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Amtliches Grgau für Stadt- unö LsnöKreis Osnau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 6
Samstag den 7. Januar
1899
Amtliches
LernöK^eis Hartem.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Gettenbach und Horbach, Kreis Gelnhsusen, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die angeord- veten Schutzmaßregeln wieder aufgehoben worden.
Hanau am 6. Januar 1899.
v. 147
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
^taöt&reiö ^anavt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Am Montag den 9. Januar 1899, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gelverbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Strei- tigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau den 2. Januar 1899.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Dr. Gebeschus.
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die um so schwieriger waren, als es keinerlei Grundbücher, halten, daß es auch dem weniger Bemittelten möglich gemacht sondern nur Steuerbücher gab. Bei der deutschen Besitz- wird, Grund und Boden zur eigenen Niederlastung zu er- ergreifung fanden sich nickt dir mindesten amtlichen Auf- werben. Erwähnt mag noch werden, daß als Anlage ein zeichnnngen über die Grenzen der einzelnen Parzellen, nicht eingehender Bericht des Gouverneurs über das deutsche Ge- einmal über die Flurgrenzen der verschiedenen Dörfer vor. biet und seine Bevölkerung, d'e sich auf 60—80,000 Köpfe Die Steuerlisten konnten keinen Ersatz bieten, da sie räch belauft, beigefügt ist.
Familien aufgestellt sind und diese nicht selten über mehrere ----------
Dörfer zerstreut leben. Da mußte ein ganz planmäßiges^ Aus Stadt- und Landkreis Hanau. Vorgehen Platz greifen, das am Tage der Besetzung des ^Nachdruck unserer Lokalarttkel nur mtt Quellenaugabe .Hau. ? M,". Gebietes seinen Anfang nahm und seither fortgesetzt wurde.' gestattet.
Zuerst trat das Verbot der Veräußerung von Grund und s * Ehrenbürgerrecht. Dir städtischen Körperschaften Boden ein, an dessen Stelle trat eine freiwillige Vertrags- in Cassel beschlossen, an den seitherigen Obcrpiäsivertm der mäßige Abmachung mit den Chinesen. Auf Grund derselb n Provinz, j.tzigev Chef Präsidenten der Obeir-chnungskammer wurde den Einwohnern der einzelnen Dörfer der doppelteBe- Herrn Magdeburg, Excellenz, daS Ehrenbürgerrecht zu ertrag der chinesischen Jahresgrundsteuer als eine Art Plämie s theilen.
gezahlt, wogegen sie sich verpflichteten, ihr Land an keinen * Rezitatisnsabend. Wir schon bekannt gegeben, anderen, als an die deutsche Regierung zu verkaufen. So- findet der Rezitationsadend des Vereins „Melpomene" Dienstag weit das Land von der Regierung wirttich gekauft würde,' tm 17. Januar in der „Centralhalle" statt. Die zum Vor- sollte der ortsübliche, d. h. der von der Besitzergreifung be- trag gelangende Baumbach'sche Dichtung „Zlatorog" ist bestandene Preis dafür gezahlt werden. Bis zum Aukaus des kanntlich eine der schönsten Schöpfungen bei gefeierten Porten. > Landes sollten die jetzigen Eigenlhüser ruhig darauf sitzen Der liebenswürdige frische Humor, der alle seine Dichtungen ! unb es bestell-n dürfen. Endgültig erworben hat das auszeichnet, verbindet sich hier in der g'ücklichfteu Weise mit Gouvernem-ut bisher tut diejenigen Grundstücke, die für die dem ernsteren Grundgedanken dieser Alpensag-. Ja dem
Bestedeluug in nächster Zeit in Betracht kommen. Nach Felseumeer des „Triglao" führt uns der Dichter in den Maßgabe der verfügbaren Mittel wird mit dem Landerwerb Zaubergarten der weißen Frauen, in welchem der weiße gold- fortgefahren. Die inzwischen eingeführten Grundsätze bei den gehörnte Gemsbock „Zlatorog" sein Wesen treibt. Eine Lilbes- * Landversteizerun-en an Private sind bereits bekannt; neu geschichte, einfach rührend unb doch von unendlichem Reiz, ist Derbr' v Js wird der Svarutark-nv-rkebr vom 1 ^ boß der Gouverneur sich einen Einfluß auf die Bau-! mit dieser Alpensage verwoben und erhöht das Interesse.
Verpflichtung gemäß dem ursprünglich eingereichten und ge- Ganz besonders sei hier daraus hingewiesen, daß Herr Rezi-
Die noch in Handm des Publikums befindlichen Spar- nehmigten Plan vorbehältt Nach 25 Jahren können solche tator Lotz diese große Dichtung frei nach dem Gedächtniß
marken — rosa und blau — von ie 10 D enniaen können Grnn.ilu^-, dre thren Elgenthumer durch frelwtll-gen Der- vort-a.en werd, was jeoenfaCi bei dem bekannten Vortrags-
bis turn 1 ^Mri ds bei der ilädt Svarkasse bi-r ^f nicht gewechselt haben, mit einer einmaligen Auflage bis.talent desselben wesentlich den unmittelbaren Eindruck der
Städtische Sparkasse.
