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Dienstag den 10. Januar
1899
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 3.
schastskammern, in derjenigen Zahl über das ganze Reich verbreiret, daß jede Kommusion in der Lage ist, in ihrem l geographisch abgegrenzten Bezirke die Wohnungstrage gründ- lich kennen zu lernen. Aufgabe der einzelnen Kommissionen ; wäre es alsdann, auf Grund genauer Kenntniß der betreffen- ' den Verhältnisse gutachtliche Aeußerungen abzugeben, die ELt- i stehung von gemeinnützig wirkenden Bauvereinen und Bau- ! genossenschaften anzuregen und solchen Bestrebungen fördernd j zur Seite zu stehen. Ueber den einzelnen Kommissionen soll eine „Reichs-Zentralstelle für Wohnungsfürsorge" stehen, in dsten Händen die Gesammtleitung zu liegen hätte.
Am Schlüsse seiner Ausführungen kommt der Verfasser auf das eigenthümliche Verhalten der Sozialdemokratie zur Wohnungsfrage zu sprechen. Die Sozialdemokratie steht bisher der Wohnungsfrage theilnahmslos, ja ablehnend gegenüber, obwohl es sich dabei doch in der Hauptsache um eine Besserstellung der eigenen Parteigenoffen handelt. Den Grund Hierjür findet Lechler darin, daß gesund und behaglich wohnende Familienväter für die Ziele der Sozialdemokratie nicht Ho leicht zu haben wären, wie andere, die aus Mangel eines j gemüthlichen Heims ihre Erholung und Zerstreuung im jWirttzshause suchen müssen, und er schöpft aus dieser Ueber- zeugung erst recht die Mahnung, zum Besten des Vater- landcS mit allem Nachdruck den Wohnungsmißstäuden ent- gegenzuwirken.
Nationale Wohnungs-Reform.
Unter bim Titel „Der erste Schritt zur nationalen Wohnungs-Reform" hat Paul Lechler aus Stuttgart soeben einen Vortrag eröffnet, der von dem Verfasser feiner Zeit zu Bielefeld aus der Generalversammlung des unter dem Protektorat der Kaiserin stehenden Vereins „Arbeiterheim" gehalten warten ist. Bei der hohen sozialen Bedeutung, welche die Wohnungsfrage unstreitig besitzt, dürften die Anssührungen eines Mannes, der auf diesem Gebiete zu den anerkannten Autoritäten gehört, sicherlich von allgemeinem Interesse sein, und es sei uns daher gestattet, den wesentlichen Inhalt seiner Schrift in Kürze wiederzugeben.
Lechler schildert eingangs zunächst den Umfang der bestehenden Wohnungsvoth, wobei er hierunter nicht nur den Mangel an geeigneten Wohnungen überhaupt, nicht nur ungenügende, schlechte und ungesunde, sondern auch zu theure Wohnungen versteht. Mit Recht macht er geltend, daß zwanzig Mark Monatsmiethe einen zu hohen Prozentsatz des durchschnittlichen Arbeiter-EinkommenS darstellen und daß schon eine Ersparniß von fünf Mark an der monatlichen Miethe von erheblichem Einflüsse im Haushalte des kleinen Mannes sein würde. Aber wie ist zu helfen? Die sämmtlichen Faktoren, die bisher für eine Verbesserung des Woh nuugswesens in Betracht kamen, die freiwillige Bautbätigkeit, die Fürsorge der Arbeitgeber, Gemeinden und Bau-Genossenschaften, werden gemustert. Das Ergebniß ist indessen bei aller Anerkennug der Leistungen einzelner ein wenig befriedigendes; die vorhandenen Kräfte und Mittel haben sich als unzureichend erwiesen.
Es soll demgemäß nach Lechlers Vorschlag der Staat mithelfend und mitwirkend cingreifen. Soweit das Bedürfniß ordentlichen Wohnens für die kleinen Leute nicht auf andere Art gedeckt wird, soll es durch die Erbauung von Wohnungen unter staatlicher Zinsgarantie geschehen, und das Kapital wäre in der Weise zu beschaffen, daß das Reich unter seiner beziehungsweise der Eiuzeljtaaten Garantie Baupfandbriefe ausgibt und als Organe für die nöthigen Vorerhebungen über das Bedürfnis und für die Ausführung des Wohnungsbaus besondere Wohnungs-Kom- missionen beruft.
