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Ausgabe B.

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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 3. Mk., 83.59 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 50 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

- Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. -,.-

Nr. 50.

Kassel, den Y Dezember 192t

Wochenkalender.

ig, 11. Dez. 3. Adventssonntag. Dam c-svS, ig, 12 Dez. Von der Oktav.

tag, 13. Dez. Lucia, Jgfr. u. M' Odilia, Jgfr. och, 14. Dez. Quatember. Von der Oktav. Lothar, rstog, 15. Dez. Oktav v. d. unbefl. Empfängnis. ',16.Dez Quatember. Eusebius, B. u.M. Adelheid, tag, 17. Dez. Sturmius, Abt.

Dritter MvenLrssunlaZ.

(Evang. Joh. 1, 19-28.)

a jener Zeit sandten die Juden von Jerusalem er und Leviten an Johannes ob, daß sie ihn i sollten: Wer bist du? Und er bekannte, und le cs nicht, und bekannte: Ich bin nicht Christus! le fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Und ach: Ich bin es nicht! Bist du der Prophet? Und tivortete: Nein! Da sprachen sie zu ihm: Wer 1 denn? damit wir denen, Die uns gesandt haben, >rt geben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: in die Stimme eines Rufenden in der Wüste: et den Weg des Herrn, wie der Prophet Jsaias Die Abgesandten, aber waren Pharisäer. Und igten ihn, und sprachen zu ihm: Warum taufest er, wenn du nicht Christus, noch Elias, noch der et bist? Johannes ontwertete ihnen und sprach: rufe mit Wasser: ober in eurer Mitte steht der, rr nicht kennet. Dieser ijt es, der nach mir n wird, der vor nur gewesen ist, und dessen riemcn aufzulösen, ich nicht würdig bin. Dies ist cthania gefchehen, jenseits des Jordans, wo >n cs taufte.

E-.ne bittere piße.

kann dir nicht zumuten, an die heutige Lesung mit Appetit heran, zukretcn. Oder wer nimmt gern »bittere Pillen" ein? Dem Kranken werden sie vom Arzt verschrieben und bann versteht er sich dazu, sie ganz tjinunlerzuschlucken und drückt die Viag n zu und schneidet ein saures Gesicht.

^uu der Patient eine solche Kost H f*^ ^^..^^' daß die Pillen zwar wider- no ekelhast sind jür den Gaumen, aber köstlich bekömmlich für den Plagen, sür das Wohlbe- i und die Gesundheit.

ine solche bittere Seelenpille ist die Demut.

ohanncs, der wie eine Sonne die Adventszeit ljchr, hat die e bittere Pille eingenommen. Er r schon von Stein gewesen sein, wenn ihm die müngung nicht schwer gefallen wäre; und 's Verdienst hätte er wohl gehabt von seiner it. wenn er sozusagen von selbst, ohne Opfer Anstrengung, ohne Kampf mit der Eigenliebe, gar mit Genuß und Behagen sich vor bei erniedrigt halte? Glaubt ihr nicht, daß ihm elbsiverdemütigunq manchen harten Kampf ge- und manche fühlbare Herzstöße verursacht hat?

Ja, Johannes hat sich verdemütigt. Seine über­ragende Größe suchte er nach Möglichkeit zu ver­bergen und seine Person in den Schatten zu stellen. Christus sollte auf den Leuchter gestellt, Christus auf den Thron erhoben werden.

Durch feine hohe Abkunft, durch seine Beziehung zu den ersten Familien^ durch die wunderbaren Um­stände seiner Geburt, durch seine auffallende Zu­rückgezogenheit, durch seine unerhörte Bußstrenge hatte ec eine mächtige Bewegung unter seinen Volks­genossen hervorgebracht. Einer erzählte dem andern von dem großen Wundermann da draußen in der Wüste. Und als er gar am Jordan wie ein Löwe ieine Stimme erschallen ließ und die Scharen ihre Häupter neigten unter seine Hand, um von dem Gottesmann die Taufe zu empfangen, da hatte das Staunen kein Ende, und durch ganz Palästina bahnte sich die Ueberzeugung: dieser Mann ist niemand anders als der Messias, der verheißene Erlöser, der Israel nicht bloß von der Sünde, sondern auch vom Römerjoch befreien, das auserwählte Volk zum Herrn der Wett machen und ein goldenes Zeitalter herauf­führen würde.

Ein einziges Wort erwartete man noch aus dem Mund des Täufers, ein einziges Wort sollte er noch sprechen, und man hätte ihn auf den Trinmpfwagen gesetzt, unter dem Jubel des Volkes nach Jerusalem geleitet uns auf der Burg Sion zum König aus­gerufen. Und dieses eine Wort: ich bin der Mts- sias, ich tzin der Christus Johannes hat es nicht über die Lippen gebracht, weil die Liebe zur Wahr­heit, die Liebe zu Christus und die Liebe zur De­mut es nicht gelitten hat.

