.7 itmi < > I , ,?„ . nn rmmn »siTiwi snm : rrm-rr:
Ausgabe B
M
Kofiel, den 27. November 192(. 3J. )ahrg
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag u. kostet oierteljährl. Ausg./^ Z>—Mk., SZ.SOMk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 50 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. - - ------
Wochenkalenher.
ui tag, 27, Nov. 1. Adventssonntag.
mtag, 28, Nov. Vom Tage.
mstag, 29. Nov. Vrgil von Andreas, Saturmn, M.
ttwoch, 30. Nov. Andreas, Apostel, nnerstag, 1. Dez. Gedächtnis d. Weihe d. hl. Donifatius.
»lag, 2. Dez. Bibiana, M. Hcrz-Jesu-Freitag.
mstag, 3. Dez. Franz Faver, Bek.
Erster Adventssonntag.
(Ev Luk. 21, 23-33 )
In jener Zeit sprach JesuS zu seinen Jüngern: Werden Zeichen an ocr Sonne, an dem Monde und ?rnen sein, und auf Erden große Angst unter den Isern wegen des ungestümen Rauschens des Meeres d der Fluten, und die Menschen werden verschmachten : Furcht, und vor Erwartung der Dinge, die über t ganzen Erdkreis kommen werden; denn die Strafte i Himmels werden erschüttert werden. Dann werden den Menschensohn in der Woike kommen sehen mit >ßer Macht und Herrlichkeit. Wenn nun dieses on° gt zu geschehen, dann schauet aus und erhebet eure upter; denn es nahet eure Erlösung. Und er sagte icn ein Gleichnis: Betrachtet den Feigenbaum und r Bäume. Wenn sie schon zum Fruchtbringen aus- agen, so wisset ihr, daß der Sommer nahe ist, enso erkennet auch, wenn ihr dies geschehen sehet, ; das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, sag' ich euch, - Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dies xc- eht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine nie werden nicht vergehen.
Der Vannerträqer.
Tage des Advent haben sich auf. ^V1 und auf der Bühne des W:i; K'rcheniahres erscheint ein Mann, der cm ehrenvolles Banner trägt; NAâ. ", uud aus dem Banner steht die In- schrift zu lesen, die unsern Augen sfaot, der Seele aber wohüur: Buße, Ent'agnng Eser gewaltige Mann, nach dem Ausspruch des Landes „der größte unter allen, die von Weibern oren wurden", den die Kirche wie einen Lencht- m hinstellt au den Eingang des Kirchenjahres, der hl. Johannes, der Täufer.
Der Himmelskönig selber hat auf Johannes ein ge geworfen und ihn zum »Bannerträger" aus- "en. „Fürchte dich nicht, Zacharias", sprach der gcl jum Vater unseres Heiligen, „bein Gebet ist o t; deine Frau Elisabeth wird dir ein Kind nken, dem sollst du beu Namen Johannes geben; wrrst Fr^utzK Md Wontie an ihm hoben. und
viele werden über seine Geburt sich freuen; er wird groß fein vor dem Herrn; Wein und berauschende Getränke wird er nicht trinken und vom hl. Geist erfüllt werden vom Mutterschoße an". Lk. 1, 1.
Des Johannes Lebensweise sollte also die der „Nazaräer" fein. Hervorragende Männer des alten Bundes, welche die Selbstheiligung und die Hebung ihres Volkes auf ihre Fahne geschrieben hatten, hatten sich zu gewissen freiwilligen Verzichten ent- schloffen, um desto wirksamer gegen die Genußsucht auf treten- zu können, die allzeit des Teufels liebstes Schoßkind gewesen ist. Diese frommen Israeliten schlossen sich zusammen zu einem Verein, zu einer Art Orden und wurden „Nazaräer" oder „Gottgeweihte" genannt. Gott selber hat diesen Orden anerkannt, belobt unb gesegnet und ihm durch Moses den Stempel seiner eigenen Auktorität ausgedrückt. Lies im Buche „Numeri" folgende Bestimmungen: „Wenn ein Mann oder eine Frau ein Gelübde machen, sich zu heiligen und sich dem Herrn zu weihen, sollen sie sich vom Wein und von allem, was berauschen kann, enthalten. Essig von Wein und alles, was aus Trauben ausgepreßt wird, sollen sie nicht trinken und weder frische noch getrocknete Trauben genießen; was vom Weinberg sein kann von der getrockneten Schale bis zum Kern sollen sie nicht essen". (Num. 6.)
