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So nahe ging sie zu dem Grabsteine, dem schönen, chlaferrdcn Kinde aus Marmor, an dem Elisas Bruder astlos gearbeitet Hane, weil sie den Anblick des un- ertigen Grabes nicht ertrug — daß sie ihren Mann licht sah und wähnen tonnte, sie sei allein mit Edi.
Sieben dem Grabstein standen rechts und links je wei hohe weiße Kerzen. Morgen an Allerseelen sollen sie brennen, so plante Elisa als Sinnbild ihrer nie ndenden Mutterliebe.
Plötzlich überkam die junge Frau aber das Verlauten, die Kerzen jetzt schon anzuzünden. Warum mor« icn? Ihrs Mutterliebe war wach, heute sehnte sich hr ganzes Wenn maßlos nach der Totenfeier, heute var für sie Allerseelen Mochten morgen jene, die um hre Toten trauern, weil es so Brauch ist, den Tatentaz gehen. . . .
Sie zündete die Kerze an. „Elisa1" rief ihr Mann le leise, aber sie hörte nicht auf ihn. Nichts galt ihr eine Besorgnis seit des Kindes Tode.
?! sich mcdcr, die Hand auf dem Stein, der ihren Knaben bedeckte. Wie er wohl dort unten lag?
^r imau .' ue Was war aus der lachenden, kräftigen Schönheit des Kindes geworden! Sie hätte chreien mögen vor Dual.
In diesem Augenblick flackerte die eine Kerze auf mb ihr Schein spielte auf der Inschrift unter dem Ramen des Kindes: „Er ruht in Frieden."
„Was heißt das" — sagte sich Elisa „nichts bedcu- ct mir das — nichts!" Sie konnte nicht beten, — le wollte auch nicht deren. Was half es ihr auch, zu 'enfen, daß die S-^le des Kindes irgendwo im Jen- sits ihr unerreichbar weiterlebe. Sie wollte ihren ttnaben sehen, wie er sie anlächelte, wie er immer 'ach ihr rief, wie er heimkehrend sie im Hause suchte, reppauf, treppab. „Muiti, Mutti!" Ueber jedes Lort hinaus sehnte sie sich nach feiner Gegenwart. — Sie war st cts fc obenhin kirchengläubig gewesen. Jetzt meinte sie erfahren zu haben, daß ihr dieser Glou- cn nichts half. — Aber nun hatte ihr, durch den Schein des Lichtes, diefe Inschrift doch Leben bekom- nen. „Er ruht in Frieden." Wie eine Botschaft war hr das, in ihr« Verzweiflung von geheimnisreicher Stimme gesprochen.
Sie sah das Kind — wie es teufend um den efekn Atem rang. Jetzt war es im Frieden. Eine Entspannung färftigte ihre Bitternis. Sie fühle un- lerfehens, wie süß dieser Friede für alle Kreatur sein 'ann — wie dieser Friede des Todes ihr Kind ein* >rdnere ins All . . . in den Frieden der Ewigkeit, den Frieden Gottes.
Sie wollte aber nicht. daß ihr Schmerz zerging und wollte weinen ....
Nun aber flackerte die hochflammende Kerze neuer- längs Der Docht neigte sich und bildete zischend eine Wunde im Kerzenleibe, durch die die mächtige Kerze sich resch verblutete.
Elisa sah auf; diese Kerze sollte doch viele Stunden wahren, aber nn vertropfte sie schon, zerrann vor den ueitcsfenen Augen der jungen Frau — knisternd — mit mhumlicher Schnelligkeit.
Und sonderbar — plötzlich war sie Elisa ein Sinn- nld. So verbrennt das Leben, so zerrinnt alle Kreatur — io verzehrt sie sich bis sie eingeht in den lwig.n Frieden. So war Edi; so auch sie. Nur eine Spanne Zeit nur kurz dann war sie aufg»czehrt; auch )er Mann; das kleine Kind. Edi verbrannte rascher, ie etwas später. Wie wenig später! Dann war ihr 2e'b dahin. Sicher kam das mit jedem Atemholen roher — unentrinnbar. Oft hatte sie Aehnliches ge- acht — beute erschütterte es sie bis zum Tiefsten — »euk erlebte sie diese Wahrheit. Nur noch ganz kurz — ob ein Jahr — ob sechzig Jahre — mit der Ewig- eit verglichen — ganz kurz konnte sie an dieses Grab 'ommen — ihr Mann auch — das Kind auch.
