Ausgabe B
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Nr. ^2
Kassel, den z6 Oktober $921.
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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 3.— Mk., B 3.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 50 Psg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. Druck und Verla, der Fuldaer Actirndruckeret.
Wochenkalender.
Mittag, 16. Oktober. 22. nach Pfingsten. ÂJuUu S, Bisch kontag, 17. Oktober. Hedwig, Witwe. ienStag, 18. Oktober. LukaS, Evangelist, tittwoch, 19. Oktober. Petrus v. Alcantara, Dek. onnerstag, 20. Oktober. Johannes Cantius, Bek Wendelin, Abt.
reitag,21. Oktober. Hilarian, Abt, Ursula ».Genossinnen, Jgfr. u. M. (Kordula, Jgfr. u. M.) amstag, 22. Oktober. Von der Mntter GotteS.
weiundzwanzigfter Sonntag nachpfingsten.
(Evangel. Maith. 22, 15—22.)
In jener Zeit gingen die Pharisäer hin und hielten at, wie sie JesuS in einer Rede fangen könnten, nd sie schickten ihre Schüler mit den Herodianern zu im und sagten: Meister, wir wissen, daß du wahrhaft st und den Weg Gottes nach der Wahrheit lehrest nd dich um niemand kümmerst; denn du siehst nicht af die Person der Menschen: sag uns nun, was einest du wohl: Ist es erlaubt, dem Kaiser Zins zu wen, oder nicht? Da aber Jesus ihre Schalkheit kannte, »rach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? eiget mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen enar hin. Da sprach Jesus zu ihnen: Wessen ist dieses ild und die Ueberschrift? Sie antworteten ihm: Des aiseis. Da sprach er zu ihnen: Gebet also dem Kaiser, aS des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.
^x. vom Heben Vieh. "^■Ä«
! man einem Fuchse Schlingen legt und einem Marder Fallen stellt, um sie darin zu fangen, so stellten die Pharisäer dem Heiland Fragen, nicht um sich zu belehren, sondern um ihn zu überlisten und Heilands allwissendes Auge durch
haute diese Tücke und mit fester Hand- zerriß er c. Wer bewundert aber nicht die Geduld nd Gelassenheit, die er bei aller Festigkeit zu be* apren verstand? Dieses göttliche Vorbild führt is heute wieder auf den Pfad der Geduld und ebe, den nur uns für den ganzen Monat Oktober »rgezeichnet haben.
Geduld sollen wir üben nicht bloß mit den Men- >en, sondern auch mit dem lieben Vieh. Oder einst du, daß dem allmächtigen Schöpfer irgend res seiner Geschöpfe gleichgiltig sei? Er hat ja ' Vögel in der Lust und die Fische im Wasser und : Ungeheuer im Meer und die Bestien in der Üste und die Tiere des Hauses erschaffen, die wie te Freunde ihre Tage in der Nähe der Menschen bringen. Die einen geben uns ihr Fleisch zur reise, andere ihre Milch zum Tranke, andere ihre oft zum Ziehen und Tragen, andere ihre Geschwin- ikert zum Fortkommen, andere ihre Laut zum
Schuhwerk, andere ihren Pelz und ihre Wolle zur Bekleidung, andere ihren Gesang zur Unterhaltung, andere ihre Possierlichkeit zur Ergötzung, andere ihre Augen und ihre Treue zur Bewachung, andere ihre Federn zum Schmuck. Alle aber, alle ohne Ausnahme siud aus der Hand deS Schöpfers hervorgegangen und sind eingeschloffen in seine liebevolle Vorsehung.
Als der Herr im gerechten Zorn daS Menschengeschlecht durch die Sündflut ertränkte, da hat er nicht blos den Noe mit seiner Familie, sondern auch eine Anzahl Tiere erhalten. „Von jeder Art Siete*, sprach der Herr zu Noe, „nimm ein Paar jnit, dazu Speise für dich und die Tiere". Und als die Elemente 150 Tage lang gehaust hatten, da gedachte der Herr in Liebe nicht bloß deS Noe, sondern auch der „Tiere, die mit ihm in der Arche waren". (Gen. 8, 1). Erinnerst du dich deS Jonas, wie er auf dem Hügel über der Stadt Ninive den Kopf hängen ließ und zu sterben wünschte, weil die schatlenspendende Kürbisstaude verdorrt war? Der Herr aber sprach zu ihm: „Du bist bekümmert wegen der Staude, die über Nacht aufgeschossen und über Na ht wieder verdorrt ist und die du nicht erschaffen hast; und ich sollte nicht Mitleid haben mit Ninive, der großen Stadt, in welcher mehr als 120000 Menschen sind, die nicht wissen, was rechts und links ist, und so viele Tiere? (Jon. 4, 11).
Der Heiland selbst hat auf die Sorge Gottes um die Tiere hingewiesen mit den Worten: „Betrachtet die Vögel des Himmels: sie säen nicht und ernten nicht, und euer himmlischer Vater ernährt sie denn- noch". Und übermal spricht er: „Kein Sperling fällt vom Dache, ohne daß der himmlische Vater es weiß".
