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für die katholischen Gemeinden Kassels
Kassel, den 9. Oktober $921
Erscheint jeden Sonntag u. kostet oierteljährl. Ausg. A 3.— Mk., B 3.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzelle oder deren Raum 50 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert» und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Acttendruckeret in Fulda sein. ®r3W Anzeigen erbitten wir uns entsprechend frütjer.
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wochenkalender.
ntag. 9. Oktober. 21. nach Pfingsten. Dionysius nd feine Genossen.
itag, 10. Oktober. Franz Borgias, Bek.
nstag, 11. Oktober. Vom Tage (Fest der Mllttèrschaft iariä).
twoch, 12. Oktober. Vom Tage (Maximilian, B. u. Mi merstag, 13. Oktober. Eduard, König.
itaa. 14. Oktober. Herz-Jesu-Freitag. Kallistus, P- M. Burkard, Bisch, u. Bek.
istag, 15. Oktober. Theresia, Jgfr.
run^zwanzigfte? Sonntag nach pMzften.
(Ev. Matth. 18, 23-35.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern s Gleichnis: Das Himmelreich tit einem Könige h, dec mit seinen Knechten Rechenschaft halten te. Als er zu rechnen an fing, brachte man ihm 1, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Da der nichts hatte, wovon er bezahlen konnte, befahl Herr, ihn und sein Weib und seine Kinder und was er hatte, zu verkaufen und zu bezahlen. Da der Knecht vor ihm nieder, bat ihn und sprah: ! Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Und Barmte sich der Herr über diesen Knecdt, ließ ihn und schenkte ihm die Schuld. Als aver dieser st hlnausgegangen war, fand er einen seiner Mitte, der ihm hundert Denare schuldig war, und er : ihn, würgte ihn und sprach: Bezahle was du big bist! Da fiel ihm sein Mitknecht zu Füßen, hn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir bezahlen Ec aber wollte nicht, sondern ging hin, ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld ,U hätte. Da nun seine Mitknechte sahen, was chen war, wurden sie sehr betrübt und sie gingen md erzählten ihrem Herrn alles, was sich zuge° n chatte. Da rief ihn sein Herr zu sich uno sprach in: Du böser Knecht! die ganze Schuld habe ich achgelassen, weil du mich gebeten hast; solltest denn auch du deines Mitknechtes dich erbarmen, wie ich mich deiner erbarmte? Und sein Herr ward 9 “J10 , ,^kwb ihn den Peinigern, bis er die ganze ld bezahlt haben würde. So wird auch mein «Uscher Vater mit euch verfahren, wenn ihr nicht eder feinem Bruder von Herzen verzeiht,
Mit günstigem Wind.
er Knecht im Evangelium hatte sich in den Kopf gesetzt, gleichsam im Handumdrehen zu seinem Geld zu kommen. Die Hundert Denare sind es aber eigentlich kaum wert gewesen, daß er
solchen Spektakel darum machte. Mit >en Fäusten packte er seinen Mitknecht, e üm und herrschte ihn an: ..Bezahle, was uldig bist". Der Mitknecht bittet um Aufschub: ' Geduld mit mir und ich will dir alles be
zahlen". Warte noch eine Woche, einen Tag; ich will meine Leistung verdoppeln, ich will jeden Pfennig zusammenraffen und dich znfriedenstellen. Was tut aber der Mctknecht? In den Kerker läßt er den Schuldner lverfen mitsamt seiner ganzen Familie.
C törichte Ungeduld! Welch schlimmen Streich spielst du diesem verblendeten Menschen. Hätte er sich noch wenige Tage geduldet, wäre er wahrscheinlich zu seinem Gelde gekommen. So aber hat er sich alle Hoffnung abgeschnitten; im Kerker kann ja der Schuldner nichts verdienen und nichts obzahlen. Und nicht bloß verliert er das Geld, sondern auch die Freiheit. Denn als sein eigner von seiner Hartherzigkeit hört, läßt er ihn ins Gefängnis werfen und darin schmachten sein Lebtag!
Siehst du, was die Ungeduld nützt? Sieh't du welch verkehrter Ratgeber sie ist? Siehst du, wie diejenigen unter die Räder kommen, die sie zum Fuhrmann haben?
Wie ganz anders ist es mit der Ged Ud! Wie ein Schiff „mit günstigem Winde" rasch vorankomml und mit stolzer Flagge bald in ben Hafen läuft, so kommt auch die Geduld voran im geistlichen Leben, erwirbt sich ein hohes Maß von Tugenden und Verdiensten, zieht Gottes und der Menschen Wohlgefallen auf sich herab. —
Lerne diese Wahrheit vom Heiland selbst. „In eurer Geduld werdet ihr eure Seelen besitzen", sprach er zu den Aposteln und zu ur" allen. (Luc. 21, 19). Wie wenn ec sagen wollte: durch die Geduld, durch Güte unb Nachsicht gegen die Mitmenschen werdet ihr Gebieter sein über den Zorn, Gebieter über die Eigenliebe, Gebieter über die Rachsucht, Gebieter über die Leidenschaften und Schwachheiten, durch Geduld werdet ihr die Seele zum Gipfel der Tugend führen, sie großer Belohnungen würdig machen und sie bewahren für die ewige Seligkeit.