Sonderbar — dieser Gedanke war ihr tröstlich, öste ihre so widerspenstigen Tränen. Warum sich ur diese kleine Spannr Seit so übermäßig grämen — ie bedeutet nichts, nur daß sie der Weg ist zum Frieden, ein einen ein Augenblick — dem andern zwei Singen* Ride. Nein — nichts Wesentliches ist diese Spanne eit — nur der Weg zum Fried.cn, zu Gott. Nie -alte sie das so sicher, so überzeugt gewußt, wie jetzt - da sich die Kerze, schneller als die drei anderen, vor hrem Blick verzehrte
Ein Strom von Tröstung überflutete ihre Seele — rar eine kurz - Spanne — dann erst brach der Tag an — mit dem lieben tokn Knaben — mit ihrem Manne; nit allen Weggenossen, die uns so nahe sind, weil sie lnenlr-nnbar denselben Pfad gehen müssen. Sie er- lob sich, um ihrem Mann zu sagen, was sic gewonnen, renn sie war wieder voll Liebe. In diesem Aug,n- llicke aber kam ihr kleines Bübchen angerannt. „Mutti 7 Muttilein", rief auch er, wie der tote Knabe, und fing sich an ihren Hals.
„Er hat sich plötzlich so nach Ihnen gesehnt, gnädige Frau, ich konnte ihn nicht halten, das arme Kind!" sagte hinter ihm das Mädchen, das dcn Kleinen zu bewachen hatte.
Elisa schloß das Bübchen eng in ihre Arme und hob es weinend, aber ergeben und gütig zu dem Manne auf, der neben ihr stand und an den sie sich lehnte.
Splitter
Die Zeit entflieht nur darum so schnell, weil sie fürchtet, totzeschlagen zu werden.
Den meisten Menschen fehlen zur Selbsterkenntnis 2 Dinge: das Selbst und die Erkenntnis.
Je mehr man von den Menschen weiß, desto weniger will man von ihnen wissen.
I AlMlen W in Wate, fr _____-____^
Vollkommener Ablaß. Am Allerheiligentage von mittags 12 Uhr an und am Allerseelentage können alle jene, welche nach würdigem Empfang der hl. Sakramente der Buße und des Altares die Kirche besuchen und für die armen Seelen beten, einen vollkommenen Ablaß für die armen Seelen gewinnen, und zwar können sie ihn so oft gewinnen, als sie die Kirche besuchen und da beten. Die für die Gewinnung des Ablasses oorgeschrie- bene Beicht kann schon während der letzten acht Tage vor Allerseelen abgelegt und die hl. Kommunion auch schon am Allerheiligenfeste empfangen werden.
St JßmlHa. Im nächsten religiösen Vortrage am Sonntag, den 6. November, behandelt P. Zur- Hausen, S. J., das Thema: „Die Ehe im Rahmen der Menschennatur". In einer Reihe von Vornagen w'rd r. Zurheuien, S. J., im Laufs des Jahres die Ehe, heutzutage ein wichtiges Thema, behandeln.
Kaih. Arbeilerinnenverein St Elisabeth. Die Mitglieder unseres Vereins sind eifrig daran, am Sonntag, den 6. Rov., abends 7 Uhr, im Saal von Schaubs Garten (Wolfschlucht) die Feier des 11. Stiftungsfestes durch eine Abendunterhaltung würdig zu begehen. Zur Aufführung gelangt das Lebensbild in 4 Aufzügen „Zwei Wege" von Houben. Umrahmt wird es von ernsten und heiteren musikalischen und theatralischen Darbietungen. Wir laden heute schon unsere Freunde und Gönner geziemend ein. Karten zum Einheitspreis von 3 Jt sind beim Präses und den Mitgliedern im Vorverkauf zu haben. „Gott segne die christliche Arbeit!"
kathol. Gesekenverein. Am Sonntag, den 6. November, abends 8 Uhr, findet im Saale des Gesellenhauses eine Gedenkfeier für die gefallenen Mitglieder statt, die durch die Enthüllung einer Gedenktafel besonders ausdrucksvoll gestaltet werden soll. Mitglieder und Ehrenmitglieder, besonders die Angehörigen der Gefallenen, sind freundlichst zu dieser Feier eingeladen.
St Joseph. Wie schon bekannt gegeben, begeht der katholische Männerverein Kassel-Rothenditmold die Feier feines Stiftungsfestes am heutigen Sonntag, abends von 6 Uhr an, im Saale des Vereinshauses, Wolfhager Straße Nr. 155, mit einer musikalisch-theatralischen Abendunterhaltung und an- schließendem Tanz. Es ist ein sehr schönes Pro- gramm dafür aufgestellt. Zu dieser Feier wird nochmals freundlichst eingeladen.