Die Schaffung solcher Wohnungs-Kommissionen ist der erste Schritt, ten Lechler auf dem Wege zu einer nationalen Wohnungs reform gethan wisfm will; hierauf will er seine Vorschläge zunächst beschränken. Es sollen Organe g-schaffen werden nach Art der Handels-, Gewerbe- und Landwirth-
Politische trnd unpolitische Nachrichten.
(Dep eschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 9. Januar. Der Kaisir empfing gestern Vor- ' mittag im Potsdamer Stadtschloffe den Grafen Henckel von . Tonne,smarck zum Vortrage. Geiern Nachmittag empfing : bet Kaiser im Berliner Stadtschloffe den Professor Adolf von Menzel. Heute früh sprach der Kaiser bei dem Staats- ‘ sekretär von Bülow vor und nahm später im Berliner Schlöffe verschiedene Vorträ-e entgegen. Um 12 Uhr wohnte der Kaiser der Trauung der Tochter des hiesigen öfter reichisch- ungarischen Botschafters bei u. nahm darauf an einem Frühstück in der Botschaft theil.
Berlin, 9. Januar. Der „Post" zufolge sind die Angaben verschiedener 931 alter, daß tm Finanzministerium ein I Gesetzentsurf betreffend die Besteuerung der großen Waaren- Häuser ausgearbeitet sei, der von einer Umsatzsteuer Abnan» nehme, verfrüht. Die zwischen den zuständigen Refforts diesbezüglich gepflogenen Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.
Berlin, 9. Januar. In der Samstag stattgefundenen Sitzung des Staats-mnisiertums wurde, wie ein Berichterstatter hört, der Entwurf der Thronrede für die Eröffnung des preußischen Landtages festgestellt.
Wie«, 9. Januar. Die „Neue Freie Presse" meldet zu dem Staude der Krisis in Ungarn: Mancherlei Anzeichen deuten darauf hin, daß in den Wiener Minister-Konferenzen die Frage der Sicherung bei Ausgleichs im Borderzrunde der Erö terungen gestanden habe. Es heißt, daß man an maßgebender Stelle geneigt wäre, den Rücktritt Banffps in den Wahlen sich vollziehen zu lassen, wenn die ungarische Regierung sich bereit erklärte und dafür Garantieschein biete, daß sie ter sofortigen Beschlußfassung über den Ausgleich kein Hinderniß bereite. Es handle sich dabei nicht um da» Aus- gleich-Prsoisoriu», sondern um den Ausgleich selbst, wie er dem Abgeordnetenhause vorliegt.
Turin, 9. Januar. Die „Gazzetta del Popalo" meldet, daß 30 Unteroffiziere des hiesigen Eisenbahn-Regiments, welche dem Betrieb der Bahnstrecke Turin-Torrepellice zugetheilt waren, wetzen seit längerer Zeit betriebener kolossaler Diebstähle an den von der Bahn beförderten Waaren-Sendungen verhaftet worden sind.
Mailand, 9. Januar. Da sämmtliche Bedienstete der hiesigen elektrischen Tramway streiken, mußte der gesammte Betrieb eingestellt werden. Die Behörden sind bemüht, eine baldige Beilegung des Ausstandes herbeizusühren.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau. Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe „Han. 9 u»". gestattet.
* Odersekretäre» Den „Ersten Gkrichtsschreibern" ist durch eine Dersützu?.z des Justizministers der Amrstitcl „Lber sekreiär" verliehen worden.
