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Amtliches Organ für HtaSt- unö LanöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Donnerstag den 5. Januar
1899
Amtliches.
LerrröKvois ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Rindviehbestand des Wilhelm Ernst Hafner und der Konrad Häfner Wittwe in Langendiebach ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt und infolgedessen die Orts- und Gemarkungssperre für Langendiebach angeordnet worden. Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen ist verboten und die Ausführung von Thieren dieser Arten aus dem Seuchenort und befielt Gemarkung nur auf Grund eines Zeugnisses eines approbirten Thierarztes und nur zum Zwecke der sofortigen Abschlachtung nach eingeholter polizeilicher Erlaubniß gestattet.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 5. Januar 1899.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
In dem Gehöfte des Peter Trageser in Alzenau ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöftsperre wieder aufgehoben worden.
Hanau am 5. Januar 1899.
Der Königliche Landrath.
V. 14100/98 v. Schenck.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit 1,43 M. Inhalt. Ein Aufnahmeschein vom Hanauer Kreditverein für Josef Fahr.
Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 2 M. Inhalt, zwei goldenen Ohrringen und Konsummarken. Ein Kontobuch.
Hanau am 5. Januar 1899.
Tagesschau.
Jnvaliditäts, «nd Altersversicherung. Wie die dem Reichstage zegegangene Nachweisung b<r Rechvuvgs- ergebnisse der Jnvaliditäts- und Altert versicherungsanstalten auf des J»hr 1897 ergibt, sind in diesem Jahre rund 541/« Millionen Mark, und zwar an Invalidenrenten 26,8 und an Altersrenten 27,6 Millionen Mark gezahlt worden. Das Jahr 1897 dürste daS letzte gewesen sein, in welchem die Summe ter Altersrenten die der Juvalidenrenten über stiegen hat. Beitragserstattungen sind in Höhe von 3,3 Millionen Mark, darunter 2*/» Millionen en weibliche Versicherte, welche eine Ehr eingegangen, erfolgt. Die Einnahme aus Beiträgen hat sich auch im Bericht-jahre, und zwar gegen 1896 um etwa 21/« Millionen, erhöht.
Die Centtalstelle der preußischen Landwirth- schastskarnnrern theilt nachfolgende Zahlen betr. die Getreideeinfuhr in Deutschland in Doppelzentnern mit: Weizen: November 1898 Bruttoeinfuhr 1267 091, November 1897 ; 837 804. Ausfuhr 1898 : 161137 gegen 1897 370 370. Hieraus ergibt sich ein Plus von 119,68 Prozent der Netto- etnfuhr von Dezember 1897 bis November 1898. Die Bruttoeinfuhr betrug 14 586 532, die Ausfuhr 1 532 808 gegen den gleichen Zeitraum von 1896 bis 1897 ein Mehr von 23,69 Prozent der Nettocinfuhr. Roggen im November 1898 : Bruttoeinfnhr 6»3 17S, Ausfuhr 185 997, gegen November 1897 MinuS 26,52 Proz. ter Netloeinfuhr. Dezember 1897 bis November 1898; Bruttoeinfuhr 9 382 853, Ausfuhr 1239 400 gegen den gleichen Zeitraum des Voijahres ein Plus von 4,36 Prozent der Nettoeinfuhr.
Das würdelose Auftreten einiger deutscher Firmen anläßlich der nordschleswigschen Ausweisungen, wobei sich dieselben sogar nicht entblödeten, das Dänenthum direkt anzu- wedeln, wird von der öffentlichen Meinung Deutschlands auf das entschiedenste »«urtheilt. Am schärfsten' sprechen sich die Blätter der hervorragend industriellen Gegenden aus. — Die „M. N. N." schreiben: Blell und Jakobi, die beiden zu trister Berühmtheit gelangten Geschästslevte, müssen stch jetzt für ihre schimpfliche Kriecherei vor den Dänen selbst von der Bonner „Reichszeitung", die im Urbrigen die schles- wig'schen Ausweisungen in schärfster Weise mißbilligt, derb die Wahrheit sagen lassen. Eugen Richter, ihr einziger Der - theidiger, kann sich manche Sätze der gewiß nicht national- fanatischen Blatte 8 hinter die Ohren schreiben und von ihm lernen, daß Parteitaktik doch nicht das höchste Ideal einer gesunden und anständigen Politik ist. Das Centrum k-Blatt schreibt :
„Der Inhaber ter Firma Blell und Söhne ist Han- telskammerprästdent und freisinniger Reichstagsakgeordneter,