Laut Beschluß des Magistrats vom 15. Novbr. v.
und Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung vom 22.
gegen Empfangnahme des Baarbetrags eingelöst werden.
Nach dem 1. Juli ds. Js. sind diese Sparmarken gültig und werden nicht mehr eingelöst.
Hanau den 6. Januar 1899.
Die Verwaltung der stäbt. Sparkasse. Jung. Klaere. Eilber.
un-
zu SSVs P-ozent der eingetretenen Werthsteigeinng belegt Dichtung erhöhen wir? werden. Der wirthschaftliche Grund für diese Maßregel liegti
* Stadttheater. „Fevora", Sardou's spannendstes darin, daß die bei den ersten Verkäufen gebotenen Preise £ramcz wird nach längerer Pause morgen Sonntag Abrvd keine Normalpreise sind, wie sie dem wirklichen Werthe von aufgefüyrt. Die Titelrolle wird von Fräul. Branrow dar-
Denkschrift über Kiautschou.
Dem Reichstage ist eine Denkschrift betreffend die Entwicklung von Kiautschou, die bis Ende 1897 reicht, zuge- gangm. Sie ist mit zahlreichen Karten belegt und behandelt
Grund und Boden später entsprechen werden. Durch die hier gestellt und in der jugendlichen Liebhaber: olle des Jpanoff 490 getrost n-.n Maßre eln behält sich das Gouvernement einen gastirt Herr Chr. v. Stahl, der für die nächste Spielzeit
Antheil an der späteren Werthsteigerung vor, ohne die Privat» in Aussicht genommen und als temperamentvoller, sympathi- thätigkeit lahm zu legen. Als Grundsatz wird festgehalten, scher Schauspieler wärmstcus empfohlen worden ist. — Nach-
keine ungesunden Landspekulaiior-en im Pachtgebiete auskommen mittags 3 Uhr wird als 3. Vorstellung zu halben Preisen zu lassen. Ein weiteres Mittel, den Landwucher zu ver- Anzengrubers prächtiges Volksstück: »Der Pfarrer von hindern, liegt in der Einführung einer Grundsteuer. Von Kirchfeld" gegeben.
jedem verkauften Grundstück erhebt das Gouvernement jähr-, * Besitzwechsel. Das der Frau Wwe. Gerlach,
lich 6 Prozmt des Schätzwerthes als Grundsteuer und zwar Nürvbergerstraße 7, gehörige Haus ging heute durch Kauf
Grundbesitz, Handel und Gewerbe, Verkehrswesen, Justiz- tich 6 Prozent des Schätzwrrthes als Grundsteuer und zwar Nürvbergechraße 7, gehöriue Haus ging heute durch Kauf Wesen, Kirchen- und Schulwesen, wissensckaftliche Arbeiten, in der Weise, daß in den ersten drei Jahren der Kaufpreis, an den Gastwirth zum „Hessischen Hof*, Herrn Jgnoz Bl att, technifche Anlagen und Bauwesen, Gesundheitswesen, Ver-!den der Käaser dem Gouvernement gezahlt hat, zu Grunde zum Presse van 58000 Mk. über.
Messung und Grenzregulirung, Steuern und Abgaben. Der! gelegt wird. Später soll von biet zu drei Jahren eine Ab- * Krankenkasse. Auf Grund des § 75 a deS Kranken- Bericht schildert besonders eingehend die Grundbesttzverhältnisse, tchätzung finttfinben. Die Landpreise sind it einer Höhe ae- vexstchkruLgSaetetz-s in der Fassung bei Gesetzes vom 10.
feniUeten.
Chinesische Kindergeschichten.
f ^ Ein seltsam Büchlein liegt vor. Von hinten nach vorn tfi’8 zu lesen, und deutsche und chinesische Schriftzüge bedecken seine Blätter. Diese sind nicht bedruckt, sondern auto- graphirt. Denn nur in wenigen Exemplaren ist das Werk Hergistellt, nochdem eines unser Kaiser durch den an seinem Hofe beglaubigten Gesandten Chinas, Herrn Lü, erhalten hat. Mit dem Büchlein und seiner dem Deutschen Kaiser bestimmten Widmung hat es folgende Bewandlniß. So wenig auch der Westen vom Charakter der Chinesen weiß | — ein hervorragender Zug ist wohlbekannt: Die Pietät der Kinder zu den Eltern I Eine Reihe von Erzählungen schildert oder, wenn man will, verherrlicht diesen Charakter zug. Vor vielen, vielen Jahrhunderten wurde nun eine Auslese getroffen und 24 kleine Geschichten zu einem Buche vereint, das noch heute im ganzen Reich der Mitte von der Hütte bis zum Kaiserpalast zu finden ist, damit an den gegebenen Beispielen die Kinder letnen, die gleiche Tugend zu üben.