Die Richter, die Propheten, die Führer des Volkes gehörten meist diesem hochgeehrten Bund der Nazaräer an, und viele von ihnen wurden von Gott selbst oder auf Antrieb Gottes von ihren Eltern dazu bestimmt. Den Eltern des riesenstarken Samson erschien ein Engel und sprach: „Wein lind berauschendes Getränk soll euer Sohn nicht genießen und nichts Unreines essen". (Richter 13, 14 )
Anna, Samuels Mutter, tat mit tränenden Augen und zitterndem Mund folgendes Gelübde: „Herr der Heerscharen, wenn du schauest auf den Herzenskummer deiner Dienerin und ihr einen Knaben schenkst, so will ich ihn dem Herrn weihen alle Tage, und keine Schere soll über sein Haupt kommen". (1 Kö. 1, 10.) Samuel sollte also ein „Nazaräer" werden, der nicht bloß keinen Wein trinken, sondern auch das Haar nicht scheren durste. Auch der „Aeghptische Joseph" trat in die Fußtapfen der Nazaräer. Beweis dafür sind die Segensworte, die sein Vater Jakob auf dem Sterbebett über ihn sprach: „Der Allmächtige segne dich mit Segen vom Himmel oben und von der Erde unten mit Segen für Mensch und Tier; der Segen deines Vaters sei stärker als der Segen seiner Väter, biA daß kommt die Erwartung der ewigen Hügel; all diese Segnungen mögen herabsteigen auf das Hanpt des Joseph, der da ist der „Nazaräer" unter seinen Brüdern". (Gen. 49, 25.)
Zu den Nazaräern gehörte wohl auch jenes unzertrennliche, immergrüne Kleeblatt Daniel, Ananias, Azarias und Misael, denen Wein und Braten vom Hof des heidnitckeu Königs Nabuchodonofor
aufgetischt werden sollten. Unsere vier Jungmänner waren aber aus unbiegsamem Holze geschnitzt. Unter allen Umständen wollten sie ihrer abstinenten Lebensweise selbst in der Gefangenschaft treu bleiben. „Gib uns Gemüse und Wasser", sprachen sie zum Hans- meister. „Das könnte mir aber den Kopf kosten" erwiderte dieser; denn wenn der König eure Ge- sichlsr magerer sähe als die der übrigen Jünglinge, welche Königskost genießen, so wird mich der König zur Verantwortung sieben". „Probiere es nur zehn Tage", gaben sie zur Antwort. Und siehe, die Probe fiel glänzend aus, und unser Kleeblatt blieb seinen Vorsätzen unerschütterlich treu.
Als der größte Heilige des alten Bundes durfte Johannes hinter den strengsten Nazaräern nicht zurückstehen. So führte er denn von Kindstagen an ein Leben der Buße und Entsagung. Kein Tropfen Wein oder Alkohol kam je über seine L ppen. Wie ein Vöglein; das säum flügge ist, schon sein Nest verläßt und in den Wald fliegt, so verließ Johannes, saunt den Kinderschuhen entwachsen, Eltern und Heimat und begab sich als Jüngling in die benachbarte Wüste, wo er in Gebet, Betrachtung und Fasten ein strenges, hartes, abgelötetes, weltfremdes Leben führte, das aber verklärt war von der Freude in Gott und von der Erwartung seines hohen Berufes. Als endlich der Ruf an ihn erging, sagte er der Wüste Lebewohl und begab sich zum Jordan, wo er predigte und taufte. Sein Büßerleben erregte die größte Aufmerksamkeit. Von allen Feinheiten des Gaumens war und blieb Johannes ein geschworener Feind. Heuschrecken unb wilder Honig standen täglich auf seinem Speisezettel. Da brauchte es keine Küche, kein Geschirr, keine Einkäufe, keine Kochkünste. Für seine Bekleidung hatte er weder ein Tuchgeschäft noch einen Schneider nötig: das Kamel lieferte ihm eine Haut zur Bedeckung der Blöße umsonst. So mußte der Mann aussehen, so mußte er leben, um gleich einem Löwen die Botschaft zu verkünden : „Tut Butze, denn das Himmelreich ist nahe".
Dieser Ruf erfüllt mit seinem Inhalt und seiner markigen Kraft die Hallen des Advent. Diesen Rnf macht die Kirche zu ihrer Lösung für die Vorbereitung auf Weihnachlen; dieser Rnf bringe auch mit Macht zu deinen Ohren. In früheren Jahrhunderten beobachteten viele Katholiken in der Aoveniszeit ein ähnliches Fasten wie in der Fastenzeit. Eine Vorschrift hat aber die Kirche nie erlassen. Hier heisst es „Freiwillige vor!" Wie wäre es, wenn du nach dem Vorbild des hl. Johannes unb so vieler anderer Helden des alten und des neuen Bundes wenigstens eine Abstinenz im Trinken üben würdest, sei es diese ganze Adventszeit hindurch ober vielleicht jeweils am Mittwoch, Freilag und Samstag? Damit würdest du nicht bloß ein Jünger des Johannes werden, sondern auch rin Jünger seines und unseres Meisters, der da spricht: „Wer mir Nachfolge« will, fr»*: verleugne sich selbst". Der Burgpfarrer. -