* Kirchenkollekte«. Für das laufende Jahr sind für den Kouststorialbeznk Caffel folgende Kirchenkollekten zur E.- bebung ausgeschrieben worden: 1) am 23. Januar für die Gemeinde Grumbach, Diözese Schmatkaloen, zum Neubau eims Betsaales, 2) für Breitenbach a. F., Klaffe Rote -durg, zur Herstellung der Kirche und 3) für die Gemeinde Herlivgs- hausen, Klaffe Frankenberg, zur Herstellung der Kirche, für jede Gemeinst ein Drittel, 4) am 12. Februar für den evangelisch - kirchlichen Hülfsoereia, 5) am 5. März für ie Gemeinde Wahnh-msen, Klaffe Ahna, mit 1500 Mk. zum Ecweiterunßsbau der Kirche und mit dem Rest für die Gemeinde Breitau, liesse Sontra, zur Deckung von Bar^chul- den, 6) am 1. unb 2. Ostertag für die Gemeinde Schlierbach, Klaffe Borken, mit 3000 Mk. zum Neubau eines Pfarrhauses, 1000 Mk. für die Gemeinde Rückingen, Klaffe Bücherthal, zu« Neubau Her Kirche uns mit bem Rest für dir Gemeinde Grandendorn, Klasse Eschwege, zur Reparatur der Kirche, 7) am 9. April bezw. am KonfirmatiSLssonutZg in den Diözesen Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern und Ful'a, für die Oberbeffische Bibelgesellschaft, in den übrigen Geweio-
F«»Metsn.
Stadttheater in Hanau.
Hanau 10. Januar.
Der letzte Sonntag brächte im Stadttheater zwei Aufführungen. Nachmittags erfreute sich ein recht zahlreiches Publikum an der gesunden volkstümlichen und echt deutschen Poesie eines Anzcngrubeis, wie sie sich in seinem „Pfarrer von Kirchfeld" offenbart, und m der Abendvorstellung versetzte die unfehlbare Bühnenlist des gewitzten französischen Schriftstellers Victorien Sardou »it seiner Salon- Tragödie .Fedora" ein ausverkaufteS Haus in künstliche Erregung. Kein gewaltigerer Gegensatz als von diesem einfachen, in seiner schlichten Größe doch so erhabenen Bühnenwerke, in dem sich die Naivetät und die Ursprünglichkeit des Volkscharakters widerspregelt, als zu diesem rasfinirt ausgesonnenen Gespinnst von aufregenden Szenen, deren dramatischer Entwickelung jede Spur von Wahrscheinlichkeit fehlt und das uns Menschen auf dre Buhne stellt, deren Thun und Treiben nur nach dem Theaterbedarf abgewogen ist. Aber in seinen Aeußerlichkeiten glänzend gemacht ist das Drama des französischen Dichters, das in Petersburg mit einem Mord beginnt und in Paris mit einem Selbstmord endigt und im Hintergründe noch das unheimliche Treiben der Nchilisten ahnen laßt. Nach der logischen Entwickelung der Ereignisse könnte das Stuck im zweiten Akte durch ein befreiendes Wort zwar einen befriedigenden AuSgang nehmen, aber dann wäre die Schlußkatastrophe nicht möglich und der Dichter um seine schönsten Effekte gebracht. Da diese« aber nicht die Absicht Sardou's war, so häufen sich von hier ab mit der Grellheit der Situationen auch die Widersprüche in den Handlungen der gezeichneten Charaktere und die Unwahrheit des Ganzen kann durch die verschwendete szenische Kunst und durch bte großen Gefulffs- erregungen nicht mehr verschleiert werd-u. Kann auch die gemachte Tragik des Dichters nicht die erhoffte Anerkennung finden, o verdient doch der geistbewegte Dialog, in welchem der sarkastische Sittenschilderer zum Wort gelangt, unsere Bewunderung. Zur Ausschmückung seines Dramas versammelt der Autor eine recht amüsante bunte Gesellschaft aus dem Pariser Leben, deren bewegliches Gr- plauder voll feiner boshafter Spitzen istund die ihn als witzigen Menschenzeichner und als sarkastischen Beobachter des Gcs-llschafts- lebens kennzeichnen. Die humoristischen Schöpfungen Sardou 8 ver