der Inhaber der anderen Firma ist freisinniger Stadtverordneter. Sie werden in der nichtfreisinnigen Preffe wegen ihres ZirkularS hart angegriffen, und wir muffen sagen: nicht unverdient. Wir haben die Ausweisungen, wie sie beliebt wurden, mißbilligt, aber das Zirkular ist denn doch geradezu würdelos. Man mag sich bei unserer Regierung über die GeschäftSschädigung beklagen und Alles thun, um die Ausweisungspolitik rückgängig zu machen, aber die Dänen, die auch ohne die Ausweisungen nichts weniger als deutschfreundlich zu sein pflegen, und seinerzeit die Deutschen in Schleswig, die doch ihre Mitbürger waren, noch weit schlimmer behandelt haben, als wir jetzt die fremden Dänen behandeln, de- und wehmüthig um Verzeihung zu bitten und das deutsche Volk sozusagen zu entschuldigen, weil es sich eine so böse Regierung müsse gefallen lassen das geht denn doch über eaä erlaubte Maß der Jntereffenwahrnehmung stark hinaus. Das Geschäft darf doch selbst einem Geschäftsmanne nicht über Alles gehen und das nationale Selbstgefühl ersticken. Ist es denkbar, daß im ungekehrten F«lle Dänen, Franzosen, Engländer ihre deutschen Geschäftskunden um Entschuldigung für die Thaten ihrer Regierung bitten würden? Niemals. Im Geschäftsverkehr wollen beide Theile verdienen. Die dänischen Kaufleute, die bisher Waaren aus Deutschland bezogen haben, thaten dies sicher nicht um der schönen Augen unserer Fabrikanten und Ausfuhrfirmen willen, sondern weil sie mehr Profit dabei hatten, als wenn sie anderswo gekauft hätten. Indem sie die Ge- schäftsverbindung abbrechen, schädigen sie sich somit selbst. Für deutsche Geschäftsleute sollte es nun doch beschämend sein, den Kunden, dir auS Patriotismus geschäftliche Rach- thnic übernehmen, schriftlich zu bezeugen, daß sie selbst sich von einem ähnlichen pakiotischen Gefühl völlig frei wissen, wenn sie nur verdienen können. Wenigstens könnten sie anstandshalber doch ein wenig warten, um zu sehen, wie lange der patriotische Elan der Dänen anhält und ob sie sich allmählig wieder beruhigen und zu der Ueberzeugung kommen, daß mit deutschen Firmen, die doch für die Politik der Regierung nicht verantwortlich sind, das vortheil- hafteste Geschäft zu machen ist/
Die englischen Industriellen machen, wie es scheint, Miene, auS den Ermahnungen zu lernen, welche ihnen von ihren Auslandskonsuln nun schon so manches Jahr behufs pfleglicherer Behandlung der überseeischen Kundschaft ans Herz gelegt werden. Aus der Initiative englischer Firmen sind zwei Handelszeitichristen, eine in chinesischer, die andere in japanischer Sprache redigirt und gedruckt, hervor- gegongev, deren Inhalt aus Handelsannoncen englischer Exportgeschäfte und Beschreibungen der angekündigten Jndu- strieprodulte besteht. Letztere selbst sind solche Artikel, welche auf den ostasiatischen Märkten besondere Gangbarkeit genießen. Diese Blätter erscheinen alle Vierteljahr und werde» in großer Zahl nach China bezw. Japen geschickt und dort in den Kreisen, für welche sie berechnet sind, in Umlauf gesetzt. Da ihr Zweck darin besteht, dem englischen Absatz Vorschub zu leisten, so sind ihre Spalten lediglich englischen Firmen zugänglich. Daneben wird auch die Entsendung britischer Handelsreisender nach den ostasiatischen Plätzen geplant, um dort die Bedürfnisse und Wünsche der Kundschaft an der Quelle zu studiren.
Politische «nd unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau .Herold*.)';
Berlin, 4. Januar. Der Neujahrsempfang der kom- mandirenden Generale hat bekanntlich am 1. Januar infolge der Erkrankung des Kaisers au-fallen müssen. Die Generale haben nun, wie die „Nationalzeitung" hört, zum 18. Januar noch einmal nach Berlin Befehl erhalten, um vom Kaiser empfangen zu werden.
Berlin, 4. Januar. Der JustizauSfchuß des Bundesraths wird der „Nationalzeitung" zufolge morgen in der Lippe'schen Angelegenheit Beschluß fassen. Ob dieS auch alsbald in der morgen stattfindenden Plenarsitzung geschehen wirb, ist noch ungewiß.
Berlin, 4. Januar. Ein Berichterstatter meldet, im Justizministerium sei ein Gesetzentwurf betreffend die Haftung deS EtaateS, der Gemeinde und anderer Kommunalverbände für die Versehen der Beamte» ausgearbeitet worden. Die Vorlage habe die Zustimmung des Staat-ministeriums gesunden und soll dem Landtage zugleich mit dem Etat zugehen.