Bist du der Christus? Diese Frage platzt heute mit Ungestüm aus dem Munde der Abgesandten an Johannes. Und Johannes bekannte und leugnete nicht, und Johannes bekannte: ich bin nicht der Christus. Welch feierliche Verwahrung, welch kräf­tige, engischer Zurückweisung.

Bist du Sims? Ich bin es nicht. Und doch hat der Heiland den Jüngern erklärt, daß in Jo­hannes ein zweiter Elias aufgestanden sei, zwar nicht der Elias nach der Person, aber Elias nach dem Amt, nach dem Eifer, nach der Tugend.Bist du der Prophet?" »Ich bin es nicht". Und doch hat der Heiland von Johannes gesagt, daß er größer sei als ein Prophet".

Siebst du, wie Johannes die bittere Pille ein­nimmt? Wie er die gute Meinung von ihm selbst herunterschraubt? Wie er die strahlende Ehreulrone zurückweist ? Wie er dem Uebereiser für seine Person einen kalten Wasserstrahl verabfolgt? Und noch weiter geht er in seiner Selbstverdemütigung.Wer bist du denn, daß wir unsern Auftraggebern Ant­wort geben", sprechen sie mit unverhohlener Ent­täuschung.Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste." Meine Bedeutung, will Johannes wgen, ist nur eine untergeordnete; ich bin nicht der Herr, sondern nur der Diener, nicht der König, son- dern der Gerold, nickt der Ruker. ioudern nur dellen

Stimme; ich bin nur die Trompete, der aber hinein- bläft ist ein anderer; ich bin nur das Organ, das Werkzeug eines andern, der höher steht als ich.

Menschenkind, nimm gern die bittere Pille ein, nimm sie ein besonders in der hl. Adventszeit. Hast du noch nicht gemerkt, wie peinlich dem Hochmut ein aufrichtiges Bekenntnis der Sünden und Fehler ist? Und gerade ein solches Bekenntnis sollst du während der hl. Adventszeit in der hl. Beicht ab­legen. Ob es nun um grobe Untaten sich handelt oder auch nur um schlechte Gedanken, Empfindungen, Regungen, Begierden, immer ist es dec Eigenliebe bitter und widerwärtig, die Heimlichkeiten des Herzens auszudecken, ein offenes, ungeschminktes, un­geheucheltes Geständnis abzulegen. Ist das nicht eine bittere Pille? Da wird der Hochmut von seinem Throne gestürzt und mit Füßen getreten. Gewiß würde faum jemand sich dazu verstehen, wenn nicht die bittere Notwendigkeit uns einen heilsamen Zwang auferlegte. Ist nicht jede Sünde eine Auflehnung gegen Gott und damit eine Tat vermessenen, be­wußten oder unbewußten Hochmuts? Ist es darum nicht gerecht, daß wir, um Verzeihung der Süirde zu erlangen, vor allem uns verdemütigen müssen? Das war in erster Linie die Absicht des Heilandes, als er bei Einsetzung des Bußsakramentes auch das Be­kenntnis der Sünden verlangte.Welchen ihr die Sünden Nachlasses", sprach er zu den Aposteln unb zu ihren Nachfolgern, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten." Folglich muß der Priester eine Prüfung der Sün­den, eine Prüfung des Sünderherzens anstellèn, die nur möglich ist auf Grund eines Geständnisses vonseiten des Beichtkindes.

Drum auf, christliche Seele, auf in den Tagen des Advent, auf zur Uebung der Demut, auf in die Schule des hl. Johannes, auf zu den Füßen des Priesters, auf zur hl. Beicht. Durch diesen Akt der Selbstverdemüttgung wirst du an Wert bei Gott ge­winnen und seine Gnade auf dich ziehen. Ist doch nach dem hl. Chrysostomus die Demutdas einzige Mittel, mit dem wir Eindruck machen können beim allmächtigen Gott". Der Bur^ps- .

» Advent.

Ein Stimmungsbild.

Advent! Das Wort bedeute» auf deutsch A..luns^ und die Kirche bezeichnet damit die Hoffnungs- und ahnungsreichen Tage und Wochen, welche dem Feste der Geburt des Heilandes vorangohen. 3m weiteren Sinne und als Symbol erfasste, ist diese Zeit ein Abbild der Jahrhunderte, ja Jahrtausende währenden geschichtlichen Epocho, in der die Menschheit in Sünde und Irrtum versunken, und nur bisweilen durch die mahnend« Stimme ihrer Propheten und Seher wie aus bangem Traume aufgerüttelt, der Erlösung entgegenharr», die ihr göttliche Barmherzigkeit und Gnade bereitet hat: Haß und Eigenliebe, die sich blind gegen die Leiden der anderen abickließen. Eier nach Gold und (Senufi,