Auch die bildende Kunst hat sich des Stoffes bemächtigt und Illustrationen erläutern den Text. Diese Illustrationen, die in den Kinderbüchern natürlich nur roher und primitiver Art sind, finden jedoch auch ihre iünstlersiche Dvrchsührung; kostbaren Et ckereien zrmol dienen solche bildlichen Schilderungen kindlicher Tugenden nicht selten als Vorwurf. Nun machte Herr von Hanneken, der bekonnilich als chinesischer General large im Reiche der Mitte geweilt und auch gegen Jcpcn getanpft hat, eine Eoumluvg solcher Stickereien bim Kaiser zum Geschenk, inb damit gelangen wir zur Vorgeschichte der Gabe, die Herr Lü unserem Herrscher verehrte.
Vor einiger Zeik wurde der Gejanrte vom Kaiser in Privataudienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit zeigte der Kaiser ihm auch jene als Stickerei ausgeführten Illustrationen zu den Beispielen kindlicher Liebe und fragte, welche Bewandt- niß es mit den Darstellungen habe. Die Beantwortung dieser Frage bildet nun das Geschenk des Gesandten. Er beauftragte den Legationssekretär Herrn Kingintdai, den chinc- sischen Text der Erzählungen abschreiben zu lasten, eine demsche Nebtrsttzung anzufertigen und das Gafize zu einem glbumartigen Werichen zu vereinen. Als alles vollendet war, überbrachte der Gesandte das Buch dem Staatssekretär des auswärtigen Amtts Herrn von Bülow und bat ihn, es an seiner Statt zu überreichen, „damit Ce. Majestät in dm Mußestunden, welche die Erledigung so mannigfaltiger, wichtiger Staategeschäste ihm läßt, einen Blick tarauf werfen könne".
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Die Geschichtchln sind von denkbar naivster Art. Den Anfang möge eine Erzählung machen, denn Inhalt sich 2000 Jabre vor unserer Zeitrechnung abgespielt haben soll. Sie ist betitelt: „Durch die Macht seiner kindlichen Liebe rührte er den Himmel" und lautet: Der spätere Kaiser Schun von Ju (ca. 2357 v. Ehr.) mit seinem persönlichen Namen J«u- tschung-hwe genannt, des Kusian Sohn, zeicknete sich durch außerordentliche Betlätigung der kindlichen Pachten gegen skil.e Eltern a«S. Sein Vater war hartherzig, seine Mutter (eire Stiefmutter) lieblos und sein jüngerer Bruder (Stief- biubei), welcher Siang hieß, voller Hochmuth. Als n»n Schuvg auf dem Berge Si das Feld bestellte, kamen Elephanten herbei und pflügten für ihn und Vögel jäteten ihm das Unkraut aus. Das war eine Wirkung kindlich pietätvoller Gesinnung. Und als er am Ufer des gelben Flusses Geräthe aus Lehm formte, wurden diese nie rissig, und wenn er in dem „Sonnensee" fischte, ward trotz Sturm,
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.
Gewitter und Regen sein Boot nimmer verschlagen. Obwohl er aber zu den anstrengendsten Arbeiten, die ihn oft bis zur Erschöpfung aller Kräfte ermüdeten, a-i gehalten wurde, kam doch niemals ein Wort des Aergers oder ein Murmeln des Unwillens über seine Lippen. Als der regierende Kaiser Jau alles dies hörte, setzte er Schun über alle Beamte, ließ seine neun Söhne ihm dienen und vermählte ihm seine beiden Töchter. Dergestalt war Schun 28 Jahre lang Jaus erster Minister, woraus letzterer ihn zu seivem Nachfolger auf dem Thron ernannte.
Eine andere Mär füh-t die Ueberschrift: „Als sie in ihren Finger biß, empfand er eine Bewegung in seinem Herzen" und sie meldet: Tseng-Schun, bei Confucius Schüler, sorgte für seine Mutter mit außerordentlicher Pietät. Als er einst in die Berge gegangen war, um Brennholz zu holen, kamen Gäste zum Besuch. Seine Mutter wußte sich gar nicht zu helfen und hoffte sehnlichst auf ihres Sohnes Rückkehr. Als dieser aber durchaus nicht kam, biß sie sich in den Finger. Da verspürte Tseng-Schun plötzlich eine Bewegung in seinem Herzen. Eilig nahm er das Holz aus den Rücken, lehrte heim, kniete vor seiner Mutter nieder und fragte sie, was vorgefallen sei. Die Mutter antwortete: „Es sind plötzlich Gäste gekommen und ich habe mich in den Finger gebisten, Deine Aufmerkiamkeit zu erregen". In der gleich darauf folgenden Erzählung spielt wie in der ersten die Sttefmutter eine ebenso unschöne, wie der Sohn eine edle Rolle, Es heißt da: Min-Sun, ein Schüler des Confucius, hatte seine Mutter frühzeitig verloren. Da nahm der Vater eine zweite Frau, welche ihm noch zwei Söhne gebühr. Die kleidete sie in mit Watte gefütterte Kleider, gegen Sun aber war sie mißgünstig und ließ ihn in Kleidern umhergehen, die nur mit Binsenflocken gefüttert waren. Einst nun, als der Vater bei einer Ausfahrt die Pferde von seinem Sohn Sun