Berlin, 4. Januar. Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge steht zu erwarten, deß der im Reichsschatz- amt ausgearbeitete Entwurf eineS neuen Zolltarifs vor dem
Spätherbst dieses Jahres mit Berücksichtigung der eventuell seitens der Regierungen gewünschten Aenderungen so weit fertig sein wird, daß er als Unterlage für die weitere Berathung dienen kann. Man darf ferner annehmen, daß der Entwurf dann gleichzeitig auch andern Brrufs-Körperschaften, : welche den Handel, Jndußrie und Landwirthschaft vertreten, wird bekannt gegeben werben. Wenn die Regierung eS für : angezeigt erachtet, den Entwurf jetzt noch nicht mitzutheilen, i so liegt dies wahrscheinlich daran, daß sie keine Veranlassung zu einem Streit über die Zollsätze geben möchte, ehe das Streitobjekt einigermaßen festgesetzt ist.
Berlin, 4. Januar. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die bereits bekannte Ernennung des bisherigen LegationS- ratres Dr. Mumm von Schmartzenstein zum Gesandten am luxemburgischen Hofe.
Berlin, 4. Januar. Das erste parlamentarische Diner in dieser Session findet bei dem Reichskanzler am 12. Januar abends 7Vi Uhr statt. Es sind dazu auch die Minister, Staatssekretäre und Bevollmächtigten zum Bundesrath geladen.
Berlin, 4. Januar. Professor Adolf von Menzel empfing gestern Mittag den Vorstand des Vereins Berliner Künstler, welcher ihm die Glückwünsche des Vereins zur Verleihung deS Schwarzen Adlerordens überbrachte und ihn zu dem Feste im Künstlerhause am 9. Januar einlud. Professor Menzel nahm die Einladung an. Gleichzeitig überbrachte Direktor Anton von Werner die Glückwünsche des Lehrerkollegiums der königlichen Hochschulen für die bildenden Künste.
Berlin, 4. Januar. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß die Verhandlungen über die Interpellation von Wangenheim wegen der Fleischnoth mindestens zwei Tage beanspruchen wird. Alsdann kommt die Militärvorlage zur ersten Berathung, an welche sich die erste Lesung des Etats anschließt sowie derselbe nicht der Budgetkommission überwiesen ist, da sich der Seniorenkonvent noch nicht über die Reihenfolge der Erledigung der ein gebrachten Anträge schlüssig gemacht hat.
Wien, 4. Januar. DaS österreichisch-ungarische General- Konsulat in Algier läßt durch die „Neue Freie Presse" er- klärm, daß die beunruhigenden Meldungen der österreichischen und ungarischen Blätter über Ruhestörungen in der Hauptstadt Algeriens vollständig unbegründet sind. Abgesehen von auch anderwärts vorkommenden Studenten- und Wahl- Krawallen herrschen Ruhe und geordnete Zustände, sodaß die Fremden unbesorgt ihre Winter- und Frühjahrs-Quartiere in Algier nehmen können.
Trieft, 4. Januar. Hier unb an der adriatischen Küste wüthet ein heftiger Südweststurm. Derselbe hat bedeutenden Schaden angerichtet. Die hiesige Riva wurde überfluthet, die Schiffe im Hafen sind teilweise beschädigt. In Revigno scheiterten mehrere Küstenfahrer. Die Mannschaft konnte nur mit Mühe gerettet werden.
Paris, 4. Januar. Der KaffationShof nahm heute Nachmittag Kenntniß von dem geheimen Dossier, und zwar im Beisein des Advokaten Monard unb des Generals Chanoine.
Paris, 4. Januar. Der KaffationShof hat nun ebenfalls ein Mandat unterzeichnet, wonach Esterhazy vor den Keffationehof geladen wirb. Die Vorladung wurde der Geliebten des Esterhazp durch einen GeriGsdiever zugestellt. Dieselbe weigerte sich indeß, die Vorladung anzunehmen, willigte aber später ein, dieselbe Esterhazy zu übermitteln. Das Verhör deS Esterhazy ist auf den 12. Januar angesetzt. Ohre Zweifel wird Esterhazy der Vorladung keine Folge leisten, weil ihm kein freies Geleit zugesichert ist.
Paris, 4. Januar. DaS Civilgericht verhandelte heute den Prozeß Trarieux gegen Madame Eyp. Die Letztere unb ihr Verleger wurden zu je 5000 Fr. verurtheilt. Außerdem wurde der Verleger dazu verurtheilt, Trarievx je 10 Fr. zu zahlen für jedes in Zukunft noch zu verkaufendes Exemplar der Broschüre.
Paris, 4. Januar. Dem „TempS" zufolge grasstrt in der Garnison von Cherbourg der TyphuS. Zahlreiche Marinesoldaten sind erkrankt. Mehrere Todesfälle sind bereits vorgekommen.
Alexaildri-N, 4. Januar. Infolge des weiteren Vormarsches Meneliks wurden mehrere bereits beurlaubte egyp- tische Regimenter wieber einberufen.
Wetterbericht.
Voraussichtliche Witterung: Allgemein Fortdauer deS unbeständigen WitterungScharakters.