kathol. Aranenbund. Der kath. Frauenbund Zweigverein Kassel hatte für Sonntag den 16. Oktober alle Mitglieder und Gönner des Vereins wiederum zu einem gemütlichen Zusammensein eingeladen. Zahlreich waren die Gäste erschienen; mehr Teilnehmer konnten die freundlichen Räume des Agneshauses kaum fassen. Besonders erfreulich war das Erscheinen so vieler neuer Mitglieder. Die Schülerin Maria Schmitt leitete die nuifita* lische Unterhaltung ein durch ein vorzüglich vorgetragenes Gedicht. Besonders zu erwähnen sind dann unsere Künstlerinnen Frl. Stockdreher, Frl. Weber und Frl. Aschermann. Sie machten ihre Sache wieder ausgezeichnet. Frl. Stockdrehers tadellose Fingerfertigkeit, vereint mit tiefer Auffassung, erregten bei allen Klavierstücken größte Bewunderung. Sie hatte in liebenswürdiger WeUe auch die anderen Begleitungen übernommen und erledigte sich ihrer Aufgabe in gewandter, besonders
dankenswerter Werfe, weil sie bei dem reichen Programme unermüdlich am Klavier war. Die Violinspielerin Frl. Sistermann konnte der Frauenbund zum ersten Mal in seiner Mitte begrüßen. Ihre wunderbar zu Gehör gebrachten Vorträge erreichten namentlich in dem Ave Maria von Schubert ihren glanzvollen Höhepunkt; ganz allerliebst war auch das Menuett. Hoffentlich wird es nicht das einzige Mal bleiben, daß sie uns mit ihrem Auftreten beglückt. Frl. Weber, die uns uve< Frl. Stockdreher schon mehr ihre edle Kunst zur Verfügung stellte, entzückte mit ihrer glockenreinen Sopranstimme ylle Zuhörer; eine glücklichere Auswahl in Liedern hätte kaum getroffen werden können. Diese Genüsse wurden angenehm unterbrochen durch heitere Deklamationen von Wibbelt von Frl. Paehler, die großen Beifall fanden. Zum Schluß dankte die Vorsitzende, Frl. Neumann, allen Künstlerinnen, die den Mittag so sehr verschönt hatten für die reichen Darbietungen, welcher Dank an dieser Stelle noch ganz besonders herzlich zum Ausdruck gebracht werden möge. Alles trennte sich nur ungern, denn es war ein wohlgelungener Nachmittag, der hoffentlich dam beigetragen haben wird, daß auch alle anderen Veranstaltungen unseres Winterprogrammes immer zahlreicher b i itzt werden.
Merksätze
für die Einschulung der Kinder aus fonfeffioueu gemischten Ehen.
Das bisher geltende Recht über die konfessionelle Erziehung der Kinder aus religiös gemischten Ehen erfährt am 1. Januar 1922 eine bedeutsame Aenderung. Die Mutter wird dem Vater zwar nicht völlig gleichberechtigt; ihre Rechte aber erfahren eine große Erweiterung.
Das Reichsgesetz vom 15. Juli 1921 bestimmt:
1. Die Entscheidung über die religiöse Erziehung des Kindes hat derjenige, dem nach dem B. G.-B. die Personensorge zusteht, also der Vater, die Mutter, der Vormund, der Pfleger, der Richter.
2. Leben beide Eltern, so gilt ihr gemeinsamer Wille. Diese „Einigkeit" kann von jedem Eltern- teil und jederzeit aufgehoben werden.
3. Können sich die Eltern nicht einigen, so bestimmt der Vater, ob das Kind in dem Bekenntnis des Vaters oder der Mutter zu erziehen ist. Der Vater ist jedoch an die Zustimmung der Mutter gebunden in folgenden Fällen:
a) wenn das Kind in einem andern Bekenntnis erzogen werden soll, als beide Eltern bei Eingehung der Che gemeinsam hatten;
b) wenn das Kind in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden soll;
c) wenn das Kind vom Religions-Unterricht abgemeldet werden soll.
Stimmt die Mutter in diesen Fällen nicht zu. so kann jeder Teil den Vormundschaftsrichter anrufen. Kann dieser die Ehegatten nicht einigen, so hat er selbst zu entscheiden.
4. Ist ein Ehegatte gestorben, so hat der überlebende Teil die Entscheidung, auch dann, wenn den Kindern ein besonderer Vormund bestellt ist.
5. Die religiöse Erziehung eines Kindes, das 12 Jahre alt ist, kann gegen feinen Willen nich' mehr geändert werden.
6. Ein Kind, das 10 Jahre alt ist, muß vor allen Entscheidungen des Vormundschaftsrichters gehört werden, desgleichen feine Verwandten, Verschwägerten, seine Lehrer, der Religionslehrer.
Das Gesetz tritt am 1. Januar 1922 in Kraft. Für die Anmeldung der Schulneulinge sind seine Sätze also bereits wirksam. Dth.
Wereinskalender.
Freitag, 23 Oktober.
Ka H. Jüttglinip.verein St. Familia. Nach der Ai'.dacht Spleterptzaug beim Präses.
Samstag, 19 Oktober.
Verein kath. deutscher Lehrerinnen. BezirkSvcrein Kassel. 8 Uhr Versamm um im St. A meshaus, Frank- turtcrftr. 25. We en wiä ti er Beiprechungen Erscheinen sämtlicher Mit lieber Dringend notwendig.
Sonntag, 30. Oktober.
Kath FünglingSvereiu St. Elisabeth Nachn'.lti - 3'/a Uhr Veisammlung mit Bortrag und Unterhalt..
Noth. Jüaglingsverei» St. Joseph. EeUnalpne cua Stiftung-fett des kath Männervereins.
Kath. JUiigl ngsveretn et Marien. Sonntag abend Vcrsaniiinung. Näheres über den Verlaus der Feier vom verflossenen Sonntag. Der Präses,