dienen den Beifall, den sie finden, für die ernsteren Erzeugnisse seiner produktiven Schaffenskraft vermögen wir uns nicht zu erwärmen, selbst wenn sie zum Theil eine so vorzügliche Darstellung finden wie am letzten Sonntag unter der verständigen Regie deö Herrn Steingötter. Frl. Brandow hat aufs neue als „Fedora" unsere Bewunderung gefunden. Die Künstlerin ist uns bekannt in dieser Rolle, aber ihre Darstellungsweise interessirt immer wieder. Sie gibt ihren Charakteren die verlangte Färbung und erzielt durch die geistige Durcharbeitung des gegebenen Stoffe», durch Gluth und Leidenschaft eine große Wirkung. Die Sicherheit der Bewegungen und die Eleganz ihres Spieles machen sie auch zu einer vorzüglichen Repräsentantin dieser Art von Rollen. Von Akt zu Akt steigerte sich ihr Spiel, in dem alle die geforderten Gefühlsäußerungen wie Liebe und Haß, Zärtlichkeit und Rachsucht zur volleck Wirkung gelangten. Ihre realistische Darstellungskunst feierte aber in der Sterbeszene des letzten Aktes ihren größten Triumph. Hier wirkte sie mit erschütternder Tragik. In der Rolle des „Grafen Loris Jpanoff" stellte sich ein neues Mitglied des Ensembles in der Person des Herrn v. Stahl dem Publikum vor. Ueber seine Verwendbarkeit läßt sich nach diesem ersten Auftreten nichts sagen; seine Leistung mag noch sehr beeinträchtigt worden sein durch die ihm fremde Umgebung und die Befangenheit, die ein erstes Auftreten vor einem fremden Publikum mit sich bringt, den Beweis, ein erstes Fach an unserer Bühne au«zu- füllen, ist er uns stark schuldig geblieben. Wir behalten uns vor, bei weiteren Rollen auf sein erstes Auftreten zurückzukommen. Unter der Reihe der übrigen Darsteller sei der liebenswürdigen und sympathischen Darstellung des Herrn Sternberg als „be Siriex" ganz besonders gedacht und auch Frl. Köller war nicht ohne Erfolg bestrebt, den Ansorderungeu der „Gräfin Olga Sukareff" gerecht zu werden. Die übrigen Rollen wurden ebenfalls durchaus befriedigend dargestellt.
Tailor-made.
Eine Studie aus dem modernsten Modeleben/
Von R Randolph.
ORedjtrui »ertöte,.»
WaS die junge Amerikanerin an greift, das greift sie ganz an, und wenn sie der Mode huldigt, dann huldigt sie ihr auch ganz und gar. Als eine der auffälligsten Erscheinungen dieser „Huldignng" haben wir das sogenannte „tailor-made*
girl anzuseren, welches der Rsdsahrsport und die immer größte Fortschrüte machende Emanziparion drs schönen Geschlechts drüben ins Leben gerufen und heutzutage auf eine für uns Deutsche staunenswerthe Ausbildung und Vervollkommnung gebracht Hat. Die Modesucht, das Sicycle und die Emanzipalion haben also daS tailor-made girl sozusagen ans der Taufe gehoben.
Die Sucht, sich von den, ihrem Geschlechte bisher auf« erlegten Fesseln zu befreien und es auch auf dem Zweirade den Männern gleich zu thun, erst.cckre sich, da gerade die herkömmliche Sitte des langen Rockes sich der völligen Aus- übu"g dieses Sports alt hinderlich in den Weg stellte, zunächst auch auf die sogenannte dress reform, d. h. die Abänderung der weiblichen Kleiderttacht, so daß 9er allen Dingen der hinderliche, lange Rock in Wegsall kam. Was ihn ersetzen und doch nicht shocking sein, d. h. dem Scham- gesühl in's Angesicht schlagen sollte, waren der short-skirt (der Kuicrock), oder die bloomers (die Pumphosen), unb für Unterschenkel die leggings. Für den Oberleib das waist-jacket resp, die richtige Weste e-er der waist-coat konnte natürlich nicht ausbleiben, wenn man ganz „Mann", d. h. nicht halb Weib und halb Mann vor stellen wollte. Da nun aber die Schneiderinnen nicht so schnell ans diese völlige Revolution in der weiblichen Kleidung sich einarbeiten konnten, blieb nur uoch der tailor, b. h. der männliche Schneider übrig, der ja dergleichen nur durch einige Abänderungen an der bisher gebräuchlichen Form der Mannskleider in kürzester Frist — denn darauf kommt bei den Amerika- «erinnen in Modesachen ungeheuer viel an — «UeS uach Wuusch herstelle« konnte. Hatte man A gesagt, den Rad- fahrsport angenommen, so mußte man auch B figen, sich danach kleiden, und C sagen — zum Schneider gehen. ES dauerte auch nicht lange, da sagte man D und ließ alle fashionablen dresses überhaupt nicht mehr von weiblichen