Das Lob der Geduld singt auch der hl. Jakobus, wenn er schreibt: »Die Geduld ist eiu Werk der Vollkommenheit; durch sie werdet ihr vollkommen und untadelhaft, daß euch nichts mehr fehlt". (Jak. 14).
Auch die hl. Väter sind voll Bewunderung für die Würde und den Segen der Geduld. Der hl. Gregor nennt sie die Wurzel und die Wächterin aller Tugenden. Der hl. Cyprianus entwirft von dieser himmlischen Tugend folgendes schöne Gemälde: »Die Geduld empfiehlt und bewahrt uns für Gott. Sie ordnet den Zorn und zügelt die Zunge, sie lenk! den Verstand, Hütet den 'Frieden, leitet die Zucht, bricht das Ungestüm deL Leidenschaften, hält nieder den Ausbruch der Heftigkeit, löscht aus die Glut des Jähzorns, hält die Rachsucht tn Schranken, versöhnt öie Armen mit ihrem Schick al, schützt den Jungfrauen ihre glückselige Reinheit, den Witwen die mühsame Enthaltsamkeit, bewahrt den Verheirateten die gegenseitige Eintracht, macht demütig im Glück, stark im Unglück und lehrt rasche Verzeihung." Hören wir noch jenes unerreichte Muster der Saâ-
mitt, den hl Fran; b. Sales: „Die Sanftmut ist eine seltenere Tugend als die Kenschheit: auch ist sie vortrefflicher als alle übrigen Tugenden, da sie die Liebe vollendet und krönt, die nur dann in ihrer Vollkomnlenheit strahlt, wenn sie sanftmütig und wohltätig ist. Daher soll man die Sanftmut in hohen Egren halten unb sorgfältig dahin wirken, sie 511 erlangen."
Kein Wunder, daß strebsame Seelen nach Ge» legenheit suchten, die M.sisterschaft in der Geduld sich zu erwerben. So bat einst eine gottesfürchtige Matrone Den hl. Bischof Chrysostomus nm seinen Rat, welches Werk der Nächstenliebe sie üben sollte. Der Heilige, der immer für das Wohl der Armen besorgt war, riet ihr, eine arme, kranke Witwe ins Haus zu nehmen, sie um Christi willen zu verpflegen und alle daraus erwachsenden Unannehmlichkeiten mit Geduld zu ertragen. Dce Matrone ging auf diesen Vorschlag ein. Da aber diese Witwe nicht müde wurde» ihrer Wohltäterin zu danken, so war der Matrone zu ihrem größtn Leidwesen die Uebung der Geduld abgeschnitten. Liebevoll klagte sie dieses Anliegen ihrem geistlichen Führer. Ich werde euch eine andere senden, sprach er, die eure Geduld genug auf die Probe stellen soll. Und richtig, der neue Pflegling war ein altes, wunderliches, zänkisches mürrisches, undankbares Weib, das nicht bloß keine Anerkennung hatte für ihre Wohltäterin, sondern überdies noch sie mit Vorwürfen und Schmähungen überhäufte. Doch unsere tapfere Matrone ertrug all diese Beleidigungen mit nnermüdlicher, heldenmütiger Geduld und als sie einst ihrem geistlichen Vater begegnete, bedankte sie sich und sprach: jetzt habe ich gefunden, was ich gesucht habe; dieses Weib verschafft mir wirklich, was ich brauche. —
Ich glaube nicht, daß wir erst eine verdrießliche Person uns müssen verschreiben lassen oder in weiter Ferne suchen müssen, um unsere Geduld üben zu können. Wenn du nur Augen hast, so kannst du diese Blume entdecken zwischen den vier Wänden deines Hauses, blühen lassen unter dem Dache deiner Wohnung, Oder gibt es nicht Gelegenheit zur Geduld mehr als genug im Kreise deiner Familie, deiner nächsten Angehörigen, deiner Freunde, deiner Nachbarn, deiner Kollegen, deiner Mitbürger? Im Umgang mit ihnen schwebe uns das herrliche Wort des Apostels vor Augen „Einer trage des andern Last und so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen". (Gal. 6,2) Ist vielleicht dein Mann aufbrausend? anspruchsvoll? übertrieben in feinen Forderungen? Trage diesen Fehler, christliche Frau, und schweige. Ist deine Frau unpüncktlich oder wortreich oder eigensinnig und rechthaberisch? Ertrage, christlicher Mann, wie ein Held diesen Fehler und schweige. Die gegenseitige Verträglichkeit ist ein großes Stück der Nächstenliebe. Wir sind ja keine Enael, sondern Menschen mit Fleisch und Blut, mit Ecken nnd Kanten, mit Fehlern, Eigenheiten und Schwachheiten. Willst du aber eine Aurechtweisnna anbrinoe» bantti