Ich erinnere noch an verschiedene Vorschriften des alten Bundes, die bei aller anscheinenden Kleinlichkeit doch einen großen Geist atmen, den Geist Gottes, den Geist der Schonung und Liebe. „Wenn du über Feld gehst und auf einem Baume oder auf dem Boden ein Vogelnest entdeckst, wo das Muttertier über den Jungen oder über den Eiern fitzt, so hebe es nicht aus samt der Mutter; laß vielmehr die alten fliegen und die jungen magst du milnehmen" (Dt. 22,6) Diese Vorschrift bekundet eine liebevolle Sorgfalt für das Muttertier; es soll nicht umkommen und die betreffende Vogelart nicht aussterben. Auch wird dadurch besonders bei der Jugend der Rohheit vorgebeugt und die Jugend wird zum Nachdenken angeregt und zur Ehrfurcht gegen die Mutter erzogen. Vernimm eine zweite Vorschrift: „Wenn der Ochs oder der Esel deines 'Illitbruders sich verirrt hat und du findest sie, so sollst du sie nicht ihrem Schicksal überlassen, sondern ihrem Herrn zurückführen" (Dt. 22,1) Hier bemerken wir eine Rücksicht sowohl gegen den Eigentümer als auch gegen sein Vieh, das in der Irre verhungern oder aufgefressen würde. Höre eine dritte Vorschrift: „Du sollst nicht einen Ockfen nnd einen
Esel zusammenspannen zum Ackern*. (Dt. 22,10) Warum wohl nicht? Mit Rücksicht auf Meister Esel, der, obwohl schwächer, genötigt wäre, mit dem Ochsen am selben Strang zu ziehen und dieselbe Arbeit zu leisten. Beachte eine vierte Vorschrift: „Du sollst dem dreschenden Ochsen keinen Maulkorb anhängen*. Wenn er nämlich arbeitet, dann soll er auch essen dürfen. Beherzige endlich eine fünfte Vorschrift: „Hast du Haustiere? — Sorge für fiel* (Eccli. 7,24) Pflege sie also, füttere sie zur Genüge und zur rechten Zeit; sorge für ausreichenden Platz, für Luft und Reinlichkeit. Nicht bloß dein eigenstes Interesse, auch die christliche Gesinnung soll dich dazu antreiben. Denn „der Gerechte erbarmt sich auch über das Vieh; Das Herz des Gottlosen aber ist grausam*. (Spr. 12,10) Sentimentalität, übertriebene Zärtlichkeit oder gar Freundschaft mit den Tieren, wie sie manche „Damen* mit Hunden und Katzen betreiben, ist ebenso lächerlich als unchristlich. Zwischen Mensch und Tier muß immer eine Linie, eine Grenze sein, die man nicht überschreiten darf. Anderseits dürfen wir gegen Tiere nicht grausam sein, dürfen sie nie ohne Not quälen. Das wäre der Beweis einer rohen Gesinnung und für die Jugend eine schlechte Vorbedeutung. Vom Kaiser Domitian berichten die Geschichtschreiber, daß er als Knabe stundenlang auf Mücken Jagd gemacht und seine Lust daran gefunden habe, sie mit ausgesuchter Grausamkeit zu quälen. Später machte er Menschen zu Opfern seiner Grausamkeit und seines Blutdurstes. Edle Menschen waren immer gutherzig gegen die Tiere. Als der hl. Franziskus einst über Feld ging, traf er einen Bauern, der Schafe zum Metzger trieb. Die armen Tiere dauerten den gefühlvollen Ordensmann und er kaufte sie dem Bauern ab und zoq die Schafe auf.
Zeiget, ihr Bauersleute, ihr Männer und Frauen und besonders ihr Kinder, Schonung und Rücksicht gegen das liebe Vieh. Lasset nicht den Eigennutz allein sprechen. Es ist ein trauriger Anblick, wenn man einem Fuhrmann begegne^ der zu schwer geladen hat und nun mit Schlägen, mit Fluchen und Schimpfen hinter dem armen Vieh her ist. Sollte ein Stück Vieh bisweilen störrisch sein, so laß nicht gleich den Faden der Geduld rei» ßen Nick laß nicht gleich ein Donnerwetter los. Bedenke, daß du Verstand hast, dein Vieh aber nicht. Geh hin und schreibe über die Stubentür: „Habe Geduld mit den Menschen*; geh hin und schreibe über die Stalllür: „Habe Geduld mit dem Vieh?" Der Burapk^rer.
vom Rosenkranz,
Wem der Rosenkranz ein trauter Begleiter in affefl Lebenslagen ist, dem erschließt sich ein Quell wahrer Herzensbildung durch das tiefere Eingehen in Jesu Leben und Gesinnung. Dieser innerliche Verkehr mit