefe grüne Schluchten und die weite braun: Haive. Wohl ist der Stolz zu verstehen, mit dem Lembcke von diesem Gaue singt:
Du schönes Land mit Thal und Höh'n den Holden, Mit grünen Au'n den Aehrenfeldern golden, W» in verwachsenen Schluchten
Der Bach durch's Buchwerk dringt, Und an des Weges Buchten Das Volk der Vöglein singt.
Neben der See und den Hügeln bildet der Wald den köstlichen Reiz des östlichen Theiles des Grenzlandes. Herrscherin ist hier die Buche, wenn auch der Nadelwald allmählich immer weiter vordringt. Aus einem mit weißen, gelben und blauen Anemonen, mit lieblichen Maiblumen und duftigen Waldmeister dicht bedeckten Boden steigen die hohen, schlanken Stämme stolz empor und begleiten die steigenden und fallenden Erdwelleu. „In dieser Umgebung (sagt Meiborg) hat man nicht das Gefühl des Eingeschlossenseins, wie eS oft in flachen Waldgegenden der Fall ist; denn vom Kamme der Anhöhe blickt man durch das Laubdach der Abhänge über die Baumwipfel deS Thales hinaus, und es ist oft, als befände man sich zwischen den Kronen der Bäume. Aus der einen Seite alle Abstufungen von Grün: zahllose durchscheinende Zweige stehen in goldigem Schimmer, und die Wasser, auf die man ron oben blickt, sind von weißem, silberglänzendem Lichte um= flossen. Auf der entgegengesetzten Sette leuchtet es auf den Kronen, den Stämmen und dem Waldboden von Sonnen- blitzen." Einst reichte daS nordschleswigsche Waldgebiet viel weiter und bedeckte das Land vom kleinen Belte biS zur